Umwelt, Energie, Klima, Ernährung, Gesundheit - Teil 07
ab September 2026


05.09.2026 «Zugriff auf die grössten Ölreserven» – und kein Wort vom Klima

Beim Venezuela-Deal redet niemand vom Klima. Nur von günstigerem Benzin oder US-Kolonialismus. Doch das Öl muss im Boden bleiben.

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05.09.2026 Gesamtbericht: Rekord-Ozeantemperaturen und das „Super-El-Niño“-Ereignis 2026

Zusammenfassung der folgenden drei Berichte aus The Guardian:

World’s oceans hit hottest temperature on record in August
Biggest El Niño for a century forecast to bring UK more autumn rain and storms
‘Supersizing before our eyes’: UN warns of record El Niño approaching

Dieser Bericht fasst die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Warnungen der drei Artikel des Guardian sowie weiteren Quellen zusammen. Er dokumentiert die beispiellose Erwärmung der Ozeane und die Entwicklung eines aussergewöhnlich starken El-Niño-Ereignisses, das die globale Klimakrise weiter verschärft.

1. Rekordtemperaturen der Weltmeere

Im August 2026 wurde ein neuer, besorgniserregender Rekord für die globale Oberflächentemperatur der Ozeane aufgestellt. Am 22. August erreichte die durchschnittliche Temperatur der weltweiten Ozeane ausserhalb der Polargebiete 21,1 °C und übertraf damit den vorherigen Rekord von 21,09 °C aus dem März 2024.

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieses Rekords. Normalerweise erreichen die Ozeantemperaturen ihren Höhepunkt im März oder April nach dem Ende des südlichen Sommers. Dass der Rekord nun im August gebrochen wurde, unterstreicht die ausserordentliche und beispiellose Wärme, die sich in den Ozeanen ansammelt.

Diese Erwärmung ist eine direkte Folge des Klimawandels: Mehr als 90 % der durch Treibhausgase zurückgehaltenen zusätzlichen Wärme werden von den Ozeanen aufgenommen. Die Folgen sind gravierend: Sie führen zu Meeresspiegelanstieg, verstärken extreme Wetterereignisse und setzen die Meeresökosysteme sowie die Küstenbewohner enormem Stress aus. Die Zahl der Tage mit marinen Hitzewellen hat sich seit den frühen 1990er Jahren weltweit mehr als verdreifacht.

2. Das "Super-El-Niño"-Ereignis von 2026

Die Rekord-Ozeantemperaturen werden massgeblich durch ein sich rasant entwickelndes El-Niño-Ereignis verstärkt, das als das stärkste seit mindestens einem Jahrhundert, wenn nicht seit über 1000 Jahren, eingestuft wird. Fachleute sprechen von einem „Super-El-Niño“ oder gar einem "Godzilla-Ereignis".

Dimensionen und Prognosen

3. Globale und regionale Auswirkungen

Dieses "supersize" El-Niño hat bereits jetzt verheerende Auswirkungen auf der ganzen Welt, die sich in den kommenden Monaten noch verschlimmern werden.

Globale Auswirkungen

Regionale Auswirkungen

4. Wissenschaftliche Bewertung und Handlungsaufruf

Die internationale Wissenschaftsgemeinschaft zeigt sich tief besorgt über diese Entwicklungen. Die Ereignisse werden als alarmierendes Signal für den sich beschleunigenden Klimawandel gewertet und die Versäumnisse beim Klimaschutz werden immer deutlicher.

5. Fazit

Die im August 2026 gemessenen Rekord-Ozeantemperaturen und das sich entwickelnde "Super-El-Niño" sind keine isolierten Naturphänomene. Sie sind die sich beschleunigende und gefährliche Realität eines Planeten, dessen Erdsystem durch den Klimawandel aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die bevorstehenden Monate und das Jahr 2027 werden mit hoher Wahrscheinlichkeit neue, erschütternde Klimarekorde aufstellen und weltweit extremste Wetterbedingungen, Ernteausfälle und humanitäre Krisen mit sich bringen. Die wissenschaftlichen Warnungen sind eindeutig und unterstreichen die akute Notwendigkeit für sofortiges, entschlossenes globales Handeln, um die Erderwärmung zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit der am stärksten gefährdeten Gemeinschaften zu stärken.


10.09.2026 Die Überschwemmung in Nepal und Tibet – eine weitere Warnung, ein weiteres Versäumnis zu reagieren

Übersetzung des Artikels von Media Lens

Nach einem Sommer voller klimabedingter Katastrophen gibt es keinen globalen Alarm, keine Aufstellung der Nationen auf Kriegsbasis zur Bekämpfung der Bedrohung, sondern einfach nur Business as usual

Am 26. August wurde die Menschheit per Videoüberwachung eindringlich gewarnt, als ein tsunamiähnlicher Hochwasserstrom mit einer Höhe von bis zu 130 Metern den Hafen von Gyirong, einen der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Nepal und Tibet, zerstörte.

Das zutiefst schockierende Videomaterial zeigt das massive Hauptgebäude, umgeben von einem Komplex anderer Gebäude und Parkplätze. Man sieht, wie einige der 560 Mitarbeiter und Besucher um ihr Leben rennen. Nach 25 Sekunden taucht oben links hinter dem Hauptgebäude etwas auf, das wie ein weisser Wolkenstoss aussieht. Sekunden später wird der gesamte Komplex von 2,2 Millionen Tonnen Sediment, Gestein und Wasser heimgesucht, einer Mischung, die mit ‘flüssigem Beton’ verglichen wurde. Es ist klar, dass jeder, der beim Laufen gesehen wurde, durch die Welle mit 60 Meilen pro Stunde getötet wurde. Vorher-Nachher-Bilder zeigen, dass der Komplex nicht nur zerstört, sondern bis auf das Grundgestein ausgelöscht wurde. Wie die ersten Journalisten vor Ort berichteten, sieht es so aus, als hätte dort noch nie jemand gebaut. Insgesamt forderte die Überschwemmung mindestens 1.380 Todesopfer und etwa 5.500 Menschen wurden vermisst.

Der US Geological Survey berichtet, dass Gletscher seit dem Jahr 2000 ‘regional zwischen 2% und 39% ihres Eises und weltweit etwa 5% verloren haben’, Veränderungen, die ‘Indikatoren für den anhaltenden anthropogenen Klimawandel sind’.

Bill McGuire, emeritierter Professor für Geophysikalische und Klimagefahren am University College London, erklärte den Zusammenhang letzte Woche im Guardian:

«Wenn sich Gletscher zurückziehen, legen sie instabiles Gelände frei, das oft reif für Erdrutsche ist. Das schnelle Auftauen des Permafrosts, da die globale Erwärmung zu einem zunehmenden Anstieg des Gefrierpunkts führt, bedeutet auch, dass Bergwände zu instabilen Gesteinsmassen werden, die nach einem Vorwand für den Einsturz suchen. Gleichzeitig sammelt sich überall dort, wo es eine Senke oder Mulde gibt, Gletscherschmelzwasser an und bildet sich ausdehnende Seen, die zunehmend zum Überlaufen oder Durchbrechen neigen und enorme Wassermengen in bewohnte Täler am Hang leiten.

«Unter solchen Umständen gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie klimabedingte Reaktionen der Erde unter unseren Füssen gefährliche und tödliche Gefahren mit sich bringen können. Wie in Nepal und Tibet kann der Einsturz eines geschwächten Gletschers eine Überschwemmung begünstigen, entweder direkt oder indem ein Damm über ein Flusstal geworfen wird, das schliesslich durchbrochen wird. Auftauen des Permafrosts, starke Regenfälle oder ein Erdbeben können zur Bildung von Erdrutschen führen, die auch Flüsse blockieren oder Gemeinden vollständig auslöschen können.»

Zu den erhöhten Bedrohungen, die McGuire beschreibt, gehören Erdbeben und Vulkane und haben biblische Ausmasse:

«Wenn man noch die Tatsache berücksichtigt, dass Umweltparameter wie Temperatur, Niederschlag und Meeresspiegel steigen, erhält man den zusätzlichen Anstoss, der einen inaktiven Vulkan zum Ausbruch anstacheln, eine lange ruhende Verwerfung zum Aufbrechen bringen oder die Schnauze eines instabilen Gletschers zum Einsturz bringen kann. Das Endprodukt kann ein verheerendes geologisches Ereignis sein, das in keinem Verhältnis zur Grösse des ursprünglichen Auslösers steht.»

Im August 2025 erzeugte ein Erdrutsch im Tracy Arm-Fjord in Alaska eine 500 Meter hohe Welle. Durch puren Zufall ereignete sich der Erdrutsch am frühen Morgen, vor der Ankunft grosser Kreuzfahrtschiffe, an denen im Sommer sechs Schiffe und Tausende Passagiere pro Tag beteiligt sein können. Einige Monate zuvor hatte der Einsturz eines Gletscherteils in der Schweiz einen Sturzbach verursacht, der den grössten Teil des evakuierten Dorfes Blatten zerstörte.

In der Daily Mail widersetzte sich der Kommentator Richard Littlejohn sowohl den wissenschaftlichen Beweisen als auch dem gesunden Menschenverstand, als er erklärte, dass die Katastrophe in Nepal und Tibet ‘nichts mit Bohrungen (oder oder deren Unterlassung) in der Nordsee zu tun habe’. (Littlejohn, ‘Der Klimanotstand ist vorbei – jetzt kommt der Regen,’ Daily Mail, 28. August 2026)

In The Spectator stimmte Matt Ridley zu:

«Es war weitaus wahrscheinlicher, dass diese Katastrophe eine völlig natürliche Ursache hatte.»

‘Die Zahl der britischen Fluggäste hat ein Rekordhoch erreicht’

Zurück in der realen Welt, nach dieser jüngsten Katastrophe, wirkt der Begriff ‘Klimawandel’ fast altmodisch. In Wirklichkeit stehen wir vor einem Klimawandel, der nicht nur menschliche Katastrophen, sondern auch menschliche Auslöschung mit sich bringt.

Der Gletschereinsturz folgt auf den wärmsten Sommer, der je im Vereinigten Königreich verzeichnet wurde. Über einen Zeitraum von acht Tagen herrschten im Vereinigten Königreich erstmals anhaltend Temperaturen über 34 °C, was dazu führte, dass das Gras landesweit braun wurde, als eine schwere Dürre einsetzte, während 54 Messstationen des Met Office neue Tageshöchstwerte verzeichneten. Weltweit erreichte die durchschnittliche tägliche Meeresoberflächentemperatur 21,1 °C – die höchste jemals von Satelliten gemessene Meerestemperatur. Auch mehrere europäische Länder verzeichneten Allzeit- oder Monatshöchstwerte, darunter Deutschland (41.7°C), Frankreich (43.8°C), Spanien, Österreich, Polen und die Niederlande. Tragischerweise forderte die Hitzewelle im Mai und Juni im Vereinigten Königreich 2'877 Todesopfer (Zahlen für Juli und August liegen noch nicht vor) und von Mai bis Anfang August 35'000 Todesopfer in anderen Teilen Europas.

Nachdem ich die Zerstörung des Hafens von Gyirong miterlebt hatte, war es ernüchternd, aufzublicken und zu sehen, dass die Passagierflugzeuge dichter und schneller denn je flogen, ohne dass sich am Horizont auch nur ein Funken Hoffnung auf Veränderung abzeichnete. Eine Jet2-Werbung verkündete letzte Woche die gute Nachricht:

«Über 15.000 Sitzplätze zu £39 oder weniger auf ausgewählten Flügen im September 2026. Wenn sie weg sind, sind sie weg.»

Unter der Überschrift ‘Die Zahl der britischen Fluggäste erreichte trotz Störungen im Nahen Osten ein Rekordhoch’ berichtete die Website Travel Tomorrow am 28. August:

«Die Zahl der Fluggäste im Vereinigten Königreich erreichte im zweiten Quartal 2026 einen neuen Rekord: Trotz der durch den Konflikt im Nahen Osten verursachten Beeinträchtigungen reisten mehr als 81 Millionen Passagiere über britische Flughäfen… Diese Zahl lag um mehr als 120'000 über den 81'035'648 Passagieren, die im gleichen Zeitraum des Jahres 2025 verzeichnet wurden, und machte es damit zum verkehrsreichsten zweiten Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen.»

Der Anstieg war vor allem auf Billigfluggesellschaften wie Ryanair und Jet2 zurückzuführen, die im Quartal beide ein Wachstum der Passagierzahlen von 9% gegenüber dem Vorjahr verzeichneten.

Wenn das Wahnsinn war, was soll man dann zu den beiden Geschichten sagen, die letzte Woche am selben Tag bekannt wurden? Am 4. September berichtete ein erstaunlicher Artikel auf der BBC-Website:

«Haushalte sollten sich mit Lebensmitteln eindecken, um sich auf extreme Wetterbedingungen vorzubereiten, da sich über dem Pazifischen Ozean das stärkste El Niño-Ereignis seit einer Generation entwickelt, sagte ein Minister der Regierung.»

Umweltministerin Angela Eagle warnte:

«Wir werden wahrscheinlich den grössten El Niño erleben, den es je gab, und das wird zu trockeneren Sommern, feuchteren Wintern und extremeren Stürmen in diesem Land führen …

«Wenn Sie einen Vorrat an Lebensmitteln haben, der Sie eine Weile am Laufen halten kann, bevor der Rettungsdienst Sie erreichen kann, wird es Ihnen viel besser gehen, als wenn Sie es nicht getan hätten.»

Sogar der fanatisch den Klimawandel leugnende Telegraph berichtete:

«Grossbritannien bereitet sich auf eine verheerende Nahrungsmittelkrise vor, während sich der «Godzilla»-El-Niño-Effekt ankündigt»

Im Mai und Juni starben in Grossbritannien etwa genauso viele Menschen an den Folgen der Hitzewelle wie bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Während diese Anschläge eine massive Propagandakampagne auslösten, mit der der «Krieg gegen den Terror» eröffnet wurde, werden die Hitzetoten des Jahres 2026 weder mit konkreten politischen Massnahmen noch mit Gleichgültigkeit begegnet, sondern mit Massnahmen, die das Problem noch verschlimmern. So berichtete die BBC ebenfalls am 4. September:

«Die britische Regierung wird grünes Licht für ein umstrittenes neues Gasfeld vor der Küste Aberdeens geben, wie die BBC erfährt.»

«Laut Regierungs- und Industriequellen könnte die Genehmigung für das Jackdaw-Projekt Mitte September erfolgen, kurz bevor das Parlament wegen der Parteitagssaison pausiert.»

Schätzungen zufolge könnte «Jackdaw» während seiner elfjährigen Betriebsdauer 35.8'000'000 Tonnen Kohlenstoff ausstossen, was 90 % der Emissionen Schottlands im Jahr 2023 entspricht.

Tessa Khan, Geschäftsführerin der Umweltorganisation Uplift, erklärte, dass weitere Bohrungen in der Nordsee die Energiekosten nicht senken würden und für die Energieversorgung Grossbritanniens «keinen nennenswerten Unterschied» machen würden.

«Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass die Welt bereits über weitaus mehr Öl und Gas verfügt, als jemals sicher verbrannt werden kann, wenn wir die Erwärmung begrenzen wollen.»

«Wenn es um diese Entscheidungen geht, muss der Premierminister auf die Warnungen der Wissenschaftler’ hören und an die Familien zurückdenken, die durch die Waldbrände dieses Sommers ihr Zuhause verloren haben, an die britischen Bauern, die in der Dürre darum kämpfen, unsere Nahrungsmittel anzubauen, und an die Menschenleben, die bei den Überschwemmungen in Nepal ums Leben kamen – und nicht an die eigennützigen Forderungen der Ölkonzerne»

In einem langen Artikel für die BBC stellte der internationale Wirtschaftskorrespondent Theo Leggett fest, dass Flüge zunehmend von Überschwemmungen von Flughäfen betroffen seien, sich verschärfende Stürme zu Umleitungen und sich verschlimmernden Turbulenzen führten. Leggett zitierte den zweifellos gewissenhaft unparteiischen Andrew Charlton, der das in der Schweiz ansässige Beratungsunternehmen Aviation Advocacy leitet:

«Ich denke, das Beste, was wir tun können, ist, die Situation zu mildern.»

Charlton gab einige Einzelheiten bekannt:

«Wir müssen sicherstellen, dass wir an den Flugterminals genügend Platz für Menschen haben, deren Flüge unterbrochen oder verspätet sind, dass wir genügend Hotelzimmer und Parkplätze usw. haben.

«Aber letztendlich werden unangenehme Momente häufiger vorkommen.»

Das weise Fazit der BBC:

«Passagiere, denkt er, werden es als Tatsache des fliegenden Lebens akzeptieren müssen.»

Nur zwei Sätze waren der Rolle der Luftfahrt beim Klimawandel gewidmet:

«Die Luftfahrtindustrie wird oft für ihren eigenen Beitrag zu den Emissionen des Klimawandels kritisiert. Es steht vor einer abschreckenden Herausforderung, das Ziel zu erreichen, bis 2050 klimaneutral zu sein und gleichzeitig dem Wachstum Rechnung zu tragen, das voraussichtlich dazu führen wird, dass sich die globale Flugzeugflotte in den nächsten zwei Jahrzehnten verdoppelt.»

Die ‘verbietende Herausforderung’ beinhaltet die Vorstellung, dass nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF), Kraftstoffe aus Altölen oder synthetischen Power-to-Liquid-Prozessen, die Emissionen um 50% – 65% senken wird. Leider macht SAF derzeit weniger als 1% des gesamten weltweiten Kerosinbedarfs aus. Eine Erhöhung dieser Zahl zur Deckung des Bedarfs im Jahr 2050 würde 5.000 bis 7.000 neue Bioraffinerien und Kapitalinvestitionen in Höhe von über 4 bis 5 Billionen US-Dollar bedeuten: gelinde gesagt ein höchst unwahrscheinliches Szenario.

Nirgendwo spricht Leggett die exotische Möglichkeit an, dass Lösungen darin liegen könnten, dass Menschen sich dafür entscheiden, weniger Flüge zu Junggesellinnenabschieden in Prag, Junggesellenabschieden in Berlin und Wochenend-Einkaufsausflügen nach New York zu unternehmen. Da deutliche Anzeichen eines sozialen Zusammenbruchs drohen, steht ein Stopp nicht auf der Tagesordnung.

Stattdessen ist überall die straussähnliche Illusion verbreitet, dass wir den Klimakollaps einfach aussitzen können. Stuart Rust von der BBC fragte:

«Was wirst du deinen Enkelkindern über den Sommer 2026 erzählen? ...

«Nun, da er sich dem Ende zuneigt, blicken wir auf einige Momente zurück, über die noch jahrelang gesprochen werden wird.»

Die Frage ist völlig realitätsfern. Wenn wir in «zukünftigen Jahren» überhaupt noch da sind, werden wir nicht über den Sommer 2026 sprechen; wir werden über die kommenden katastrophalen Sommer sprechen, die uns, unserer Nahrungsmittelversorgung und unserem sozialen Zusammenhalt das antun werden, was 2.2'000'000 Tonnen «flüssiger Beton» dem Hafen von Gyirong angetan haben.

Selbst wenn ein solches Ergebnis nur eine Möglichkeit und keine Gewissheit wäre, täten wir gut daran, die Gesellschaft in einen kriegsähnlichen Ausnahmezustand zu versetzen – genau so, wie es angesichts weitaus geringerer Bedrohungen durch Krieg und Terrorismus geschehen ist.

Leider ist Krieg zwar ausgesprochen gut für das Geschäft, Massnahmen zur Einschränkung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe hingegen alles andere als das. Unser zentrales, damit zusammenhängendes Problem besteht darin, dass, wie John Dewey feststellte, «Politik der Schatten ist, den die Grossindustrie auf die Gesellschaft wirft». (Zitiert nach Robert Westbrook, «John Dewey and American Democracy», Cornell University Press, 1991, S. 440)

Letztendlich gilt dasselbe auch für den Klimakollaps.

DE

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David Edwards ist Mitherausgeber von Media Lens und Autor von ‘A Short Book About Ego… and the Remedy of Meditation’, Mantra Books, 2025, hier verfügbar. Er ist ausserdem Autor des kommenden chomskianischen, dystopischen, mystischen Science-Fiction-Romans ‘The Man with No Face’, der am 30. März 2027 bei Roundfire Books erscheinen wird.


21.09.2026 „Geheimniskrämerische“ Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz sind laut einem Bericht die wichtigsten Rohöllieferanten für Israel

Zusammenfassung des Artikels von Middle East Eye

Ein neuer Bericht von Oil Change International (OCI) und dem Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) deckt auf, dass zwei kaum bekannte Ölhändler – das Schweizer Unternehmen Vitol und die in Dubai ansässige Heritage Petroleum FZCO – zwischen Oktober 2023 und Juni 2026 rund 22 Millionen Barrel Rohöl nach Israel geliefert haben. Das entspricht elf Prozent der israelischen Rohölimporte in diesem Zeitraum. Während über die Rolle von BP, Chevron, ExxonMobil und Shell bereits kritisch berichtet wurde, blieb das schmutzige Geschäft dieser undurchsichtigen Händler bisher weitgehend unbeachtet.

Besonders brisant: Obwohl die Türkei wegen des Genozids in Gaza am 2. Mai 2024 ein Handelsembargo gegen Israel verhängt hat, wurden sämtliche von Heritage gecharterten Lieferungen – insgesamt 8,3 Millionen Barrel – von türkischen Häfen aus verschifft. Die Forscher identifizierten zwei türkische Tochtergesellschaften von Heritage, Shiptech Maritime und Limosa Trading Logistics. Shiptech erklärte auf Anfrage lediglich, man verletze das türkische Handelsverbot nicht, und verweigerte nach Vorlage von LSEG-Daten und Hafenkontrollberichten jede weitere Stellungnahme. Der türkische Betriebsleiter von Shiptech soll sogar erklärt haben, Shiptech und Heritage seien «dasselbe». Die türkische Regierung beteuert derweil, kein Schiff dürfe den Hafen Ceyhan mit Israel als Ziel verlassen – doch die Daten sprechen eine andere Sprache: Der Besitz der Ladung könne unterwegs an Dritte übertragen werden, was eine nachträgliche Zieländerung ermögliche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Vitol, einst wegen Schmiergeldzahlungen an Saddam Hussein verurteilt und 2026 Nutzniesser des ersten US-autorisierten Verkaufs venezolanischen Rohöls nach der Entführung von Präsident Maduro, lieferte fast 14 Millionen Barrel nach Israel. Das Unternehmen beteuert, alle Gesetze einzuhalten, und schwieg zu seiner Identifikation als Charterer. Heritage, erst im Dezember 2023 gegründet, tauchte wie aus dem Nichts auf und wurde ab Juli 2025 zum zweitgrössten namentlich bekannten Rohöl-Charterer Israels. Wer den Verwaltungsrat oder die wirtschaftlich Berechtigten sind, bleibt im Dunkeln – die Firma ist undurchsichtig wie ein Ölteppich bei Nacht.

Die Autoren betonen, dass etwa die Hälfte der analysierten Lieferungen keinen Charterer nennt – die tatsächliche Rolle der beiden Firmen könnte also noch grösser sein. Israel importiert 97 Prozent seines Rohöls, raffinert es in Aschdod und Haifa, und die Raffinerien beliefern nachweislich das Militär. Wer also Öl nach Israel schickt, trägt Verantwortung für die militärische Maschinerie. Der Bericht fordert Ölproduzenten wie Aserbaidschan, Kasachstan und Nigeria zu einem Embargo auf und die Türkei auf, gegen die durchleitenden Firmen vorzugehen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Grossbritannien, wo Vitol einen Regionalssitz hat, stehen in der Pflicht. OCI-Mann Andy Rowell bringt es auf den Punkt: «Vitol hat riesige Operationen in London – wird die Regierung handeln?» Die Antwort dürfte, wie so oft, im Ölnebel verschwinden.


21.09.2026 „Die körperlichen Folgen sind spürbar“: Wie der Rauch der Waldbrände in Indonesien Millionen Menschen beeinträchtigt – eine visuelle Übersicht

Zusammenfassung des Artikels von The Guardian

Indonesiens Feuerhölle 2026: Rekordbrände, Giftrauch und politisches Versagen. Auf Borneo und Sumatra brennen seit Monaten illegale Rodungsfeuer («slash and burn») für Palmölplantagen. Ein «Super-El-Niño» verstärkt die Dürre, besonders auf trockengelegten Torfböden, wo Brände wochenlang unterirdisch schwelen und kaum löschbar sind.

Die Bilanz ist verheerend: Seit Januar brannten mindestens 895'657 Hektaren – 34 Prozent mehr als 2019. Allein in der ersten Septemberwoche verursachte Indonesien 19,7 Millionen Tonnen Feueremissionen, über ein Drittel des globalen Totals. In Sampit (Zentralkalimantan) erreichte der Luftqualitätsindex 1142 – als «gesund» gilt 0 bis 50, ab 300 ist die Luft gefährlich. Atemzüge fühlen sich an «wie eine Zigarette rauchen».

Die menschliche Not: Die Zahl der Atemwegserkrankungen in den Provinzen verdoppelte sich bis 9. September auf 113'336. Schulen sind geschlossen, Notaufnahmen überlastet, Familien leben hinter verschlossenen Fenstern. Eine Lehrerin: «Die körperliche Belastung ist spürbar – brennende, tränende Augen, Schwindel. Es fühlt sich an, als würden unsere Körper einfach aufgeben.»

Grenzüberschreitender Smog: Der Rauch zieht nach Malaysia, Singapur, Brunei und bis Manila. Malaysia drängt ASEAN, das Abkommen von 2003 zu überprüfen.

Kritische Einordnung: Die Regierung verhaftete 113 Personen und untersucht 19 Firmen, doch die Durchsetzung bleibt schwach – zu gross sind die wirtschaftlichen Interessen der Palmölindustrie. Präsidenten- und Ministerrhetorik («Monat des Kampfes») ersetzt keine strukturelle Lösung. Solange Brandrodung billiger ist als nachhaltige Landnutzung und Torfböden weiter trockengelegt werden, bleibt jedes El-Niño-Jahr eine Katastrophe. Wie Ökologe Gaveau sagt: «El Niño ist ein Verstärker. Aber man braucht ein Streichholz – und das sind Menschen.»


21.09.2026 Wie saudische Ölforscher dazu kamen, an den weltweit wichtigsten Klimaberichten mitzuarbeiten

Zusammenfassung des Artikels von The Guardian

Eine Guardian-Recherche zeigt: Mindestens ein Dutzend Leitautoren des IPCC sind mit Saudi Aramco, saudischen Institutionen oder anderen Öl- und Gasinteressen verbunden – allein in der Arbeitsgruppe III, die Emissionsminderungspolitik bewertet. Zwei Autoren arbeiten direkt für Aramco, fünf für das staatlich finanzierte Thinktank KAPSARC, weitere an Universitäten mit Aramco-Kooperationen. Ein IPCC-Vizevorsitz, Malak Al-Nory, ist gleichzeitig Beraterin des saudischen Energieministeriums und vertritt das Königreich bei UN-Klimaverhandlungen.

Das Problem: Der IPCC erklärte im März 2026, bei keinem der ausgewählten Autoren lägen Interessenkonflikte vor. Die Diskrepanz zwischen dieser Einschätzung und der Häufung saudischer Verbindungen ist eklatant. Experten nennen die Interessenkonfliktpolitik des IPCC «nicht zweckmässig»: Sie sei undurchsichtig, werde inkonsistent angewandt, und die Offenlegungen der Autoren blieben geheim.

Die saudische Strategie dahinter ist erkennbar: Statt Klimaschutz nur zu blockieren, setzt das Königreich zunehmend auf technologische Scheinlösungen wie CO2-Abscheidung, um seine fossile Wirtschaft zu schützen. Dass ausgerechnet die Institution, die die wissenschaftliche Grundlage der Weltklimapolitik liefert, diese Interessen nicht wirksam ausschliesst, untergräbt ihre Glaubwürdigkeit – und damit die Grundlage der globalen Klimapolitik selbst.


24.09.2026 Klimakrise als Sicherheitsrisiko: Grossbritannien gewährt Einblicke in brisante Geheimdienst-Erkenntnisse. Der Gesamtbericht ist unveröffentlicht.

Dieser Gesamtbericht basiert auf den folgenden Artikeln von The Guardian:

vom 8.10.2025
vom 20.1.2026
vom 22.4.2026
vom 23.9.2026

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Ein Bericht des britischen Joint Intelligence Committee (JIC), der die Klima- und Naturkrise als ernsthafte Bedrohung der nationalen Sicherheit einstuft, sorgt seit Monaten für politische Spannungen. Die Geschichte beginnt im Oktober 2025: Eigentlich sollte der Bericht an einem bedeutenden Anlass in London veröffentlicht werden. Doch kurz vor der geplanten Präsentation wurde die Veranstaltung abgesagt, Journalisten wurden ausgeladen. Wie der Guardian am 8. Oktober 2025 berichtete, hegten Beobachter den Verdacht, dass die Regierung unter Premierminister Keir Starmer den Bericht zurückhielt, weil sie die darin enthaltenen unbequemen Wahrheiten nicht öffentlich diskutieren wollte. Der Bericht warnte laut Insidern, dass der Zusammenbruch wichtiger Ökosysteme wie des Amazonas-Regenwaldes und der borealen Wälder die Ernährungssicherheit, die Wirtschaft und die geopolitische Stabilität Grossbritanniens gefährde. Nahrungsmittelimporte, Bekleidungsindustrie und Migration aus Klima-Hotspots seien unmittelbar betroffen. Kritiker warfen der Regierung vor, die internationalen Klimahilfen (ODA) gekürzt und die Naturpolitik vernachlässigt zu haben.

Am 20. Januar 2026 wurde schliesslich eine geschwärzte Version des Berichts über den Freedom of Information Act veröffentlicht. Der Guardian berichtete, dass der Bericht offiziell dem Umweltministerium (Defra) zugeschrieben wurde, tatsächlich aber vom JIC stammte. Das Dokument warnt, dass einige lebenswichtige Ökosysteme innerhalb von fünf Jahren kollabieren könnten. Die Folgen: Wassermangel, Ernteausfälle, Fischereikollaps, neue Zoonosen und geopolitische Konflikte. Besonders gefährdet seien der Amazonas, der Kongo-Regenwald, der Himalaya sowie die Korallenriffe und Mangroven Südostasiens. Der Bericht stellt fest, dass das Vereinigte Königreich ohne erhebliche Steigerung der Eigenproduktion nicht in der Lage sein werde, sich im globalen Wettbewerb um Nahrungsmittel zu behaupten. Experten wie Generalleutnant Richard Nugee und der ehemalige Klimaminister Zac Goldsmith kritisierten, dass die Regierung die Naturkrise zugunsten eines reinen Kohlenstoff-Fokus vernachlässige.

Am 22. April 2026 griff der Guardian-Podcast «Today in Focus» das Thema auf. Die Umweltredaktorin Fiona Harvey schilderte, wie sie und andere Journalisten im Oktober 2025 von der Absage der Veranstaltung überrascht wurden. Sie erklärte, dass der JIC – also die Spionagechefs von MI5 und MI6 – sich mit Klima- und Biodiversitätsfragen befassten, weil diese als nationale Sicherheitsrisiken eingestuft werden. Der Podcast beleuchtete die Hintergründe der Unterdrückung und die wachsende Ungeduld von Sicherheitsexperten, die seit zwei Jahrzehnten vor den Folgen der Klimakrise warnen.

Am 23. September 2026 schliesslich präsentierte der britische Aussenminister Ed Miliband die Ergebnisse des Berichts bei einem privaten Treffen der Aussenminister der EU, Kenias und weiterer Länder am Rande der UNO-Generalversammlung in New York. Wie der Guardian berichtete, warnte Miliband, dass ein bevorstehendes El-Niño-Ereignis, verstärkt durch den Klimawandel, die Ernährungssysteme der Welt «wie nie zuvor» auf die Probe stellen werde. Er betonte, dass Klima- und Naturverlust keine reinen Umweltthemen seien, sondern «definierende Herausforderungen für unsere Bürger, unsere Wirtschaften, unsere Aussenpolitik und unsere nationale Sicherheit». Miliband kündigte an, einen Sonderbeauftragten für Klimasicherheit zu ernennen, eine ministerielle Taskforce einzurichten und 330 Millionen Pfund für den Global Environment Facility bereitzustellen. Der Grünen-Abgeordnete Adrian Ramsay begrüsste die Präsentation, kritisierte aber, dass das britische Parlament weiterhin keinen Zugang zum vollständigen Bericht habe und die Regierung keine Antwort auf die drastischen Befunde liefere.

Fazit und Kommentar

Die vier Guardian-Berichte zeichnen die Geschichte eines brisanten Dokuments nach, das die Klima- und Naturkrise als das einordnet, was sie längst ist: eine Frage der nationalen und internationalen Sicherheit. Der JIC-Bericht, ursprünglich für Oktober 2025 geplant, wurde von der Regierung Starmer zurückgehalten – ein Vorgang, der tiefe Zweifel an der Bereitschaft der Politik aufwirft, unangenehme Wahrheiten anzuerkennen. Dass Aussenminister Miliband die Erkenntnisse nun international teilt, ist ein wichtiger Schritt. Doch die Tatsache, dass der vollständige Bericht weiterhin unter Verschluss bleibt und die britische Regierung keine umfassende Antwort auf die Befunde vorgelegt hat, bleibt ein demokratisches und sicherheitspolitisches Problem. Wer die Bedrohung kennt, aber nicht handelt, trägt eine Mitverantwortung für die Folgen. Die Schweiz, die ebenfalls stark von importierten Nahrungsmitteln und globalen Lieferketten abhängt, sollte diese Warnungen ernst nehmen. Es ist höchste Zeit, Klima- und Biodiversitätspolitik nicht als Kostenfaktor, sondern als Überlebensstrategie zu begreifen.


24.09.2026 Klimakrise als Sicherheitsrisiko: Geheimdienste weltweit schlagen Alarm

Deutschland und Europa: Der BND als Vorreiter

Deutschland hat im Februar 2025 einen Meilenstein gesetzt: Die erste Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung (NiKE) wurde vom Auswärtigen Amt, dem Bundesverteidigungsministerium, dem Bundesnachrichtendienst (BND) sowie den Forschungsinstituten Metis (Universität der Bundeswehr München), adelphi und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erstellt. Der BND-Präsident Bruno Kahl ordnet darin die Folgen der Erderhitzung als „eine der fünf großen externen Bedrohungen für unser Land“ ein – neben einem aggressiv-expansiven Russland, Chinas weltpolitischen Ambitionen, Cybergefahren und internationalem Terrorismus. Deutschland ist damit nach den USA das zweite Land weltweit, das eine derart systematische geheimdienstgestützte Klimasicherheitsanalyse vorgelegt hat.

Die NiKE-Studie betont, dass die Klimakrise nicht isoliert betrachtet werden darf: „Wer Sicherheit denkt, muss Klima mitdenken“. Sie zeigt auf, wie Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle Konflikte um Land, Wasser und Nahrung verschärfen, Migration nach Europa verstärken und kritische Infrastrukturen gefährden.

Auf EU-Ebene gibt es Bestrebungen, diese nationalen Ansätze in eine umfassende EU-weite Risiko- und Bedrohungsanalyse zu integrieren. Empfohlen wird ausdrücklich, auch „harte“ Sicherheitsakteure wie Geheimdienste und Militär einzubeziehen, mit der Kernaussage: „Anyone thinking about security needs to think about climate as well“. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und Klimakommissar Wopke Hoekstra betonen, dass der Klimawandel bereits heute ein „major risk multiplier“ für Konflikte und Instabilität ist: Seit 2008 wurden jährlich über 20 Millionen Menschen durch Extremwetter vertrieben; bis 2050 könnten über eine Milliarde Menschen unzureichenden Zugang zu Wasser haben.

Australien: Zwischen Fortschritt und Geheimhaltung

Australien blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Bereits 1981 verfasste das Office of National Assessments (ONA) einen als „CONFIDENTIAL“ eingestuften Bericht mit dem Titel „Fossil Fuels and the Greenhouse Effect“ für Premierminister Malcolm Fraser – eine bemerkenswert vorausschauende Analyse, die vor den Risiken für Australiens Kohleexporte warnte.

In der Gegenwart ist die Lage von Intransparenz geprägt. Premierminister Anthony Albanese beauftragte 2022 den Chef der nationalen Geheimdienste, Andrew Shearer, mit einer Analyse der Sicherheitsbedrohungen durch die Klimakrise – weigerte sich jedoch, den Bericht zu veröffentlichen oder auch nur zu sagen, wann er fertiggestellt wurde. Ein Senatsausschuss empfahl im Dezember 2025, dass die Regierung innerhalb von drei Monaten eine deklassifizierte Version des Berichts des Office of National Intelligence (ONI) über die nationalen Sicherheitsbedrohungen durch den Klimawandel dem Parlament vorlegen solle.

Eine 2025 im International Journal of Intelligence and CounterIntelligence veröffentlichte wissenschaftliche Analyse kritisiert, dass die australische National Intelligence Community (NIC) bei der Klimasicherheit bisher nur reaktiv und taktisch agiere. Die Autorin Isabelle Bond argumentiert, dass die Australian Geospatial-Intelligence Organisation (AGO) die Sammlung von Treibhausgas-Emissionsdaten priorisieren sollte und dass das National Greenhouse and Energy Reporting Act 2007 so geändert werden müsse, dass Verstösse strafrechtlich verfolgt werden können. Der Kern der Kritik: Ohne die Adressierung der Ursache – der Emissionen – bleiben alle Sicherheitsmassnahmen „Band-Aid solutions“.

China: Datensicherheit statt Klimasicherheit

Chinas Ansatz unterscheidet sich grundlegend: Nicht die Klimakrise selbst wird als Sicherheitsbedrohung bewertet, sondern die Kontrolle über klimarelevante Daten wird als nationale Sicherheitsfrage behandelt. Die国家安全部 (Ministerium für Staatssicherheit) hat nach eigenen Angaben über 3’000 „illegale ausländische“ Wetterstationen in mehr als 20 Provinzen untersucht. Die Begründung: Meteorologische Daten seien „eng mit der nationalen, der Ernährungs- und der ökologischen Sicherheit, dem Klimawandel sowie öffentlichen Interessen verbunden“. Die illegale Sammlung und grenzüberschreitende Übermittlung von Wetterdaten bedrohe die Souveränität, Sicherheit und Entwicklungsinteressen Chinas.

In einer neueren Mitteilung schildert die Behörde konkrete Fälle: Ein Privatmann installierte eine Wetterstation in der Nähe eines militärischen Sperrgebiets und lud die Daten auf eine ausländische Website hoch. Die Behörde warnt, dass hochpräzise Wetterdaten in Kombination mit GPS-Positionen Rückschlüsse auf wichtige geografische Informationen ermöglichen und dass aus langfristigen Wetterdaten einer Region Ernteerträge abgeleitet werden könnten, was die Ernährungssicherheit gefährde. Bereits 2024 warnte die国家安全部 vor ausländischen Nichtregierungsorganisationen, die unter dem Deckmantel von „Projektforschung“ oder „ökologischer Governance“ sensible Daten in chinesischen Naturschutzgebieten sammelten.

Russland: Keine öffentlichen Berichte

In den vorliegenden Suchergebnissen finden sich keine öffentlich zugänglichen Berichte russischer Geheimdienste oder Sicherheitsbehörden zur Klimakrise. Russland erscheint in den westlichen Analysen vielmehr als Bedrohungsakteur – etwa als „aggressiv-expansives Russland“, das neben dem Klimawandel als eine der fünf grossen externen Bedrohungen für Deutschland genannt wird.

Fazit und Kommentar

Die internationalen Geheimdienstberichte zur Klimakrise zeigen ein zunehmend klares Bild: Der Klimawandel ist keine entfernte Umweltfrage, sondern ein unmittelbarer Sicherheitsfaktor. Deutschland hat mit der NiKE-Studie und der Einordnung durch den BND international Massstäbe gesetzt. Australien hingegen verfügt über die Analyse, verweigert aber die Veröffentlichung – ein demokratisches Problem, das der Senat nun zu korrigieren versucht. Chinas Weg der Datensicherheit ist sicherheitspolitisch nachvollziehbar, lässt aber die eigentliche Bedrohung – die Klimakrise selbst – aussen vor. Europa ist auf einem guten Weg, die nationalen Ansätze zu bündeln, doch die Umsetzung steht noch aus.

Die zentrale Erkenntnis lautet: Wer die Klimakrise nicht als Sicherheitsrisiko begreift, wird von ihren Folgen überrollt werden. Die Schweiz – stark abhängig von importierten Nahrungsmitteln und globalen Lieferketten – sollte diese Warnungen ernst nehmen und eigene, vergleichbare Analysen in Auftrag geben. Es ist höchste Zeit, Klimapolitik nicht als Kostenfaktor, sondern als Überlebensstrategie zu begreifen.

Quellen

Auswärtiges Amt (2025): „Klimaschutz als Sicherheitspolitik: Erste nationale interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung NiKE veröffentlicht“. https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2700052-2700052

EU Science Hub / Joint Research Centre (2025): „Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung“ – Präsentationsfolien. https://joint-research-centre.ec.europa.eu/document/download/de881d96-b7c3-4327-b796-e0904386de74_en?filename=Day2_Room_500-EU_Science_for_preparedness_2025.pdf

EEAS (2023): „Europe Knows that Climate Action Is Vital to Global Security“ (Josep Borrell & Wopke Hoekstra). https://www.eeas.europa.eu/delegations/peru/europe-knows-climate-action-vital-global-security_en

Parliament of Australia (2025): „List of recommendations – Climate Risk Assessment“. https://www.aph.gov.au/Parliamentary_Business/Committees/Senate/Environment_and_Communications/CRA48P/Report/List_of_recommendations

Bond, Isabelle (2025): „Emissions, the Strategic Omission: Climate Security and Australia’s National Intelligence Community“, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence, Vol. 38, No. 2. https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/08850607.2024.2358802

Deutschlandfunk (2025): „Klimawandel bedroht laut Studie deutsche Sicherheit – Baerbock: ‚größte Gefahr unserer Zeit‘“. https://www.deutschlandfunk.de/klimawandel-bedroht-laut-studie-deutsche-sicherheit-baerbock-groesste-gefahr-unserer-zeit-100.html

Parliament of Australia (2025): „Climate Risk Assessment – Report December 2025“. https://www.aph.gov.au/Parliamentary_Business/Committees/Senate/Environment_and_Communications/CRA48P/Report/

Environmental Peacebuilding Association (2025): „Emissions, the Strategic Omission: Climate Security and Australia’s National Intelligence Community“ (Bibliografie). https://www.environmentalpeacebuilding.org/public/library/show/a1b749e94264

DIE ZEIT (2025): „Studie von Klimaforschern und BND: Forscher und BND sehen nationale Sicherheit durch Klimakrise bedroht“. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-02/klimawandel-gefahr-nationale-sicherheit-bnd-annalena-baerbock

taz (2025): „Bericht über globale Erwärmung: BND fürchtet Folgen der Erderhitzung“. https://taz.de/Bericht-ueber-globale-Erwaermung/!6065414/

N-TV (2025): „Forscher und BND warnen vor dramatischen Folgen der Klimakrise für Deutschland“. https://www.n-tv.de/ticker/Forscher-und-BND-warnen-vor-dramatischen-Folgen-der-Klimakrise-fuer-Deutschland-article25556599.html


25.09.2026 Aufwachen im Wasser-Luftschloss

In der Schweiz verschärfen sich die Verteilkämpfe um eine Ressource, die lange als selbstverständlich galt.

Zum WOZ-Artikel

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Zusammenfassung

Wasserknappheit in der Schweiz: Die WOZ beschreibt verschärfte Verteilungskämpfe um Wasser. Der Mythos vom «Wasserschloss Schweiz» bekommt Risse: Flüsse und Seen erreichten Tiefstände, Landwirte mussten teils Trinkwasser zur Bewässerung nutzen. Der Tessin lehnte italienische Forderungen nach zusätzlichem Wasser ab, da die eigenen Reserven tief waren.

Konfliktfelder: Wasserforscher Klaus Lanz nennt drei Messgrössen: Wasserqualität, Verbrauchsmenge und Flächennutzung. Dünger und Pestizide belasten das Grundwasser, aus dem rund 80 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammt. Trocknen Bäche aus, steigt der Druck auf die Landwirtschaft, stärker auf Grund- und Trinkwasser zurückzugreifen – was die Pegel weiter senkt.

Verschwendung: SP-Nationalrat Bruno Storni kritisiert die Bewässerung in Norditalien: Von 40'000 Kilometern Kanälen seien 75 Prozent nicht abgedichtet, oft werde mit ineffizienter Überflutungsbewässerung gearbeitet. Der künstlich hoch gehaltene Pegel des Lago Maggiore werde so innert Tagen aufgebraucht.

Lösungsansätze: Im Aargau zeigt Norbert Kräuchi, wie es anders geht: Auenschutzpark, renaturierte Bäche und neue Feuchtgebiete sollen Wasser länger halten. Doch solche Projekte brauchen Flächen, die auch die Landwirtschaft beansprucht – Revitalisierungen stossen auf politischen Widerstand.

Fehlende Daten: Der Wasserverbrauch wird nicht flächendeckend erhoben. Lanz kritisiert, dass niemand ermittelt hat, wie viel Wasser nachhaltig nutzbar ist. Bereits 2014 stellte ein Forschungsprogramm Nachholbedarf fest – vieles ist bis heute nicht umgesetzt.

Politische Chance: Lanz sieht in der Abstimmung zur Ernährungsinitiative die Gelegenheit, den Wasserverbrauch systematisch zu erfassen und eine nationale Strategie zum Gewässer- und Trinkwasserschutz zu formulieren.


Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen

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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)

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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.

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