Verschmutzung, Klima, Ernährung


"Die Gesundheit der Bevölkerung ist vorrangig" (Bundesrat, BAG)

Weshalb lassen Bundesrat, BAG und Kantone es zu, dass die Verschmutzungsgrenzwerte überschritten werden?

Weshalb wird die Gesundheit bei Covid-19-Massnahmen derart laut thematisiert, andernorts aber kaum?

Zum Beispiel:

Pestizidrückstände im Trinkwasser

Chlorothalonil des Basler Agrochemie-Konzerns "Syngenta" bzw. deren Abbauprodukte sind beide wahrscheinlich krebserregend.

Weshalb tolerierten das Bundesamt für Gesundheit BAG, das Bundesamt für Landwirtschaft BLW und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV den Einsatz dieses giftigen Wirkstoffs seit den 1970er Jahren? Wie arbeiten diese Ämter?

Bericht SRF

Bericht des Bundesamtes für Umwelt

Brunnenvergiftung 2020 - aus infosperber


Problemstoff Beton

Beton ist in verschiedener Hinsicht ein Problemstoff und trägt hauptsächlich in Städten mit zur Hitzeentwicklung im Sommer bei.


Stadtentgrünung (am Beispiel Hamburg)

Die Stadtentgrünung hat Folgen.


Jährlich mehr und grössere Fahrzeuge mit steigender Verschmutzung, Abfall, Feinstaub aus Abgasen / Pneuabrieb / Asphaltabrieb

Mobilität und Verkehr (Bundesamt für Statistik)

Mikroplastikpartikel durch Autoreifen (Auto Motor und Sport)

Autoreifen-Nanopartikel (Emission Analytics)

Reifenabrieb (Fraunhofer Studie, Zusammenfassung)


Landwirtschaft produziert Umweltprobleme

Gleichnamiger Bericht von Pro Natura im "Schweizer Bauer"


Tabakbedingte Todesfälle

Bericht des Bundesamtes für Statistik


Menschen im Strahlenmeer

Bericht Mobilfunk und Strahlung des UVEK

Link zu 5G auf dieser Website


"Gift auf unserern Tellern"

Einmal mehr steht der Basler Agrochemie-Konzern "Syngenta" in den Schlagzeilen.

Recherche von Public Eye


EU-Exportschlager Gift: Syngenta ist Nummer Eins

"Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta ist Exportkönig von Pestiziden, die in der Schweiz und Europa verboten sind."

aus infosperber

Verbotene Pestizide: Die giftige Doppelmoral der Europäischen Union

"Die jüngste Datenrecherche von Public Eye und Unearthed deckt auf, in welchen Massen die Europäische Union Pestizide exportiert, die auf ihrem eigenen Boden verboten sind. Ein heuchlerisches Rechtssystem erlaubt es den Agrochemiekonzernen, Länder mit schwächeren Pestizidvorschriften im grossen Stil mit Substanzen zu beliefern, die in der EU-Landwirtschaft aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Syngenta mit Sitz in Basel ist die Nummer Eins in diesem Geschäft."

aus Public Eye

Lonza findet hochgiftiges Benzidin – und sagt es niemandem

"Seit 2008 wusste Lonza, dass Benzidin aus ihrer Deponie Gamsenried ausläuft. Der Pharmakonzern hielt die Analyseergebnisse zurück."

aus infosperber

Deponie Gamsenried: Lonza-Schadstoffe laufen noch immer aus

"Lonza und die kantonale Dienststelle für Umwelt verschwiegen, dass die Lonza-Deponie das Grundwasser der Region Visp verschmutzte."

aus infosperber


Syngenta-Pestizid spielt grössere Rolle bei Vergiftungswelle

"Das Ausmass der Vergiftungsfälle mit dem Pestizid «Polo» von Syngenta in der indischen Region Yavatmal ist grösser als angenommen."

aus infosperber


Schweiz: Pestizide sind überall – auch in Bio-Betrieben

Tobias Tscherrig / 13. Nov 2020 - Greenpeace stellte bei Analysen auf Bio-Höfen zahlreiche Pestizid-Rückstände fest. Grund dafür ist die Verfrachtung durch die Luft.

Seit langem gibt es Hinweise darauf, dass sich umwelt- und gesundheitsschädliche Ackergifte auch über grössere Entfernungen hinweg vom ursprünglichen Einsatzort verbreiten. Pestizide legen auf dem Luftweg kilometerlange Strecken zurück, ihre Rückstände sind überall zu finden – so zum Beispiel auch in Naturreservaten oder in eigentlich biologisch geführten Landwirtschaftsbetrieben. Also auch dort, wo sie definitiv nichts zu suchen haben.

aus infosperber


Chlorothalonil wird nicht mehr akzeptiert

aus infosperber


Stellungnahme zum krebserregenden Unkrautvernichtungsmittel GLYPHOSAT durch das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

zum Bericht


Weitere Quellen

BIOSUISSE

pro natura


Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Vortrag von Gottfried Glöckler.

In der ersten Hälfte des Vortrags beschäftigt er sich in der Tiefe mit Pestiziden, u.a. Roundup bzw. Glyphosat, dem Zulassungsprozedere und den Zulassungsmanipulationen. Im zweiten Teil nimmt er sich der Genmanipulation von Nahrungsmitteln und deren Folgen an.

Zum Video


Die EU exportiert mehrere Tausend Tonnen «Bienenkiller», die auf ihrem Boden verboten sind

"Trotz wachsendem Protest aus Wissenschaft und Bevölkerung halten die Agrochemiekonzerne am Geschäft mit bienenschädlichen Pestiziden fest und lassen jede Kritik an sich abperlen. Gleichzeitig schauen Regierungen tatenlos zu. Innerhalb von lediglich vier Monaten wurden aus der EU rund 3900 Tonnen Insektizide auf Basis von Neonicotinoiden exportiert, obwohl diese in der Gemeinschaft selbst verboten sind. Der Basler Konzern Syngenta ist in diesem Geschäft mit Abstand die Nummer eins."

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Europas Gift in alle Welt

Neonicotinoide sind in der EU und in der Schweiz verboten. Die Pestizid-Produzenten hindert das nicht, sie auswärts zu verkaufen.

Seit 2013 ist die Verwendung der Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiametoxam in der EU eingeschränkt. Seit 2018 ist ihre Anwendung in der EU und in der Schweiz im Freiland verboten, weil sie Bestäuberinsekten schaden. Dennoch verkaufen sich die in Europa produzierten Gifte bestens. Die EU-Staaten und Grossbritannien exportierten 2020 in nur vier Monaten 3800 Tonnen davon in alle Welt, fand eine Recherche von «Public Eye» und «Unearthed», dem Investigativteam von Greenpeace Grossbriannien.

Grösster Abnehmer: Brasilien

Die verbotenen Neonicotinoide erfreuten sich vor allem in Ländern mit mittlerem und geringerem Einkommen grosser Beliebtheit. Allein die Hälfte der Neonicotinoid-Exporte ging nach Brasilien. Es folgen Russland, Ukraine, Argentinien, Iran, Südafrika, Singapur, Indonesien, Ghana und Mali. Länder, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird und die deshalb eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der globalen Biodiversität spielen.

Diese Daten stammen aus Unterlagen der EU-Behörden, die die beiden Organisationen über Öffentlichkeitsgesetze erlangt haben. Seit September 2020 müssen Unternehmen, die Neonicotinoide exportieren, ihre Exporte bei der EU bekanntmachen. Vom 1.September bis zum 31. Dezember 2020 wurden demnach in nur vier Monaten 3900 Tonnen Neonicotiniode für den Export angemeldet. Dafür stellte die EU 299 Genehmigungen aus.

Drei Viertel der Exporte stammen von Syngenta

Eine Menge, die laut Carla Hoinkes von «Public Eye» ausreicht, um Frankreichs Agrarflächen komplett zu spritzen. Der bedeutenste Hersteller dieser in Europa verbotenen «Neonics» war das Schweizer Unternehmen Syngenta mit 3426 Tonnen Insektiziden, die laut «Public Eye» 551 Tonnen Thiametoxam enthielten, gefolgt von Bayer mit 137,5 Tonnen Imidacloprid- und Clothianidinprodukten und der BASF mit 95,5 Tonnen eines Clothainidin-Mittels.

Produziert wurde unter anderem in Belgien, Frankreich und Grossbritannien – Ländern, die es als erwiesen ansehen, dass Neonicotinoide Bestäuber töten und die deren Nutzung erst eingeschränkt und dann weitgehend verboten haben. [...]

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Zahl der Umweltchemikalien wird unbeherrschbar

"Die Menge künstlicher Chemikalien erreicht ein Ausmass, das die Erde langfristig unbewohnbar machen könnte, warnen Wissenschaftler.

Das grösste Problem ist Plastik, zusammen mit hunderttausenden zugelassenen künstlichen Chemikalien wie Pestiziden, Antibiotika, Hilfs- und Werkstoffen. Ohne Chemikalien wäre die Menschheit nicht da, wo sie ist, in jeder Hinsicht.

Ausweichen kann man ihnen nirgendwo mehr, nicht einmal in der Tiefsee. Es sind zu viele und sie sind überall, schliesst ein Forscherteam, das eine Studie zu künstlichen Substanzen in «Environmental Science and Technology» veröffentlicht hat. Zahl und Menge künstlicher Substanzen sind für die Menschheit unbeherrschbar geworden. [...] Oder mit anderen Worten: Die Belastung der Erde mit Umweltchemikalien könnte die Menschheit auslöschen."

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Die Schweiz – Putins Kohlekraftwerk

"Obwohl die Schweiz ihr letztes Kohlebergwerk vor 75 Jahren geschlossen hat, erlebt die Branche eine Renaissance. Der Finanzplatz Zug hat sich darauf spezialisiert, die grossen russischen Bergbaukonzerne willkommen zu heissen, die jährlich über 225 Mio. Tonnen Kohle auf die Waage bringen – 3,5 Mal mehr als das viktorianische Grossbritannien, das auf dem Russ der industriellen Revolution aufgebaut wurde. Nach der Invasion der Ukraine und der Verhängung des Embargos für russische Kohle bis Ende August steht das helvetische «Kohledreieck», in dem 75% der russischen Exporte gehandelt werden, zum ersten Mal im Rampenlicht. Die Schweizer Behörden, die für die Durchsetzung der Sanktionen zuständig sind, scheinen bereits überfordert zu sein."

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Insektenkiller - Arte Doku

"Mit seinen Nahaufnahmen von Insekten wirkt dieser Film wie eine Ode an die Schönheit der Natur, doch gleichzeitig prangert er deren Bedrohung durch den massiven Einsatz von Neonikotinoiden an, sogenannten "systemischen" Insektiziden, die sich in allen Pflanzenzellen ausbreiten. Untersuchungen belegen, dass Chemikalien dieser Art auch die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen.

Vor 30 Jahren musste ein Autofahrer etwa alle zwei Stunden einen Halt einlegen, um die Windschutzscheibe von Insekten zu reinigen. Heute kann er ganz Europa durchqueren, ohne auch nur ein einziges Mal vom Scheibenwischer Gebrauch zu machen, denn seit den 1990er Jahren ist die Gesamtbiomasse der Insekten um 75 Prozent zurückgegangen. Schuld daran ist der massive Einsatz von Neonikotinoiden, sogenannten "systemischen" Insektiziden, die sich in allen Pflanzenzellen ausbreiten. Sie sehen aus wie bunte Bonbons und scheinen völlig harmlos, doch sie haben eine stark toxische Wirkung. Weil immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen vor den katastrophalen Folgen dieser Nervengifte warnen, setzen die Multis alles daran, den Kausalzusammenhang zwischen ihren Produkten und dem Insektentod zu vertuschen. Sie finanzieren unseriöse Studien, üben Druck auf Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen aus, betreiben intensive Lobbyarbeit bei den Regulierungsbehörden und versuchen mit allen Mitteln, Einschränkungen und Verbote zu verhindern oder zu umgehen. Unterdessen schreitet das Insektensterben mit nie dagewesenem Tempo voran. Weil Insekten aber eine zentrale Rolle als Bestäuber und Teil der Nahrungsketten spielen, zieht die radikale Dezimierung alle Ökosysteme in Mitleidenschaft: Fischen und Vögeln geht das Futter aus, so dass sie ebenfalls immer weniger werden. Zudem belegen jüngere Studien, dass die Chemikalien auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen."

Link auf arte

Falls der Link auf arte nicht funktioniert, kann das Video hier geschaut werden


Große Mehrheit der Amerikaner hat Unkrautvernichter Glyphosat im Urin

Ein weit verbreitetes, aber umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel, das mit Krebs in Verbindung gebracht wird, taucht in Menschen auf. In einer Regierungsstudie wurde Glyphosat in mehr als 80 % der Urinproben von Kindern und Erwachsenen in den USA nachgewiesen.

Im Rahmen eines Programms der Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (Centers for Disease Control and Prevention) fand die National Health and Nutrition Examination Survey Glyphosat in 1.885 von 2.310 Urinproben, die für die Gesamtbevölkerung repräsentativ waren. Fast ein Drittel der Proben stammte von Kindern im Alter von sechs bis 18 Jahren.

"Glyphosat ist das am weitesten verbreitete Herbizid in den USA, doch bis jetzt hatten wir nur sehr wenige Daten über die Exposition", sagte Alexis Temkin, Toxikologe bei der Environmental Working Group, am Montag in einer Erklärung. "Kinder in den USA sind diesem krebserregenden Unkrautvernichter regelmäßig über die Nahrung ausgesetzt, die sie fast täglich zu sich nehmen."

Die unkrautvernichtende Chemikalie ist der Wirkstoff in der weit verbreiteten Marke Roundup, die der deutsche Pharmakonzern Bayer übernommen hat, als er 2018 den amerikanischen Agrochemie-Riesen Monsanto kaufte.

Der Oberste Gerichtshof hat letzten Monat einen Antrag von Bayer abgelehnt, Tausende von Klagen abzuweisen, in denen behauptet wird, der Unkrautvernichter verursache Krebs. Die Richter des Obersten Gerichtshofs ließen ein Urteil in Höhe von 25 Millionen Dollar im Namen eines Mannes aus Kalifornien gelten, der behauptet, er habe ein Non-Hodgkin-Lymphom entwickelt, weil er jahrzehntelang Roundup auf seinem Grundstück verwendet habe.

Die Environmental Protection Agency (EPA) hatte im Jahr 2020 festgestellt, dass Glyphosat kein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellt und es "nicht wahrscheinlich" ist, dass es beim Menschen Krebs verursacht, doch ein Bundesberufungsgericht ordnete letzten Monat an, dass die EPA ihre Ergebnisse erneut überprüfen muss.

Dennoch hat Bayer vier aufeinanderfolgende Gerichtsverfahren gegen Personen gewonnen, die behaupten, durch den Einsatz von Roundup Krebs bekommen zu haben, wobei kürzlich in Oregon ein Urteil zugunsten des Unternehmens erging.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung - Teil der Weltgesundheitsorganisation - stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" ein.

Bayer behauptet, das Produkt sei sicher. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die CDC-Studie bestätige erneut, dass die Exposition des Menschen gegenüber Glyphosat gering sei.

"Die Daten der CDC sind eine weitere Bestätigung dafür, dass die Exposition des Menschen gegenüber Glyphosat weit unter den Werten liegt, die von den Aufsichtsbehörden zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegt wurden", sagte Darren Wallis in einer per E-Mail übermittelten Erklärung. "Der höchste von der CDC gemeldete Wert (8,13 ng Glyphosat/ml Urin) entspricht einer Exposition, die weniger als 0,14 % des Sicherheitsschwellenwerts der US-Umweltschutzbehörde (EPA) ausmacht."

Bayer kündigte an, Glyphosat in Roundup für den privaten Gebrauch ab 2023 zu ersetzen. Produkte, die Glyphosat enthalten, werden weiterhin für den professionellen und landwirtschaftlichen Gebrauch erhältlich sein.

Spuren von Glyphosat wurden in einer Reihe von Lebensmitteln, einschließlich Babynahrung, sowie in Bio-Bier und -Wein und in Hummus und Kichererbsen gefunden.

Zum englischen Bericht auf MSN

Auf der deutschen Website von Friends of the Earth (die Sprache lässt sich oben rechts auf jener Website umschalten) gibt es einige weitere Berichte über Glyphosat


PFAS: Durchbruch bei der Zerstörung von ewigen Chemikalien

PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Gesundheitsgefahr und quasi ewig haltbar. Sie zu zerstören, galt bisher als schwierig, meist werden sie bei hohen Temperaturen verbrannt. Ein Team aus Forschenden der Northwestern University in Illinois, USA, hat nun eine einfache Methode gefunden, um sie in ungefährliche Bestandteile zu zerlegen.

Das Verfahren, das mit den gebräuchlichen Chemikalien Natriumhydroxid und dem Lösungsmittel Dimethylsulfoxid (DMSO) arbeitet, greift den Teil des Moleküls an, der nicht fluoriert ist. Der Rest wird dadurch instabil und zerfällt in kleine Teile, die relativ unschädlich sind.

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Die Monokultur-Mafia

Ein Molekularbiologe wurde Opfer einer weltweiten Diffamierungskampagne, nachdem er die katastrophale Wirkung des Monsanto-Pestizids "Roundup" nachwies.

Das globale System der industrialisierten Landwirtschaft ist ein Desaster. Profiteure sind die multinationalen Konzerne und die hinter ihnen stehenden Kreise. Für alle anderen, für die Bauern, für die sich ernährenden Menschen, für das Ökosystem, ist dieses System eine Katastrophe. Man kann die Frage stellen, weshalb nicht schon längst eine dezentrale bäuerliche und biologische Landwirtschaft auf der ganzen Fläche verwirklicht wurde. Um das zu verstehen, muss man sich von der Überzeugung verabschieden, dass die gesellschaftlichen Einrichtungen — die Politik mit Legislative und Exekutive, die Jurisdiktion, Zulassungs- und andere Behörden, die Wissenschaft und nicht zuletzt die Medien — dem Gemeinwohl dienen.

Noch immer sind die Mechanismen und Netzwerke der Macht weitgehend verborgen, und es erscheint kaum fassbar, wie zum Beispiel im Rahmen der Coronakrise in den meisten Ländern der Erde einschneidende Eingriffe in Grundrechte gleichsam im Gleichschritt vorgenommen wurden und werden. Ein soeben erschienenes Buch gibt tiefe Einblicke hinter die Kulissen und ermöglicht es zu verstehen, wie diese destruktiven Prozesse im Detail vonstattengehen.

Nur wenige Menschen dürften den Machenschaften der global agierenden Netzwerke so intensiv und über einen so langen Zeitraum ausgesetzt gewesen sein wie der französische Molekularbiologe Professor Gilles-Éric Seralini. Selbst ein Mordanschlag, der ihn auf die Intensivstation brachte, gehört zum Repertoire seiner unfreiwilligen Erfahrungen. In seinem soeben in deutscher Sprache erschienenen Buch "Die Affäre um die Monsanto Papers" (1), das er zusammen mit Jérôme Douzelet verfasst hat, gibt er umfassende Einsicht in diese Machenschaften, die den Interessen nur weniger dienen. Die beteiligten Personen und Institutionen, die zum Teil über Jahrzehnte aktiv waren und sind, werden beim Namen genannt.

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Ein Blick auf eine andere globale Erwärmung vor ca. 250 Mio. Jahren:

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachte einst ein Massenaussterben - jetzt riskieren wir ein weiteres

zum englischen Originalartikel auf The Guardian

Die Küstenlinie von Devon zeigt, dass sich die Erde nach dem letzten Aussterbeereignis bis zu fünf Millionen Jahre lang in einem nahezu leblosen Zustand befand

Budleigh Salterton an der Südküste von Devon liegt oberhalb der furchterregendsten Klippen der Welt. Sie sind nicht besonders hoch. Auch wenn man nicht unter ihnen stehen möchte, sind sie nicht besonders einsturzgefährdet. Das Grauen nimmt eine andere Form an. Er ist in der Geschichte enthalten, die sie erzählen. Denn sie halten den Moment fest, in dem das Leben auf der Erde beinahe zu Ende gegangen wäre.

Die in diesen Felsen erhaltenen Sedimente wurden in der frühen Trias abgelagert, kurz nach dem größten Massenaussterben in der Geschichte des vielzelligen Lebens, das vor 252 Mio. Jahren die Permzeit beendete. Etwa 90 % der Arten starben aus, und Fische und vierfüßige Tiere wurden zwischen 30 Grad nördlich und 40 Grad südlich des Äquators mehr oder weniger ausgerottet.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich die biologische Vielfalt (wenn auch nicht die Artenvielfalt) nach einem Massenaussterben in der Regel innerhalb weniger hunderttausend Jahre erholt, während unser Planet in den folgenden 5 Millionen Jahren in diesem nahezu leblosen Zustand verharrte. Wenn man diese Klippen untersucht, sieht man den Abgrund, an dem wir stehen.

Die unterste Schicht am westlichen Ende des Strandes ist ein Bett aus abgerundeten Kieselsteinen. Dabei handelt es sich um Steine, die von Sturzfluten von triassischen Bergen gewaschen und von temporären Flüssen in großen Halden abgelagert wurden. Da die Wälder und Savannen, die die Berge hätten bedecken können, abgestorben waren, gab es nichts, was den Boden und den Untergrund zusammenhielt, so dass die Erosion wahrscheinlich stark beschleunigt wurde.

Oben auf dem Kieselsteinbett befindet sich eine steinige Wüstenoberfläche. Die Kieselsteine wurden vom Wind in scharfe Winkel geformt und mit glänzenden Oxiden überzogen, was darauf schließen lässt, dass die Oberfläche lange Zeit unverändert war. Darüber erheben sich rote Sanddünen aus der Trias. Durch Erosion wurden diese weichen Ablagerungen zu Vertiefungen geformt, die unheimlich an mit Reißzähnen versehene und schreiende Totenköpfe erinnern.

Wir wissen heute, dass es zwei große Aussterbephasen gab. Der erste, der vor 252,1 Millionen Jahren begann, betraf hauptsächlich das Leben an Land. Er fiel mit einer Reihe massiver Vulkanausbrüche in der Region zusammen, die heute als Sibirische Falle bekannt ist. Die zweite, verheerendere Phase begann etwa 200.000 Jahre später. Sie führte zum fast vollständigen Aussterben des Lebens auf dem Land und löschte auch die meisten Arten im Meer aus.

Budleigh Salterton
Die Klippen bei Budleigh Salterton, Devon. Foto: Joana Kruse/Alamy

Auch wenn wir uns noch nicht sicher sind, könnte die erste Phase durch sauren Regen, Ozonabbau und Metallverschmutzung durch vulkanische Chemikalien ausgelöst worden sein. Mit der Vernichtung der Regenwälder und anderer Ökosysteme wurden weitere giftige Verbindungen aus den freiliegenden Böden und Gesteinen freigesetzt, wodurch ein eskalierender Kreislauf des Zusammenbruchs entstand.

Die zweite Phase scheint durch die globale Erwärmung ausgelöst worden zu sein. Vor 251,9 Millionen Jahren hatte sich so viel verfestigtes Gestein an der Oberfläche der Sibirischen Falle angesammelt, dass die Lava nicht mehr entweichen konnte. Stattdessen war sie gezwungen, sich unterirdisch entlang horizontaler Klüfte in Gesteinen auszubreiten, die reich an Kohle und anderen Kohlenwasserstoffen waren. Die Hitze des Magmas (der unterirdischen Lava) kochte die Kohlenwasserstoffe und setzte große Mengen an Kohlendioxid und Methan frei. Mit anderen Worten: Obwohl es keine Menschen auf dem Planeten gab, scheint diese Katastrophe durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht worden zu sein.

Man geht davon aus, dass die Temperaturen um 8 bis 10°C angestiegen sind, obwohl ein Großteil der zweiten Phase des Aussterbens durch einen anfänglichen Anstieg von 3 bis 5°C verursacht worden sein könnte. Das zusätzliche Kohlendioxid löste sich auch in den Ozeanen, wodurch deren Säuregehalt so weit anstieg, dass viele Arten nicht mehr überleben konnten. Der Temperaturanstieg scheint die Meeresströmungen zum Stillstand gebracht zu haben, und zwar durch denselben Mechanismus, der jetzt die meridionale Umwälzbewegung des Atlantiks bedroht, die den Golfstrom antreibt. Als die Waldbrände auf dem gesamten Planeten wüteten und die Vegetation verbrannten, die die Oberfläche schützte, gelangten Asche und Erde ins Meer, was die Eutrophierung (einen Überschuss an Nährstoffen) auslöste. In Verbindung mit den hohen Temperaturen und der zum Stillstand gekommenen Zirkulation führte dies dazu, dass die verbliebenen Lebensformen keinen Sauerstoff mehr erhielten.

Eine im September als Preprint veröffentlichte Arbeit könnte erklären, warum die Erholung so lange dauerte. Da so viele der reichhaltigen Ökosysteme der Welt durch Wüsten ersetzt worden waren, hatten die Pflanzen Mühe, sich wieder zu etablieren. Ihr Gesamtgewicht auf der Erde ging um etwa zwei Drittel zurück. In diesen 5 Millionen Jahren bildeten sich keine Kohlevorkommen, da die Pflanzenproduktion nicht ausreichte, um Torfmoore zu bilden. Mit anderen Worten: Die natürlichen Prozesse, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen und in Holz und Boden umwandeln oder als fossilen Kohlenstoff vergraben, kamen zum Stillstand. 5 Jahre lang war die Welt in diesem Treibhauszustand gefangen. An den Klippen am östlichen Ende der Bucht kann man sehen, wann sich die Bedingungen endlich zu ändern begannen, denn die versteinerten Wurzeln der Halbwüstenpflanzen winden sich durch die alten Sanddünen.

Die Geschichte, die die Klippen erzählen, handelt von planetarischen Kipppunkten: Erdsysteme überschritten ihre kritischen Schwellenwerte, über die hinaus sie in einen neuen Gleichgewichtszustand kollabierten, der nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden konnte. Es war eine Welt, die fast allen großen Lebensformen feindlich gesinnt war: Die Ungeheuer des Perm wurden fast überall durch eine Zwergfauna ersetzt.

Könnte es wieder passieren? Zwei parallele und widersprüchliche Prozesse sind im Gange. Auf den Klimagipfeln gehen die Regierungen schwache freiwillige Verpflichtungen ein, um die Produktion von Treibhausgasen zu begrenzen. Gleichzeitig will fast jeder Staat mit bedeutenden fossilen Reserven - auch das Vereinigte Königreich - so viel wie möglich abbauen. Ein Bericht von Carbon Tracker zeigt, dass die Verbrennung aller weltweiten Reserven an fossilen Rohstoffen das von den Regierungen vereinbarte Kohlenstoffbudget um das Siebenfache übersteigen würde. Zwar ist in diesen Reserven weniger Kohlenstoff enthalten als während des Aussterbens der Perm-Trias, doch könnte die Freisetzung aufgrund des komprimierten Zeitrahmens für das Leben auf der Erde genauso tödlich sein. Der Anstieg des atmosphärischen CO2 am Ende des Perms dauerte etwa 75.000 Jahre, aber viele unserer fossilen Brennstoffreserven könnten in wenigen Jahrzehnten verbraucht sein. Schon jetzt scheinen wir uns einer Reihe von möglichen Kipppunkten zu nähern, von denen einige einen kaskadenartigen Zusammenbruch auslösen könnten.

Alles hängt nun davon ab, welcher Prozess sich durchsetzt: die manchmal gut gemeinten, aber immer schwachen Versuche, die Verbrennung von fossilem Kohlenstoff einzuschränken, oder die rücksichtslose Entschlossenheit - oft von Seiten derselben Regierungen -, so viel wie möglich davon abzubauen (und damit zu verbrennen) und den Profiten der alten Industrien Vorrang vor dem Leben auf der Erde zu geben. Auf dem Klimagipfel, der diesen Monat in Ägypten stattfindet, einem Land, in dem Proteste verboten sind und die Interessen des Volkes jederzeit den Interessen der Macht untergeordnet werden müssen, werden wir sehen, wie nah am Abgrund die Regierungen der Welt uns zu bringen gedenken.


11.11.2022 COP27: Imperialistische Mächte geben Klimazusagen auf dem COP 27-Gipfel auf

Englischer Originalartikel auf wsws.org

Fast hundert Staatsoberhäupter und 45.000 Delegierte aus 200 Ländern nehmen an der 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 27) teil, die Anfang dieser Woche in Sharm el-Sheikh, Ägypten, begann. Es handelt sich um eine der größten internationalen Tagungen der letzten Zeit.

Doch anders als bei früheren Klimagipfeln versuchen die Teilnehmer kaum, den Eindruck zu erwecken, dass sie etwas gegen die Klimakatastrophe unternehmen. Die angereisten Chefs der imperialistischen Regierungen lasen ein paar hohle Phrasen über Umweltschutz vom Teleprompter ab und verschwanden dann in den Hinterzimmern, um ihre Beteiligung an den Konflikten mit Russland und China und Pläne zur Beherrschung der ehemaligen Kolonialländer zu planen.

Der Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland in der Ukraine und die Vorbereitung einer militärischen Konfrontation mit China haben eine neue Neuaufteilung der Welt zwischen den imperialistischen Mächten eingeleitet, die auf allen Kontinenten, einschließlich der Polarregionen, und mit allen verfügbaren wirtschaftlichen, politischen und militärischen Mitteln ausgetragen wird. Der "Klimaschutz" wird in den Dienst dieser imperialistischen Machenschaften gestellt - und in sein Gegenteil verkehrt.

Der ägyptische Diktator Abdel Fatah al-Sisi sorgt als Gastgeber der Konferenz für den ungestörten Ablauf der imperialistischen Ränkespiele. Der luxuriöse Touristenort Sharm el-Sheikh an der Spitze der Sinai-Halbinsel ist außer mit dem Flugzeug kaum zu erreichen. Er wird von einer Armee schwer bewaffneter Soldaten bewacht, die jeden Protest unterdrücken. Für Umweltaktivisten, die es dennoch bis zum Konferenzort geschafft haben, wurde eine spezielle Zone eingerichtet, in der sie fernab der Öffentlichkeit und unter den wachsamen Augen der Sicherheitskräfte protestieren können.

Al-Sisi, der 2013 durch einen blutigen Staatsstreich an die Macht kam, regiert Ägypten mit eiserner Faust. Er lässt weder eine ernsthafte politische Opposition noch Meinungs- und Pressefreiheit zu. 60 000 politische Gefangene sind in den Gefängnissen seines Regimes eingesperrt, viele von ihnen in der Todeszelle. Folter und außergerichtliche Tötungen sind an der Tagesordnung. Unmittelbar vor Beginn der Konferenz wurden in mehreren ägyptischen Städten etwa 150 Personen aus politischen Gründen verhaftet.

Doch während die imperialistischen Mächte nicht müde werden, sich gegenüber China oder anderen Rivalen auf die "Menschenrechte" zu berufen, haben sie in Ägypten auf diesen Grundsatz verzichtet. Immerhin ist al-Sisi einer ihrer wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten.

"Auf dem Weg in die Klimahölle"

In einem seltenen Anflug von Ehrlichkeit eröffnete UN-Generalsekretär António Guterres die Klimakonferenz mit der Warnung, die Welt befinde sich "auf dem Highway zur Klimahölle - mit dem Fuß auf dem Gaspedal". Dies war keine verbale Übertreibung, sondern eine nüchterne Feststellung der Tatsachen.

Alle verfügbaren wissenschaftlichen Daten zeigen, dass die Treibhausgasemissionen - die Hauptursache für die globale Erwärmung - 30 Jahre nach der ersten Weltklimakonferenz in Rio de Janeiro weiter ansteigen. Zwischen 1850 und 1960 stieg die CO2-Konzentration in der Atmosphäre linear von 285 auf 320 Prozent pro Million, und seitdem ist sie exponentiell auf 418 Prozent angestiegen. Die Kurve zeigt weiter nach oben.

Das auf der Weltklimakonferenz 2015 in Paris festgelegte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ist längst aufgegeben worden. Die UNFCCC hat errechnet, dass die Emissionen bis 2030 um weitere 10,6 Prozent steigen werden, selbst wenn sich alle Länder an die von ihnen vorgelegten nationalen Reduktionspläne (NDCs) halten. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, wäre jedoch eine Emissionsreduktion von 43 Prozent notwendig. Die derzeitigen Pläne begrenzen die globale Erwärmung laut UNFCC bestenfalls auf 2,5 Grad bis 2100. Bislang haben nur 26 von fast 200 Ländern überhaupt NDCs vorgelegt.

Die sich anbahnende Katastrophe ist bereits sichtbar. Obwohl sich die Erde seit Ende des 19. Jahrhunderts nur um 1,15 Grad erwärmt hat, zerstören extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Wirbelstürme die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen. Der Anstieg des Meeresspiegels infolge des Abschmelzens der Gletscher und Polkappen wird zu noch größeren Katastrophen führen.

Die Überschwemmungen in Pakistan, bei denen in diesem Sommer 1.700 Menschen starben, mehr als 12.000 verletzt wurden und mindestens 33 Millionen Menschen vertrieben wurden, geben einen Eindruck von den kommenden Dramen. In der Zwischenzeit breiten sich Krankheiten wie Malaria, Denguefieber und Cholera in dem verwüsteten Land unkontrolliert aus und fordern weiterhin Menschenleben.

Ähnliche Katastrophen ereignen sich in Afrika, die von den internationalen Medien weitgehend ignoriert werden. Weite Teile der zentralen Sahelzone stehen derzeit unter Wasser. Nach jahrelanger Dürre haben die Überschwemmungen den letzten fruchtbaren Boden weggespült und ganze Städte überflutet. In Tschad, Nigeria, Südsudan und Sudan sind Millionen von Menschen betroffen. Gleichzeitig hält die jahrelange Dürre in Äthiopien, Somalia, Teilen Kenias und im Süden Madagaskars an und bedroht weitere Millionen Menschen mit Hunger und Tod.

Auch in Europa und den USA haben Zahl und Ausmaß von Waldbränden, Überschwemmungen und Tornados in den letzten Jahren spürbar zugenommen.

Doch die imperialistischen Mächte rasen auf den Abgrund zu. Vor dem Gipfel in Sharm el-Sheikh gibt es keine Vorschläge für einen Richtungswechsel. Im Gegenteil: Die völlig unzureichenden Beschlüsse früherer Weltklimakonferenzen sind seit ihrer Verabschiedung weitgehend ad acta gelegt worden.

Krieg und Klima

Einer der Hauptgründe dafür ist die imperialistische Offensive gegen Russland und China.

Die Sanktionen gegen russisches Gas und Öl haben zu einer Explosion der Energiepreise geführt. Viele Länder haben deshalb beschlossen, wieder auf Kohle und andere emissionsintensive Energieträger zu setzen und bereits beschlossene Ausstiegsprogramme aus der Kohle auf Eis zu legen. Vor allem ärmere Länder sind aufgrund der hohen Energiepreise und der steigenden Kreditzinsen kaum in der Lage, den Übergang zu umweltfreundlicher Energie zu finanzieren.

Der Mangel an russischem Gas hat auch zu einem "aggressiven Ausbau" von Flüssiggaskapazitäten geführt, wie der Climate Action Tracker, ein internationales Team von Klimaforschern, in seinem jüngsten Bericht in Sharm el-Sheikh feststellt. Auf allen Kontinenten zusammengenommen wird die LNG-Kapazität bis 2030 um 235 Prozent steigen, so dass am Ende des Jahrzehnts bei voller Kapazitätsauslastung doppelt so viel Flüssigerdgas verbraucht wird, wie Russland im vergangenen Jahr exportiert hat. Die klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen stiegen damit auf knapp zwei Milliarden Tonnen, was mit einer Begrenzung der Erderwärmung "unvereinbar" ist.

Hauptnutznießer dieser Entwicklung sind Länder wie die USA und Katar, die ihre Gasüberschüsse dank der LNG-Technologie über große Entfernungen verkaufen können.

Die Bestrebungen der imperialistischen Mächte, ihre Abhängigkeit vom chinesischen Markt und seinen Produkten und Rohstoffen in Vorbereitung eines Krieges gegen China zu verringern, haben einen erbitterten Kampf um Alternativen ausgelöst, der in Scharm el Scheich teils offen, teils verdeckt ausgetragen wurde.

Besonders dreist ging die deutsche Regierung vor, die unter dem Deckmantel des Klimaschutzes schamlos ihre wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen verfolgte. Die Grünen, die das Außen-, Wirtschafts- und Umweltministerium führen, spielen dabei eine führende Rolle.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nutzte seinen zweitägigen Besuch in Sharm el-Sheikh, um den Zuschlag für das größte Bauprojekt in der modernen Geschichte Ägyptens zu erhalten, ein Milliardenprojekt. Ein Konsortium um Siemens Mobility wird ein 2.000 Kilometer langes Hochgeschwindigkeitsnetz bauen und dafür Personenzüge und Güterlokomotiven liefern. Betrieben wird das Netz von einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, der Deutschen Bundesbahn.

Der Bundeskanzler hat - in offensichtlichem Widerspruch zu den offiziellen klimapolitischen Zielen seiner Regierung - die Erschließung neuer Gasfelder mit dem Senegal vereinbart. Auch auf den Kongo hat Deutschland ein Auge geworfen. Das Land sei "reich gesegnet mit Rohstoffen wie Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt, Zinn und Lithium", schreibt die konservative FAZ in einem schmeichelhaften Artikel über die kongolesische Aktivistin Neema Namadamu, die am Klimagipfel teilnahm. Neue Öl- und Gasvorkommen stoßen in letzter Zeit auf großes Interesse. Zumal die westlichen Staaten verzweifelt nach alternativen Lieferanten zu Russland suchen.

Nicht alle der anwesenden Regierungschefs zeigten ihre imperialistischen Ambitionen so offen wie Scholz. Aber es besteht kein Zweifel, dass Emmanuel Macron, Rishi Sunak, Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Joe Biden, der der Klimakonferenz am Freitag auf dem Weg zum G20-Gipfel in Bali einen späten Besuch abstattete, mit "unwiderstehlichen Angeboten" ähnlichen Druck auf andere Delegationen in Sharm el-Sheikh ausübten.

Die Klimakrise erfordert eine sozialistische Lösung

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Klimakatastrophe nicht durch Druck auf kapitalistische Regierungen und Politiker gestoppt werden kann, dann hat ihn der Gipfel in Sharm el-Sheikh geliefert. Der Grund für das Scheitern dieser Perspektive, die von Fridays for Future und anderen Umweltbewegungen vertreten wird, liegt nicht nur in den böswilligen Absichten einzelner Regierungen oder Politiker, sondern im Charakter des kapitalistischen Systems, das sie verteidigen.

Die Klimakrise kann nur global gelöst werden. Treibhausgase machen nicht an Landesgrenzen halt, und eine ökologisch nachhaltige Organisation der Energieversorgung ist nur im globalen Maßstab möglich. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, technischen Mittel und materiellen Ressourcen für eine solche Lösung sind vorhanden, und in den letzten Jahrzehnten wurden in diesen Bereichen enorme Fortschritte erzielt.

Aber eine solche globale Lösung ist nicht möglich in einem Gesellschaftssystem, das auf Nationalstaaten basiert, die erbittert um die globale Vorherrschaft kämpfen, und in dem jeder Aspekt des Wirtschaftslebens dem Profit und der Bereicherung einer kleinen Minderheit untergeordnet wird.

Laut einer neuen Studie von Oxfam sind 125 Milliardäre und ihre Investitionen für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als Länder wie Frankreich, Ägypten oder Argentinien. Einer dieser Milliardäre stößt jährlich 393 Millionen Tonnen CO2 aus, eine Million Mal mehr als jeder Angehörige der unteren 90 Prozent der Gesellschaft.

Um ihren Reichtum und ihre Privilegien zu verteidigen, sind die Kapitalisten und ihre Regierungen zu allem fähig. Ihre Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben haben sie bei der Pandemie bewiesen, als sie Profite über Menschenleben stellten. Aus diesem Grund sind weltweit offiziell fast 7 Millionen Menschen an dem Coronavirus gestorben, die hohe Dunkelziffer nicht mitgerechnet. Und die Pandemie breitet sich weiter aus. Die gleiche Rücksichtslosigkeit zeigen sie, wenn sie einen Atomkrieg mit Russland und China riskieren, der die menschliche Zivilisation bedroht, und wenn sie den Klimawandel weiter anheizen.

Wie eine in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie zeigt, besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Pandemie und der Klimakrise. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der fortschreitende Klimawandel das Potenzial für die Ausbreitung von Viren, die bereits in Tierpopulationen vorhanden sind, auf den Menschen drastisch erhöhen wird, wie dies bereits bei SARS-CoV-2, HIV und Ebola der Fall war.

Die Klimakrise erfordert eine sozialistische Lösung. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs schrieb Leo Trotzki, der führende Sozialist und Marxist seiner Zeit:

"Mit dem heutigen Stand der Technik und dem Können der Arbeiter ist es durchaus möglich, angemessene Bedingungen für die materielle und geistige Entwicklung der gesamten Menschheit zu schaffen. Es wäre nur notwendig, das Wirtschaftsleben in jedem Land und auf dem ganzen Planeten nach einem allgemeinen Plan richtig, wissenschaftlich und rationell zu organisieren. Solange jedoch die wichtigsten Produktivkräfte der Gesellschaft in den Händen von Trusts, d.h. von isolierten kapitalistischen Cliquen, sind und solange der Nationalstaat ein gefügiges Werkzeug in den Händen dieser Cliquen bleibt, muss der Kampf um Märkte, um Rohstoffquellen, um die Beherrschung der Welt unweigerlich einen immer zerstörerischeren Charakter annehmen. Die Staatsmacht und die Herrschaft über die Wirtschaft kann nur durch die revolutionäre Arbeiterklasse den Händen dieser räuberischen imperialistischen Cliquen entrissen werden."

Das gilt heute noch genauso wie damals. Die Überwindung der Klimakrise - ebenso wie der Kampf gegen Krieg und soziale Verwüstung - ist nur durch den Aufbau einer unabhängigen, sozialistischen Bewegung der internationalen Arbeiterklasse und den Sturz des Kapitalismus möglich.


11.11.2022: COP27 mit explosiven Interessenlagen

Die Überschwemmungen in Pakistan, Rekordwärme in Europa, verheerende Waldbrände an alle Ecken der Welt usw. usw. sind Hintergründe der Rede des Generalsekretärs der UNO zur Weltklimalage auf der COP27.

Gleichfalls im Blick hat er sicherlich die unzureichenden Ergebnisse der vorangegangenen 26 Klimakonferenzen. Die Brisanz der Tagung in Ägypten begründet sich in den anhaltenden gegensätzlichen Interessenlagen der Regierungen der G7 und den weiterhin unwürdigen Bedingungen in den Ländern der 3. Welt, die zu Flüchtlingswellen führen, aber oft verschlossene Tore an den Grenzen Europas und den USA finden.

Deutschlands Beitrag zur COP27 soll nach Meinung des Bundeskanzlers ein Club der Reichen sein, der Regeln und Standards für den notwendigen Umbau der Industriezweige schafft und Kapital bereitstellt. Als Büro schlägt er schon vorsorglich Frankfurt am Main vor. Die Konzepte der Grünen Partei sehen in der gegenwärtigen Weltklimalage wirtschaftliche Unabhängigkeiten durch Abschottung von der internationalen Arbeitsteilung vor. Russland und China liegen im Blickfeld. Koste es, was es wolle, und sei es mit einer Inflation, die das Volk zu tragen hat. Hoffentlich kommen die Länder der 3. Welt nicht auf die Idee, die Länder der G7 im grünen Stile nicht mehr mit Erdöl u.a. Rohstoffen zu beliefern, um nicht abhängig vom Kapital zu sein. Ihr kleinerer Anteil am Nutzen der Exporte hat ja in der Vergangenheit nie ausgereicht, um ihren Lebensstandard auf ein würdiges Niveau zu heben.

Inzwischen hat der weltgrößte Verbund von 550 Kapitalinstituten (GFANZ, mit 150 Billionen US Dollar auf der Habenseite) entschieden, sich nicht an einer UN-Initiative zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu beteiligen, schreibt die Berliner Zeitung vom 08.11.2022.

Der von der EU vorgeschlagene Verkaufsstopp von Neuwagen ab 2035 ist ein Schelmenstreich. Altfahrzeuge können noch weiter viele Jahre die Luft verschmutzen.

Die Differenzen zwischen den Teilnehmerstaaten der Konferenz in Ägypten sind außerordentlich hoch. Eine weitere Hürde: Für das Abschlussprotokoll gilt ja nicht Prinzip "Ein Land, eine Stimme", wie es im Rat der gegenseitigen Wirtschaftshilfe üblich war, d.h. mit Vernunft und Wissenschaft als Basis. Für die COP27 gilt auf Umwegen die Stimmenmehrheit des Geldkapitals. Das aber ist eine Frage des gesellschaftlichen Systems.

Die künftige Bewohnbarkeit der Erde, mit einem erträglichen Klima für Menschen, steht weiter in Gefahr und sie ist nicht gesichert. Auch nicht die biologische Artenvielfalt der Erde. Kriegsaktionen in der Ukraine und anderswo verschlimmern Lage und Aussichten.

Die Ursachen des negativen Klimawandels sind noch nicht beseitigt. Ein internationaler bindender Vertrag zwischen den Mitgliedsländern der UNO ist noch nicht in Sicht. Die Hauptursachen liegen im überbordenden Wachstum der Gewinne zum privaten Gebrauch der Vorstände. Sie liegen in der fehlenden Beachtung der physikalischen, biologischen, chemische Gesetze der Natur. Der Mensch entnimmt der Natur mit seiner Gewinnlogik und dem Egoismus mehr als er zum Überleben braucht. Schäden an die Natur werden nicht geahndet. Die Natur ist bisher nur in den Verfassungen einiger lateinamerikanischen Länder "Rechtssubjekt".

Artikel von pressenza


10.12.2022 Ein Land ertrinkt in Gift

Costa Rica gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pestizideinsatz auf dem amerikanischen Kontinent. Eine kürzlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlichte Studie des Agrarwissenschaftlers Elidier Vargas Castro zeigt, dass Costa Rica weit mehr Pestizide einsetzt als die anderen amerikanischen Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die meisten der eingesetzten Giftstoffe gelten als hochgefährlich. Nach offiziellen Angaben der Staatlichen Pflanzenschutzbehörde liegt der sogenannte Hektaraufwand (l/ha), also die pro Hektar eingesetzte Menge an Pestiziden, in Costa Rica im Durchschnitt zwischen 10 und 11,5 Kilogramm. Länder wie Kanada, den Vereinigten Staaten, Mexiko, Chile und Kolumbien, die ebenfalls der OECD angehören, oder Ecuador, Honduras und Guatemala, die ähnliche landwirtschaftliche Bedingungen aufweisen, verbrauchen durchschnittlich 2 kg. Die Zahlen, die das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen einbringt, sind noch alarmierender. Laut UNDP-Erhebungen wurden in Costa Ricas im Zeitraum 2012–2020 im Durchschnitt über 34 kg I/ha eingesetzt. Die Diskrepanz ist allerdings auf einen Unterschied in den Berechnungen zurückzuführen: Das Pflanzenschutzamt berücksichtigt die gesamte Aussaatfläche auf nationaler Ebene (Acker- und Weideland), während das UN-Programm nur die Anbauflächen berücksichtigt.

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Syngenta exportiert fast 100 Tonnen in EU verbotene Pestizide

Seit 2021 will die Schweiz den Export gefährlicher Chemikalien unterbinden, doch die Verbots-Liste ist löchrig und veraltet.

«Vertrauliche Dokumente der deutschen Behörden belegen, dass Syngenta allein dieses Jahr die Ausfuhr von fast 100 Tonnen Pestiziden, die in der Schweiz und der EU verbotene Substanzen enthielten, aus Deutschland in die Schweiz gemeldet hat. Von hier sollten sie anschliessend in Drittländer gehen.» Das geht aus Recherchen der Schweizer NGO Public Eye hervor. Das Wesentliche daraus fasst Infosperber im Folgenden zusammen.

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Kampf um die Erde: Der "Great Reset" und Totalitarismus gegen die echte grüne Revolution

Seit der Corona-Krise sind Klaus Schwab und das Weltwirtschaftsforum (WEF) ins Zentrum einer Vielzahl von Verschwörungstheorien gerückt. Die meisten dieser "Nachrichten" sind so einseitig, schlecht oder gar nicht mit verlässlichen Quellen versehen und voller alter Klischees ("sie kommen, um uns zu holen", "alle Reichen sind böse"), dass sie sich selbst diskreditieren. Aber leider stehen die Demokratie, unsere Gesundheit und die Lebenswelt unseres Planeten Erde tatsächlich unter ernsthafter Bedrohung. Wenn auch nicht unbedingt von dort, von wo wir es erwarten würden.

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29.01.2023 Wir werden "grün" bis zu unserer Ausrottung

Meinung von Vijay Kolinjivadi in Al Jazeera. Er ist Post-Doktorand am Institut für Entwicklungspolitik der Universität Antwerpen.

*** Beginn Übersetzung

Vor mehr als einem Jahrzehnt schrieben die Anlageexperten James Altucher und Douglas Sease für das Wall Street Journal ein Buch mit dem Titel "Investing in the Apocalypse". Sie argumentierten, dass das Ende der Welt eine profitable Gelegenheit für diejenigen ist, die es verstehen, "die Angst auszublenden", während alle anderen in Panik geraten. Sie vertraten die Ansicht, dass Anleger, wenn eine Katastrophe eintritt, diese mit dem Grundgedanken angehen sollten, dass "egal wie schlimm die Dinge zu sein scheinen, sie in Wirklichkeit gar nicht so schlimm sind".

Lange vor der COVID-19-Pandemie rieten sie zu Investitionen in große Pharmaunternehmen, um von globalen Pandemien zu profitieren. Sie rieten auch dazu, Geld in erneuerbare Energiesysteme zu investieren und gleichzeitig die Ölproduktion hochzufahren.

Heute scheinen viele dem Rat von Althucher und Sease zu folgen. Unter dem Vorwand, Maßnahmen gegen die Pandemie zu ergreifen, wurden Milliarden von Dollar in die Pharmaindustrie gesteckt, anstatt in die öffentliche Gesundheit und in Maßnahmen zur Verhinderung eines weiteren globalen Ausbruchs. Im Rahmen der angeblichen Energiewende wurde die Produktion von erneuerbaren Energien ausgeweitet, aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass Öl und Gas ersetzt und letztendlich abgeschafft werden.

Schlimmer noch: Regierungen und Unternehmen haben sich zusammengetan, um aus der Apokalypse eine Gelegenheit zum Geldverdienen zu machen. Sie haben sich beeilt, falsche Lösungen für die Klimakrise vorzuschlagen: vom Vorstoß, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen, über die so genannte klimafreundliche Landwirtschaft bis hin zu Schutzgebieten für den Naturschutz und massiven Baumpflanzungsprojekten zum Ausgleich von Kohlenstoffemissionen.

All diese Tricksereien werden als "Greening" bezeichnet und dienen dazu, aus der Angst vor dem Klima Profit zu schlagen, anstatt den Klimawandel aufzuhalten. Dieser Betrug garantiert zwar hohe Renditen, kommt aber einem Völkermord an Hunderten von Millionen Menschen gleich, die innerhalb des nächsten Jahrhunderts an den Folgen des Klimawandels zugrunde gehen werden, weil die Dinge so schlimm sind.

"Feuerwehrleute mit Flammenwerfern".

So beschreibt der Klimaschriftsteller Keton Joshi die Vorschläge der größten Umweltverschmutzer der Welt zur Lösung des Problems. In der Tat haben Regierungen und Unternehmen in den letzten Jahren in Sachen Klimaschutz auf Maßnahmen gedrängt, die die Situation nur noch verschlimmern.

Nehmen wir die Kohlenstoffkompensationen - der Inbegriff der Ökologisierung". Sie wirken wie echte "Pass GO and Collect $200"-Tickets und ermöglichen es einigen der größten Klimakriminellen, ihre Umweltverschmutzung fortzusetzen, indem sie sich an einer Scharade von Baumpflanzungsprogrammen beteiligen. Die Logik dahinter ist, dass wir unsere Treibhausgasemissionen nicht sofort stoppen können, weil das "der Wirtschaft schaden" würde, also können wir stattdessen Bäume pflanzen, die die Emissionen absorbieren und die Wirtschaft durch die Kohlenstoffmärkte wachsen lassen - eine angebliche Win-Win-Situation.

Dieser Trugschluss wurde jedoch wiederholt entlarvt. Zum einen verfügen die Organisationen, die bescheinigen sollen, dass tatsächlich genügend Bäume gepflanzt wurden, nicht über die Mittel, um zu überprüfen, ob die angegebenen Emissionen auch tatsächlich absorbiert werden. Ein weiteres Problem ist, dass viele Kompensationsmaßnahmen tatsächlich nichts ausgleichen.

Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung des weltweit größten Kohlenstoffstandards ergab, dass 94 Prozent der Regenwald-Kompensationsgutschriften nicht tatsächlich zur Kohlenstoffreduzierung beitrugen. Noch schlimmer ist, dass die Bedrohung der Wälder in den Projekten übertrieben wurde, während die Naturschutzaktivitäten, die einige dieser Gutschriften einbrachten, mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen einhergingen, einschließlich Zwangsräumungen und Abriss von Häusern der örtlichen Bevölkerung.

Selbst wenn einige dieser Kohlenstoffausgleichsprogramme durch den Schutz oder die Wiederaufforstung von Wäldern kurzfristig etwas bewirken, können sie angesichts der aktuellen Klimasituation, die durch immer schlimmer werdende Waldbrände gekennzeichnet ist, leicht zu Staub zerfallen und zum Treibhausgasproblem beitragen. Eine aktuelle Studie hat beispielsweise ergeben, dass seit 2015 fast 7 Millionen Tonnen Kohlenstoff durch Waldbrände in sechs Waldprojekten freigesetzt wurden, die Teil des kalifornischen Kohlenstoffhandelssystems sind.

Und dann ist da noch die fatale Verwechslung von Effizienz und Ökologie. Man gaukelt uns vor, dass der Kauf "energieeffizienter" oder "grüner" Produkte den Planeten retten kann. Ob es sich um ein neues Elektroauto, eine "umweltfreundliche" Eigentumswohnung, einen Papierstrohhalm statt eines Plastikstrohhalms oder eine solarbetriebene Megayacht in Form einer Schildkröte handelt - alle werden als ökologische Lösungen angepriesen, weil sie angeblich energie- oder materialeffizienter sind als die Standardalternative.

Oft verbirgt sich hinter diesen "grünen" Etiketten der große Kohlenstoff-Fußabdruck, den ihre Produktion verursacht. Darüber hinaus verlagern "grüne" technologische Lösungen die Umweltschäden, die sie verursachen, oft nur in einen anderen Sektor oder an einen weit entfernten Ort.

So kann die wachsende Elektroautoindustrie zwar zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen beitragen, aber sie wird auch zu einem massiven Anstieg der Nachfrage nach Lithium und anderen Mineralien führen. Wissenschaftler warnen bereits vor den schwerwiegenden Umweltauswirkungen, die der Ansturm auf den Lithiumabbau haben könnte, darunter Wasserverschmutzung und -verlust, die Freisetzung von Giftmüll, der Verlust der biologischen Vielfalt und die Verunreinigung des Bodens.

Diese "Lösungen" verschlimmern nicht nur den Klimawandel, sondern schaden auch in unverhältnismäßiger Weise marginalisierten Gruppen und indigenen Völkern, wie der UN-Sonderberichterstatter Tendayi Achiume kürzlich warnte. Nicht nur, dass die Auswirkungen des ökologischen Zusammenbruchs für diejenigen, die tagtäglich mit Rassismus konfrontiert sind, schwerwiegender sind, auch der Abbau von Mineralien, die für "intelligente" Technologien und erneuerbare Energien benötigt werden, setzt dieselben Menschen der Umweltverschmutzung, Gewalt und Vertreibung aus.

Das Argument, dass "grüne" Lösungen Arbeitsplätze schaffen, steht ebenfalls auf schwachen Füßen, insbesondere wenn man die Qualität der Arbeit betrachtet. Die IAO hat darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der Arbeitsplätze für die so genannten "naturbasierten Lösungen" informell, niedrig entlohnt, befristet und Risiken wie unsicheren Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und fehlender sozialer Sicherheit ausgesetzt ist.

Der größte Landraub der Geschichte

Auch der Naturschutz ist der "Greening"-Täuschung zum Opfer gefallen. Seit Jahren propagieren große Naturschutzorganisationen und ihre Sponsoren aus der Wirtschaft die Idee, dass große Landstriche und Wälder eingezäunt werden müssen, um die biologische Vielfalt zu schützen und die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

Wie die Programme zum Ausgleich von Kohlendioxidemissionen ist diese Politik nur eine weitere Möglichkeit für die großen Umweltverschmutzer, ihre Verschmutzung fortzusetzen, indem sie sagen: "Wir tun etwas für den Planeten". Außerdem ermöglicht sie es einigen - vor allem in der Tourismus- und Baubranche - vom so genannten "Natur"-Tourismus zu profitieren, bei dem die Wohlhabenden viel Geld für den Zugang zu eingezäunten Parks und das "Erleben" unberührter Natur zahlen, während sie in Luxusimmobilienprojekten wohnen.

Und genau wie andere "Ökologisierungs"-Strategien führt auch diese Art des Naturschutzes zu großen menschlichen Ungerechtigkeiten. Indigene Völker auf der ganzen Welt haben unter Vertreibungen, Enteignungen und sogar Morden gelitten, als sie von ihrem Land vertrieben wurden, um Platz für Naturschutzprojekte zu schaffen.

In der Republik Kongo wurde das indigene Volk der Baka von den Wächtern eines Naturschutzprojekts, das vom UNDP, dem WWF, der EU, den USA sowie von Holz- und Palmölunternehmen unterstützt wurde, brutal unterdrückt. Eine UNDP-Untersuchung ergab, dass Mitglieder der Gemeinschaft routinemäßig geschlagen, einige inhaftiert, gefoltert oder vergewaltigt wurden.

In der benachbarten Demokratischen Republik Kongo haben die Wächter eines von der US-amerikanischen und der deutschen Regierung finanzierten Nationalparks ebenfalls gewaltsame Übergriffe auf das in seinem Gebiet lebende indigene Volk der Batwa verübt. Ein Bericht von Minority Rights aus dem Jahr 2022 hat Beweise dafür erbracht, dass mindestens 20 Mitglieder der Gemeinschaft bei Zwangsräumungen getötet und mindestens 15 Frauen vergewaltigt worden sind.

Es gibt unzählige Horrorgeschichten wie diese; Schätzungen zufolge sind allein in Afrika etwa 14 Millionen Menschen auf diese Weise vertrieben worden. Deshalb hat die Nachricht, dass auf der UN-Konferenz über die biologische Vielfalt (COP15) im Dezember in Montreal ein neues Schutzprogramm verabschiedet wurde, bei den indigenen Völkern in aller Welt große Bestürzung ausgelöst.

Das neue globale Rahmenwerk für die biologische Vielfalt - auch 30×30-Ziel genannt - zielt darauf ab, bis 2030 30 Prozent der Erde in Schutzgebiete umzuwandeln. In einem Schreiben an die Teilnehmer der COP15 erklärten indigene Völker, dass diese Politik "der größte Landraub in der Geschichte sein könnte und das physische und kulturelle Überleben der indigenen Völker weltweit weiter bedroht".

In Anbetracht der Tatsache, dass indigene Völker in Gebieten leben, die 80 Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt beherbergen, ist es sicher, dass das Land der Indigenen unter den 30×30-Plan fallen wird. Sie von dem Land zu vertreiben, auf dem sie seit Urzeiten leben, ist kaum eine ökologische Lösung.

Eine viel bessere Lösung wäre es, die größte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt anzugehen: die industrielle Landwirtschaft. Sie zerstört den Boden, fördert die Wüstenbildung, setzt riesige Mengen an Treibhausgasen frei und ist mit der Abholzung von Wäldern verbunden.

30×30 würde den Schaden, den die industrielle Landwirtschaft anrichtet, nicht eindämmen. Wenn das Wirtschaftsmodell, das sie ermöglicht, nicht geändert wird, könnten sich ihre Auswirkungen sogar noch verschlimmern. Eine Einschränkung der Landnutzung könnte die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, den Wert des Bodens künstlich aufblähen und einen weiteren übermäßigen Einsatz von Chemikalien und schädlichen Pflanzen- und Viehzuchtpraktiken zur Produktionssteigerung fördern. Dies hätte verheerende Folgen für Kleinbauern, die mehr als 30 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel produzieren und in der Regel nachhaltigere Verfahren anwenden als industrielle Betriebe.

Wiedergutmachende Gerechtigkeit, nicht "Ökologisierung"

Das vielleicht größte Problem mit der Apokalypse-Investition und ihrer "Ökologisierung" ist, dass sie die globale Diskussion über den Klimawandel und die biologische Vielfalt auf offiziellen Foren (wie der COP15) dominieren und der Öffentlichkeit als "Fortschritt" in Umweltfragen präsentiert werden.

Es gibt auch Leute wie den Milliardär Bill Gates, die sagen, sie seien "sehr optimistisch", was die Zukunft angeht. Natürlich sind sie das! Seit 2020 hat das oberste 1 Prozent fast zwei Drittel des gesamten neuen Reichtums angehäuft, während die Welt mit einer tödlichen Pandemie und massiven, durch den Klimawandel bedingten Katastrophen konfrontiert war.

Der Optimismus der Reichen und die uns aufgedrängten Scheinlösungen für den Klimawandel sind recht wirksam, um die Menschen davon zu überzeugen, dass der Klimawandel in den Griff zu bekommen ist. Das liegt daran, dass sie uns die Gewissheit geben, dass wir nicht auf unsere Annehmlichkeiten verzichten müssen, und dass sie uns, den Verbrauchern, die "Wahl" lassen, ob wir "grün" werden wollen oder nicht. In der Tat können wir jetzt zwischen einer erneuerbaren Energiequelle oder einer schildkrötenförmigen Megayacht mit Ölantrieb wählen.

Wenn wir die "grüne" Wahl treffen, sind wir zufrieden, dass wir "etwas" gegen den Klimawandel tun. Aber ein Elektroauto zu fahren, seine Bioprodukte in eine Tragetasche zu packen und die Heizung oder Klimaanlage um ein Grad herunterzudrehen, wird den Planeten nicht retten. Lassen Sie uns den Mut haben, dieser Tatsache ins Auge zu sehen.

Was einen Unterschied machen würde, ist die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs und die deutliche Reduzierung des Autobesitzes; die Schließung von Kohleminen und die Beendigung der Öl- und Gasförderung; die Förderung dezentraler und von den Gemeinden verwalteter erneuerbarer Energiesysteme; die Abschaffung der industriellen Monokulturen und die Unterstützung von kleinbäuerlichen und von indigenen Völkern betriebenen agrarökologischen Systemen, die nachweislich die Ernährung, die Artenvielfalt und die Lebensqualität verbessern.

Natürlich begünstigt das derzeitige System die Investoren der Apokalypse, die alles in ihrer Macht stehende tun würden, um echte Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern. Deshalb hat die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wortgewandt erklärt: "Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Regeln halten, denn die Regeln müssen geändert werden".

Wir müssen der Manipulation falscher Lösungen entgegentreten, sie diskreditieren und dazu übergehen, die Regeln zu ändern, die auf dem Profitieren von der Apokalypse beruhen.

Wiedergutmachende Gerechtigkeit ist ein Ansatz, um das derzeitige System zu ändern. Reparative Gerechtigkeit bedeutet, den Menschen die Macht zurückzugeben, in die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften zu investieren, indem autonome Organisation und gegenseitige Hilfe für erschwinglichen Wohnraum, Lebensmittelproduktion, Energie und Verkehrssysteme unterstützt werden.

Reparative Gerechtigkeit bei der Reduzierung von Kohlenstoffemissionen bedeutet, dass die Unternehmen und Regierungen, die historisch für den Klimawandel verantwortlich sind, für die von ihnen verursachten Schäden aufkommen müssen. Heutige und künftige Opfer des Klimawandels sollten gemeinsam darüber entscheiden können, wie diese Entschädigungen ausgegeben werden sollen.

Reparative Gerechtigkeit bedeutet auch, agrarökologische Praktiken zu unterstützen und vielfältige Kulturen des Nahrungsmittelanbaus wiederherzustellen, die durch industrielle Monokulturen ausgelöscht wurden oder verloren gegangen sind.

Wiedergutmachende Gerechtigkeit bedeutet auch, dass dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegengewirkt wird, indem der Status der indigenen Völker als Verwalter ihres Landes garantiert wird und sie befähigt werden, es auf der Grundlage ihres Wissens, ihrer spirituellen Weisheit und ihrer Traditionen zu schützen.

Es wird nicht leicht sein, all dies zu erreichen, und wir werden uns der Macht von Regierungen und Unternehmen stellen müssen - den Investoren der Apokalypse. Aber durch menschliche Solidarität und gemeinsames Handeln können wir uns wehren und in unser Überleben investieren.

*** Ende Übersetzung


03.03.2023 Die dunklen Seiten von grünen Technologien

Der Abbau von Rohstoffen für die Klimawende verursacht soziale und ökologische Probleme. Es braucht eine nachhaltige Lieferkette.

Ohne den schnellen klimaneutralen Umbau von Wirtschaft und Energiesystemen, ohne DekarbonisierungDigitalisierung und eine rasche Verkehrswende, ist die Klimaerwärmung nicht zu bremsen. Zentrale Bausteine dieser Transformation sind grüne Technologien wie Photovoltaik, Windkraft und Elektromobilität. Diese sind auf eine Vielzahl kritischer Rohstoffe angewiesen und setzen insbesondere die Verfügbarkeit von Seltenen Erden, Kupfer, Lithium und Kobalt voraus. Als «kritisch» gelten diese Rohstoffe nicht nur wegen steigender Preise, drohender Verknappung, Lieferunterbrüchen und geopolitischer Abhängigkeiten, sondern vor allem auch, weil ihr Abbau häufig mit schwerwiegenden sozialen und ökologischen Problemen einhergeht. Zudem sind sie kaum durch andere Materialien zu ersetzen. 

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Tue wenig, rede viel – so sieht das Klimaengagement vieler Unternehmen aus.

Was tun, wenn man sein Geld mit Umweltverschmutzung verdient, aber dringend ein grünes Image braucht? Man legt Klimaziele fest und kommuniziert diese möglichst breit und oft. Wie grün sie tatsächlich sind, tritt dabei in den Hintergrund.

Ein Beispiel für diese Art Klimakommunikation ist Shell. Der Öl- und Gaskonzern hat es als Produzent fossiler Brennstoffe zugegeben schwer, seine Produkte als klimafreundlich zu verkaufen. Das aber tut er nach allen Regeln der Kunst.

Das Online-Magazin «Flip» hat Shell im vergangenen Jahr in der Waschküche über die Schulter geschaut. Herausgekommen ist eine Art kleines Kommunikations-ABC des Greenwashings, dem «Infosperber» noch einige Punkte hinzufügen konnte.

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21.07.2023 Chlorothalonil: ein Pestizid, das in Europa verboten ist, aber dennoch exportiert wird

Chlorothalonil ist «vermutlich krebserregend» und verschmutzt das Grundwasser. Deshalb haben die EU und die Schweiz das Fungizid auf ihren eigenen Feldern verboten.

Chlorothalonil ist in Costa Rica frei verkäuflich. Eine Flasche Bravonil kostet 25 USD. Foto: Jose Díaz

Dennoch exportieren sie den unter anderem von Syngenta vermarkteten Stoff weiterhin, hauptsächlich in Länder im globalen Süden, die nicht über die Kapazitäten verfügen, die damit verbundenen Risiken zu handhaben.

«Eine noch nie da gewesene Katastrophe für die Trinkwasserversorger», titelte die französische Tageszeitung «Le Monde» am 5. April dieses Jahres. Sie schrieb über einen alarmierenden Bericht der staatlichen Behörde für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz, der kurz darauf veröffentlicht wurde. In Frankreich ist das Trinkwasser demnach grossräumig mit Abbauprodukten von Chlorothalonil verseucht. Das Fungizid wird unter anderem von Syngenta vermarktet. Etwa ein Drittel des Trinkwassers erfüllt die behördlichen Vorgaben nicht, und eine Aufbereitung könnte in die Milliarden gehen.

In der Schweiz machte Chlorothalonil kürzlich ebenfalls Schlagzeilen. Nach Schätzungen der Kantone ist das Trinkwasser von 700'000 Menschen mit Abbauprodukten von Chlorothalonil belastet, deren Konzentration den geltenden Grenzwert überschreitet. Am stärksten betroffen sind die landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen des Mittellandes. Es ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen die Grundwasserqualität «noch während Jahren in grösserem Ausmass» beeinträchtigen werden, warnt das Bundesamt für Umwelt (Bafu). Die Kosten für eine Aufbereitung könnten zu einem Anstieg des Wasserpreises um 75% führen.

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05.09.2023 Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten: Die Treibhausgasemissionen der Vielen sinken in Österreich, während die der Reichen steigen

Die Klimakrise ist voll angekommen, wie brennende Urlaubsorte diesen Sommer eindrucksvoll bewiesen haben. Dass Reiche viel stärker zur Klimakrise beitragen und gleichzeitig ihre negativen Auswirkungen weniger stark zu spüren bekommen, ist mittlerweile gut belegt. Sie haben jedoch nicht nur viel höhere Treibhausgasemissionen, ihr Beitrag ist in den letzten Jahren auch noch drastisch angestiegen, während jener der restlichen 99 Prozent sinkt. Deshalb ist es höchste Zeit, die Reichen und Superreichen bei der Bekämpfung der Klimakrise in die Verantwortung zu nehmen.

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Warum Selbstverwirklichung anstreben?

Übersetzung des Originalartikels auf aeon.co ("Why seek self-realisation?")

Angesichts der Klimakrise mag das kurzsichtig erscheinen, aber Philosophen von Spinoza bis Næss argumentieren, dass dies der einzige Weg nach vorne ist

Jeder von uns erlebt die Klimakrise. Wir versuchen, uns darauf einzustellen: Wir kaufen Gesichtsmasken, um der rauchigen Luft draußen zu trotzen, oder Luftreiniger, um sie drinnen zu reinigen, wir drehen die Klimaanlagen hoch, um uns vor übermäßiger Hitze zu schützen, und bereiten uns darauf vor, unsere Häuser zu evakuieren, wenn ein weiterer Wirbelsturm die Küste trifft. Wir fragen uns, an welchem Ort wir uns niederlassen können, der nicht im Laufe unseres Lebens den Bach runtergeht. Einige von uns fragen sich, ob wir Kinder in diese Welt setzen sollten.

Die Klimakrise wirft Fragen auf, die unser ganzes Wesen in Frage stellen. Wir fragen uns: "Wer bin ich in dieser zunehmend instabilen Welt? Was soll aus mir werden?" Solche Fragen können zur Verzweiflung führen oder uns veranlassen, wegzuschauen, aber, wie wir sehen werden, können sie auch unser Selbstverständnis positiv beeinflussen.

Unsere gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verleiten uns dazu, uns als nützliche Rädchen in einer Maschine zu betrachten und unsere Identität in Bezug auf bestimmte Anforderungen zu sehen, die wir erfüllen müssen: ein Studium absolvieren, um einen gut bezahlten Job zu bekommen, die Besitztumsleiter hinaufklettern und sicherstellen, dass wir über ausreichende Ersparnisse für die Rente verfügen. Die Klimakrise kann uns jedoch dazu veranlassen, diese Annahmen zu überdenken. Was nützt die Altersvorsorge, wenn die Welt in Flammen steht? Wir brauchen ein viel umfassenderes Konzept des Selbst - ein voll verwirklichtes Selbst, das es wert ist, bewahrt zu werden.

Das Konzept der Selbstverwirklichung erkennt unseren starken Drang an, uns selbst zu erhalten und angesichts der Klimakrise durchzuhalten. Dieses Selbstkonzept ist viel reichhaltiger und umfassender, als gemeinhin angenommen wird. Es reicht nicht aus, Ihr enges, persönliches Selbst zu bewahren. Sie sind Teil eines riesigen, vernetzten Universums, in dem Ihr Wohlergehen entscheidend davon abhängt, dass Sie Beziehungen und Verbindungen zu anderen, auch zu nichtmenschlichen, aufrechterhalten.

Der norwegische Philosoph Arne Næss (1912-2009) prägte den Begriff der Tiefenökologie. Der Grundgedanke der Tiefenökologie ist, dass wir die ökologische Krise durch einen Paradigmenwechsel angehen sollten. Anstatt an konkreten Zielen (wie CO2-Emissionen) herumzubasteln, müssen wir unseren Umgang mit der Welt radikal überdenken. Næss war ein vielseitiger Philosoph mit unterschiedlichen Interessen. Unter anderem war er ein großer Fan des sephardischen niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza (1632-77), insbesondere von dessen "Ethik" (1677), die Næss immer wieder las und die in seiner Umweltphilosophie eine Schlüsselrolle spielt.

Næss ist in seinem Heimatland berühmt. Er gilt als nationales Kulturgut und wird für sein soziales Engagement, seine Bergsteigertätigkeit, seine Philosophie-Lehrbücher und sogar für seine Scherze und spektakulären Kunststücke bewundert, wie z. B. das Erklimmen der Wände des höchsten Gebäudes auf dem Campus Blindern der Universität Oslo, während er vom norwegischen Rundfunk interviewt wurde. Er war ein Mann der Gegensätze: Einerseits entstammte er einer angesehenen norwegischen Familie und wurde im Alter von 27 Jahren zum ordentlichen Philosophieprofessor in Oslo ernannt - dem einzigen Philosophieprofessor in Norwegen zu dieser Zeit. Andererseits veröffentlichte er seine umfangreichen Werke ohne Rücksicht auf Prestige oder Ruhm, auch in obskuren ökologischen Zeitschriften mit geringer Auflage. Dies erklärt zum Teil, warum Næss in der englischsprachigen akademischen Philosophie immer noch relativ unbekannt ist. Vor allem in seinem späteren Leben näherte er sich dem an, was sein Freund und Umweltphilosoph George Sessions eine "Vereinigung von Theorie und Praxis" nannte, und praktizierte seine Ökophilosophie, indem er bis weit in seine 80er Jahre hinein viel Zeit im Freien verbrachte, wandernd und bergsteigend. Næss ernährte sich spartanisch und vegan, mit ungewürztem gekochtem Gemüse. Nachdem er vorzeitig in den Ruhestand getreten war, spendete er einen Großteil seiner Rente für verschiedene Projekte wie die Renovierung einer nepalesischen Schule.

Næss' Vorstellung von Selbstverwirklichung ist von vielen philosophischen Traditionen inspiriert, unter anderem vom Mahayana-Buddhismus und von Gandhis Philosophie des gewaltlosen Widerstands. Eine weitere wichtige Inspiration stammt von Spinoza. Seiner "Ethik" zufolge hat alles in der Natur einen conatus, ein grundlegendes Streben, weiter zu existieren: "Jedes Ding, soweit es aus eigener Kraft kann, strebt danach, in seinem Sein zu verharren".

Wir sehen diese grundlegende Tendenz nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Bäumen, Bienen und Gänsen und sogar bei unbelebten Gegenständen wie Tischen, Bergen und Felsen. Die Dinge lösen sich nicht spontan auf und neigen dazu, ihre Form im Laufe der Zeit beizubehalten; selbst etwas scheinbar Vergängliches wie ein Feuer versucht, sich selbst am Leben zu erhalten. Wie können wir diesen universellen Antrieb verstehen? Næss ordnet den conatus in ein umfassenderes Bild der Natur ein, nämlich in eines, das uns hilft, durchzuhalten und uns als Ausdruck der Natur zu bestätigen. Spinoza argumentierte, dass es nur eine Substanz gibt, die er "Gott" oder "Gott oder Natur" nannte. Natur und Gott sind koextensiv, da Gott die gesamte Wirklichkeit umfasst. Spinozas Gott ähnelt also dem, was wir heute "das Universum" nennen, die Gesamtheit von allem, was ist. Diese Gesamtheit drückt sich in unendlich vielen Formen aus, etwa in Gedanken und physischen Körpern. Wir sind, wie alles andere auch, Ausdruck dieser einen Substanz.

Wenn unsere Umgebung verletzt wird, fühlen auch wir uns verletzt.

Im Gegensatz zu einem traditionellen theistischen Gott hat Spinozas Gott kein übergeordnetes Ziel, keinen großen Plan. Dieser Gott ist vollkommen frei und handelt in Übereinstimmung mit seinen eigenen Gesetzen, aber er will nichts. Die Natur ist einfach da, und sie ist in sich selbst vollkommen. Wie Næss es 1977 formulierte: "Wenn sie einen Zweck hätte, müsste sie Teil von etwas noch Größerem sein, z.B. einem großen Plan. Wie Næss ihn interpretiert, ist Spinozas Metaphysik grundlegend egalitär. Es gibt keine Hierarchie, keine große Kette von Wesen mit niedrigeren oder höheren Geschöpfen. Wir stehen ontologisch auf einer Stufe mit Fischen, Ozeanen und Käfern. Die Interessen eines Bären, der in der norwegischen Landschaft umherstreift, sind genauso wichtig wie die der umliegenden Bauerngemeinschaften.

Die Natur als Ganzes drückt ihre Macht in jedem einzelnen Ding aus. In diesem Ausdruck von Macht können wir den Drang, unser eigenes Wesen zu bewahren, verorten. Um uns selbst zu verwirklichen, müssen wir verstehen, was unser "Selbst" ist. Næss ist der Meinung, dass wir uns selbst unterschätzen, und schrieb 1987: "Wir neigen dazu, es [das Selbst] mit dem engen Ego zu verwechseln". Die Selbsterkenntnis ist partiell und unvollständig, und dieser Mangel an Wissen hindert uns daran, gut zu handeln.

Auch hier zeigt sich ein deutlicher Einfluss von Spinoza. Spinoza ist der Meinung, dass Wissen und ein erweitertes (Selbst-)Verständnis uns helfen, unsere Handlungsfähigkeit und damit unsere Fähigkeit zum Durchhalten zu steigern. Wir können diese expansive Auffassung des Selbst verwirklichen, indem wir unsere Beziehung zum Ort betrachten, eine Idee, die Næss aus dem indigenen Denken bezieht. Wir fühlen uns oft an Orte von natürlicher Fülle und Schönheit gebunden, und zwar so sehr, dass wir das Gefühl haben, wie Næss sagte: "Wenn dieser Ort zerstört wird, stirbt etwas in mir".

Der Verlust eines Ortes hat mittlerweile gut dokumentierte Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, einschließlich der Öko-Angst, die aus dem Gefühl des Verlustes von Orten entsteht, zu denen die Menschen eine starke emotionale Bindung haben. Wenn unsere Umgebung verletzt wird, fühlen auch wir uns verletzt. Inuit-Gemeinschaften im Norden Kanadas leiden im Winter unter Heimweh. Dieses spontane Gefühl der Verbundenheit mit einem Ort signalisiert uns, dass unser Selbst nicht an unserer Haut endet, sondern auch andere Lebewesen einschließt. Indigene Völker zeigen durch ihren Aktivismus und ihre Landrückkehrbewegungen, dass das Selbst mehr umfasst als diese Metriken. In einem Brief aus dem Jahr 1988 erzählt Næss die Geschichte eines samischen Ureinwohners, der festgenommen wurde, weil er gegen die Errichtung eines Staudamms an einem Fluss protestierte, der Wasserkraft erzeugen sollte. Vor Gericht sagte der Sami, dieser Teil des Flusses sei "ein Teil von ihm selbst". Anders ausgedrückt, wenn der Fluss verändert würde, hätte er das Gefühl, dass die Veränderung einen Teil von ihm selbst zerstören würde. Seiner Ansicht nach bedeutete das persönliche Überleben auch das Überleben der Landschaft.

Für Næss gibt es keinen großen, äußeren Zweck für unser Leben außer dem, den wir ihm zuweisen. Da unser Wohlbefinden jedoch von Faktoren außerhalb von uns abhängt, können wir in gewissem Sinne schlechter oder besser dran sein, und es ist rational, danach zu streben, besser dran zu sein. In diesem Sinne ist Selbstverwirklichung etwas anderes als Glück. Ein Baum, der blüht und gut gedeiht, dessen Blätter in der Sonne glänzen und auf dessen Ästen Vögel nisten, verwirklicht sich selbst, obwohl wir nicht wissen, ob er glücklich ist.

Ein ähnliches Konzept wird im Werk der schwarzen amerikanischen feministischen Autorin Audre Lorde (1934-92) formuliert. Für sie bedeutet Überleben nicht nur, ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch zu haben. Wie Caleb Ward in einem kürzlich erschienenen Blog der American Philosophical Association erklärt, gibt es für Lorde einen Unterschied zwischen Sicherheit und Überleben. Sicherheit ist das, was uns gesagt wird, dass wir versuchen müssen, es zu verwirklichen: Wir studieren, nehmen eine Hypothek auf und haben einen Job, um uns vor den Wechselfällen des Lebens zu schützen. Das Überleben hingegen, das der Selbstverwirklichung näher kommt, ist ein Konzept, das in der Politik und in der Lebensberatung so gut wie keine Beachtung findet: "Zum Überleben gehört es, [Lordes] Identität in all ihren Aspekten auszuleben und zu bewahren: als Schwarze, als Frau, als Lesbe, als Mutter". Ward zitiert einen von Lordes Vorträgen:

Ich bin ständig dabei, mein Selbst zu definieren, denn ich setze mich, wie wir alle, aus so vielen verschiedenen Teilen zusammen. Aber wenn sich diese Teile in mir bekriegen, bin ich unbeweglich, und wenn sie sich in Harmonie bewegen oder sich gegenseitig erlauben, bin ich bereichert, bin ich stark.

Wenn wir diese Erkenntnisse von Lorde, Næss und Spinoza zusammenfassen, können wir sagen, dass die Klimakrise unsere Fähigkeit zum Selbstausdruck ernsthaft beeinträchtigt. Die Zerstörung unseres Orts- und Zugehörigkeitsgefühls erschwert es uns, uns als menschliche Wesen zu verwirklichen. Wir werden immer mehr dazu gedrängt, uns vor den unmittelbaren Bedrohungen durch die Zerstörung der Umwelt in Sicherheit zu bringen. Wir können nicht einmal ansatzweise darüber nachdenken, wie wir uns in all den verschiedenen Aspekten unserer Existenz erhalten können, und können daher nicht wirklich überleben. Das ist einer der Gründe, warum die Klimakrise unser Selbstverständnis so stark beeinträchtigt: Sie verhindert, dass wir uns selbst erkennen können.

Selbstverwirklichung setzt eine Einheit von Handeln und Wissen voraus: Man muss sich selbst genau als Teil einer großen, miteinander verbundenen Natur und als mehr als ein begrenztes Ego kennen. Sobald man dies weiß, kann man anfangen zu handeln. Mangelndes Wissen (über uns selbst, als Teil eines größeren Ganzen) hingegen lähmt und entmachtet. Leider wird die Klimakrise von einem massiven Leugnen untermauert. Diese Leugnung ist mehr als nur unser Wegschauen als Individuen. Sie wird von den reichen Eliten und den Unternehmen für fossile Brennstoffe angesichts der unausweichlichen Klimaverschlechterung finanziert. Wie Bruno Latour in "Où atterir?" (2017), oder "Down to Earth" (2018) schreibt:

[D]ie Eliten sind so sehr davon überzeugt, dass es kein zukünftiges Leben für alle geben wird, dass sie beschlossen haben, alle Lasten der Solidarität so schnell wie möglich loszuwerden - daher die Deregulierung; sie haben beschlossen, dass eine Art vergoldete Festung für diejenigen (ein kleiner Prozentsatz) gebaut werden muss, die es schaffen können - daher die Explosion der Ungleichheiten; und sie haben beschlossen, dass sie, um den krassen Egoismus einer solchen Flucht aus der gemeinsamen Welt zu verbergen, den ... Klimawandel ablehnen müssen [kursiv im Original].

Die Superreichen haben ihren Griff auf die Demokratie verschärft, indem sie politisch motivierte Ablenkungsmanöver entwickelt haben, wie z. B. die so genannten "metropolitanen Eliten" (gebildete Menschen) für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse verantwortlich zu machen oder mit dem Finger auf die Flüchtlinge zu zeigen, die in unsicheren Booten an den Küsten der reichen Länder ankommen. Die Klimakrise steht hinter nostalgischen nationalistischen Rückgriffen auf eine imaginäre Vergangenheit, wie MAGA und Brexit.

Das Streben nach Prestige, Ruhm und Reichtum scheint uns zu helfen, uns selbst zu verwirklichen, aber in Wirklichkeit sind wir in ihrer Macht.

Im Gegensatz zu anderen Denkern der jüngeren Zeit wie Jason Stanley vertritt Latour die Auffassung, dass diese Bewegungen nur oberflächlich dem Faschismus des frühen 20. Jahrhunderts ähneln. Vielmehr stellen sie eine neuartige politische Ordnung dar, die auf der Leugnung des Klimawandels beruht und in der wohlhabende Eliten versuchen, durch Deregulierung und Entmündigung geschlossene Gemeinschaften und Fluchtwege zu schaffen. Gleichzeitig versuchen sie (vergeblich), sich in Dingen zu verwirklichen, die letztlich unerfüllt und leer erscheinen: Superyachten, Kurztrips ins All oder in die Tiefsee und der Aufkauf ganzer Inseln.

Durch Beeinflussung und Unterwanderung des demokratischen Prozesses versuchen sie, die Deregulierung zu fördern, um immer mehr Ressourcen an sich zu ziehen. Da sie (auf einer gewissen Ebene) erkennen, dass dies nicht nachhaltig ist, ziehen sie sich in immer weiter entfernte Fantasien wie TESCREAL zurück (ein ideologisches Bündel von -ismen: Transhumanismus [Einsatz technologischer Verfahren, die die intellektuellen, physischen oder psychischen Grenzen der Menschen erweitern sollen], Extropianismus [Kontinuierliche Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen, z.B. für ein umbegrenztes Leben], Singularitarismus [Bewusste Massnahmen, dass eine technologische Superintelligenz Menschen zugute kommt], Kosmismus [Bestrebungen, interplanetäre Reisen zu ermöglichen], Rationalismus [Strömung, die rationales Denken beim Erwerb und bei der Begründung von Wissen für vorrangig oder für allein hinreichend halten], effektiver Altruismus [Idee, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern.] und Langfristigkeit [Auffassung, dass die positive Beeinflussung der langfristigen Zukunft eine zentrale moralische Priorität unserer Zeit ist.]). Er wird von Philosophen der Universität Oxford wie Nick Bostrom, Hilary Greaves und William MacAskill vertreten. Sie stellen sich eine Zukunft vor, in der sich die Menschheit in einen posthumanen Staat verwandelt (erleichtert durch die so genannte "liberale" Eugenik und die künstliche Intelligenz), das zugängliche Universum kolonisiert und unsere "kosmische Ausstattung" an Ressourcen plündert, um astronomische Mengen an "Wert" zu produzieren (für einen Überblick siehe den jüngsten Essay von Émile Torres in Salon). Das Glück dieser zukünftigen Postmenschen, von denen die meisten digital sein werden, rechtfertigt die Vernachlässigung heutiger Probleme. "Bei der Bewertung von Maßnahmen", schreiben Greaves und MacAskill, "können wir in erster Linie oft alle Auswirkungen der ersten 100 (oder sogar 1.000) Jahre einfach ignorieren und uns in erster Linie auf die Auswirkungen in der Zukunft konzentrieren. Kurzfristige Auswirkungen sind kaum mehr als ein Zünglein an der Waage". Die TESCREAL-Welt lässt wenig Raum für die Vielfalt der Ausdrucksformen des Menschseins: die freudigen, verletzlichen und unterschiedlichen Lebensweisen beispielsweise von Traveller- und Roma-Gemeinschaften, indigenen Gesellschaften und anderen.

Warum versuchen die wohlhabendsten Menschen, die Klimakrise aktiv zu leugnen, anstatt sie anzugehen? Die Philosophin Beth Lord argumentiert in Anlehnung an Spinoza, dass sie von schlechten Gefühlen beherrscht werden. Normalerweise helfen uns unsere Emotionen dabei, nach dem zu suchen, was gut für uns ist, und das zu vermeiden, was schlecht ist. Wir haben drei grundlegende Affekte: Freude, Traurigkeit und Begehren. Begehren ist ein Ausdruck des conatus: Wir suchen nach Dingen, die uns Freude bereiten, und vermeiden Dinge, die uns traurig machen. Insgesamt dient dies unserer Selbsterhaltung. Aufgrund der komplexen Verflechtung unserer Emotionen ist es jedoch möglich, dass wir uns in ihnen irren und Dinge begehren, die uns nicht wirklich helfen, uns selbst zu verwirklichen. Das Streben nach Prestige, Ruhm und Reichtum scheint uns zu helfen, uns selbst zu verwirklichen, aber in Wirklichkeit sind wir von ihnen ergriffen und stehen in ihrer Macht.

Diese falschen Vorstellungen sind zwar bei den wohlhabenden Eliten verbreitet, aber wir sehen sie bei allen. Der Ethiker Eugene Chislenko argumentiert, dass wir alle in gewissem Sinne Leugner der Klimakrise sein könnten. Nicht, dass wir buchstäblich leugnen, dass es eine Klimakrise gibt, oder die Politik beeinflussen, um den Leugnergeist zu schüren, sondern dass wir wegschauen, ähnlich wie eine trauernde Person, die den Tod eines Menschen feststellt, aber nicht in der Lage ist, den Verlust in ihr Leben zu integrieren. Chislenko schreibt: "Wir sagen, dass es real ist, aber wir fühlen oder handeln selten so. Wir gehen auf eine Flugbuchungsseite, um einen Freund übers Wochenende zu besuchen; wir denken immer noch, dass wir eines Tages das Great Barrier Reef sehen könnten; wir haben keine Pläne, die dem Ausmaß der Veränderung entsprechen".

Und das liegt zum Teil daran, dass wir das Gefühl haben, die Bewältigung der Klimakrise würde uns erhebliche Opfer abverlangen, die angesichts des Ausmaßes des Problems wie ein Tropfen auf den heißen Stein erscheinen. Wie Næss schreibt: "Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie selbstlos ihre Interessen aufgeben, ja sogar opfern müssen, um ihre Liebe zur Natur zu zeigen, ist dies auf lange Sicht wahrscheinlich eine tückische Grundlage für den Naturschutz". Wie kommen wir also aus dieser Situation der kollektiven Verleugnung heraus?

Wir haben jetzt gesehen, was Selbstverwirklichung ist und wie sie mit Wissen zusammenhängt. Indem wir unser Wissen erweitern, vergrößern wir unsere Macht. Die Erkenntnis, dass Krankheitserreger Infektionskrankheiten verursachen, führte beispielsweise zu großen Fortschritten bei der Verhinderung oder Reduzierung der Übertragung durch Impfstoffe. Auch um angesichts der Klimakrise handeln zu können, brauchen wir Wissen, und dafür können wir uns direkt von Spinozas Philosophie inspirieren lassen.

Spinoza lebte ein sehr karges, besitzloses Leben in gemieteten Räumen und versuchte, sich von Ruhm und Rampenlicht fernzuhalten. Er lehnte eine prestigeträchtige Professur an der Universität Heidelberg ab und wollte nicht zum Alleinerben eines Freundes ernannt werden, obwohl dies ihn auf Lebenszeit unabhängig gemacht hätte, und zog es stattdessen vor, Linsen zu schleifen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er war also nicht der Meinung, dass Wohlstand oder, wie er es ausdrückte, "Glückseligkeit" (beatitudo) in materiellem Reichtum und Ruhm zu finden sei. Stattdessen bot seine Arbeit als Linsenschleifer mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, denn sie machte ihn zu einem Teil der vernetzten, aufstrebenden Gemeinschaft der frühen Wissenschaftler zu Beginn der wissenschaftlichen Revolution, von denen viele Linsen in ihren Teleskopen und Mikroskopen verwendeten.

Zwar sah Spinoza die Glückseligkeit nicht im diesseitigen Reichtum, doch glaubte er auch nicht, dass sie in einem Leben nach dem Tod zu finden sei. Im 17. Jahrhundert glaubte man gemeinhin, dass man nach dem Tod Glückseligkeit erlangen könne, wenn man die moralischen Normen befolgte und zu Lebzeiten freiwillig auf bestimmte Vergnügungen verzichtete. Spinozas radikale Einsicht ist jedoch, dass man in diesem Leben Glückseligkeit erlangen kann. Wie er schreibt:

Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst; wir genießen sie auch nicht, weil wir unsere Begierden zügeln, sondern im Gegenteil, weil wir sie genießen, können wir sie zügeln.

Der Begriff der Glückseligkeit ist eng mit Spinozas Auffassung von Selbstverwirklichung verbunden. Wir erinnern uns, dass Spinoza Gott als Natur ansieht. Die Selbstverwirklichung setzt voraus, dass wir uns selbst als Modi [Ausdruck] Gottes genau verstehen und dadurch Gott lieben lernen. Doch was bedeutet ein solches genaues Verständnis? Eine neuere Interpretation bietet Alex X. Douglas in seinem Buch über dieses Thema, "The Philosophy of Hope" (2023). Für Spinoza ist die Glückseligkeit eine Art Ruhe der Seele oder geistige Zustimmung. Sie entspringt der intellektuellen Liebe zu Gott oder zur Natur. Für Spinoza steigert das Wissen unsere Kraft und damit unsere Selbsterhaltung durch Wissen. Wenn unsere Emotionen uns in die Irre führen (z. B. wenn wir nach Ansehen oder Ruhm streben), vermindern wir tatsächlich unsere Selbsterhaltung, weil wir dazu gedrängt werden, äußeren Gütern zu dienen. Das höchste Wissen, das wir anstreben können, ist das Wissen über das Universum als Ganzes. Dieses Wissen ist auch Wissen über das Selbst, denn jeder von uns ist ein Ausdruck (Modus) Gottes. Douglas stellt klar, dass dies nicht bedeutet, dass wir Teile Gottes sind, wie Puzzlestücke. Vielmehr drückt jeder von uns - eine einzelne Fliege, eine Rose, ein Berg oder eine Wolke - "das Ganze auf seine eigene Art und Weise aus".

Wenn wir uns als ökologisches Selbst begreifen, wird sich das so anfühlen, als ob wir unser erweitertes Selbst bewahren würden

Wenn man sich bewusst macht, dass man ein Ausdruck der gesamten Natur ist, wird einem klar, dass man zwar sterben wird, aber in einem nicht-trivialen Sinne auch ewig ist, da die eine Substanz, von der man ein Ausdruck ist, fortbestehen wird. Spinoza stellt auch die starke Behauptung auf, dass wir, wenn wir vernünftig sind, nicht anders können als Gott zu lieben. Das ist das Vernünftigste, was man tun kann, denn die Liebe zu Gott ergibt sich spontan und natürlich aus einem genauen Verständnis von uns selbst und der Welt. Wenn man dies erkennt, erlangt man Glückseligkeit.

Wie wir gesehen haben, sagt Spinoza, dass das Gedeihen oder die Glückseligkeit nicht der Lohn der Tugend ist, sondern die Tugend selbst. Wenn wir dies erreicht haben, brauchen wir unsere Begierden nicht mehr zu zügeln, denn sie werden sich auflösen, wenn wir diese kognitive Einheit mit der übrigen Natur erreichen. All dieses Gerede über die Zügelung der eigenen Begierden mag sich moralistisch und altmodisch anfühlen, aber Spinoza bringt einen wichtigen Punkt zur Sprache, nämlich dass es letztlich selbstzerstörerisch ist, wenn man sich aus Spaß an Dingen wie dem Last-Chance-Tourismus - dem Besuch von Orten auf der Erde, die aufgrund der Klimakrise bald verschwinden werden - oder der Erforschung der Tiefsee beteiligt. In ähnlicher Weise könnten wir das Gefühl haben, dass der Verzicht auf Steak oder der Verzicht auf das Fliegen für häufige Konferenzreisen oder zum Vergnügen eine Selbstbeschränkung darstellt.

Aber wenn wir uns erst einmal als ökologisches Selbst verstehen und begreifen, dass wir Teil eines zerbrechlichen, großen Ökosystems und des Planeten sind, wird sich das eher so anfühlen, als würden wir unser erweitertes Selbst bewahren, anstatt uns selbst zu beschneiden. Wie Spinoza in seiner "Kurzen Abhandlung über Gott, den Menschen und sein Wohlergehen" (um 1660) erklärt, "da wir feststellen, dass das Streben nach sinnlichen Freuden, Begierden und weltlichen Dingen nicht zu unserem Heil, sondern zu unserer Zerstörung führt, ziehen wir es vor, uns von unserem Verstand leiten zu lassen". Paradoxerweise unterschätzen wir, wie reich unser ökologisches Selbst wirklich ist. Wir gestehen uns selbst nicht genug zu, dass wir in der Lage sind, echte Zufriedenheit und Wohlbefinden aus einfachen Vergnügungen zu ziehen, die nicht mit der Zerstörung des Planeten einhergehen. Vielmehr denken wir, dass wir infrastrukturlastige, teure Dinge brauchen, um glücklich zu sein, wo das Glück doch immer gleich um die Ecke liegt.

Selbstverwirklichung steigert unsere Macht. Wie wir gesehen haben, jagen wir Dingen nach, von denen wir glauben, dass sie uns Freude bringen, wie Reichtum und Prestige, die aber unsere Macht verringern, weil sie uns in ihren Bann ziehen. Aktive Freude im spinozistischen Sinne ist ein intellektuelles Verständnis von sich selbst und seiner Beziehung zur Welt. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit von Shamayim Harris. Als ihr zweijähriger Sohn Jakobi Ra bei einem Unfall mit Fahrerflucht ums Leben kam, beschloss sie, ihr heruntergekommenes, postindustrielles Viertel in Detroit in ein lebendiges Dorf zu verwandeln: "Ich musste ... Trauer in Ruhm, Schmerz in Kraft verwandeln." Sie kaufte Häuser für ein paar Tausend Dollar auf und verwandelte das Gebiet in das umweltfreundliche Avalon Village mit einer Bibliothek, Solarenergie, MINT-Labors, einem Musikstudio, Gewächshäusern für die Zubereitung von Speisen und vielem mehr. Solche widerstandsfähigen, begehbaren und kinderfreundlichen Gemeinschaften bieten einen großen Spielraum für Selbstverwirklichung. In einem wichtigen næssianischen Sinne hat Harris ein Zuhause für sich und andere geschaffen. In der Ökosophie von Næss dreht sich alles um das Zuhause, aber in einem umfassenderen ökologischen Sinne, in dem die Selbstverwirklichung die oberste Norm ist.

Die Selbstverwirklichung hat etwas Schönes an sich. Durch kluges und rationales Verhalten wären wir in der Lage, eine neue Staatsbürgerschaft zu finden, eine Art des Seins in der Natur, eine Polis, die auch nichtmenschliche Tiere und Pflanzen einschließt. Diese Art des Seins würde unsere Handlungsfähigkeit erhöhen und unserem Drang nach Selbstverwirklichung entsprechen.

Es gibt nicht die eine Art und Weise, wie wir zu sein haben. Es gibt nicht einmal ein Ideal, auf das hin sich die Menschen entwickeln müssen, wie im TESCREAL-Universum. Die Natur hat keine ultimative Teleologie [Lehre, der zufolge Handlungen und Dinge oder überhaupt die Prozesse ihrer Entstehung und Entwicklung durchgängig zielorientiert ablaufen]. Wir sind wichtig, so wie wir jetzt sind, nicht (nur oder hauptsächlich) als zukünftige Hypothesen, und wir können uns eine Welt vorstellen, in der Menschen, Tiere, Pflanzen, aber auch Berge und Flüsse ihre eigenen, vielfältigen Identitäten haben und in der sie in Gemeinschaft miteinander existieren. Eine solche Welt kann die Vielfalt des Denkens und des Ausdrucks beinhalten. Unser Weg aus der Klimakrise muss daher damit beginnen, dass wir uns selbst als ökologische und vernetzte Wesen neu begreifen.

Die Selbstverwirklichung, wie sie von Næss, Spinoza und Lorde konzipiert wurde, ist im Kern eine freudige, bejahende Vision. Sie geht nicht von der Prämisse aus, dass das Leben von Natur aus mit Leiden erfüllt ist. Wenn wir die Selbstverwirklichung erreicht haben, wird ein gutes Leben aufgrund der Einheit von Glückseligkeit und Tugend leicht. Aufgrund unseres kollektiven Klimaleugnertums ist dies jedoch schwer zu erreichen. Es ist nicht so, dass wir eines Tages aufwachen und selbstverwirklicht sind. Wir müssen diesen Perspektivwechsel vollziehen und erkennen, dass wir miteinander verbundene Wesen sind, die nur zusammen mit dem Rest der Natur gedeihen können. Es ist vielleicht passend, mit den letzten Zeilen von Spinozas "Ethik" zu schließen:

Wenn der Weg, den ich gezeigt habe, um zu diesen Dingen zu führen, jetzt sehr schwer erscheint, so kann er doch gefunden werden. Und natürlich muss das, was so selten gefunden wird, schwer sein. Denn wenn das Heil in greifbarer Nähe wäre und ohne große Mühe gefunden werden könnte, wie könnte es dann fast jeder vernachlässigen? Aber alles Gute ist so schwer, wie es selten ist.

Mit Dank an Émile Torres, Bryce Huebner, Johan De Smedt, Oscar Westerblad, Phyllis Gould, David Johnson und Ivan Gayton für Kommentare zu einem früheren Entwurf.


16.09.2023 Für FFF Veranstalter Berlin – Antikapitalistische und sozialistische Kritik unerwünscht

Polizeilicher Übergriff beim Friday´s for Future Streik am 15.9.2023 in Berlin. Auf das Rote Antiquariat, Sol, SAV, Der Funke und die MLPD. Auf Anweisung der Veranstaltungsleitung Friday for Future. Antikapitalismus und Sozialismus mutmasslich unerwünscht!

Pressemitteilung des Roten Antiquariats vom 15.09.2023:

"Das Rote Antiquariat hatte bei der heutigen Auftaktkundgebung des Klima-Streiks in Berlin neben den Gruppen Sozialistische Organisation Solidarität Sol, Der Funke und der MLPD einen mobilen Bücherstand auf einem Lastenrad mit Hänger aufgebaut. Gegen kurz nach 12 Uhr kamen Polizisten und eine Ordnerin von Friday for Future und haben den Abbau der Stände verlangt. Auch nach geforderter Rücksprache mit dem Veranstalter blieb es bei dieser Aufforderung, diesmal jedoch mit der verbundenen Drohung, dass die Stände innerhalb von zehn Minuten abgebaut sein müssen, ansonsten würde der Bücherstand beschlagnahmt werden und eine Festnahme erfolgen. Wir wichen der Gewalt.

Friday for Futur hat somit mit Hilfe der Polizei den Vertrieb antifaschistischer und sozialistischer Literatur unterbunden. Welche Gefahr von Schriften von Karl Marx, Rosa Luxemburg, Theodor W. Adorno, Inge Deutschkron, Erich Kästner, Günter Wallraff, Erich Fromm, Ernst Bloch u.a. ausgehen, muss Friday for Future beantworten.

Ein solches Vorgehen gegen einer Bücherstand und politische Stände der sozialistischen Linken gab es schon sehr lange nicht mehr in Berlin. Das dies auf Anweisung des Veranstalters geschehen ist, ist ein Armutszeugnis für Friday for Future und hinterlässt einige Fragen.

Kontakt: Rotes Antiquariat, Rungestraße 20, 10179 Berlin"

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01.08.2023 Here's the truth about Sunak's plans for the North Sea: he will sell out the planet to the dirtiest bidders

Despite grave new warnings about the depth of the climate crisis, plutocrats are fighting to keep their profits – and our PM is with them

To understand this moment, we have to recognise that there is an existential struggle on both sides. While environmental scientists and activists fight for the very survival of the habitable planet, the fossil fuel, meat and internal combustion industries are fighting for their economic survival. Either they are regulated out of existence or human society across much of the world will fail. We cannot all win: either these industries survive or we do. But we can all lose, because, eventually, they will go down with the rest of us.

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21.09.2023 Ausgerechnet reichste Länder investieren in Erdöl und Erdgas

Für fast 90 Prozent der CO2-Emissionen bis 2050 aus neuen Quellen werden nur zwanzig Staaten verantwortlich sein.

Wenn diese zwanzig Länder darauf verzichten würden, neue Öl- und Gasquellen zu erschliessen, gingen bis 2050 173 Milliarden Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre. Das ist so viel CO2, wie allein die USA innerhalb von dreissig Jahren verursachen. Zu diesem Schluss kommt die Studie «Planet Wreckers: How 30 Countries' Oil and Gas Extraction Plans Risk Locking in Climate Chaos», welche die NGO «Oil Change International» vor wenigen Tagen veröffentlichte.

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21.09.2023 "Frieden mit der Erde schließen" – Ein ökofeministisches Manifest

Anlässlich des Internationalen Tages der Umwelt stellte Dr. Vandana Shiva, Gründerin von Navdanya, am 5. Juni diesen Jahres zusammen mit weiteren Frauen der internationalen Bewegung Diverse Women for Diversity (DWD) auf einer Pressekonferenz in Rom das ökofeministische Manifest "Making Peace with the Earth" vor. Das von Navdanya veröffentlichte Manifest ist nun auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel "Frieden mit der Erde schließen durch Vielfalt, Gegenseitigkeit, Gewaltlosigkeit und Fürsorge" erschienen.

Internationales Frauennetzwerk Diverse Women for Diversity

Die vor über 25 Jahren gegründete Bewegung Diverse Women for Diversity (DWD) ist ein internationales Frauennetzwerk, das als Reaktion auf die Bedrohung der biologischen und kulturellen Vielfalt durch die Globalisierung entstand. Bereits auf dem Welternährungsgipfel 1996 erklärte DWD, dass die Antwort auf die durch konzerngesteuerte Agrarindustrie verursachten Probleme wie Krankheiten, Hunger und Umweltzerstörung die Stärkung der Ernährungssouveränität in den Händen der Frauen ist.

Heute ist das Netzwerk auf allen Kontinenten vertreten. Ziel ist es, die Energien von Frauen zu bündeln, um Alternativen auf der Grundlage von Gleichheit, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Frieden zu formulieren und anzubieten. Neben Vandana Shiva und vielen weiteren Frauen aus aller Welt wie der südafrikanischen Friedensaktivistin Ela Gandhi sind auch die deutsche Biologin und Umweltaktivistin Christine von Weizsäcker sowie die österreichische TV-Köchin und Mitglied des Europäischen Parlaments Sarah Wiener Teil des Netzwerks.

Entstehung des Manifests "Frieden mit der Erde schließen"

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Klimachaos und der Konflikte um natürliche und wirtschaftliche Ressourcen trafen sich vom 2. bis 8. März diesen Jahres mehr als einhundert Frauen aus allen Teilen der Welt auf der Navdanya Biodiversity Conservation Farm am Fuße des Himalaya, um Erfahrungen auszutauschen und alternative Strategien zu entwickeln. Zum Abschluss des Treffens wurde ein gemeinsames Dokument verfasst, um die Stimmen von Bäuerinnen, Aktivistinnen, Saatguterhalterinnen und Forscherinnen aus der ganzen Welt zu bündeln und gemeinsam die soziale und ökologische Verantwortung der industriellen Landwirtschaft und der neoliberalen Wirtschaft anzuprangern.

"In einer Welt, die zunehmend vom Überwachungskapitalismus und der Finanzialisierung aller Lebensformen kontrolliert wird, lehnen wir alle falschen Lösungen ab und verurteilen sie. Wir widersetzen uns allen Versuchen der Konzerne und ihrer Verbündeten, die genetischen Grundlagen des Lebens für den Profit der Konzerne zu verändern und zu manipulieren. Wir akzeptieren keine gentechnisch veränderten Pflanzen und Tiere, einschließlich genmanipulierter Lebensmittel, oder gefälschte Lebensmittel, die zu einer noch größeren Monopolisierung durch die Konzerne führen und die biologische Vielfalt weiter zerstören."

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22.09.2023 Das Tauziehen um die EU-Glyphosatzulassung geht weiter

Das Tauziehen um den Unkrautvernichter Glyphosat geht in die nächste Runde. Mitte Oktober wollen die EU-Staaten darüber entscheiden, ob die am 15. Dezember auslaufende Zulassung von Glyphosat verlängert wird.

Die ursprünglich von 2017 bis Ende 2022 gültige Zulassung wurde bereits mehrfach verlängert. Zuletzt, um die grossen Datenmengen zu bearbeiten, die zur Risikoprüfung eingereicht wurden. Die WHO hatte das Pestizid 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft.

ECHA hält Glyphosat für ungefährlich, Umweltverbände kritisieren

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA sieht kein Krebsrisiko mehr, was für eine Wiederzulassung spricht. Mit Glyphosat gefütterte Nagetiere hatten zwar Krebs entwickelt. Es sei aber kein Mechanismus bekannt, wie Krebs unter Glyphosateinwirkung entstehen könne, argumentiert die Behörde. Der Entstehungsmechanismus bei Krebs ist allerdings häufig nicht abschliessend geklärt.

Umweltverbände wie das Pesticide Actions Network (PAN) halten dagegen. Sie verweisen unter anderem auf eine im August veröffentlichte Studie, die oxidativen Stress im Körper mit Glyphosat in Zusammenhang bringt. Bei mit Glyphosat gefütterten Nagern seien Marker für oxidativen Stress in grosser Menge nachweisbar. Dieser könne durchaus Krebs auslösen, argumentieren die beteiligten Wissenschaftler. Das Vorgehen der ECHA kritisieren sie als oberflächlich.

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Ich bin sprachlos...


20.10.2023 Ex-officials at UN farming body say work on methane emissions was censored

Exclusive: Pressure from agriculture lobbies led to role of cattle in rising global temperatures being underplayed by FAO, claim sources

Former officials in the UN's farming wing have said they were censored, sabotaged, undermined and victimised for more than a decade after they wrote about the hugely damaging contribution of methane emissions from livestock to global heating.

Team members at the UN Food and Agriculture Organization (FAO) tasked with estimating cattle's contribution to soaring temperatures said that pressure from farm-friendly funding states was felt throughout the FAO's Rome headquarters and coincided with attempts by FAO leadership to muzzle their work.

The allegations date back to the years after 2006, when some of the officials who spoke exclusively to the Guardian on condition of anonymity wrote Livestock's Long Shadow (LLS), a landmark report that pushed farm emissions on to the climate agenda for the first time. LLS included the first tally of the meat and dairy sector's ecological cost, attributing 18% of global greenhouse gas emissions to livestock, mostly cattle. It shocked an industry that had long seen the FAO as a reliable ally – and spurred an internal clampdown by FAO hierarchy, according to the officials.

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17.11.2023 Proteste: Die EU erlaubt Glyphosat für weitere zehn Jahre

Der Total-Unkrautvernichter Glyphosat erhielt mit Einschränkungen einen Freipass. Agrarminister Cem Özdemir «bedauert das sehr».

Weil sich die EU-Staaten nicht einig waren, hat die zuständige EU-Kommission Glyphosat für weitere zehn Jahre freigegeben. Es werde einige Auflagen geben, so die Behörde.

Deutschland enthielt sich in den Verhandlungen zu Glyphosat der Stimme, weil sich die Bundesregierung nicht auf eine gemeinsame Position einigen konnte. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) wollte eine verlängerte Zulassung ablehnen, die FDP dagegen begrüsste den Vorschlag der EU-Kommission. Die liberalen MinisterInnen Stark-Watzinger und Wissing änderten ihre Meinung und zwangen Deutschland in der EU zur Enthaltung. In der Abstimmung am 16. November enthielten sich nach Angaben von Diplomaten sechs weitere Mitgliedsländer, darunter Frankreich und die Niederlande.

Österreich, Luxemburg und Kroatien lehnten eine Neuzulassung ab.

Streit gab und gibt es unter anderem darüber, ob Glyphosat möglicherweise krebserregend ist. Zudem stehen Gefahren für die Umwelt im Raum. Eine aufwendige Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte jüngst keine «inakzeptablen» Gefahren gesehen – aber auf Datenlücken in mehreren Bereichen hingewiesen.

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20.11.2023 Glyphosat: Freipass der EU – Bayer verliert Milliardenprozess

Ein US-Gericht verurteilt Bayer/Monsanto zu Milliarden-Schadenersatz. Die EU lässt den Unkrautvertilger für weitere zehn Jahre zu.

Zehntausende Verfahren sind in den USA noch offen – nun hat Bayer erneut eine Niederlage in einem Glyphosat-Prozess erlitten. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Missouri hat die Bayer-Tochter Monsanto zur Zahlung von mehr als 1,5 Milliarden Dollar Schadensersatz an drei Kläger verurteilt. Die Kläger führen ihre Krebserkrankung auf die jahrelange Verwendung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zurück.  Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Bayer kündigte Rekurs an.

[... im infosperber-Artikel vom 17.11.23 oben steht, dass die EU Glyphosat mit wenigen Auflagen für weitere zehn Jahren freigegeben hat. Wie passt das zusammen? Wie korrupt ist die EU?]

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Pestizide – So beeinflussen Chemiekonzerne Forschung und Politik | Impact Investigativ | SRF

Vier Chemie-Konzerne, unter anderem Syngenta und Bayer, hielten Studienergebnisse zu Pestiziden zurück. Einige der Ergebnisse führten dazu, dass die Grenzwerte für die entsprechenden Stoffe angepasst werden mussten. So liegt z.B. der Grenzwert für Abamectin – ein Insektizid, das auch in der Schweiz auf Äpfel- und Birnenbäumen angewendet wird, in der EU heute drei Mal tiefer. Die entsprechenden Studien hatte Syngenta aber bereits 2005 und 2007 durchgeführt. Warum wurden diese wichtigen Informationen nicht offengelegt?

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30.11.2023 Brasilien: Mehr Glyphosat führt zu mehr Todesfällen bei Kindern

Mit steigender Sojaproduktion werden immer mehr Pestizide gespritzt. Es erkranken immer mehr Kinder an Krebs, sagt eine Studie.

Der zunehmende Sojaanbau in Brasilien geht mit mehr Todesfällen bei Kindern unter zehn Jahren einher. Grund dafür ist der verstärkte Einsatz von Pestiziden. Das legt eine US-amerikanische Studie nahe, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde. Das Team um Marin Skidmore von der University of Illinois untersuchte die Zunahme der Krebssterblichkeit bei Kindern im Alter von unter zehn Jahren im Amazonas-Gebiet sowie in dem durch Feuchtsavannen geprägten Cerrado. In diesen Regionen breitet sich der Soja-Anbau immer weiter aus. Im Zeitraum von 2008 bis 2019 starben hier 123 Kinder an akuter lymphatischer Leukämie – der bei Kindern häufigsten blutbasierten Krebserkrankung. Noch viel mehr Kinder erkrankten an Krebs.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler Gesundheitsdaten der letzten beiden Jahrzehnte aus, aber auch Daten zu Landnutzung, Wasserquellen und Demografie.

Ergebnis: Seit 2000 hat sich die Sojaproduktion im Cerrado-Gebiet verdreifacht, im Amazonas-Gebiet stieg sie um das Zwanzigfache. In den betroffenen Regionen stieg der Pestizid-Einsatz von 2000 bis 2019 um das Drei- bis Zehnfache. Mit dem Anbau genmodifiziertem Soja, habe sich auch die Verwendung von Glyphosat erhöht, schreiben die Autoren.

Die Pestizide werden vor allem über das kontaminierte Flusswasser verteilt, schreiben die Autoren. Weil die Hälfte der dortigen Einwohner auf Oberflächenwasser als Trinkwasserquelle angewiesen ist, untersuchten die Wissenschaftler entsprechende Wasserproben. Zudem berücksichtigten sie die Entfernungen zu Krankenhäusern. Denn die Nähe zu einem Krankenhaus, das Krebstherapien für Kinder anbietet, mache die Sterblichkeit weniger wahrscheinlich, glauben sie. Im Ergebnis war die Anzahl der Todesfälle flussabwärts der Anbaugebiete höher als flussaufwärts. Dies deute darauf hin, dass sich der Abfluss von Pestiziden in das Oberflächenwasser auswirkt. Die Studie stelle keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Pestizid-Exposition und Krebstodesfällen her, sagt Marin Skidmore. Andere Risikofaktoren wie Alkohol- und Tabakkonsum oder auch Placebo-Effekte habe die Studie allerdings ausgeschlossen.

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02.12.2023 Die zweijährige Lobbykampagne zur Sabotage der Pestizid Reduzierung

Der Trommelwirbel der Konzernlobby wurde immer lauter – und führte am Ende zu einem dramatischen Niedergang einer der wichtigsten Green-Deal-Initiativen für Ökosysteme, Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Letzte Woche haben die Europaabgeordneten der rechten EVP-Fraktion – mit Hilfe der extremen Rechten und einer Gruppe von Mitgliedern der Liberalen Erneuerung – das lang erwartete Gesetz zur Reduzierung von Pestiziden SUR, eine Schlüsselinitiative des EU Green Deal, scheitern lassen.

Ein Änderungsantrag nach dem anderen wurde angenommen, um SUR weiter zu schwächen, das seit seiner Ankündigung im Rahmen des EU Green Deal unter Beschuss geraten war. Am Ende entschieden die Europaabgeordneten, die für Gesundheit und Umwelt zuständig sind, dass sie diesen Textentwurf nicht unterstützen wollen und stimmten gegen ihn.

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt auf der ganzen Welt. Das Stadium dieser ökologischen Katastrophe ist sogar noch weiter fortgeschritten als die Klimakrise und gefährdet laut dem Stockholm Resilience Center „die Integrität der lebenden Systeme“, von denen auch die Menschen abhängen.

1,1 Millionen Menschen haben eine Europäische Bürgerinitiative unterstützt, die eine ausgesprochen ehrgeizige Reduzierung von Pestiziden und die Unterstützung von Landwirten bei der Umsetzung dieser Ziele fordert. Laut einer von PAN-Europe in Auftrag gegebenen IPSOS-Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern in 6 EU-Mitgliedsstaaten sind nicht weniger als 81,8 % der Befragten besorgt über die Umweltschäden durch den Einsatz von Pestiziden.

Und eine Zeit lang schien es, als würde in Brüssel ein anderer Wind wehen, zumindest wenn es um Lebensmittel und Landwirtschaft geht. Politiker/innen an der Spitze der EU-Kommission, darunter auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, schienen zu erkennen, dass sie handeln müssen und zwar dringend.

Doch von Anfang an konnten wir Tag für Tag und Monat für Monat miterleben, wie Konzerne wie zum Beispiel Bayer und BASF, ihre Lobbygruppen und ihre politischen Verbündeten zahlreiche Green-Deal-Projekte verzögerten, untergruben und sogar zum Scheitern brachten.

Der Höhepunkt dieses Projekts fand letzte Woche statt, als das geplante Gesetz zur Reduzierung von Pestiziden in Straßburg abgelehnt wurde.

Die grüne Europaabgeordnete Sarah Wiener, Berichterstatterin für das Gesetz zur Reduktion von Pestiziden sagte nach der Abstimmung:

„Dies ist ein sehr dunkler Tag für die Gesellschaft insgesamt und für die Umwelt – und auch für die Landwirte.“

Die Mitte-Rechts-Partei Europäische Volkspartei (EVP) hingegen feierte das Scheitern des Vorschlags. Das Gesetz war bereits stark ausgehöhlt worden, ähnlich wie das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur, und die EVP hatte daran gearbeitet, beide Vorschläge zu untergraben, indem sie einen zynischen populistischen Weg der Umweltzerstörung beschritt und sich selbst, für einen vermeintlichen Wahlgewinn, als „Bauernpartei“ umbenannte.

Vor allem die konservative EVP-Fraktion, insbesondere Leute wie Norbert Lins (Deutschland) oder Alexander Bernhuber (Österreich), waren die ganze Zeit über die Sprachrohre der Pestizidindustrie.

Bedauerlicherweise reiht sich der Vorschlag zur Reduzierung von Pestiziden nun ein in eine Reihe von anderen Elementen des Green Deal, die ebenfalls nicht in Kraft getreten sind, darunter das Gesetz für nachhaltige Lebensmittelsysteme, neue Tierschutzvorschriften, eine dringend benötigte Überarbeitung des Chemikalienrechts und vieles mehr.

Doch das Scheitern des Green Deals ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen.

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05.12.2023 Konzerne reden von Klimaschutz und fördern Heizöl

Erschliessungen neuer Öl- und Gasvorkommen dürfte es gar nicht mehr geben. Trotzdem werden sie geplant – und genehmigt.

Die Erde steht beim Klimawandel grossen Herausforderungen gegenüber. Trotz aller Vereinbarungen und Versprechen nutzen wir aber verstärkt fossile Brennstoffe. Alle grossen Ölkonzerne planen die Erschliessung neuer Öl- und Gasvorkommen für die nächsten Jahrzehnte, trotz «Netto-null»-Versprechen.

Das berichtet die BBC in einer Dokumentation, die unter anderem zeigt, wie in Alaska Gletscher schmelzen und gleichzeitig nach Öl gebohrt wird. Die Sendung erschien termingerecht kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz COP28, die diesmal in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfindet. Gastgeberin ist also eine Nation, die wie keine andere Öl und Gas exportiert und damit reich geworden ist.

Wie die Ölmultis die Klimaziele ignorieren

Einhalten könne die Welt das 1,5-Grad-Ziel nur, wenn man sich mit den bisher gefundenen fossilen Energiereserven begnügen und keine neuen Bohrungen planen würde, erklärt Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur IEA.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, heisst es in der BBC-Dokumentation. Fast alle grösseren Öl- und Gasunternehmen der Welt planen die Erschliessung neuer Vorkommen, während der Verbrauch fossiler Brennstoffe stetig steigt.

Nils Bartsch, Leiter des Projekts gogel (Global Oil and Gas Exit List) des Vereins Urgewald hat die Zahlen dazu. Gogel hat zusammengetragen, wie weit die Überproduktion der grössten Öl-Multis über das 1,5-Grad-Ziel hinausgeht. «Sie suchen alle weiter nach Öl und Gas?», fragt BBC-Reporter Richard Bilton perplex. «Ja, alle», versichert Bartsch.

Von 700 untersuchten Unternehmen planen 675 die Erschliessung neuer Öl- und Gasfelder.

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05.12.2023 Norman Finkelstein On Israel's Illegal War

Norman Finkelstein kommentiert u.a. Israel's Angriffe nach dem Ende des zeitbegrenzten Waffenstillstands am 1.12.23.

Er vergleicht den Krieg Israels als "Ausrottung" [Extermination] der palästinensischen Bevölkerung.

Interview von Novara Media


04.12.2023 Europas gefährlichster Industriestandort: Atomreaktor und Wiederaufbereitungsanlage Sellafield

The Guardian berichtet am 4.12.23: Die gefährlichste Nuklearanlage des Vereinigten Königreichs, Sellafield, wurde von Cyber-Gruppen gehackt, die eng mit Russland und China verbunden sind.

Die erstaunliche Enthüllung und ihre möglichen Auswirkungen wurden von leitenden Mitarbeitern der riesigen Atommüll- und Stilllegungsanlage konsequent vertuscht, wie die Untersuchung ergab.

Der Guardian hat herausgefunden, dass die Behörden nicht genau wissen, wann die IT-Systeme erstmals kompromittiert wurden. Quellen sagten jedoch, dass die ersten Verstöße bereits 2015 entdeckt wurden, als Experten feststellten, dass Schläfer-Malware - Software, die sich versteckt und zum Ausspähen oder Angreifen von Systemen verwendet werden kann - in die Computernetzwerke von Sellafield eingebettet worden war.

Es ist immer noch nicht bekannt, ob die Malware ausgemerzt wurde. Dies könnte bedeuten, dass einige der sensibelsten Aktivitäten von Sellafield, wie z. B. die Verbringung radioaktiver Abfälle, die Überwachung des Austretens von gefährlichem Material und die Kontrolle von Bränden, beeinträchtigt wurden.

Quellen zufolge ist es wahrscheinlich, dass ausländische Hacker auf die höchsten Ebenen des vertraulichen Materials der Anlage zugegriffen haben, die sich über 6 Quadratkilometer an der Küste von Cumbria erstreckt und zu den gefährlichsten der Welt gehört.

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04.12.2023 Hype um CO2-Zertifikate: „Jetzt eine ebenso große Bedrohung für indigene Landrechte wie Abholzung und Bergbau“

ie Überprüfung eines Vorzeigeprojekts für CO2-Zertifikate ergab „schockierender Schönfärberei“. CO2-Zertifikate, die von gestohlenem indigenem Land stammen, sind „Blutiges CO2“. Doch die COP28 könnte einen Boom von blutigen CO2-Zertifikaten auslösen.

Während die COP28 den Weg für eine massive Ausweitung des Marktes für CO2-Zertifikate ebnen könnte, warnen Expert*innen davor, dass diese CO2-Zertifikate inwzischen „eine ebenso große Bedrohung für indigenes Land darstellen wie Abholzung und Bergbau“.

Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, sagt dazu: „Die COP28 könnte die ‚Blut-CO2 COP‘ werden, wenn Regierungen, Konzerne und Naturschutzorganisationen gemeinsame Sache machen, um den Markt für CO2-Gutschriten auszuweiten, anstatt die wahren Ursachen der Klimakrise ernsthaft anzugehen.“

Dies könnte katastrophale Folgen für indigene Völker haben. CO2-Zertifikate stellen für Regierungen, Unternehmen und Naturschutz-NGOs eine neue Möglichkeit dar, vom Diebstahl indigenen Landes zu profitieren – wie wir bereits jetzt sehen können.

Survival International erklärte, dass darüber hinaus der Verifizierungsprozess für CO2-Zertifikate irreparabel beschädigt ist:

Survivals Recherchen haben die Machenschaften in einem Vorzeigeprojekt für CO2-Zertifikate enthüllt, das von der Naturschutzorganisation Northern Rangelands Trust in Kenia betrieben wird und das von den Tech-Unternehmen Meta und Netflix zum Ausgleich ihrer Emissionen genutzt wird. Die Recherchen deckten schwerwiegende Mängel auf: Nicht nur, dass das Projekt keine freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen Völker vorweisen kann, es speichert nicht einmal zusätzlichen Kohlenstoff.

Dennoch hat eine „Überprüfung“ durch das Verifizierungsunternehmen Verra – das sein Geld mit solchen Projekten verdient – dem Projekt ermöglicht, nach einem vorübergehenden Stopp wieder Zertifikate auszustellen, obwohl keine der von Survival vorgebrachten Bedenken ausgeräumt wurden.

„Obwohl Verra, das die bekanntesten Standards auf dem freiwilligen Markt für CO2-Zertifikate betreibt, jetzt als diskreditiert dasteht, sind Verhandler*innen auf der COP28 dabei, einen neuen globalen Handel für CO2-Zertifikate im Rahmen der UN zu schaffen, der weitgehend genau diesen freiwilligen Markt reproduziert.“

Aber das ganze System ist völlig untauglich...

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05.12.23 Aufgedeckt: Leck am Atomkraftwerk Sellafield, das eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen könnte

The Guardian berichtet: Sicherheitsbedenken in Europas gefährlichster Anlage haben zu diplomatischen Spannungen mit den USA, Norwegen und Irland geführt

In Sellafield, Europas gefährlichstem Nuklearstandort, kommt es zu einem immer schlimmer werdenden Leck aus einem riesigen Silo mit radioaktivem Abfall, das eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen könnte, wie der Guardian enthüllen kann.

Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des zerfallenden Gebäudes sowie Risse in einem Reservoir mit giftigem Schlamm namens B30 haben zu diplomatischen Spannungen mit Ländern wie den USA, Norwegen und Irland geführt, die befürchten, dass Sellafield die Probleme nicht in den Griff bekommen hat.

Das Austreten radioaktiver Flüssigkeit aus einer der „größten nuklearen Gefahren im Vereinigten Königreich“ – einem verfallenden Gebäude am riesigen Standort in Cumbria, bekannt als Magnox-Spänelagersilo (MSSS) – wird wahrscheinlich bis 2050 andauern. Das könnte „potenziell erheblich“ gewesen sein Laut einem offiziellen Dokument besteht die Gefahr einer Kontamination des Grundwassers, wenn es zunimmt.

Auch in der Beton- und Asphalthaut, die den riesigen Teich bedeckte, der jahrzehntelang nuklearen Schlamm enthielt, sind Risse entstanden, was Teil einer Reihe von Sicherheitsproblemen am Standort ist.

Diese Bedenken kamen in „Nuclear Leaks“ zum Ausdruck, einer einjährigen Untersuchung des Guardian zu Problemen wie Cyber-Hacking , radioaktiver Kontamination und giftiger Arbeitskultur auf dem riesigen Atommülldeponie.

Sellafield, ein 6 Quadratkilometer großer Standort an der Küste von Cumbria, beschäftigt 11.000 Menschen und lagert und behandelt Atommüll aus Waffenprogrammen und der Kernenergieerzeugung. Er ist die größte Anlage dieser Art in Europa.

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05.12.2023 Stoppt den Tiefseebergbau (AVAAZ)

Unsere Wälder sind entweder tot oder sterben. Unsere Flüsse sind vergiftet. Wo mal Berge waren, sind nur noch zerstörte Gruben - die Narben in der Erde.

Das hat der Bergbau mit unserem Land gemacht. Was passiert, wenn wir dieses Grauen auf unsere Ozeane loslassen?

Ein entscheidendes Gremium in Norwegen hat gerade einen riesigen Schritt in Richtung dieses Wahnsinns getan und uns bleiben nur noch vier Wochen, um das ganze Parlament davon zu überzeugen, dass manche Grenzen niemals überschritten werden sollten.

Länder mit großen Küstenregionen wie Frankreich, Kanada und das Vereinigte Königreich sind gegen den gefährlichen und unerprobten Tiefseebergbau. Doch es braucht nur einen, der den ersten Schritt macht, und Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre trotzt dem wachsenden internationalen Druck und fordert seine Abgeordneten auf, den Tiefseebergbau zuzulassen.

Die gute Nachricht ist, dass die Welt darauf aufmerksam wird - wir hören aus Norwegen, dass das internationale Image von Premierminister Støre darunter leidetund dass Gesetzgeber unter großem Druck stehen.

Die wichtige Entscheidung steht in nur vier Wochen an! Norwegen ist nicht oft das Ziel von öffentlicher Kritik aus aller Welt, daher könnte ein großer internationaler Aufschrei das Blatt wenden und unsere Ozeane retten!

Zur AVAAZ-Petition


07.12.2023 Gemeinsam kämpfen für einen sozialen und ökologischen Umbau

In Europa entstehen zunehmend Bündnisse zwischen Klima- und Arbeitnehmer:innenbewegung. Ein Beispiel dafür ist die Allianz „Menschen und Klima schützen statt Profite“, in der AK, Gewerkschaft Bau-Holz und Klimaaktive ein klimafittes Arbeitsrecht und ökologisches Bauen einfordern. Damit wird greifbar, wie ein sozialer und ökologischer Umbau gelingen kann.

von Lukas Oberndorfer für A&W blog

Der grüne Umbau hat längst begonnen – zumindest dort, wo damit Profite gemacht werden können. Das zeigt unter anderem die Entwicklung im Bereich des Elektroautos. Tesla und sein chinesischer Konkurrent BYD Auto wachsen exponentiell. In China wird dieses Jahr rund jedes dritte verkaufte Auto ein Stromer sein. „Der Verbrenner ist ein Auslaufmodell“, meint der Automobilforscher Ferdinand Dudenhöfer. Auch der Ausbau von erneuerbaren Stromkapazitäten wächst rasant: Die Internationale Energieagentur prognostiziert allein für dieses Jahr ein globales Wachstum von mehr als 30 Prozent.

Neben dem Einfluss der Klimabewegung und weiteren Umfeldbedingungen (wie z. B. dem russischen Angriffskrieg) liegt der Grund für diese Entwicklung vor allem darin, dass die Produktions- bzw. Gestehungskosten von Lithium-Ionen-Akkus und Solarenergie seit 2010 um mehr als 85 Prozent gefallen sind. Ihre zunehmende Konkurrenzfähigkeit macht sie zu profitablen Anlagefeldern.

Hier zeigt sich allerdings sogleich der begrenzende Faktor des im Entstehen begriffenen „grünen“ Kapitalismus: Wo Nachhaltigkeit nur gegen den Anspruch auf Profit durchgesetzt werden kann – etwa im Bereich der Mobilitätswende hin zu einem öffentlichen Verkehr, der Renaturierung, der Reduktion des Energieverbrauchs oder einer Erneuerung des Sozialstaates, um die Menschen im Umbau gut abzusichern –, geht entsprechend wenig voran.

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09.12.2023 Regeneration ist Leben – Ein agrarökologisches Paradigma zur Bewältigung der Klimakrise

Anlässlich der Weltklimakonferenz COP28 präsentiert Navdanya International „Regeneration ist Leben – Ein agrarökologisches Paradigma zur Bewältigung der Klimakrise“.

Es gibt zwei Hauptparadigmen, wie wir uns in der Welt und in unserer Beziehung zur Erde sehen. Wir sehen uns entweder als von der Natur getrennt oder als Teil von ihr.

Das Paradigma der industriellen Landwirtschaft, das die Welt als Maschine und nicht als selbstorganisiertes lebendes System betrachtet, hat durch Extraktion und Ausbeutung zur Verwüstung des Planeten geführt. Die ökologisch zerstörerischen Praktiken des industriellen Landwirtschaftsparadigmas sind für 29 % aller Treibhausgasemissionen (THG) verantwortlich und machen das globale Ernährungssystem zu einem der Hauptverursacher von Klimawandel und Umweltzerstörung. Wenn man so tut, als wäre die Welt eine Maschine, untergräbt man lebende Prozesse und organische Systeme und zerstört sie schließlich.

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14.12.2023 Nicht Plastikabfälle sind die grösste Mikroplastikquelle. Es ist der Pneuabrieb aus dem Strassenverkehr.

Wenn von Mikroplastik die Rede ist, dann denken die meisten Leute sogleich an weggeworfene Plastikabfälle, die sich mit der Zeit zersetzen. An Granulat von Kunstrasen-Fussballplätzen, das ausgeschwemmt wird. Oder an Inhaltsstoffe in Kosmetika. Doch die grösste Mikroplastik-Quelle ist der Strassenverkehr. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in einem Bericht, mit dem er ein Postulat der ehemaligen SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel erfüllt.

93 Prozent

Der Bundesrat geht davon aus, dass durch Pneuabrieb in der Schweiz jährlich 21’200 Tonnen Mikroplastik freigesetzt werden. Das sind 3,3 Kilo pro Motorfahrzeug. Oder 93 Prozent des gesamten Mikroplastiks, das in der Schweiz anfällt.

Fünf bis sechs Kilo Abrieb

Ein Satz Pneus erreicht normalerweise eine Laufleistung von gut 40’000 Kilometern. Pro 1000 Kilometer werden rund 120 Gramm Gummi «abgerieben». Über die ganze Lebensdauer macht das für vier Pneus einen Gewichtsverlust – oder eben Mikroplastik und Feinstaub – von fünf bis sechs Kilo aus.

Beschleunigen und Bremsen

Pneuabrieb entsteht wegen der Reibung zwischen Pneu und Strasse – besonders beim Beschleunigen, beim Bremsen und beim Lenken. Das führt zum Pneu- und zum Strassenabrieb. Einfluss auf die Menge des Pneuabriebs haben laut dem Bericht «das Fahrzeuggewicht, die Reifenbreite sowie die Brems-, die Beschleunigungs- und die Lenkkräfte». Eine Rolle spielen auch die Materialzusammensetzung der Pneus sowie deren Rollwiederstand.

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16.12.2023 FDP-Regierungsrat prangert illegales Treiben nicht einmal an

SRF dokumentiert skandalöse, amtlich tolerierte Gesetzesverstösse. Geschädigte sind Seen, Luft, Wälder und die Steuerzahlenden.

Das Ausmass der illegalen Schweinereien im Kanton Luzern belegt der neuste Dokumentarfilm von SRF-DOK. Er zeigt, wie eine starke Lobby der Intensivmast-Betreiber und Wirtschaftsinteressen den Rechtsstaat seit Jahrzehnten aushebeln. Infosperber übernimmt eine Zusammenfassung von Karin Bauer auf SRF-News. Titel und Lead oben sind von Infosperber.


Die Fakten in Kürze

Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt: Im Schweizer Wald sind die Ammoniak-Immissionen (Belastungen der Umwelt) seit 60 Jahren zu hoch, in einzelnen Seen wie dem Baldeggersee seit 40 Jahren. Die politischen Massnahmen gegen die Verschmutzung haben Hunderte Millionen Steuergelder gekostet, ohne das Problem zu lösen. Die Konsequenzen trägt niemand – ausser die Natur.

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16.12.2023 Überdüngung Hüttnersee

Passend zum obigen Artikel meine kleine Polemik: der Hüttnersee zwischen Samstagern und Hütten wird seit Dezember 1983 belüftet, weil er überdüngt ist. So geht es vielen kleinen und grösseren Seen in der Schweiz.

Ich bin vor ein paar Jahren im Spätherbst die Hüttnerstrasse hochgefahren in Richtung Hütten. Auf der Strasse und an der Leitplanke seeseits waren auf einer langen Strecke unübersehbare und frische Güllepuren sichtbar. Ich habe angehalten und mir den Schafrain-Abhang zum See herunter angesehen: die Wiese war deutlich erkennbar mit Spritzrohren annähernd kompakt mit Gülle zugedeckt. An den Tagen um jenen Tag hatte es ständig kräftig geregnet.

Ich kann falsch liegen, doch meines Wissens darf Gülle ausgebracht werden, wenn die Vegetation die Nährstoffe aufnehmen kann. Wenn der Boden wassergesättigt ist, darf nicht gegüllt werden. Der Hüttnersee liegt in einem Naturschutzgebiet. Ob und welche gesetzlichen Regelungen es damals gab bzw. heute gibt, weiss ich nicht. Aus Sicht des Umweltschutzes (z.B. hinsichtlich Überdüngung des Grundwassers, des Sees, CO2) müsste die Ausbringung an dieser Lage, in der genannten Jahreszeit, in solchem Wetter und mit dieser Spritztechnik unterlassen werden.

Nicht allen LandwirtInnen liegt Landschaftsschutz, Naturschutz und Umwelt nahe, was sich einerseits am Zustand der landwirtschaftlichen Nutzflächen, den Anbaumethoden, dem Dünger- / Insektizid- / Pestizid- / Fungizideinsatz, der übrigen Agrarchemie, der zunehmend schweren Mechanisierung und dem Einsatz genmanipulierter Pflanzen zeigt. Andererseits steuert die Politik die Mittel nicht so, dass der Anreiz für die LandwirtInnen wirkungsvoll in natur- und menschengerechte Anbaumethoden und Bewusstsein für gesunde Böden, Artenvielfalt, Bewahrung, usw. sowie letztlich eine gesunde Ernährung betont. Wahrscheinlich sind die Agrochemie-Lobbyisten und andere politische Akteure zu stark im Bundeshaus vertreten und die entsprechenden Entscheidungsträger sind zu schwach, ihnen zu wiederstehen und zu stark an ihrem eigenen Fortbestand interessiert. Auch ist es einfacher, nichts neues lernen zu müssen.

Ein solcher Zustand und ein solches Verhalten haben keine Zukunft.


19.12.2023 Eine Welt ohne Hunger ist möglich – aber politisch chancenlos

Die Erde könnte 10 Milliarden Menschen ernähren, sagt ein Geosystemwissenschaftler. Dazu müsste sich aber einiges ändern.

Die Welternährung hat in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch Fortschritte gemacht – noch immer hungern viel zu viele Menschen. 2022 litt jeder elfte Mensch unter chronischem Hunger. Durch Konflikte und Klimakrise droht die Situation sich weiter zu verschlechtern, während die Weltbevölkerung wächst.

Derzeit leben etwa 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Bis 2036 werden es nach Prognosen der UN 9 Milliarden und bis 2057 10 Milliarden sein. Durch die Klimaveränderung brechen dazu Produktionsflächen weg. Viele landwirtschaftliche Gebiete sind bereits ökologisch überlastet.

Dennoch sei es möglich, auch 10 Milliarden Menschen ausgewogen zu ernähren, ohne die Erde zu überlasten, sagt der Wissenschaftler Dieter Gerten vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dazu müsste sich aber einiges ändern. Und politisch wäre sein Modell chancenlos.

Stand der Dinge: Wir steuern auf den Ökozid zu

10 Milliarden Menschen, das bedeutet, dass 50 bis 70 Prozent mehr Lebensmittel erzeugt werden müssen – wenn wir sie nach gegenwärtigen Standards produzieren.

Langfristig wird ein «Weiter so» relativ sicher zum Zusammenbruch der Ökosysteme führen. Sechs von neun sogenannten planetaren Grenzen sind bereits überschritten.

Gerten ging bei seiner 2020 in «Nature Sustainability» publizierten Forschungsarbeit noch von vier überschrittenen Grenzen aus: der Integrität der Biosphäre, der Landnutzung durch den Menschen, unserem Süsswasserverbrauch und dem der Zustand der biogeochemischen Kreisläufe, besonders des Stickstoffkreislaufes. Stickstoff ist ein wesentlicher Bestandteil von Düngemitteln.

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19.12.2023 Eine Welt ohne Hunger ist möglich – aber politisch chancenlos

Die Erde könnte 10 Milliarden Menschen ernähren, sagt ein Geosystemwissenschaftler. Dazu müsste sich aber einiges ändern.

Die Welternährung hat in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch Fortschritte gemacht – noch immer hungern viel zu viele Menschen. 2022 litt jeder elfte Mensch unter chronischem Hunger. Durch Konflikte und Klimakrise droht die Situation sich weiter zu verschlechtern, während die Weltbevölkerung wächst.

Derzeit leben etwa 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Bis 2036 werden es nach Prognosen der UN 9 Milliarden und bis 2057 10 Milliarden sein. Durch die Klimaveränderung brechen dazu Produktionsflächen weg. Viele landwirtschaftliche Gebiete sind bereits ökologisch überlastet.

Dennoch sei es möglich, auch 10 Milliarden Menschen ausgewogen zu ernähren, ohne die Erde zu überlasten, sagt der Wissenschaftler Dieter Gerten vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dazu müsste sich aber einiges ändern. Und politisch wäre sein Modell chancenlos.

Stand der Dinge: Wir steuern auf den Ökozid zu

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23.12.2023 Degrowth ist ein Weg, den niemand beschreiten will

Zurück aus Dubai haben wir Virginia Careri, Aktivistin der NGO Welthungerhilfe, interviewt.

Möchtest du uns etwas über dein Engagement für die Umwelt bei der NGO erzählen, für die du arbeitest?

Ich arbeite für eine deutsche NGO, die Welthungerhilfe, die in mehreren Ländern auf der ganzen Welt tätig ist, darunter auch in Madagaskar, wo ich mich aufhalte. Dort führen wir Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Ernährung, Hygiene und ländliche Wirtschaftsentwicklung durch. Die Projekte zielen darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Menschen vor Ort zu stärken, um Naturkatastrophen zu bewältigen und ihre Risiken zu verringern, und zwar durch Antizipation, Frühwarnung und Notfallmaßnahmen. Persönlich begleite ich unter anderem einige Mitglieder der Regierung beim Erstellen des Emissionsbudgets des öffentlichen Abwassersektors, das auch die Einführung von NDCs (Nationally Determined Contributions; national festgelegte Beiträge) und die Umsetzung von Maßnahmen umfasst, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens beitragen.

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26.12.2023 US-Expert:innen leiten rechtliche Schritte ein, um Glyphosat-Zulassung in den USA zu widerrufen

Ein bahnbrechendes Rechtsverfahren von Mitte Dezember (2023) fordert die US-Umweltschutzbehörde (EPA) auf, die Zulassung des gefährlichen Herbizids Glyphosat, den Hauptbestandteil von Bayer/Monsantos Roundup, sofort auszusetzen und zu streichen.

Die Zulassung von Glyphosat sei illegal, heißt es in der Petition, die die beiden gemeinnützigen Organisationen Center for Food Safety und Beyond Pesticides zusammen mit vier Interessengruppen von Landarbeiter:innen eingereicht haben. Letztes Jahr hat ein Bundesberufungsgericht infolge einer von denselben gemeinnützigen Organisationen eingereichten Klage die Bewertung der EPA zur menschlichen Gesundheit aufgehoben, weil die Behörde das Krebsrisiko von Glyphosat zu Unrecht zurückgewiesen hatte. Die heutige Petition, in der die Aufhebung und Aussetzung der Zulassung von Glyphosat gefordert wird, umfasst über 70 Seiten und stützt sich auf mehr als 200 wissenschaftliche Zitate.

„Diese Petition ist ein Präzedenzfall, damit die Regierung Biden die gesetzlichen und wissenschaftlichen Vorgaben einhält und die Zulassung von Glyphosat endlich aufhebt“, so Pegga Mosavi, Juristin am Centre for Food Safety und Beraterin der Petenten. „Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise dafür, dass Glyphosat die öffentliche Gesundheit gefährdet und Krebsrisiken für Landwirt:innen und andere Roundup-Anwender:innen birgt. Glyphosatformulierungen sind auch eine Gefahr für die Umwelt und haben zu einer Epidemie resistenter Unkräuter geführt, die die Landwirt:innen plagen. Nach dem Gerichtsurteil vom letzten Jahr hat die EPA keine legale Grundlage mehr, auf der sie stehen kann. Die EPA muss jetzt handeln.“

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid, von dem in den USA jährlich etwa 136 Millionen Tonnen ausgebracht werden. Doch die EPA hat sich geweigert zu handeln, obwohl der weit verbreitete Einsatz von Glyphosat großen Schaden anrichtet. Zahlreiche Studien – darunter viele, die von Bayer/Monsanto gesponsert wurden – zeigen, dass Glyphosat schädliche Auswirkungen auf die Leber, die Nieren und das Fortpflanzungssystem hat und wahrscheinlich karzinogen (krebserregend) ist, was speziell mit dem Krebs des Immunsystems, dem Non-Hodgkin-Lymphom, in Verbindung gebracht wird.

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31.12.2023 Eins, zwei, Klimaschummelei – CO2 kompensieren leicht gemacht

Die ZDF-Frontal-Redaktion zeigt auf, wie einfach es ist, mit CO2-Zertifikaten noch das klimaschädlichste Produkt grün zu waschen.

CO2-Gutschriften sind dafür gedacht, klimaschädliche Emissionen zu kompensieren, die sich vom Hersteller auch mit der grössten Mühe nicht mehr einschränken lassen. So sieht das zumindest der Gesetzgeber. Aber werden sie auch so genutzt? Und kompensieren sie tatsächlich Klimaemissionen?

Daran gibt es nach diversen Enthüllungen und einer grossen Recherche Anfang 2023 erhebliche Zweifel.

Die Redaktion von ZDF Frontal hat es ausprobiert. Sie gründete eine Scheinfirma und mischte ein extra klimaschädliches Reinigungsmittel mit grünen Marketing-Slogans zusammen.

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01.01.2024 Die USA beanspruchen einen großen Teil des Meeresbodens, vom Golf von Mexiko bis zur Arktis

In einer wenig beachteten, aber äußerst wichtigen Entwicklung beanspruchen die Vereinigten Staaten nun einen riesigen Teil des Meeresbodens, der doppelt so groß ist wie Kalifornien. Laut der am 19. Dezember veröffentlichten Medienmitteilung des US-Außenministeriums (DOS) umfasst das Gebiet „etwa eine Million Quadratkilometer, verteilt auf sieben Regionen“ und „birgt viele Ressourcen“.

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02.01.2024 Klima: Der Ball liegt beim einen Prozent der Superreichen

Die 80 Millionen reichsten Menschen* verursachen gleich viele Treibhausgase wie vier Milliarden ärmere. Es braucht faire Steuern.

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verursachte 2019 so viele klimaschädliche Treibhausgase wie die fünf Milliarden Menschen, die die ärmeren zwei Drittel ausmachen. Genauer gesagt, verursacht ein Milliardär durch gesteigerten Konsum, häufigere Flugreisen, Luxusvillen, Megajachten und Privatjets so viel Treibhausgase wie eine Million Menschen zusammen. Zu diesem Schluss kommt der von der Entwicklungsorganisation Oxfam vorgestellte Bericht «Climate Equality: A Planet for the 99 Percent».

Allein in Deutschland verursachte das reichste eine Prozent der Einwohner insgesamt 83 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr. Das ist fünfzehn Mal mehr als die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung, auf die nur 5,4 Tonnen CO2–Emissionen pro Kopf und Jahr entfällt.

Zum reichsten Prozent der Weltbevölkerung gehörten im Jahr 2019 Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 140’000 Dollar, in Deutschland betraf dies Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 256’000 Euro (280’000 Dollar).

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Kommentar: Ich bin der Meinung, dass wir uns die Superreichen nicht leisten. Ebenso bin ich der Meinung, dass die Verantwortung nicht allein auf die Superreichen abgeschoben werden soll. Wir alle können unser Verhalten überdenken und nach Möglichkeit anpassen, um ein gutes Leben zu haben und gleichzeitig mit der Erde schonend umgehen. Dazu ist gründliches Überdenken der eigenen Verhaltensmuster und Bedürfnishintergründe wichtig und unumgänglich.


04.01.2024 Ein neues Eldorado für Schweizer Rohstoffhändler

Der Markt zur Kompensation von Treibhausgas-Emissionen boomt. Vorne dabei sind ausgerechnet Händler von fossilen Energieträgern.

Erdgas mit dem Etikett «CO2-neutral» oder Beton mit dem Label «Netto-Null»: Die Liste der scheinbar klimaneutralen Konsumgüter ist in den letzten Jahren immer länger geworden. Der buchhalterische Kniff hinter dem CO2-Ausgleich besteht darin, dass ein Treibhausgase emittierender Akteur – sei es ein Unternehmen, eine Einzelperson oder ein Land – dafür bezahlt, dass ein anderer Akteur seine Emissionen vermeidet, verringert oder auf null setzt. So können sich Unternehmen nach ihrem Gutdünken auf dem Markt profilieren, indem sie sich ihren Kunden gegenüber als engagierte Klimaschützer präsentieren, ohne dabei ihre eigenen Emissionen zu senken. Der freiwillige CO2-Markt, der zwischen einem regelrechten Boom und der jüngsten, durch Greenwashing-Vorwürfe ausgelösten Vertrauenskrise hin- und herpendelt, befindet sich an einem Scheideweg.

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15.01.2024 Biodiversität? – Lebensvielfalt!

«Biodiversität» ist ein kaltes Wort. Und auch die Fachleute spüren: Es braucht Emotionen, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

[...] «Für ein Fünftel der bekannten einheimischen Arten in der Schweiz liegt eine Einschätzung des Aussterberisikos vor», steht im Vorwort des vom Bundesamt für Umwelt im vergangenen Frühjahr publizierten Synthese-Berichts zur sogenannten Roten Liste. «Je kleiner und fragmentierter das besiedelte Gebiet ist und je rascher der Bestand zurückgeht, desto höher ist die Gefährdungsstufe.» Das hat zum Teil mit agrarpolitischem Versagen zu tun und erweist sich nicht zuletzt für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit als relevant. Das ist an einer nachhaltigen Landwirtschaft ernsthaft Interessierten längst bekannt. In einem Sonderheft von «Hotspot», einer 2000 vom Forum Biodiversität Schweiz gestarteten Zeitschrift, wurde zwar vor zwei Jahren das bei uns vorbildlich ausgebaute «Biodiversitätsmonitoring» gewürdigt, das «in einzelnen Fällen» politische Prozesse beeinflussen und so zum Schutz beitragen konnte. Doch diese Anstrengungen müssten verstärkt, die Visionen rasch umgesetzt werden. [...]

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31.01.2024 Erschreckend viel Plastik in Wasser aus PET-Flaschen

In einem Liter Flaschenwasser schwimmen durchschnittlich 240’000 Plastikpartikel, fanden Forschende aus den USA.

Forschende der University of Columbia haben herausgefunden, dass Flaschenwasser weitaus mehr Plastik enthält, als bisher angenommen. In ihrer im Januar im Magazin «PNAS» publizierten Studie untersuchten die Forschenden das Wasser dreier gängiger US-Wassermarken aus Plastikflaschen.

Pro Liter Wasser fanden sie durchschnittlich 240’000 Plastikteilchen. Der grösste Teil davon war Nanoplastik aus PET (Polyethylenterephthalat). Das sind PET-Stückchen, die weniger als ein Mikrometer (0,001 Millimeter oder 1000 Nanometer) gross sind. Die Nanoplastik-Partikel stammen wahrscheinlich aus Abrieb von Deckel und Flaschenhals, der beim Öffnen und Wiederverschliessen entsteht. Damit hat sich 2021 schon einmal eine Studie beschäftigt.

Ein Zehntel der ultrakleinen Teilchen waren aus PA (Polyamid), PS (Polystyrol), PVC (Polyvinylchlorid) und PMMA (Polymethylmethacrylat). Ein Teil davon könnte aus Wasserfiltern stammen.

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06.02.2024 Mineralwasser-Skandal bei Nestlé weitet sich aus

Im Skandal um illegale Behandlungsmethoden beim Nahrungsmittelriesen Nestlé gibt es neue Enthüllungen.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat den Einsatz verbotener Behandlungsmethoden von Mineralwassern zugegeben. Und die Ereignisse um diesen Skandal weiten sich aus.

Nestlé Waters gestand nach Enthüllungen von Medien ein, verbotene Aktivkohlefilter und Ultraviolettlicht bei den französischen Marken Perrier, Vittel, Hépar und Contrex eingesetzt zu haben, wie das Wirtschaftsportal muula.ch berichtete.

[Red. Aktivkohlefilter und Ultraviolettlicht sorgen zwar dafür, dass das Wasser einwandfrei geniessbar ist. Aber im Gegensatz zum Trinkwasser schreibt der Gesetzgeber vor, dass Mineralwasser aus reinen Quellen stammen muss und nicht behandelt werden darf. Sonst kann man auch aufbereitetes Trinkwasser, das vielerorts ein Minimum an Mineralien enthält, als Mineralwasser teuer verkaufen.]

Behörden schauen zu

Doch nun weitet sich die ohnehin schon unangenehme Angelegenheit nochmals aus. Auch in der Schweiz kam das gesetzeswidrige Verhalten nämlich zum Einsatz, wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» herausfand und der Nahrungsmittelriese umgehend bestätigte.

Unter der Kontrolle der kantonalen und eidgenössischen Behörden habe Nestlé Waters Schweiz die Aktivkohlefilter in seiner Fabrik in Henniez VD per Ende 2022 entfernt, hiess es. Zudem seien in der Fabrik in Henniez nie ultraviolette Systeme verwendet worden, erklärte das Unternehmen. Warum die Schweizer Behörden die Öffentlichkeit nicht informiert haben, muss nun noch geklärt werden.

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06.04.2024 45 Jahre nach Three Mile Island brauchen wir ein „Atomstopp“-Comeback

Während Biden Milliarden in die Atomenergie versenkt, schließen sich Mitglieder der historischen Clamshell Alliance zusammen, um eine neue Welle des Anti-Atom-Widerstands zu entfachen.

Von Arnie Alpert

Als 1979 der Atomreaktor auf Three Mile Island in Pennsylvania innerhalb weniger Augenblicke von einem technischen Wunderwerk zu einem Haufen radioaktiver Trümmer wurde, herrschte im Büro der Clamshell Alliance in Portsmouth, New Hampshire, Hochbetrieb. Ich arbeitete damals dort und nahm Anrufe von Aktivist:innen und Journalist:innen aus der ganzen Welt entgegen. Alle wollten unsere Meinung hören, da wir in den Jahren zuvor mit unseren gewaltfreien Demonstrationen gegen den Bau des Kernkraftwerks Seabrook an der Spitze einer wachsenden sozialen Bewegung gestanden hatten.

Von der Verhaftung von 18 Einwohner:innen von New Hampshire bei unserem ersten Akt des zivilen Ungehorsams im Jahr 1976 über mehr als 1.400 Verhaftungen im darauf folgenden Frühjahr bis hin zu einer genehmigten Kundgebung, an der 1978 rund 18.000 Demonstrant:innen teilnahmen, löste die Clamshell Alliance eine Anti-Atomkraft-Rebellion an der Basis aus, die die Botschaft „No Nukes“ in Gemeinden im ganzen Land und in die Populärkultur brachte.

Mit dieser Grundlage hat Three Mile Island unsere Botschaft auf die nächste Stufe gehoben. Der Gedanke, dass „Atomkraft eine schlechte Art der Stromerzeugung ist“, wurde bald in den gesamten Vereinigten Staaten zum Allgemeinwissen. Jeder, von Wall-Street-Tycoons über Kongressmitarbeiter:innen bis hin zu normalen Wähler:innen, verstand nun, dass das Versprechen der Atomindustrie, sichere, saubere und erschwingliche Energie zu erzeugen, ein Betrug war.

Leider ist dieses Verständnis in den letzten Jahren langsam erodiert, da die Industrie daran gearbeitet hat, ihr Produkt als Antwort auf die Klimakatastrophe anzupreisen. Jetzt, da die Regierung Biden Milliarden in die Kernenergie steckt und der Kongress kurz vor der Verabschiedung eines Gesetzes zur Lockerung der behördlichen Auflagen für neue Reaktoren steht, streben die Atombetrüger ein Comeback an.

„Ob sie es nun eine ’nukleare Renaissance‘ oder eine ’nukleare Aufklärung‘ nennen, Atomkraftwerke sind nicht die Antwort auf die Klimakrise“, sagte Paul Gunter, der zu den ersten 18 Clamshell-Mitgliedern gehörte, die 1976 in Seabrook verhaftet wurden.

Heute ist Gunter Co-Direktor von Beyond Nuclear, einer gemeinnützigen Interessengruppe mit Sitz in Takoma Park, Maryland, und sagt: „Atomkraftwerke sind einfach zu teuer, brauchen zu lange für den Bau und bieten zu viele Möglichkeiten für katastrophale Unfälle.“

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20.04.2024 Gesundheitsschutz oberste Priorität? Das war mal bei Corona

Wenn es um gesundheitsschädigende Stoffe wie Glyphosat oder PCB geht, stehen Industrieinteressen über dem Gesundheitsschutz.

Selbst wer die Zeitung nicht täglich und aufmerksam liest, wird wissen, was Glyphosat ist. Es ist ein Pflanzenschutzmittel. Menschen schützt es nicht, im Gegenteil. In den USA jagt ein Prozess den anderen, wo die Tochterfirma des Bayer-Konzerns namens Monsanto für Krebserkrankungen, die Glyphosat verursachte, haftbar gemacht wird und Entschädigungen in astronomischer Millionenhöhe zahlen muss. 

In Europa ist der Kampf zwischen Menschen- und Umweltschützern auf der einen Seite gegen mächtige Konzern-Lobbyisten auf der anderen Seite aber nach wie vor unentschieden. Immer wieder fällt die Europäische Kommission durch befristete Verlängerungen der Zulassung von Glyphosat auf und bestreitet schlicht, dass diese Chemikalie Krebs verursacht. Zuletzt Ende 2023 wurde die Zulassung von Glyphosat um weitere zehn Jahre verlängert. 

Der Gefahr von Krebserkrankungen, die man im Prinzip zunächst bestreitet, wird durch die Vorschrift eines fünf Meter breiten Pufferstreifens am Rand eines mit Glyphosat behandelten Feldes Rechnung getragen: ein Witz! So kann Monsanto diesen Giftstoff munter weiter produzieren. 

Bayer und Monsanto haben aber noch ganz andere Giftpfeile im Köcher. Seit 1929 haben sie einen Giftstoff namens PCB hergestellt. Diese polychlorieren Biphenyle gehören zu dem «dreckigen Dutzend» hochgiftiger Chlorverbindungen, deren Produktion und Verwendung mit einem UN-Abkommen 2001 weltweit verboten wurde. Sie sind krebserregend, erbgutschädigend, verursachen hormonelle Veränderungen und embryonale Fehlbildungen. Über siebzig Jahre lang haben Bayer und Monsanto viele Milliarden mit PCB verdient. Hunderttausende von Tonnen wurden besonders im Baugewerbe verwendet. Jetzt ist es zum Glück schon seit über zwanzig Jahren verboten. Wir können aufatmen! Zwar spät, aber eben doch sind wir jetzt vor diesem katastrophalen Giftstoff endlich geschützt. 

Aber sind wir das wirklich?

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24.04.2024 10 Times as Much of This Toxic Pesticide Could End Up on Your Tomatoes and Celery Under a New EPA Proposal

Against the guidance of scientific advisory panels, the EPA is relying on industry-backed tests to relax regulations on acephate, which has been linked to neurodevelopmental disorders. “It’s exactly what we recommended against,” one panelist said.

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26.04.2024 How the overseas owners of England’s water companies clean up by polluting our rivers

Soiled seas and huge shareholder dividends: where has the £64bn borrowed by firms since privatisation gone?

Ein aufschlussreicher Artikel zum Thema Neoliberalismus, der Privatisierung öffentlicher Dienste und den daraus entstehenden katastrophalen Folgen.

Zum Artikel im Guardian


28.04.2024 Parkinson durch Pestizide wird in Deutschland Berufskrankheit

Deutschland ist damit das dritte EU-Land, das den Zusammenhang zwischen Spritzmitteln und der degenerativen Krankheit anerkennt.

Wie und warum Parkinson genau entsteht, weiss man noch immer nicht. Fest steht aber, dass Menschen, die viel mit Pestiziden hantieren, ein deutlich höheres Risiko haben, daran zu erkranken.

Nach Italien und Frankreich erkennt nun auch Deutschland Parkinson als Berufskrankheit an. Ein ärztlicher Sachverständigenrat hat die Krankheit in Verbindung mit Pestiziden zur Aufnahme in die deutsche Berufskrankheitenverordnung empfohlen. Als Berufskrankheit anerkannt werden kann Parkinson bereits, seit der Antrag am 20. März gestellt wurde.

Betroffen sind vor allem Gärtner:innen, Landwirte, Winzerinnen und anderen Berufsgruppen, die häufig mit Pestiziden arbeiten. Die Anerkennung als Berufskrankheit hat für Erkrankte mehrere Vorteile, unter anderem eine höhere Rente oder finanzielle Unterstützung bei Therapien.

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08.05.2024 Wir haben 380 Top-Klimawissenschaftler gefragt, was sie von der Zukunft halten ...

Sie haben Angst, sind aber entschlossen, weiter zu kämpfen. Hier ist, was sie gesagt haben.

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09.05.2024 Das Satellitenbild von SkyFi bestätigt einen riesigen Kleiderhaufen in der chilenischen Atacama-Wüste

Jedes Jahr werden unglaubliche 60.000 Tonnen gebrauchte Kleidung nach Chile verschifft. Nach neuesten UN-Zahlen ist Chile der drittgrößte Importeur von Secondhand-Kleidung weltweit. Einige dieser Kleidungsstücke werden auf Second-Hand-Märkten weiterverkauft, aber mindestens 39.000 Tonnen landen illegal in der Atacama-Wüste. Die Wüste ist eines der beliebtesten Reiseziele des Landes und berühmt für ihre überirdische Schönheit und die Möglichkeit, Sterne zu beobachten . Doch für diejenigen, die in der Nähe der Mülldeponien leben, ist sie zu einem Ort der Verwüstung geworden.

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Riesige Deponie unverkaufter Billigmode - zum Standort auf Google Maps

Zu Fotos von SkyFi


23.05.2024 Alarm: Deutsche Klimaaktivisten wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt

Maßnahmen gegen die "Last Generation" könnten eine "immens abschreckende Wirkung" auf den Klimaprotest haben, sagen Aktivisten.

Fünf Mitglieder von Letzte Generation, dem deutschen Pendant zu Just Stop Oil, wurden wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt, ein Schritt, der laut Bürgerrechtsaktivisten die zukünftige Unterstützung der Klimakampagne faktisch kriminalisieren könnte.

Mirjam Herrmann, 27, Henning Jeschke, 22, Edmund Schulz, 60, Lukas Popp, 25, und Jakob Beyer, 30, wurden nach § 129 StGB angeklagt. Es wird angenommen, dass es das erste Mal ist, dass das Gesetz auf eine gewaltfreie Protestgruppe angewendet wird.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft des Landes Brandenburg beziehen sich die Vorwürfe auf mehr als ein Dutzend „Angriffe“ auf Ölraffinerien, den Flughafen Berlin-Brandenburg und das Museum Barberini in Potsdam zwischen April 2022 und Mai 2023.

Zu den Vorfällen gehören Proteste, bei denen Anhänger der Gruppe versuchten, Ölpumpstationen zur Raffinerie abzuschalten, Landebahnen am Flughafen blockierten und Kartoffelpüree auf ein Ölgemälde von Monet warfen.

Die Staatsanwälte sagten, die Anklage betreffe eine Untergruppe von „Letzte Generation“, einer deutschlandweiten Kampagne, die in den letzten zwei Jahren zu Tausenden von Festnahmen geführt hat.

„Es besteht hinreichender Verdacht, dass die fünf Angeklagten mit anderen Mitgliedern dieser Untergruppe über einen längeren Zeitraum hinweg vereinbart haben, gemeinsam Straftaten zu begehen“, hieß es. „Der Personenzusammenschluss war nicht nur auf eine längere Dauer angelegt, sondern diente auch der Verfolgung eines übergeordneten gemeinsamen Interesses.“

Die Aktivisten sagen, alle ihre Proteste seien offen, rechenschaftspflichtig und gewaltlos gewesen und bestritten die Anwendung eines derart drakonischen Gesetzes gegen sie.

„Dies ist das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass eine Klimaprotestgruppe, die Maßnahmen des friedlichen zivilen Ungehorsams anwendet, als kriminelle Organisation angeklagt wird“, sagte Herrman.

„Dieser Vorwurf ist besonders gefährlich für die Demokratie und das Recht auf friedlichen Protest, weil er das verfassungsmäßige Recht auf Protest, Meinungsfreiheit und politische Versammlung in ein Verbrechen verwandelt, nur weil im Zuge des zivilen Ungehorsams gegen einige Gesetze verstoßen wurde.“

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Kommentar: fortschreitender Faschismus als Ergebnis des Neoliberalismus


26.05.2024 Syngenta kämpft für verseuchtes Trinkwasser in der Schweiz

Der chinesische Agrokonzern mit Sitz in Basel klagt immer noch vor Bundesverwaltungsgericht gegen das Verbot seines Fungizids.

Gegen den Willen von Syngenta dürfen die Behörden jetzt endlich darüber informieren, dass das pilztötende Chlorothalonil von Syngenta und seine Abbauprodukte «wahrscheinlich krebserregend» sind. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Deshalb kann das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen den vorgesehenen Höchstwert von 0,1 Mikrogramm für Abbauprodukte von Chlorothalonil im Trinkwasser jetzt endlich durchsetzen.

Noch im Jahr 2020 verordnete das Bundesverwaltungsgericht in einem Entscheid als «vorsorgliche Massnahme», dass das Bundesamt seine Information «wahrscheinlich krebserregend» löschen muss. Das Gericht wollte verhindern, dass Syngenta wegen der allfällige unzutreffenden Informationen einen geschäftlichen Schaden erleidet. Vorsorge zugunsten von Geschäftsinteressen gewichtete das Gericht höher als die Vorsorge vor gesundheitlichen Schäden.

Nach fast vier Jahren (!) hat das Bundesverwaltungsgericht diese «vorsorgliche Massnahme» jetzt aufgehoben. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen reagierte am 22. Mai sofort: «Damit haben die Trinkwasserversorger die klare Vorgabe, dass Chlorothalonil-Abbauprodukte im Trinkwasser 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten dürfen. Das BLV hat die Weisung an die Kantone entsprechend aktualisiert.»

Im Jahr 2019 hatten die EU und die Schweiz das pilztötende Chlorothalonil verboten. Wahrscheinlich krebserregende Rückstände dieses Fungizids fanden sich längst im Trinkwasser. Gegen das Verbot in der Schweiz legte Syngenta Beschwerde ein und zog diese bis heute nicht zurück. Der Fall sei vor dem Bundesverwaltungsgericht immer noch hängig, berichteten Tamedia-Zeitungen.

Betroffene sind den Behörden ausgeliefert

Obwohl es um Krankheits- und Todesrisiken geht, sorgen die Behörden nicht für Transparenz. Wie bei Medikamenten halten Hersteller und Behörden die Rohdaten der Zulassungsstudien auch von Pestiziden unter Verschluss. Die Behörden geben sogar ihre eigenen ausführlichen Beurteilungen der Zulassungsunterlagen nicht heraus, weil die Unterlagen angeblich schützenswerte Geschäftsinteressen der Hersteller enthalten.

Deshalb können aussenstehende Experten diese Studien nicht kritisch überprüfen. Es bleibt das blinde Vertrauen in die Zulassungsbehörden. Das hat sich schon öfter als fatal erwiesen. 

Karin Bauer zeigte in einem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens diesen Missstand im März 2022 auch am Beispiel des Fungizids Chlorothalonil auf. Infosperber berichtete darüber.


Krebsverdacht schon vor bald 50 Jahren

Abbauprodukte (Metaboliten) dieses Fungizids werden seit einigen Jahren sogar im Schweizer Trinkwasser nachgewiesen. «Es ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen [mit Abbauprodukten von Chlorothalonil] die Grundwasser-Qualität noch während Jahren in grösserem Ausmass beeinträchtigen werden», erklärte das Bundesamt für Umwelt im Jahr 2020 (siehe Infosperber: «Vergiftung des Trinkwassers»). 

Hier die unglaubliche Geschichte dieses Pflanzenschutzmittels: 

Chlorothalonil kam während Jahrzehnten im Getreide- und Gemüseanbau sowie auf Rebbergen und auf Golfplätzen zum Einsatz. Die Herstellerin Syngenta erzielte damit Milliardenumsätze.

1970: Die Schweiz lässt das erste Fungizid mit dem Wirkstoff Chlorothalonil zu.

1978: In einer Studie des US-Krebsinstituts heisst es: «Chlorothalonil war in Rattenversuchen krebserregend. Die Ratten entwickelten Nierentumore.» Das Fungizid sei «ein potenzielles Risiko für den Menschen».

1983: Christian Schlatter, Professor am toxikologischen Institut der ETH, meinte allgemein zur Zulassung von Pestiziden (Pflanzenschutzmittel gegen Insekten oder Pilze) am Fernsehen: «Pflanzenschutzmittel, die Krebs erzeugen könnten, werden gar nicht zugelassen. Sie werden vorher durch intensive Untersuchungen an Modellsystemen und auch mit Tierexperimenten auf ihre Krebswirksamkeit abgeklärt.» Schlatter hatte auch bei Holzschutzmitteln wiederholt Sand in die Augen gestreut (siehe Erich Schöndorf: «Von Menschen und Ratten», Verlag Die Werkstatt, 1998).

2011: Die EU und die Schweiz verschärfen die Zulassungsbedingungen. Es muss kein Beweis mehr vorliegen, dass ein Pestizid bei Versuchstieren tatsächlich Krebs verursacht. Künftig genügt es, dass ein Pestizid als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wird, um es zu verbieten.

2016: Die EU unterzieht Chlorothalonil einer neuen Bewertung.

2019 April: Die EU verbietet Chlorothalonil. Hauptgrund war die Verseuchung des Grundwassers durch Abbauprodukte mit «einem hohen Risiko für Amphibien und Fische». Und Chlorothalonil sei ein «karzinogener Stoff der Kategorie 1B». 1B bedeutet «wahrscheinlich krebserregend». Die EU-Mitgliedländer dürfen eine Aufbrauchfrist bis maximal 20.5.2020 gewähren.

2019 Dezember: Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW verbietet Chlorothalonil: Ab 1.1.2020 gilt ein Verkaufsverbot. Eine Aufbrauchfrist erlässt das BLW nicht. Begründung: Das Fungizid sei «wahrscheinlich krebserregend» und es könne «nicht ausgeschlossen werden, dass gewisse Abbauprodukte dieses Fungizids langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben».
Reaktion von Syngenta: «Wir sind enttäuscht, dass die Schweizer Behörden beschlossen haben, die Zulassung für Chlorothalonil zu widerrufen.» Syngenta erhebt wegen «Rufschädigung» Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.

2020: Das Bundesverwaltungsgericht gibt einem Begehren von Syngenta in einem Zwischenentscheid statt: Die Behörden dürfen nicht mehr verbreiten, Chlorothalonil sei «wahrscheinlich krebserregend». Erst jetzt im Mai 2024 hebt das Bundesverwaltungsgericht den Maulkorb-Entscheid auf.
Ein endgültiger Entscheid über das Verbot von Chlorothalonil von 2020 steht immer noch aus. Das neu zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV erwartete einen Entscheid darüber in der zweiten Jahreshälfte 2022.

Unterdessen ist es Mai 2024 geworden.


Die Kantonschemiker tappten im Dunkeln

Abbauprodukte von Chlorothalonil belasten nicht nur viele Grundwasservorkommen, sondern an vielen Orten auch das Trinkwasser.

Die Kantonschemiker, welche dafür sorgen sollten, dass das Trinkwasser einwandfrei bleibt, konnten während Jahrzehnten gar nicht untersuchen, ob Abbauprodukte von Chlorothalonil im Trinkwasser vorhanden sind. Denn sie können im Labor nur nach Substanzen suchen, von denen sie wissen, dass es sie gibt.

Der Grund: In den eingereichten Unterlagen für die Zulassung müssen die Hersteller zwar angeben, zu welchen Abbauprodukten oder Metaboliten ein Pestizid führt. Doch diese Informationen behandelten die Behörden in der Schweiz als Geschäftsgeheimnis der Hersteller und informierten die Kantonschemiker jahrelang nicht darüber. 

Erst in den letzten paar Jahren gab das BLW auf Druck der Kantonschemiker einzelne Abbauprodukte einiger Pestizide bekannt. Erst dann konnten Kantonschemiker das Grund- und Trinkwasser nach diesen Abbauprodukten untersuchen. Für eine Veröffentlichung der vollständigen Pestizidberichte mit Angabe sämtlicher Abbauprodukte «fehlt die rechtliche Grundlage», beschied das BLV dem Fernsehen. 

Entweder ist dies eine hanebüchene Auslegung der Gesetzesverordnungen oder das industriefreundliche Parlament muss endlich über seinen Schatten springen und eine vollständige Veröffentlichung aller Zulassungsdaten vorschreiben.

Es passt ins Bild, dass die Behörden in der Schweiz nach eigenen Angaben nicht wissen, wie gross die Belastung der Bevölkerung mit Pestiziden und anderen Chemikalien ist.

Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

Zum Artikel auf infosperber


Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen

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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)

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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.