
Einar Tangen ist Senior Fellow am Teihe Institute und am CIGI. Er erörtert, wie die USA in einem verzweifelten Versuch, ihre globale Hegemonie wiederherzustellen, das internationale System demontieren.
Zusammenfassung
Allgemeine Einordnung
Das Interview behandelt geopolitische Spannungen zwischen den USA, China, Russland und weiteren Akteuren. Im Zentrum stehen Energiepolitik, wirtschaftliche Entwicklungen, strategische Rivalität sowie die Frage nach einer neuen Weltordnung. Tangen argumentiert stark aus einer systemkritischen Perspektive gegenüber der US-Aussenpolitik, während China als langfristig denkender, stabilitätsorientierter Akteur dargestellt wird.
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Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump
Tangen erwartet von einem möglichen Treffen kaum substanzielle Ergebnisse.
Wichtige Punkte:
Wichtige Interpretation: Das Treffen dient vor allem der politischen Inszenierung für Trump, nicht echter Problemlösung. China hingegen versucht, Stabilität zu bewahren und Eskalationen zu vermeiden.
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US-Strategie in der Energiepolitik
Ein zentraler Teil des Interviews ist die These, dass die USA gezielt globale Energieflüsse kontrollieren wollen.
Kernaussagen:
Besonders wichtiger Punkt: Die USA versuchen laut Tangen, Chinas Aufstieg zu bremsen, indem sie dessen Energieversorgung gefährden (z. B. durch Kontrolle von Seewegen wie der Strasse von Hormus oder der Strasse von Malakka).
Kritische Bewertung im Interview: Diese Strategie sei kurzsichtig, weil:
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Struktureller Wandel des Energiemarktes
Ein besonders zentraler und ausführlich behandelter Punkt ist der langfristige Wandel im Energiesystem.
Kernaussagen:
Sehr wichtiger Aspekt: Tangen betont, dass etwa 60 % des Ölverbrauchs (v. a. Transport) ersetzbar sind. Nur etwa 40 % (z. B. Chemieindustrie) bleiben langfristig bestehen.
Folgen:
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Zusammenhang zwischen Energie- und Nahrungskrise
Ein besonders anschaulich erklärter Teil ist der Zusammenhang zwischen Energie und Lebensmittelproduktion.
Zentrale Idee:
Energie ist in jedem Schritt der Nahrungsmittelproduktion enthalten:
Konsequenz: Steigende Energiepreise führen direkt zu steigenden Lebensmittelpreisen.
Wichtige Folgen:
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Globale Ungleichheit der Auswirkungen
Tangen unterscheidet zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Effekten.
Kurzfristig:
Mittelfristig:
Langfristig:
Besonders wichtig: Der „globale Süden“ trägt die Hauptlast der aktuellen Krise.
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Blockaden, Seewege und "Piraterie"
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kontrolle maritimer Handelsrouten.
Kernaussagen:
Interpretation: Übergang von regelbasierter Ordnung zu Machtpolitik.
Wichtiger Punkt: Solche Massnahmen könnten langfristig gegen China gerichtet sein, insbesondere durch Blockaden strategischer Engpässe.
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Chinas Strategie
China wird als rationaler, langfristig denkender Akteur dargestellt.
Zentrale Elemente:
Sehr wichtiger Aspekt: China setzt auf „Zeit“ als strategischen Faktor: Abwarten, bis sich politische Verhältnisse im Westen ändern.
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Kritik an den USA und an Donald Trump
Tangen übt scharfe Kritik:
Zusätzliche Kritik:
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Europa in der Krise
Europa wird als besonders verwundbar beschrieben.
Zentrale Probleme:
Wichtiger Punkt:
Langfristige Prognose: Phase politischer Instabilität mit häufigen Machtwechseln („Hin und Her“).
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Gefahr eines grossen Konflikts
Das Interview zeichnet ein sehr pessimistisches Bild:
Wichtige Aussage: Es fehle eine klare „Endstrategie“ der USA.
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Vision einer neuen Weltordnung
Zum Schluss wird ein alternatives Modell diskutiert, das China vorschlägt:
Grundprinzipien:
Historischer Bezug:
Kernidee: Multipolare Welt statt US-Hegemonie
Kritik: Europa sei nicht bereit, dieses Modell ernsthaft zu prüfen.
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Fazit
Die wichtigsten Kernaussagen des Interviews sind:
Übersetzung des Artikels von Drop Site News
Zwei Mitglieder der Gaza-Flottille schildern ihre Entführung und Misshandlung durch Israel im vergangenen Herbst.
Im April stach eine neue Flottille in Richtung Gaza in See, um erneut die israelische Blockade zu durchbrechen. Am späten Donnerstag fingen israelische Streitkräfte 22 Schiffe der Globalen Sumud-Flottille ab . Mehr als 170 Teilnehmer wurden festgenommen und auf die griechische Insel Kreta gebracht. Zwei Teilnehmer wurden zur Vernehmung nach Israel gebracht.
Die Journalistin Noa Avishag Schnall berichtete letztes Jahr für Drop Site über die Flottille, bevor diese in internationalen Gewässern illegal geentert wurde, alle Teilnehmer von israelischen Streitkräften entführt wurden und Noa in israelischer Haft misshandelt wurde. An Bord der „Conscience“ lernte sie die deutsche Journalistin Anna Liedtke kennen. Auch Liedtke wurde von israelischen Streitkräften entführt und während ihrer Haft von weiblichen Wachen vergewaltigt. Diesen Missbrauch machte sie im Dezember 2025 über die Frauenorganisation ZORA öffentlich.
Die brutale Behandlung erfolgte trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Tatsache, dass Liedtke aus Deutschland stammt, einem Land, das Israel unmissverständlich unterstützt, ungeachtet dessen, was es mit Palästinensern oder gar Deutschen anstellt, und Schnall Amerikanerin und Jüdin ist, fliessend Hebräisch spricht und jemenitischer Abstammung ist, die ihre israelische Staatsbürgerschaft aufgegeben hatte. Die Inhaftierung der Passagiere und Besatzungsmitglieder der „Conscience“ fiel in die Zeit der Verhandlungen über den sogenannten Waffenstillstand und trug vermutlich ebenfalls zur zunehmend gewalttätigen Stimmung der israelischen Wachen bei.
Während eine weitere Flottille auslief, baten wir Noa und Anna um einen persönlichen Bericht über ihre Zeit auf dem Wasser und in Haft. Beide betonten, dass die Misshandlungen, die sie erlitten, im Vergleich zu dem, was täglich den rund 10.000 inhaftierten Palästinensern widerfährt – viele von ihnen ohne Anklage auf unbestimmte Zeit festgehalten –, geringfügig seien. 32 palästinensische Gefangene starben im Jahr 2025 in Haft, und mindestens einer ist bereits in diesem Jahr gestorben.
Ein Bericht aus der Ich-Perspektive mit zwei Autorinnen birgt ungewöhnliche erzählerische Herausforderungen, doch wir wollten dieses Format ausprobieren, und Noa und Anna erklärten sich bereit, gemeinsam den folgenden Text zu verfassen. Der Artikel basiert auf ihren Beobachtungen sowie auf ihren Recherchen anhand von Dokumenten im Zusammenhang mit ihrer Inhaftierung. Da sie getrennt wurden, wird im Text deutlich, wessen Perspektive geschildert wird.
Im Folgenden wird geschildert, wie die israelische Regierung zwei Journalisten aus den beiden Nationen behandelte, die ihren Völkermord am stärksten unterstützten. Die israelische Regierung reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Noa berichtet derweil für Drop Site News über die diesjährige Flottille. Verfolgen Sie ihre Updates auf Instagram oder unseren Drop Site Social-Media-Kanälen .
—Ryan Grim
Wir veröffentlichen zwei Versionen dieser Geschichte. Die längere Version können Sie hier lesen.
Während Konflikte die Region destabilisieren, verschafft der Zusammenbruch der kollektiven Kontrolle den US-amerikanischen Macht- und Energiegiganten beispiellose Einflussmöglichkeiten.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Der Krieg gegen den Iran verschiebt nicht nur die Fronten – er erschüttert die globale Energielandschaft grundlegend. In einem überraschenden Schritt haben die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus der OPEC angekündigt. Diese Entscheidung trifft den ohnehin schon angeschlagenen Ölmarkt wie ein geopolitischer Schock. Angesichts des Chaos eines Konflikts, der die Exporte aus dem Golf stark beeinträchtigt und die Strasse von Hormus an den Rand des Abgrunds gebracht hat, ist der Zeitpunkt kein Zufall.
Jahrzehntelang fungierte die OPEC – wenn auch nicht perfekt – als Gegengewicht: Sie ermöglichte es den Ölförderländern, viele davon im globalen Süden, gemeinsam die Kontrolle über Preise und Produktion zu behalten. Doch diese fragile Einheit bröckelt nun. Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate beraubt das Kartell eines seiner ambitioniertesten Produzenten und legt tiefere Risse innerhalb des Bündnisses offen, insbesondere mit Saudi-Arabien, dessen Einfluss auf die OPEC zunehmend zentralisiert und einseitig geworden ist.
Wie Ben Norton betont, liest sich der Bruch der VAE mit der OPEC weniger wie eine Marktentscheidung, sondern eher wie die Arbeit eines Imperiums – die Aushöhlung eines Bündnisses des Globalen Südens zugunsten der US-amerikanischen Macht und der Dominanz der grossen Ölkonzerne.
Hinter den Kulissen reichen die Auswirkungen weit über den Austritt eines Landes aus einem Kartell hinaus . Es geht um Macht – wer die Energie kontrolliert, wer die Preise festlegt und letztlich wer die Bedingungen der Weltwirtschaft diktiert. Analysten warnen, dass dieser Schritt eine Kettenreaktion auslösen könnte, in deren Folge andere Produzenten ihre Position in der OPEC überdenken werden, da der Konflikt die Lieferketten destabilisiert und koordinierte Produktionsstrategien untergräbt.
Doch die eigentliche Geschichte ist geopolitischer Natur. Die Anlehnung der VAE an Washington ist seit Langem offensichtlich, und ihr Austritt wird von Kritikern bereits als strategischer Sieg für die Interessen der USA und der westlichen Ölkonzerne gewertet – er schwächt die kollektive Verhandlungsmacht der Ölförderländer und öffnet gleichzeitig die Tür für eine fragmentiertere, von Konzernen dominierte Energieordnung.
Gleichzeitig eskaliert der Krieg weiter. Israelische Angriffe im Libanon dauern trotz Waffenstillstandsvereinbarungen an, während US-Streitkräfte die Kontrolle über die regionalen Schifffahrtswege verstärken. Die diplomatischen Bemühungen kommen nur schleppend und unsicher voran, wobei der Iran nach dem Scheitern früherer Gespräche an der Ablehnung durch die USA einen überarbeiteten Friedensvorschlag vorbereitet.
Es entsteht ein System, das auf allen Ebenen unter Druck steht: militärisch, wirtschaftlich und politisch. Öl ist nicht länger nur ein Rohstoff – es ist eine Waffe, ein Druckmittel und eine Schwachstelle. Und da Bündnisse zerbrechen und Märkte destabilisiert werden, werden die Folgen nicht gleichmässig verteilt sein.
Denn während Regierungen manövrieren und Konzerne Gewinne berechnen, sind es die einfachen Menschen – konfrontiert mit steigenden Energiekosten, gestörten Lieferketten und dem schleichenden Ausbluten wirtschaftlicher Instabilität –, die letztendlich den Schock abbekommen werden.
Dies ist nicht nur eine Änderung der Ölpolitik. Es ist ein Einblick in eine Welt, in der die Strukturen, die einst die globale Energieversorgung beherrschten, in Echtzeit zusammenbrechen – unter dem Druck von Krieg, Machtpolitik und dem unerbittlichen Streben nach Kontrolle.
Der Iran teilte am Sonntag mit, er habe eine Antwort der USA auf sein jüngstes Angebot für Friedensgespräche erhalten, einen Tag nachdem Präsident Donald Trump erklärt hatte, er werde den iranischen Vorschlag wahrscheinlich ablehnen, da „sie keinen ausreichend hohen Preis gezahlt haben“.
Iranische Staatsmedien berichteten, Washington habe seine Antwort auf Irans 14-Punkte-Vorschlag über Pakistan übermittelt, und Teheran prüfe diesen nun. Eine Bestätigung der US-Antwort aus Washington oder Islamabad lag zunächst nicht vor.
„Zum jetzigen Zeitpunkt führen wir keine Atomverhandlungen“, zitierten staatliche Medien den Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Esmaeil Baghaei. Dies war offenbar eine Anspielung auf den iranischen Vorschlag, die Gespräche über Atomfragen bis nach Kriegsende und der Einigung der Konfliktparteien auf die Aufhebung der gegenseitigen Blockaden der Schifffahrt im Golf auszusetzen.
Am Samstag sagte Trump, er habe den genauen Wortlaut des iranischen Friedensvorschlags noch nicht geprüft, werde ihn aber wahrscheinlich ablehnen.
„Ich werde mir den Plan, den der Iran uns soeben übermittelt hat, bald ansehen, kann mir aber nicht vorstellen, dass er akzeptabel sein wird, da sie für das, was sie der Menschheit und der Welt in den letzten 47 Jahren angetan haben, noch keinen ausreichend hohen Preis bezahlt haben“, schrieb er in den sozialen Medien.
Meerenge immer noch geschlossen
Die USA und Israel haben ihre Bombardierungen gegen den Iran vor vier Wochen eingestellt, und US-amerikanische und iranische Vertreter führten eine Gesprächsrunde. Versuche, weitere Treffen zu vereinbaren, sind bisher jedoch gescheitert.Der Iran hat am Donnerstag seinen neuesten Vorschlag vorgelegt, und ein hochrangiger iranischer Beamter bestätigte am Samstag, dass Teheran zunächst den Krieg beenden und die Schifffahrtskrise lösen wolle, während Gespräche über das iranische Atomprogramm auf einen späteren Zeitpunkt verschoben würden.
Obwohl Trump am Freitag zunächst erklärte, er sei mit dem iranischen Vorschlag nicht zufrieden, sagte er am Samstag, er prüfe ihn noch.
„Sie haben mir das Konzept des Abkommens erklärt. Sie werden mir jetzt den genauen Wortlaut nennen“, sagte er Reportern. Auf die Frage, ob er die Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen könnte, antwortete Trump: „Das möchte ich nicht sagen. Ich meine, ich kann das keinem Reporter erzählen. Wenn sie sich danebenbenehmen, wenn sie etwas Schlimmes tun, werden wir sehen. Aber es ist eine Möglichkeit, die passieren könnte.“
Irans Vorschlag im Vergleich zu Washingtons Forderungen
Der Vorschlag, die Gespräche über Nuklearfragen auf eine spätere Phase zu verschieben, scheint im Widerspruch zu Washingtons wiederholter Forderung zu stehen, dass der Iran strenge Beschränkungen für sein Atomprogramm akzeptieren müsse, bevor der Krieg beendet werden könne.
Washington fordert von Teheran die Freigabe seines Bestands von über 400 kg hochangereichertem Uran, das laut den USA zum Bau einer Atombombe verwendet werden könnte. Der Iran beteuert, sein Atomprogramm diene friedlichen Zwecken, ist aber bereit, im Gegenzug für die Aufhebung der Sanktionen über gewisse Einschränkungen zu verhandeln, wie es bereits in einem 2015 geschlossenen Abkommen akzeptiert worden war, das Trump jedoch aufgekündigt hat.
Obwohl Trump wiederholt beteuert, es nicht eilig zu haben, steht er innenpolitisch unter Druck, Irans Kontrolle über die Strasse von Hormus zu beenden. Diese hat 20 % der weltweiten Öl- und Gasversorgung unterbrochen und die Benzinpreise in den USA in die Höhe getrieben. Trumps Republikanische Partei riskiert bei den Kongresswahlen im November einen Wählerprotest aufgrund der höheren Preise.
Iranische Medien berichteten, dass Teherans 14-Punkte-Vorschlag den Abzug der US-Truppen aus den umliegenden Gebieten, die Aufhebung der Blockade, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, die Zahlung von Entschädigungen, die Aufhebung der Sanktionen, die Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschliesslich des Libanon, und die Schaffung eines neuen Kontrollmechanismus für die Strasse von Hormus beinhaltet.
Der Iran blockiert seit über zwei Monaten fast den gesamten Schiffsverkehr aus dem Golf, mit Ausnahme des eigenen. Im vergangenen Monat verhängten die USA ihrerseits eine Blockade iranischer Häfen.
Unter der Bedingung der Anonymität, um über vertrauliche diplomatische Angelegenheiten zu sprechen, sagte der hochrangige iranische Beamte, Teheran glaube, dass sein jüngster Vorschlag, die Atomgespräche auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, eine bedeutende Kursänderung darstelle, die darauf abziele, eine Einigung zu erleichtern.
„Im Rahmen dieses Vorgehens wurden die Verhandlungen über die komplexere Nuklearfrage in die letzte Phase überführt, um eine förderlichere Atmosphäre zu schaffen“, sagte der Beamte.
Israel ordnet Evakuierung des Libanon an
Am Sonntag ordnete Israel die Evakuierung Tausender Libanesen aus Dörfern im Südlibanon an. Dies stellt eine Eskalation des Krieges zwischen Israel und den Hisbollah-Verbündeten des Irans dar, der parallel zum Iran-Krieg verläuft und die umfassenderen Friedensbemühungen weiter erschweren könnte.
Der Iran hat erklärt, dass die Gespräche mit Washington erst wieder aufgenommen werden können, wenn auch im Libanon ein Waffenstillstand herrscht. Israel war im März in den Libanon einmarschiert, um die Hisbollah anzugreifen, nachdem die vom Iran unterstützte libanesische Gruppe zur Unterstützung Teherans über die Grenze geschossen hatte.
Libanon und Israel hatten im vergangenen Monat eine separate Waffenruhe vereinbart, doch die Kämpfe dauern an, wenn auch in geringerem Umfang. Das israelische Militär gab am Sonntag eine dringende Warnung an die Bewohner von elf Städten und Dörfern im Süden des Libanon heraus und forderte sie auf, ihre Häuser zu verlassen und sich mindestens 1.000 Meter (3.300 Fuss) in offenes Gelände zu begeben.
Das Militär erklärte, es führe Operationen gegen die Hisbollah durch, nachdem es zu einem Verstoss gegen die Waffenruhe gekommen sei, und warnte, dass sich jeder in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern oder -Einrichtungen in Gefahr begeben könne.
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Meine Frage: Was wäre denn ein "ausreichend hoher Preis, den Iran zu bezahlen hat", wie Herr Trump das ohne konkrete Hinweise feststellt? Reichen 126 getötete Schulmädchen nicht? Oder die Tausenden von Toten der Angriffe der USA und Israels? Oder die Milliardenschäden an der iranischen Infrastruktur durch diese Angriffe? Oder die Schäden durch die jahrelangen Sanktionen?
Übersetzung des Artikels von Richard Murphy
Kassandra zu sein ist nie beliebt. Ich habe gestern mit zwei jungen Bekannten gesprochen und ihnen vorausgesagt, dass ihre Urlaubspläne für eine Reise nach Ibiza diesen Sommer durch eine bevorstehende Kerosinkrise durchaus beeinträchtigt werden könnten.
Sie waren von diesem Vorschlag völlig schockiert. Ihnen war nie in den Sinn gekommen, dass Donald Trumps Krieg sie so persönlich betreffen könnte. Einer von ihnen schlug spontan vor, stattdessen ans Mittelmeer zu fahren. Ich wies darauf hin, dass dies keine bessere Option sei, da bei Kerosin möglicherweise auch Benzin knapp sei und der Preis erheblich gestiegen sein könnte.
„Dann fahre ich eben mit dem Fahrrad ans Meer“, war die nächste Reaktion. Daraufhin wies ich darauf hin, dass das wahrscheinlich alle anderen auch vorhätten und es deshalb sehr schwierig werden könnte, hierzulande eine Unterkunft zu finden.
An diesem Punkt gingen mir die Gegenvorschläge aus, und mir wurde immer deutlicher bewusst, wie meine Beliebtheit rapide sank. Ich wechselte das Thema, verblüfft über das offensichtliche Unverständnis der beiden dafür, dass wir in einer vernetzten Welt leben, in der das Handeln grob unverantwortlicher Menschen, selbst und vielleicht gerade dann, wenn es sich um Staatsoberhäupter grosser Nationen handelt, Konsequenzen für das Leben anderer Menschen hat.
Im Moment kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir in einer Art Scheinkrieg leben. Viele Nachrichten haben etwas Surreales an sich. So scheinen meine morgendlichen Schlagzeilen beispielsweise voll von Bildern der gestrigen Met Gala in New York zu sein, bei der exzessiver Konsum das einzige erkennbare Thema zu sein scheint – sofern man das Sponsoring durch Jeff Bezos ausser Acht lässt, was allerdings schwerfällt.
Die Diskrepanz zwischen dem masslosen Prunk dieser Veranstaltung und der Realität ist so gross wie die meiner beiden Bekannten und ihrer Risikobewertung für ihren bereits gebuchten Sommerurlaub. Die Met Gala verkörpert Fantasie, Scheinheiligkeit und die bewusste Zurschaustellung von Reichtum, um – wie solche Veranstaltungen es schon immer getan haben – zu demonstrieren, dass die Welt in Reiche und Arme gespalten ist. Dahinter steckt ein bewusst inszenierter Prozess, der Zuschauer und deren Bewunderung (durch sensationslüsterne Medien) für das erfordert, was manche für möglich halten, während andere darum kämpfen, ihren Kindern Essen zu bieten.
Das ist schon abscheulich genug, aber jetzt befinden wir uns aus demselben Grund in einem Krieg. Trump, unterstützt, angestiftet und beschwichtigt von Benjamin Netanjahu, legte sich mit dem Iran an, nur weil er es konnte, nicht weil es irgendeinen Grund dafür gab. Nach seinem vermeintlichen Erfolg in Venezuela glaubte er, noch einen Schritt weiter gehen und seine Fähigkeit demonstrieren zu können, die Rechte eines weiteren Nationalstaates zu missachten. Doch so wie diejenigen, die glauben, ihr Reichtum schütze sie, manchmal ihre gerechte Strafe erhalten – und zwar nicht nur durch Mistgabeln –, so hat auch Trump erfahren müssen, dass sein Exzess Grenzen hat und dass diese sehr reale Konsequenzen nach sich ziehen.
Nach der gestrigen Analyse der Ereignisse in der Strasse von Hormus bin ich von einem seltsamen Gefühl der Ungewissheit erfüllt. Unsere Medien berichteten US-Behauptungen als Tatsachen, ohne zu erwähnen, dass diese unbewiesen und haltlos waren. Glaubwürdige iranische Gegendarstellungen wurden einfach ignoriert. Zwei überwältigende Eindrücke blieben zurück: Erstens, dass die Wahrheit – wie so oft – in diesem Krieg auf der Strecke bleibt. Zweitens, dass die Medien den Überblick verloren haben und es ihnen auch egal ist. Die Behauptungen selbst sind die Geschichte. Die Realität spielt keine Rolle mehr.
Das bestärkt mich nur in meinem Eindruck, dass die meisten Menschen, die Nachrichten unreflektiert aus den Mainstream-Medien übernehmen, wenig überraschend keine Ahnung haben, was die Welt bald treffen wird. Die Met Gala zeigt ihnen ihren Platz in der Hierarchie, und viel zu viele akzeptieren das einfach. Der Iran ist weit weg, und auch das akzeptieren sie, als wären beide unbedeutend, wenn man sich nicht damit auseinandersetzen will.
Diese Mischung aus Lügen und Täuschung ist jedoch höchst gefährlich. Wir steuern auf eine Krise zu. Es besteht ein hohes Risiko schwerwiegender wirtschaftlicher Verwerfungen in Kürze, denn unabhängig von den wahren Geschehnissen in der Strasse von Hormus ist diese derzeit nicht für den normalen Schiffsverkehr freigegeben, und es sieht sehr unwahrscheinlich aus, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird. Das bedeutet, dass Engpässe bei Öl, Energie, Lebensmitteln, Rohstoffen für die Industrie und vielem mehr Realität werden. Doch viele sind sich dessen völlig unbewusst, da die Medien weiterhin so tun, als ob alles normal weiterginge, übermässiger Konsum weiterhin wünschenswert sei und wir alle unser unkritisches Leben fortsetzen sollten.
In dieser Situation die Kassandra zu spielen, ist nicht immer populär, aber notwendig. Wir stecken jetzt in tiefster Not. Wie die Financial Times heute Morgen anmerkte:
Gemessen am Ölvolumen stellt die faktische Blockade der Strasse von Hormuz durch den Iran die grösste Störung in der Geschichte der globalen Ölmärkte dar.
Wenn die Lagerbestände zur Neige gehen, wie es ab Juni der Fall sein wird, und es bis dahin keine Wiederaufnahme der Lieferungen gibt, was derzeit sehr unwahrscheinlich erscheint, werden die Vorräte ausgehen, wie die Financial Times ebenfalls anmerkt:
Der Ölverbrauch konzentriert sich heute stärker auf hochwertige Anwendungen und Bereiche ohne Alternativen, wie etwa Strassen- und Luftfracht sowie Seeschifffahrt. Diese tragenden Wirtschaftszweige reagieren weniger preissensibel als konsumorientierte Wachstumstreiber. Störungen in diesen Bereichen können sich daher auf die gesamte Wirtschaft auswirken.
Und wie sie hinzufügen:
Moderne, wohlhabende und dienstleistungsorientierte Volkswirtschaften haben keinen Ausweg. Durch Transportunterbrechungen werden ihre Lieferketten anfällig und Störungen unvorhersehbar. Je länger die beiden Blockaden andauern, desto wahrscheinlicher wird eine krisenartige Anpassung in den führenden Volkswirtschaften der Welt, anstatt der langsamen Rezession, die wir gewohnt waren.
Das ist die Realität, die uns bevorsteht. Es wird düster werden. Stornierte Urlaubsreisen werden dann noch unser geringstes Problem sein. Und die Welt will es nicht wahrhaben.
Das ist eine grosse Sache: Saudi-Arabien beendet die US-„Operation Freedom“ [diese Operation sollte zivile Fracht- und Handelsschiffe sicher durch die Strasse von Hormus geleiten], indem es den USA die Nutzung des saudischen Luftraums und der Basen untersagt. Wird der Golf endlich neutral? Larry C. Johnson – ehemaliger CIA-Analyst – erklärt, warum die US-Strategie scheitert, warum die Blockade grösstenteils Theater ist und warum China und Russland das entstehende Vakuum füllen. Ausserdem: ein brisanter Live-Hinweis mitten im Interview, der alles verändert. Unverzichtbar für alle, die verstehen wollen, was tatsächlich passiert.
Zusammenfassung des Transkriptes
Kapitel 1: Einführung
Larry Johnson analysiert die Lage aus US-Perspektive. Die ständigen Kurswechsel von Trump erschweren eine klare Linie. Eine Minute heisst es «Projekt Freiheit», dann wieder «wir werden sie bombardieren».
Kapitel 2: Iran-Verhandlungen – warum ein Abkommen scheitern muss
Ein Abkommen ist höchst unwahrscheinlich. Der Iran fordert die sofortige und vollständige Aufhebung der Sanktionen – nach dem JCPOA-Betrug durch Trump völlig verständlich. Die USA wollen nur schrittweise Lockerungen. Der Iran droht klar: Wer Sanktionen durchsetzt, verliert den Zugang zur Strasse von Hormus. Marco Rubios Pressekonferenz zeigte keinerlei Versöhnungsbereitschaft, nur Iran-Bashing.
Kapitel 3: Project Freedom – der entscheidende Bruch mit Saudi-Arabien
Die USA kündigten «Project Freedom» an – eine militärische Operation gegen den Iran – ohne die Saudis vorher zu konsultieren oder auch nur zu informieren. Die Saudis reagierten empört, weil sie wiederholt übergangen wurden. Konkret verboten sie den USA daraufhin: keine weiteren Luftoperationen von saudi-arabischem Territorium aus, keine Nutzung des Prince Sultan Air Base, weder Start noch Landung von US-Militärflugzeugen. Die Saudis sagten Trump sinngemäss: «Du redest ständig davon, uns zu verteidigen, aber du handelst eigenmächtig und bringst uns in Gefahr. Wir sind diejenigen, die den Schaden tragen – nicht du. Wir machen nicht mehr mit.» Die USA mussten daraufhin geplante neue Angriffe auf den Iran verschieben. Qatar wird voraussichtlich als nächstes folgen.
Kapitel 4: Warum die Golfstaaten das Vertrauen in die USA verlieren
Den Saudis, Kataris, Bahrainern und Kuwaitis wurde Schutz versprochen. Die amerikanischen Luftabwehrsysteme versagten jedoch komplett – sie erwiesen sich als teure Spielzeuge. US-Stützpunkte wurden grossflächig getroffen und schwer beschädigt. Die Golfstaaten fragten sich: «Wir haben Milliarden gezahlt für Schutz – und wurden abserviert.» Zudem hat der Iran zwei Atommächte besiegt, ohne selbst eine Atombombe zu besitzen. Das spricht sich am Golf herum. China und Russland bieten nun eine neue Sicherheitsarchitektur für die Region an – ohne die USA. Sie sprechen dieselbe Sprache wie Putin: regionale Sicherheitsarchitektur, keine Drohpolitik. Das erinnert an die Sicherheitsanliegen Putins vor Beginn des Ukrainekriegs.
Kapitel 5: Falsche US-Geheimdienstinformationen
Die CIA und die «Foundation» [Die «Foundation for Defense of Democracies» (FDD) ist ein einflussreicher, neokonservativer Thinktank mit Sitz in Washington, D.C. Sie wurde 2001 gegründet und ist bekannt für ihre äusserst aggressive Haltung gegenüber dem Iran.] spielten der Trump-Regierung falsche Geheimdienstinformationen zu mit zwei Zielen: Erstens, die iranische Führung sei gespalten und bekämpfe sich gegenseitig. Zweitens, die Wirtschaft hänge am seidenen Faden, die Soldaten bekämen kein Gehalt, die Unruhe warte nur auf den letzten Schlag. Trump, Rubio und Finanzminister Bessent glauben das absolut. Die Realität sieht anders aus: Die iranische Führung ist geeinter als je zuvor in 46 Jahren. Alle führenden Köpfe – Präsident Pezeshkian, Aussenminister Arakchi, Parlamentspräsident Galibaf, Ajatollah Khameneis Sohn Mojtaba – kämpften im Krieg 1980–88 gegen den Irak. Der jüngste ist 56, der älteste 71. Diese Generation wird jetzt wieder angegriffen – genau wie damals. Die Behauptung interner Spaltung ist westliche Propaganda. Die Blockade ist eine Farce: Von 150 ausgelaufenen Schiffen wurden nur zwei geentert. Die USA haben schlicht nicht genug Zerstörer, um eine echte Blockade durchzuführen, ohne die Flugzeugträger ungeschützt zu lassen. Iran hat Zugang zum Kaspischen Meer (Russland), zu Turkmenistan und Pakistan, das sechs Transportrouten geöffnet hat.
Kapitel 6: Energiepreis-Krise in den USA
Der Benzinpreis stieg in nur fünf Tagen von 3.96 auf 4.40 Dollar pro Gallone. Vor dem Krieg waren es 2.54 Dollar. Die strategische Ölreserve ist praktisch leer. In Florida hört man an Tankstellen nur noch Flüche. Trump ist nur drei Tankfüllungen von einem ernsten Problem entfernt – ein Regierungschef ist nur drei Mahlzeiten vom Sturz entfernt, Trump nur drei Tankfüllungen.
Kapitel 7: Futures vs. physisches Öl – die Marktmanipulation
Der Terminmarkt für Öl-Futures ist manipuliert und realitätsfremd. Während der Future-Preis bei etwa 110 Dollar liegt, zahlen Länder in Singapur tatsächlich 140–150 Dollar pro Barrel – vor fünf bis sechs Wochen waren es 250 Dollar. Die Differenz zwischen Papier- und physischem Markt beträgt 40–50 Dollar. Clevere Händler nutzen diese Lücke massiv aus. 20% der weltweiten Ölversorgung, 25% des Flüssiggases und 35% des Harnstoffs (für Düngemittel) sind vom Markt. Die Inflation wird durch echte Verknappung angetrieben – keine monetäre Ursache. Jeder spürt es: Rasenmäher, Hundefutter, alles wird teurer. Die Preissteigerung beschleunigt sich.
Kapitel 8: Entdollarisierung und die Verschiebung der Finanzmacht
Im Jahr 2000 hatte Japan fünf der zehn grössten Banken der Welt. China hatte keine einzige. Heute, 2025, belegt China die ersten vier Plätze. Die USA haben nur noch Bank of America und JP Morgan Chase unter den Top Ten. Russland verlangt für Ölverkäufe Bezahlung in Yuan. China sagte seinen Raffinerien und Banken: Ignoriert die US-Sanktionen – wir stehen hinter euch. Das war eine für chinesische Verhältnisse ungewöhnlich offene Herausforderung. Japanische Banken sind besorgt: Sie sind im westlichen System gefangen und können nicht an das chinesische System anschliessen – es ist technisch und regulatorisch komplett getrennt. Russland dagegen ist kompatibel. Eine völlig eigene Finanzinfrastruktur ausserhalb des Westens entsteht.
Kapitel 9: Der wirtschaftliche Tsunami
Die Schliessung der Strasse von Hormus wirkt wie ein Tsunami: Zuerst zieht sich das Wasser weit zurück – niemand kümmert sich. Dann kommt die Flut mit voller Wucht zurück. Genau das geschieht jetzt mit den Preisen. Selbst wenn der Krieg morgen endete und alle Hähne wieder aufgedreht würden, bräuchte der Markt sechs Monate zur Stabilisierung. In diesen sechs Monaten wird es erhebliche Unruhe geben. Aussenminister Arakchi reiste nonstop: Islamabad, Maskat, St. Petersburg zu Putin, zurück in den Iran, telefonierte mit der Türkei, Saudis, Irakern, Syrern, Kataris, Kuwaitis – nur mit den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht. Er baut Beziehungen auf, und es scheint Früchte zu tragen.
Kapitel 10: Was Iran tatsächlich will
Iran steht unter keinem Druck, sich zu ergeben. Die USA werden gezwungen sein, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und die Sanktionen wirklich aufzuheben – nicht nur schrittweise zu lockern. Der wirtschaftliche Druck in den USA und in ganz Asien wächst. Iran verhandelt trotzdem noch – bleibt aber standhaft.
Kapitel 11: Israel in Panik, US-Raketenbestände kollabieren
Israel wurde bei Trumps Entscheidungen – weder bei Project Freedom noch bei den pakistanischen Vermittlungsgesprächen mit dem Iran – konsultiert. Netanyahu und Katz telefonieren panisch herum. Sie werden Miriam Adelson einschalten, die eine direkte Leitung zu Trump hat. Der Druck auf Trump, weiter gegen den Iran vorzugehen, ist enorm. Aber die USA können militärisch kaum noch etwas ausrichten: Die Bestände an Patriot- und Tomahawk-Raketen sind um 50–90 Prozent gesunken. Die gesamte Produktion der PAC-3-Abfangraketen bis Ende Dezember 2025 beträgt 6420 Stück. Da man zwei Abfangraketen pro anfliegendem Ziel benötigt, kann man damit nur rund 2310 Ziele bekämpfen. Russland feuerte im Ukraine-Krieg über 12'000 bis 14'000 Raketen ab. Gegen Überschallraketen sind die Systeme ohnehin wirkungslos.
Kapitel 12: Die unvergessenen Toten
Iran wird weder vergeben noch vergessen. Die Israelis töteten nicht nur einen Ajatollah, sondern auch 168 Mädchen – die Mädchen von Minab. Das bleibt im kollektiven Gedächtnis. Die Amerikaner erinnern noch 25 Jahre später am 11. September an ihre Opfer. Die Russen marschieren am 9. Mai mit Bildern ihrer gefallenen Grossväter. Genauso erinnert der Iran. Da Iran den Krieg tatsächlich gewinnt, wird seine Version der Ereignisse ausserhalb des Westens die vorherrschende sein.
Übersetzung des Artikels von Kit Klarenberg
Ein erschütternder Enthüllungsbericht des hebräischsprachigen Mediums Ynet legt das beschämende Desaster nicht nur des US-israelischen Krieges gegen den Iran offen, sondern auch die Bemühungen Israels, die Islamische Republik durch verdeckte und offene Militär- und Geheimdienstoperationen zu stürzen. Gewaltsame, vom Mossad orchestrierte Proteste, die Ermordung des Obersten Führers Ali Khamenei und eine kurdische Invasion sollten einen Regimewechsel und einen „totalen Sieg“ über Teheran herbeiführen. Doch Ynet kommt zu dem Schluss: „Was als weitreichender israelischer Schritt voller Fantasie und mit dem Ziel einer endgültigen Lösung begann, endet in bitterer Enttäuschung.“
Die Untersuchung zeichnet detailliert nach, wie der wahnwitzige Plan des zionistischen Gebildes in den Köpfen israelischer Geheimdienst-, Militär- und Politikchefs Gestalt annahm, bevor die Trump-Regierung vollständig von dem Komplott überzeugt war. Dabei deckt Ynet ein aussergewöhnliches und gefährliches Mass an Selbsttäuschung und imperialer Hybris in den höchsten Kreisen von Tel Aviv und Washington auf. So glaubte beispielsweise Benjamin Netanjahu ernsthaft – und auf gefährliche Weise –, Israels verbrecherischer Angriff auf den Libanon im September 2024 und der Zwölftagekrieg im Juni 2025 hätten die Hisbollah und den Iran dezimiert.
Diese Ansicht teilte auch der Mossad, der seit 2022 in Teheran eine grosse, spezialisierte Anti-Regierungsarmee aufgebaut hatte. Der zionistische Geheimdienst war fest davon überzeugt, dass seine Streitkräfte die Macht besassen, die gesamte Islamische Republik zu stürzen. „Massenproteste schüren“ und „bewaffneten Widerstand von Minderheiten“ – insbesondere von Kurden innerhalb und ausserhalb Irans – parallel zur Ermordung des Obersten Führers Ali Khamenei waren allesamt Bestandteile einer dreigleisigen Putschstrategie. Netanjahu glaubte tatsächlich, der „totale Sieg“ über den Widerstand in ganz Westasien sei zum Greifen nah. Ynet berichtet:
„Der Sturz des Regimes war der Kern des gesamten Kriegsplans Israels.“
Die Operation sollte ursprünglich im Juni dieses Jahres starten. Doch im Januar, als „Zehntausende“ vom Mossad gesteuerte Aufständische in den Strassen Teherans und anderer iranischer Städte marschierten, hielt das zionistische Gebilde die Bedingungen für ausreichend „reif“, um einen entscheidenden Schritt zu wagen. Die „Einflussorganisation“ des Mossad in der Islamischen Republik entstand 2022 und erreichte vor zweieinhalb Jahren – zufälligerweise um den 7. Oktober herum – ihre operative Reife. Ynet rühmt sich düster des „Einsatzes und der Raffinesse“ der bewaffneten Untergrundarmee des zionistischen Gebildes aus regierungsfeindlichen Randalierern in Teheran.
„Israel hat seine eigene Giftmaschine aufgebaut. Dies ist ein ernstzunehmendes Waffensystem, das, wenn es voll funktionsfähig ist, tödlich sein kann.“
Der Mossad präsentierte seinen hirnrissigen Plan zum Regimewechsel direkt der CIA, das Pentagon-Zentralkommando wurde durch den Besuch des Stabschefs der zionistischen Besatzungstruppen, Eyal Zamir, darüber informiert, und Trump wurde persönlich von Netanjahu umworben. Der Präsident – „überzeugt, dass die Fähigkeiten des ihm unterstellten Militärsystems nach der Entführung von Nicolás Maduro am 3. Januar grenzenlos waren“ – und seine Regierung waren äusserst aufgeschlossen. Trump signalisierte am 13. Januar seine Unterstützung für die Verschwörung , indem er den Iranern öffentlich mitteilte: „Hilfe ist unterwegs.“
Unmittelbar nach dem Ausbruch der Pandemie begann ein massiver US-Militäraufmarsch in Westasien, während angebliche Friedensgespräche mit Teheran stattfanden. Diese Verhandlungen waren natürlich ein Täuschungsmanöver, um den Widerstand in falscher Sicherheit zu wiegen, bevor die nächste Phase des geplanten israelischen Palastputsches einsetzte. Am 28. Februar fielen zionistisch-amerikanische Luftangriffe auf Teheran. Israel und die USA waren sich sicher, die iranische Führung ausgeschaltet oder zerschlagen und das Kommando- und Kontrollsystem der Islamischen Republik schwer geschwächt zu haben. Doch dann begann die Katastrophe.
„Volksaufstand“
Während der Oberste Führer getötet wurde – ein Attentat, das von westlichen Medien dämonisch als „Attentat des Jahrhunderts“ gefeiert wurde – und die iranische Führung vorübergehend in den Untergrund ging, wurde ein „geordneter Regierungswechsel gemäss Khameneis Willen“ erfolgreich durchgeführt. Das iranische Führungs- und Kontrollsystem wurde in Wirklichkeit nicht wesentlich beeinträchtigt und war innerhalb weniger Stunden wieder voll funktionsfähig. Es gab keine Überläufer. Dennoch herrschte in Washington und Tel Aviv Euphorie. Trump – der den israelischen Angriff insgeheim begrüsste – veröffentlichte eine Videobotschaft, in der er das iranische Volk aufforderte, die Macht mit Gewalt zu ergreifen, und warnte:
„An die Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarde, die Streitkräfte und die gesamte Polizei: Ich sage Ihnen heute Abend, dass Sie Ihre Waffen niederlegen und vollständige Immunität geniessen müssen, oder alternativ dem sicheren Tod ins Auge sehen müssen.“
Netanjahu schloss sich dem Aufstandsaufruf an. Problematisch war jedoch, dass die Bevölkerung – nicht zuletzt aufgrund der völkermörderischen US-israelischen Luftangriffe – zu Hause blieb. Ein gezielter Angriff auf eine Grundschule tötete 156 Jungen und Mädchen und löste heftige internationale Verurteilung, tiefe Trauer in ganz Westasien und UN-Untersuchungen aus . Stattdessen gingen die Iraner in grosser Zahl auf die Strasse, um um Khamenei zu trauern und gleichzeitig den Amtsantritt seines Sohnes Mudschtaba als Oberster Führer zu feiern. Unmittelbar darauf blockierte die Revolutionsgarde die Strasse von Hormus.
Obwohl die Schliessung der Strasse von Hormus eine absolut unvermeidliche Folge der zionistisch-amerikanischen Aggression gegen den Iran war, die westliche Geheimdienste einhellig und lange vorhergesagt hatten , berichtet Ynet , dass die USA „auf diesen Schritt und seine verheerenden wirtschaftlichen Konsequenzen nicht vorbereitet waren“. Trumps Drohungen an Teheran, die Strasse nicht zu blockieren, wurden ignoriert. Das Rätsel, warum Washington so überrascht war, lässt sich durch Netanjahus persönliche Zusicherungen an Trump lösen, die Islamische Republik würde innerhalb weniger Tage zusammenbrechen. Erstaunlicherweise gab es darüber hinaus keinen Notfallplan.
Unterdessen geriet ein weiteres Rädchen im Getriebe der zionistisch-amerikanischen Operation zum Regimewechsel in Teheran ins Wanken. „Nach 100 Stunden Luftangriffen… sollte eine Bodeninvasion kurdischer Milizen aus dem Irak beginnen.“ Eine Invasionstruppe hatte dort in den vorangegangenen Wochen trainiert, um „die kurdische Region im Iran zu erreichen“ und sich mit lokalen Kämpfern zu vereinigen, bevor ein „Massenmarsch“ auf Teheran stattfinden sollte. Tel Aviv orientierte sich dabei an der Vorstellung, dass Damaskus im Dezember 2024 innerhalb weniger Tage von den vom MI6 unterstützten HTS-Kräften überrannt werden würde.
Ynet berichtet jedoch, der iranische Geheimdienst habe „im Voraus von der geplanten Invasion“ erfahren und die Türkei informiert, woraufhin Recep Erdoğan persönlich von Trump die Absage forderte. Ungeachtet dessen war der gesamte Vorschlag, objektiv betrachtet, blanker Wahnsinn. Nachdem Anfang März Berichte über die Ausbildung kurdischer Kämpfer durch die CIA „mit dem Ziel, einen Volksaufstand im Iran anzuzetteln“ aufgetaucht waren, warnten selbst zionistische Experten und Aktivisten der Diaspora, eine Invasion sei ein Rezept für eine totale Katastrophe , die Iraner aller Herkunft im Widerstand vereinen würde.
Ungeachtet dessen blieb die kurdische Invasion während des gesamten Krieges ein zentraler Bestandteil der israelischen Strategie zum Regimewechsel gegen Teheran. Als eine vorläufige Waffenruhe am 7. April nach 40 Tagen verheerender iranischer Angriffe vereinbart wurde, fragten sich israelische Beamte laut Ynet , warum die Invasion letztendlich nicht stattfand. Glaubten die USA von vornherein nicht an die Operation? Hatte Trump seine Meinung geändert, nachdem Erdoğan angerufen hatte? Oder war „die ganze Idee eine Fantasie ohne jede Chance auf Verwirklichung“?
„Unbeabsichtigte Folgen“
Dass das zionistische Gebilde so überzeugt war, seine offenkundig verfehlte, selbstmörderische Mission könne gelingen, ist umso verheerender angesichts des Inhalts eines Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) vom Juli 2025. Tel Aviver Berichts des einflussreichen In einer vernichtenden Analyse des Zwölftagekriegs räumte die Denkfabrik ein, dass der iranische „Regimewechsel“ von Beginn des Konflikts an ein erklärtes zionistisches Ziel gewesen war , das jedoch spektakulär scheiterte. Das INSS befürwortete zwar weiterhin die Zerstörung der Islamischen Republik, warnte aber vor bestimmten Strategien.
Bemerkenswerterweise warnte die Denkfabrik davor, genau jene Taktiken des Regimewechsels anzuwenden, auf die die ZOF und der Mossad im jüngsten zionistisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran gesetzt hatten. So sagte das INSS beispielsweise zutreffend voraus, dass jegliche israelische Militäraktion – einschliesslich Bombardierungen von Zivilisten –, die Massenproteste gegen die Regierung auslösen sollte, keine Chance auf Erfolg hätte. Solche Aktionen hatten im Zwölftagekrieg im Gegenteil eine starke „Anti-Israel-Welle“ unter den Iranern hervorgerufen, die daraufhin „ein bemerkenswertes Mass“ Solidarität mit Israel zeigten.
Die Entschlossenheit der Iraner, ihr Vaterland in einem kritischen Moment gegen einen äusseren Feind zu verteidigen, blieb auch nach dem Ende des Zwölftagekrieges bestehen, sodass jegliche Spuren öffentlichen Widerstands in der Islamischen Republik im Gefolge des Konflikts nahezu vollständig verschwanden. Das INSS warnte daher eindringlich davor, separatistische Tendenzen im Iran – wie etwa den kurdischen Extremismus – zu fördern. Aufgrund der erhöhten Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber jeglichen wahrgenommenen ausländischen Versuchen, ethnische Spaltung zu schüren, würde ein separatistischer Aufstand, geschweige denn eine offene Invasion, grosse Teile der iranischen Bevölkerung gegen Israel vereinen.
Darüber hinaus warnte ein besonders prophetischer Teil des INSS-Berichts eindringlich vor einem Attentat auf den Obersten Führer Ali Khamenei, da dies „nicht zwangsläufig zu einem Regimewechsel führen“ und unweigerlich kontraproduktiv wäre. Die Denkfabrik sagte präzise voraus, dass Teheran „wahrscheinlich keine grossen Schwierigkeiten haben würde, einen Nachfolger zu wählen, der sich als extremistischer oder fähiger erweisen könnte“. Das INSS prognostizierte ferner, dass die iranische Regierung stattdessen gestärkt und die antizionistische Stimmung im Iran und darüber hinaus sprunghaft ansteigen würde, wodurch jegliche nachfolgenden „Bemühungen, das Regime durch Volksproteste zu destabilisieren“, von vornherein zum Scheitern verurteilt wären.
Iranischer Angriff auf Tel Aviv, 28. Februar 2026
All diese demütigenden Ereignisse folgten erwartungsgemäss auf den 28. Februar. Andernorts prognostizierte das INSS, dass die militärisch motivierten israelischen Bemühungen um einen Regimewechsel im Iran die Islamische Republik dazu zwingen könnten, Atomwaffen „als existenzielle Versicherung“ anzustreben. Dies ist bisher nicht eingetreten, obwohl westliche Experten dies mittlerweile weithin befürchten . Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands befinden sich die Gespräche zwischen Washington und Teheran in einer scheinbar unüberwindlichen Sackgasse. Während US-Beamte weiterhin entschlossen sind, Irans Atomforschung streng zu beschränken, weigert sich die Islamische Republik , überhaupt über das Thema zu verhandeln.
Teheran hat zudem deutlich gemacht, dass seine Kontrolle über die Strasse von Hormus erst gelockert wird, wenn das Imperium die Blockade des Landes aufgibt und den Konflikt beendet. Während Netanjahu weiterhin von der Zerschlagung der Islamischen Republik träumt , fehlt dem Imperium die nötige wirtschaftliche und militärische Stärke. Unterdessen ist das stark überdehnte Tel Aviv in eine gewaltige Falle im Libanon geraten, und der Widerstand wartet gespannt. Indem das zionistische Gebilde leichtsinnig einen offensichtlich unerreichbaren „Regimewechsel“ im Iran anstrebt, hat es seinen eigenen Untergang nur beschleunigt.
Das Völkerrecht soll die letzte Schutzbarriere gegen Straflosigkeit sein. Was passiert also, wenn dieses System selbst angegriffen wird?
Von Donald Trump, der die Idee internationaler Rechtsnormen offen ablehnt, bis hin zu beispiellosen Sanktionen gegen hochrangige ICC-Beamte – die Botschaft ist unmissverständlich: Das Völkerrecht gilt – solange es die Macht nicht bedroht.
In dieser Folge von „The Tea“ ist der Chefankläger des IStGH, Karim Khan, zu Gast in einem Exklusivinterview, in dem es darum geht, was passiert, wenn diejenigen, die für die Durchsetzung der Gerechtigkeit zuständig sind, selbst zur Zielscheibe werden.
Kürzlich von Vorwürfen des Fehlverhaltens freigesprochen, sieht er sich nun angesichts eskalierender politischer Angriffe erneut einer genauen Prüfung ausgesetzt. Was wird also aus der globalen Gerechtigkeit, wenn Staatsanwälte, Richter und Ermittler allein dafür, dass sie ihre Arbeit tun, politischen und finanziellen Angriffen ausgesetzt sind?
Zusammenfassung des Gesprächs
Kapitel 1: Einleitung – Schirmt das Völkerrecht Straflosigkeit?
Moderatorin Miriam François eröffnet mit einer düsteren Bestandsaufnahme: Das Völkerrecht, einst als letzte Barriere gegen Straflosigkeit gedacht, steckt in der Krise. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) erlebe eine beispiellose Einschüchterungskampagne, seit er wegen des Gazakriegs Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und Joaw Galant beantragt habe. Die USA und ihre Verbündeten bezeichneten das Gericht als illegitim, während persönliche Sanktionen, Bankbeschränkungen und digitale Ausfälle verhängt worden seien. Senator Lindsey Graham habe gesagt, der Gerichtshof sei «nur für Afrika und Schurken wie Putin gemacht». Die Botschaft sei klar: Regeln gelten nur, wenn sie den Mächtigen nützen.
Kapitel 2: Der Notwehreinwand in Grossbritannien
François fragt Khan nach der Verurteilung von vier Klimaaktivisten, die Waffenanlagen beschädigt hatten – weil das Gericht ihren Notwehreinwand (Verhinderung von Völkermord) nicht zuliess. Khan antwortet, er kenne den Fall nicht im Detail und könne sich nicht dazu äussern. Er vertraue auf das britische Justizsystem mit unabhängigen Richtern, Berufungsgerichten und Oberstem Gerichtshof. Die Richter hätten bereits oft gegen die Exekutive entschieden.
François hakt nach: Als britischer Staatsbürger, der wochenlange Proteste gegen den Völkermord in Gaza gesehen habe, frage er sich, ob das Handeln aus Gewissensgründen vor Gericht nicht gehört werden sollte. Khan wiederholt: Juristische und tatsächliche Argumente müssten vor Gericht robust vorgebracht werden. Es sei gefährlich, über nicht vollständig bekannte Fälle zu spekulieren.
Kapitel 3: Justizirrtümer und die Rolle der Anwälte
Ein Anwalt habe eine Pflicht: den Mandanten ethisch und furchtlos zu vertreten. Khan zitiert den berühmten Ausspruch von Lord Brougham aus dem Fall Queen Caroline: Der Anwalt kenne nur eine Pflicht – den Mandanten, koste es, was es wolle. Das System habe Mechanismen, um Fehlurteile wie bei den Guildford Four oder Birmingham Six zu korrigieren.
Kapitel 4: Der Fall Israel-Palästina – Risiken und Realität
François erinnert daran, dass Khan die Palästina-Untersuchung von seiner Vorgängerin Fatou Bensouda übernahm, die bereits von israelischer Einschüchterung (abgehörte Telefone, gehackte E-Mails, Drohbesuche) berichtete. Khan sagt, er habe die Risiken gekannt, als er sich um das Amt bewarb. Die Welt sei zunehmend polarisiert. Das habe ihn nicht abgeschreckt.
Kapitel 5: Wie der 7. Oktober die Untersuchung beschleunigte
Als Khan im Juni 2021 das Amt antrat, gab es gar kein Team für Palästina. Der Aufbau dauerte. Die Ereignisse des 7. Oktober 2023 beschleunigten die Arbeit, weil die Lage eskalierte. Khan entschied im Dezember 2023, dass das Palästina-Team direkt ihm unterstellt wird – nicht seinen Stellvertretern. Ziel: «mit der Geschwindigkeit der Relevanz» arbeiten.
Kapitel 6: Beweise für Haftbefehle – Hungersnot und Kriegsverbrechen in Gaza
François fragt, was genau den Ausschlag für die Haftbefehle gab – schliesslich gebe es Beweise für ethnische Säuberung seit der Nakba 1948 und aus den Jahren 2014 und 2019. Khan widerspricht: Der Begriff «Ausschlag» sei irreführend. Es brauche nicht nur Katalogisierung von Schrecken, sondern die kriminalistische Verknüpfung mit individueller strafrechtlicher Verantwortung. Das erfordere akribische Arbeit – nicht das Zusammennähen von TV-Berichten. Die Beweise hätten gezeigt, dass das Kriegsvölkerrecht nicht eingehalten wurde. Die Richter des IStGH hätten die Haftbefehle ausgestellt.
Kapitel 7: Das menschliche Leid – «Aufgeschobene Gerechtigkeit ist verweigerte Gerechtigkeit»
François merkt an, dass zwischen den Verbrechen (Oktober 2023) und dem Antrag auf Haftbefehle (Mai 2024) fast acht Monate vergingen – für viele zu lange. Khan stimmt zu: Eine Stunde sei eine Ewigkeit für jemanden mit einem sterbenden Kind in den Armen. Die Opfer hätten jedes Recht zu sagen: Aufgeschobene Gerechtigkeit ist verweigerte Gerechtigkeit. Aber Gerechtigkeit sterbe im Moment der ersten Tötung. Der IStGH komme erst nach dem Versagen der Staaten. Er habe keine Armee, keine Polizei. Die primäre Kritik müsse lauten: Es hätte nie so weit kommen dürfen.
Kapitel 8: David Camerons «Wasserstoffbombe»-Warnung
François zitiert eine Enthüllung von Middle East Eye, wonach der damalige britische Aussenminister David Cameron Khan privat gewarnt habe: Haftbefehle gegen israelische Führer seien «wie das Abwerfen einer Wasserstoffbombe». Cameron habe angedroht, Grossbritannien könne den IStGH defundieren oder aus dem Rom-Statut austreten – die Welt sei «nicht bereit dafür». Khan bestätigt, dass das Gespräch stattfand, es schwierig war und er enttäuscht war – von einem so angesehenen ehemaligen Premierminister. Es habe ihn aber nicht abgeschreckt.
Kapitel 9: Vorwurf der Einseitigkeit – Ist das Gericht nur für Afrika da?
Senator Lindsey Graham habe gesagt, der IStGH sei «für Afrika und Schurken wie Putin gemacht». François weist darauf hin, dass 80–90 Prozent der frühen Fälle des IStGH afrikanische Länder betrafen – hatte Graham also recht? Khan räumt ein: Vor seiner Amtszeit wurde kein Haftbefehl ausserhalb Afrikas beantragt. Das habe berechtigte Kritik ausgelöst. Unter seiner Führung seien dagegen Untersuchungen zu Georgien, Ukraine, Palästina, Afghanistan, Myanmar, den Philippinen und Venezuela eröffnet worden. Afrika sei kein «Spielplatz» für internationale Ankläger mehr.
Kapitel 10: Bestechungsvorwürfe und Zerstörungsdrohungen
Laut einer anderen Enthüllung von Middle East Eye sei Khan von einem britisch-israelischen Anwalt namens Nicholas Kaufman angefragt worden, der angeblich von Netanjahu autorisiert war, einen Ausweg anzubieten, wenn die Haftbefehle zurückgezogen würden. Khan kommentiert die Einzelheiten nicht, bestätigt aber, dass er das Gespräch dokumentiert habe. Es habe keinen Unterschied gemacht. Auf die Frage, ob ihm gesagt worden sei: «Wir werden dich zerstören und das Gericht zerstören», sagt Khan nur: Unabhängigkeit sei nicht die Abwesenheit von Druck, sondern die Weigerung, sich zu beugen.
Kapitel 11: Leben unter Sanktionen
Die USA setzten Khan auf eine Liste mit 15’000 Namen – neben Al-Qaida-, IS-Terroristen und Putin selbst. Seine Bankkonten wurden eingefroren, die Visa seiner Kinder annulliert. Auch Russland habe ihn in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Khan betont: Ja, das sei hart, aber es sei nichts im Vergleich zum Leid der Opfer in Gaza, Sudan, der Ukraine oder Afghanistan.
Kapitel 12: Die Vorwürfe gegen Khan – eine parallele Medienkampagne?
Eine dreiköpfige Richtergruppe, ernannt von der Versammlung der Vertragsstaaten, habe Khan kürzlich von allen Vorwürfen (Fehlverhalten, Belästigung, Missbrauch, Vergeltungsmassnahmen) freigesprochen. Trotzdem verlängere die Versammlung die Prüfung – das sei beispiellos. Khan sagt: «Nichts an diesem Fall ist standardmässig.»
Kapitel 13: Zeitlinie – Vorwürfe vs. Haftbefehle zu Gaza
Die Vorwürfe seien Khan am 2. Mai 2024 bekanntgeworden, die Haftbefehle habe er am 20. Mai 2024 beantragt. Eine Verknüpfung sei «kompletter Unsinn». Die Anschuldigungen seien am 17. Oktober 2024 an die Presse durchgestochen worden – von einer anonymen Quelle. Der Wall Street Journal habe die Telefonnummern der angeblichen Anklägerin und seines damaligen Sonderassistenten erhalten.
Kapitel 14: Die UN-Zusammenfassung wird bestritten
Die kursierende Zusammenfassung des UN-Untersuchungsberichts sei irreführend. Ein früherer Leiter der UN-internen Aufsicht habe bestätigt, dass die Zusammenfassung eine «Verdrehung» sei. Die massgebliche Version sei der vollständige Bericht. Noch wichtiger: Das Richtergremium habe den gesamten Bericht und alle Beweise geprüft und einstimmig entschieden, dass kein Fehlverhalten vorliege.
Kapitel 15: Aktueller Stand – Werden Netanjahu und Galant zur Rechenschaft gezogen?
Israel habe einen Befangenheitsantrag gegen Khan gestellt, der noch pendent sei. Khan selbst sei seit Mai beurlaubt und könne nichts zur aktuellen Arbeit des Büros sagen. Er habe aber grosses Vertrauen in seine Mitarbeiter.
Kapitel 16: Können 125 Staaten Völkerrecht durchsetzen?
125 Vertragsstaaten müssten kooperieren. Der IStGH habe keine eigenen Einsatzkräfte. Wenn die Angeklagten die Vorwürfe für haltlos hielten, könnten sie sich stellen und gewinnen – wie der frühere kenianische Präsident und Vizepräsident, die vor Gericht erfolgreich waren. Beispiele wie die Festnahme von Rodrigo Duterte oder früher Milosevic, Karadzic und Mladic zeigten: scheinbar Unmögliches werde möglich.
Kapitel 17: Das «sinkende Schiff» – Hoffnung gegen Verzweiflung
François zitiert Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, die sagte, die internationale Rechtsordnung werde irrelevant – sie fühle sich wie eine Musikerin auf der Titanic. Khan widerspricht: Das Schiff sinke nicht. Verzweiflung sei gefährlich, weil sie Realität schaffe. Opfer hätten nicht aufgegeben – also dürfe man es auch nicht.
Kapitel 18: Schlusswort – Warum der IStGH für Opfer zählt
Khan erzählt von Rohingya-Flüchtlingen, denen er sagte, dass er Haftbefehle beantrage. Die Antwort war: «Endlich wurde man uns gesehen.» Das Versprechen von Gerechtigkeit sei keine Fata Morgana. Er schliesst: «Gerechtigkeit ist zu wichtig, um sie den Anwälten zu überlassen.»
Kapitel 19: Outro
François dankt Khans Gastbeitrag und bittet die Zuschauer um Support über Patreon.
Übersetzung des Artikels von Aaron Mate
Die OPCW räumt schliesslich ein, die Einschätzung deutscher Militärtoxikologen verschwiegen zu haben, die Chlorgas als Ursache für Dutzende von Todesfällen bei dem mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Duma im April 2018 ausschlossen.
Zum ersten Mal in einem langwierigen Vertuschungsskandal hat die weltweit führende Chemiewaffenaufsichtsbehörde eingeräumt, einen Befund zensiert zu haben, der die Vorwürfe eines Giftgasangriffs durch die ehemalige syrische Regierung untergrub.
Laut zuvor durchgesickerten Dokumenten schlossen deutsche Militärtoxikologen, die von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) konsultiert wurden, Chlorgas als Todesursache für Dutzende Opfer eines angeblichen Chemiewaffenangriffs in der syrischen Stadt Duma im April 2018 aus. Die Experten zogen sogar die Möglichkeit in Betracht, dass es sich um eine False-Flag-Operation handelte. Die OPCW unterdrückte diese Erkenntnis und veröffentlichte einen Abschlussbericht, in dem sie den Einsatz von Chlorgas als wahrscheinlich ansah. Die Schlussfolgerung der OPCW deckte sich mit den Behauptungen der USA, Grossbritanniens und Frankreichs, die Syrien im April 2018 bombardierten, weil sie einen Chemiewaffenangriff der syrischen Regierung in Duma vermuteten.
Nach jahrelangem Blockieren hat die OPCW nun eingeräumt, dass der Beitrag der Deutschen sowie die Tatsache, dass sie überhaupt konsultiert wurden, verschwiegen wurden.
Das Zugeständnis erfolgte im Zuge eines Rechtsstreits mit Dr. Brendan Whelan, einem erfahrenen OPCW-Inspektor und leitendem Mitglied des Teams, das für die Douma-Mission nach Syrien entsandt wurde. Whelan und ein weiteres Mitglied des Douma-Teams, Ian Henderson, äusserten Bedenken hinsichtlich der Manipulation der Untersuchungsergebnisse.
Nachdem ihre Beschwerden öffentlich geworden waren, diffamierte die OPCW-Leitung die beiden abweichenden Inspektoren öffentlich und bestrafte sie wegen angeblicher Verstösse gegen die Vertraulichkeit. Whelan focht seine Rüge erfolgreich vor dem in Genf ansässigen Tribunal der Internationalen Arbeitsorganisation (ILOAT) an, das ihm kürzlich Schadensersatz zusprach und die OPCW anwies , ihre beanstandete Entscheidung zurückzunehmen.
Einer der Vorwürfe gegen Whelan lautete, er habe im März und April 2019 unzulässigerweise zwei Briefe an Fernando Arias, den Generaldirektor der OPCW, geschickt und darin Bedenken hinsichtlich unethischen Verhaltens bei den Ermittlungen in Douma geäussert. Im Zuge ihrer Ermittlungen gegen Whelan räumte die OPCW unbeabsichtigt die von ihm angeprangerte Zensur ein. In seinen Briefen an Arias, so die Beschwerde der OPCW, habe Whelan „spezifische und detaillierte Informationen“ beigefügt, die von den Ermittlern der FFM (Fact-Finding Mission) von Toxikologen gesammelt worden seien. Diese als streng vertraulich eingestuften Informationen nicht in den veröffentlichten Abschlussbericht aufgenommen worden. seien
Die Bestätigung der OPCW, dass sie die „streng geschützten“ Informationen der Toxikologen aus dem öffentlich zugänglichen Abschlussbericht ausgenommen hat, bestätigt eine der Hauptbeschwerden Whelans.
„Wichtige Informationen, wie die Gutachten der Toxikologen, wurden schockierenderweise weggelassen“, schrieb Whelan in seinem Brief vom April 2019. „Im Bericht findet sich nicht einmal ein Hinweis auf diese Konsultationen… Zu sagen, dass dieser selektive Umgang mit Expertenmeinungen und Fakten beunruhigend ist, wäre eine Untertreibung.“
Whelan protestierte gegen das Fehlen der Expertise der deutschen Toxikologen aufgrund ihrer weitreichenden Konsequenzen. In öffentlichen Stellungnahmen nach dem Vorfall in Duma hatten Experten bereits Zweifel daran geäussert , dass Chlor die Todesfälle in Duma verursacht hatte. Die deutschen Militärtoxikologen, die im Juni 2018 von der OPCW konsultiert wurden, waren sich jedoch deutlicher. Sie teilten der OPCW mit, dass die Umstände der Todesfälle – scheinbar sofortiger Tod und Zusammenbruch in der Mitte zweier Räume, gescheiterte Fluchtversuche und rasche, starke Schaumbildung aus Mund und Nase – nicht mit einer Chlorvergiftung vereinbar seien . Laut dem damaligen Leiter des OPCW-Labors zogen die Experten in Duma sogar die Möglichkeit eines inszenierten Anschlags in Betracht, da die Todesumstände der Opfer nicht auf Chlor hindeuteten.
Die Anzeichen für die rasche Schaumbildung bei den Opfern von Douma deuten zwar nicht auf eine Chlorgasvergiftung hin, aber wohl auf eine Nervenkampfstoffvergiftung. Zu diesem Zeitpunkt hatte die chemische Analyse der OPCW jedoch Sarin oder andere Nervenkampfstoffe als Ursache ausgeschlossen, da weder am Tatort noch in biomedizinischen Proben Sarin oder andere toxische Substanzen gefunden wurden.
Wenn das rasche und heftige Aufschäumen nicht auf einen Nervenkampfstoff- oder Chlorgasangriff zurückzuführen war, bestand die Möglichkeit, dass es gar keinen Chemiewaffenangriff gegeben hatte – und dass Aufständische den Vorfall inszeniert hatten, um die syrische Regierung zu belasten. In diesem Fall hätte die OPCW es mit einem vorgetäuschten Chemiewaffenangriff zu tun, der von den USA geführte Luftangriffe auf Syrien und den ungeklärten Tod von mehr als 40 Männern, Frauen und Kindern ausgelöst hätte.
Die Einschätzung der Deutschen war im ersten Bericht des Douma-Teams enthalten , den Whelan mit Unterstützung von Fachkollegen verfasste und nach Zustimmung der Experten, einschliesslich des Teamleiters, im Juni 2018 zur Veröffentlichung vorbereitete. Doch hochrangige OPCW-Beamte untergruben dieses Dokument und versuchten, in aller Eile eine manipulierte Ersatzversion zu veröffentlichen, die fälschlicherweise Beweise für den Einsatz chemischer Waffen enthielt. Whelan verhinderte die Veröffentlichung des gefälschten Dokuments erst, nachdem er es in letzter Minute entdeckt und per E-Mail protestiert hatte. Als der Abschlussbericht im März 2019 veröffentlicht wurde, nachdem Whelan die Organisation verlassen hatte, verschwieg die OPCW erneut jegliche Erwähnung der deutschen Expertenmeinungen oder auch nur deren Konsultation. Stattdessen behauptete der Bericht, es gebe „hinreichende Gründe für den Einsatz einer giftigen Chemikalie als Waffe. Bei der giftigen Chemikalie handelte es sich wahrscheinlich um molekulares Chlor [Chlorgas].“ Wären die Ergebnisse der Deutschen veröffentlicht worden, hätten sie dieser Schlussfolgerung ausdrücklich widersprochen.
In einer E-Mail vom August 2019 fragte Whelan zwei OPCW-Beamte, die ihn nach Deutschland begleitet hatten, ob sie sich seinen Bedenken hinsichtlich der Unterdrückung der toxikologischen Ergebnisse anschliessen würden. „Zumindest muss eine zufriedenstellende Erklärung geliefert werden“, schrieb Whelan. Die OPCW hat jedoch weder die ursprüngliche toxikologische Bewertung widerlegt noch erklärt, warum sie verschwiegen wurde.
Ein weiterer OPCW-Bericht über den Vorfall in Douma, der im Januar 2023 vom Untersuchungs- und Identifizierungsteam (IIT) der Organisation veröffentlicht wurde, behauptete, einen anderen, nicht identifizierten Toxikologen konsultiert zu haben, und stellte fest, dass die „Symptome der Opfer insgesamt mit einer Exposition gegenüber Chlorgas in sehr hohen Konzentrationen übereinstimmen“.
Wie ich damals berichtete und in einer Präsentation vor den Vereinten Nationen erläuterte, beschränkte der IIT-Bericht die toxikologische Untersuchung auf die Aussagen einer willkürlich ausgewählten Gruppe angeblicher Zeugen. Darüber hinaus ging der IIT-Toxikologe nicht auf die in den Videos aus Douma zu sehende Schaumbildung an den Leichen ein, ebenso wenig wie auf die Einschätzung der Deutschen, dass dies nicht mit einer Chlorgasvergiftung vereinbar sei. Bis heute hat kein anerkannter Toxikologe öffentlich erklärt, dass die sichtbaren Symptome und die gemeldeten schnellen Todesfälle der Opfer von Douma mit einer Chlorgasvergiftung übereinstimmen.
In den Machtzentren wurde der Bericht des IIT als Bestätigung der Behauptung eines Chemiewaffenangriffs in Duma gewertet, der integraler Bestandteil der umfassenderen, von den USA angeführten Kampagne zum Regimewechsel war, die im Dezember 2024 zum Sturz der Regierung von Baschar al-Assad führte. Das US-Aussenministerium und seine britischen, französischen und deutschen Partner begrüssten die Ergebnisse des IIT und lobten die ihrer Ansicht nach „unabhängige, unvoreingenommene und fachkundige Arbeit der OPCW-Mitarbeiter“.
Die etablierten Medien zogen nach. Grosse Medienhäuser – darunter BBC , Reuters , The Guardian , das Wall Street Journal und die Washington Post – berichteten zustimmend über den IIT-Bericht und verschwiegen dabei die Vertuschungsaffäre der OPCW in Duma. In einem bezeichnenden Akt der Leugnung ignorierte die Post die abweichenden Meinungen der Inspektoren und reduzierte die Skepsis gegenüber der offiziellen Darstellung auf eine „Desinformationskampagne des russischen Staates und einiger prominenter Online-Aktivisten“. Diese Stimmen, so die Post fälschlicherweise weiter, hätten sogar behauptet, „Kinder mit Schaum vor dem Mund würden ihre Symptome vortäuschen“.
Tatsächlich ging die Fälschung mit der Zensur von Experten aus Deutschland einher, die Chlorgas als Ursache der Symptome und Todesfälle ausschlossen. Als direkte Folge von Whelans Klage räumte die OPCW schliesslich ein, diese entscheidenden Informationen in der noch immer nicht abgeschlossenen Untersuchung zum Tod Dutzender Menschen in Duma unterdrückt zu haben.
***
Kommentar: Basierend auf diesem Artikel (sowie ergänzenden Informationen aus den Suchergebnissen) lässt sich Folgendes festhalten:
1. Die Kernaussage des Artikels: Die OPCW gibt Vertuschung zu
Der Artikel von Aaron Maté auf ScheerPost/The Grayzone dokumentiert, dass die OPCW im Rahmen eines Gerichtsverfahrens mit dem Whistleblower Dr. Brendan Whelan ein entscheidendes Geständnis ablegte . Die Organisation gab zu, dass sie Informationen von deutschen Militärtoxikologen, die als "OPCW Highly Protected" eingestuft waren, aus dem öffentlichen Schlussbericht von 2019 entfernt hat .
2. Was wurde unterdrückt? Die entscheidende Expertise
Die im Juni 2018 konsultierten deutschen Experten kamen demnach zu einem klaren Ergebnis, das die offizielle Darstellung widerlegte:
| Kriterium | Feststellung der deutschen Toxikologen (unterdrückt) |
|---|---|
| Todesursache | Chlorgas wurde als Ursache ausgeschlossen |
| Symptome | Die Symptome (sofortiger Tod, pulvriger Schaum vor Mund und Nase) seien inkompatibel mit einer Chlorvergiftung |
| Einschätzung | Die Experten hielten sogar die Möglichkeit eines inszenierten Angriffs ("staged attack/false flag") für gegeben |
Der damalige Leiter des OPCW-Labors bestätigte, dass die Gutachter die Inszenierung als Erklärung für die Diskrepanz zwischen Symptomen und Chlorgas vorschlugen .
3. Warum wurde der Hinweis unterdrückt? Der politische Kontext
Der Artikel legt nahe, dass die Unterdrückung erfolgte, weil die toxikologische Expertise die politische und militärische Intervention der USA, Grossbritanniens und Frankreichs infrage gestellt hätte:
4. Ergänzende Beweise aus anderen Quellen
Die Suchergebnisse untermauern Matés Bericht mit weiteren Details:
Fazit
Zusammenfassend lässt sich der Sachverhalt wie folgt darstellen: Einem investigativen Bericht zufolge, der auf offiziellen OPCW-Dokumenten aus einem Gerichtsverfahren basiert, hat die OPCW zugegeben, das Gutachten deutscher Militärtoxikologen unterdrückt zu haben. Dieses Gutachten widerlegte nicht nur die These eines Chlorangriffs, sondern legte sogar eine Inszenierung nahe. Die Unterdrückung dieser Expertise könnte im Kontext der westlichen Militärintervention in Syrien 2018 erfolgt sein, für die der OPCW-Bericht die nachträgliche Rechtfertigung lieferte.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Trumps katastrophale Fehleinschätzung im Iran-Konflikt und seine Weigerung, die Unvermeidbarkeit der Niederlage zu akzeptieren, treiben uns in eine globale Depression und besiegeln das Leid und die Verelendung von Millionen von Menschen.
Amerikas neuester Sumpf im Nahen Osten gleicht seinen alten Sümpfen im Nahen Osten. Er beruht, wie schon die Kriege in Afghanistan und im Irak, auf einer groben Fehleinschätzung unserer Gegner, einem katastrophalen Unverständnis für die Grenzen imperialer Macht und dem Fehlen einer erkennbaren Strategie. Er lässt die Gewinne der Rüstungsindustrie anwachsen, verschwendet Milliarden an öffentlichen Geldern, entfremdet unsere Verbündeten und untergräbt die globale Macht und das Ansehen der Vereinigten Staaten.
Sterbende Imperien, regiert von Korrupten und Inkompetenten, sind geblendet von Militarismus und Hybris. Sie sind unfähig, die Welt um sich herum zu deuten. Sie stolpern in selbstzerstörerische Sackgassen – wie wir es im Irak, in Afghanistan und zuvor in Vietnam taten –, wo militärisches Abenteuerlust selbstverschuldete Wunden beschleunigt.
Der Krieg gegen den Iran ist ein weiteres Kapitel in unserem rasanten und letztlich fatalen Niedergang.
Teherans 10-Punkte-Vorschlag für einen vorübergehenden Waffenstillstand – vermittelt durch pakistanische Vermittler und den USA 40 Tage nach Beginn des Krieges gegen den Iran vorgelegt – kommt einer Kapitulationsbedingung gleich. Er fordert die Beendigung der Angriffe der USA und Israels, auch im Libanon. Er fordert den Abzug der US-Militärstützpunkte und -Einrichtungen aus der Region. Er festigt die Kontrolle des Iran über die Strasse von Hormus. Er lehnt die Aufgabe der Urananreicherung ab. Er fordert die Aufhebung der Sanktionen und die Beendigung der anti-iranischen Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und der Internationalen Atomenergie-Organisation. Er verlangt zudem die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte – geschätzt auf 100 Milliarden Dollar – sowie Reparationszahlungen für die Angriffe der USA und Israels.
Dies ist eine zu bittere Demütigung, als dass die USA und Israel sie akzeptieren könnten.
Nur wenige Stunden nach dem iranischen Vorschlag startete Israel – entschlossen, jedes Abkommen zu sabotieren – einen verheerenden Luftangriff auf den Libanon. Der Angriff, der über 10 Minuten andauerte, umfasste die Bombardierung des Zentrums von Beirut. Dabei waren 50 Kampfflugzeuge und 108 Luftangriffe im Einsatz, bei denen rund 160 Bomben abgeworfen wurden, 350 Menschen getötet und 1.000 weitere verletzt wurden. Dieses blitzschnelle und unprovozierte Massaker, bekannt als „Schwarzer Mittwoch“, ist eine eindringliche Mahnung daran, dass Israel nicht die Absicht hat, diesen Krieg enden zu lassen. Da die USA nicht bereit sind, eine Niederlage einzugestehen, und angesichts der Blutgier Israels steht uns eine sehr schwere Zeit bevor.
Der Iran hat letzte Woche einen aktualisierten Vorschlag vorgelegt, den Trump als „völlig inakzeptabel“ bezeichnete.
Doch der Iran, der die Strasse von Hormus fest im Griff hat, kann es sich leisten, abzuwarten. Je länger er seine Blockade der Schifffahrt aufrechterhält – rund 20 Prozent des weltweiten Öls und Flüssigerdgases fliessen durch die Strasse von Hormus –, desto grösser ist der wirtschaftliche Schaden, den er der Weltwirtschaft zufügt.
Für die USA gibt es kein gutes Ergebnis.
Die Hartnäckigkeit der Trump-Regierung und Israels Entschlossenheit, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, sorgen dafür, dass die Weltwirtschaft auf eine globale Depression zusteuert.
Die Weltbank prognostiziert für dieses Jahr einen Anstieg der Kosten für Stickstoffdünger, die am Golf produziert werden und durch die Strasse von Hormus transportiert werden, um 31 Prozent, sollte der Krieg andauern. Dies führt zwangsläufig zu einem enormen Anstieg der Lebensmittelpreise.
Versorgungsengpässe legen bereits die weltweite Fertigung und Produktion lahm. Die fragilen, voneinander abhängigen globalen Lieferketten geraten ins Stocken.
Dieses wirtschaftliche Ökosystem ist, wie der Iran gezeigt hat, leicht zu zerstören. Es wird sehr schwer sein, es wieder zusammenzuflicken.
Der Iran erlitt verheerende Schläge gegen seine zivile Infrastruktur und Wirtschaft – darunter Wohngebiete, Schulen, Gesundheitszentren, Polizeistationen, Kirchen und Synagogen sowie Energie-, Entsalzungs-, Stahl- und Pharmazieanlagen – sowie gegen seine militärischen Ressourcen, einschliesslich Teilen seiner Marine, Luftwaffe und Raketenabschusskapazitäten. Zu Beginn des Krieges musste das Land „Enthauptungsschläge“ gegen seine hochrangigen politischen und militärischen Führer hinnehmen, darunter die Ermordung des Obersten Führers der Islamischen Revolution, Ayatollah Ali Khamenei, des Sekretärs des iranischen Verteidigungsrats, Ali Shamkhani, und des Stabschefs der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mousavi, sowie weiterer Persönlichkeiten.
Keines der Ziele der USA und Israels wurde jedoch erreicht.
Die neue iranische Führung – mit dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) im Zentrum – ist trotziger und unnachgiebiger als die vorherige Führung.
Der Iran behält die Kontrolle über die Strasse von Hormus. Er verlangt bis zu 2 Millionen Dollar für jeden Öltanker, der sie passiert. Diese Zölle – die der Iran als Teil seiner Forderung nach Kriegsreparationen eingeführt hat – müssen in chinesischer Währung bezahlt werden, was Teil eines Versuchs des Irans, Chinas und Russlands ist, die Hegemonie des US-Dollars zu brechen. Der Iran verfügt zudem weiterhin über beträchtliche Bestände an Raketen und Drohnen sowie an angereichertem Uran, dessen Reinheit er, wie er gewarnt hat, auf 90 Prozent erhöhen wird, sollte er erneut angegriffen werden.
Der Iran ist der klare Gewinner der Operation „Epic Fury“. Trump ist der klare Verlierer. Das Dilemma besteht darin, dass Trumps Neigung, seine eigene Realität zu erfinden, bedeutet, dass er seinen Fehler wahrscheinlich nicht eingestehen und keinen Ausweg aus dem von ihm verursachten Debakel aushandeln wird.
Trump hat laut Angaben des Pentagons bereits ohne Zustimmung des Kongresses mindestens 29 Milliarden Dollar für den Krieg verschwendet, obwohl eine Analyse von Stephen Semler von „Popular Information“ die Summe eher auf 72 Milliarden Dollar beziffert.
Die menschlichen Verluste sind bereits hoch. Bei US-amerikanischen und israelischen Angriffen sind mehr als 3.300 iranische Zivilisten ums Leben gekommen, darunter mindestens 221 Kinder. Über drei Millionen Iraner wurden vertrieben, ebenso wie über eine Million Libanesen durch Israels anhaltende Bombardements und ethnische Säuberungen im Südlibanon. Gleichzeitig gibt es über zwei Millionen vertriebene Palästinenser aufgrund des Völkermords im Gazastreifen sowie weitere 1.100 getötete und 40.000 vertriebene Palästinenser im besetzten Westjordanland.
Treibstoffknappheit und Versorgungsengpässe lähmen Länder in Asien, wobei Thailand mit Hamsterkäufen und Rationierungen an einigen Tankstellen konfrontiert ist. Vietnam und Südkorea bemühen sich verzweifelt, alternative Rohöl- und Treibstoffvorräte zu sichern. Japan, das für rund 95 Prozent seiner Rohölimporte auf den Persischen Golf angewiesen ist, musste seit Kriegsbeginn im Februar zweimal auf seine strategischen Reserven zurückgreifen.
Der Preisanstieg bei Flüssiggas hat dazu geführt, dass die Preise für Kochbrennstoff für den Hausgebrauch in Indien um etwa sieben Prozent gestiegen sind, im gewerblichen Sektor jedoch um rund 76 Prozent in die Höhe geschossen sind. Dies hat zu Produktionskürzungen und Arbeitsplatzverlusten im Bekleidungs- und Textilsektor in Indien sowie in Bangladesch und Kambodscha geführt.
Es herrscht Mangel an Helium, Aluminium und Naphtha, die ebenfalls durch die Strasse von Hormus transportiert werden. Diese Engpässe haben zu Produktionsrückgängen geführt, unter anderem bei Mikrochip-Herstellern, Bauunternehmen und im Kunststoffverpackungssektor. Stahlwerke in Indien und Automobilhersteller in Japan haben ihre Produktion gedrosselt. Zehntausende Arbeitnehmer weltweit haben bereits ihren Arbeitsplatz verloren.
Asiatische Fluggesellschaften sowie viele auf dem europäischen Kontinent – darunter solche aus Deutschland, der Türkei und Griechenland – tanken an ihren Flughäfen zusätzliche Treibstoffmengen, streichen Flüge und erheben Zuschläge, da sich der Preis für Flugbenzin verdoppelt hat. Die Vereinigten Arabischen Emirate – einer der reichsten Staaten der Welt mit Staatsfonds in Höhe von insgesamt mehr als 2 Billionen US-Dollar – haben die USA laut dem Wall Street Journal um eine „finanzielle Rettungsleine für Kriegszeiten“ gebeten, nachdem Gasfelder durch Raketen beschädigt wurden und der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus zum Erliegen gekommen ist.
Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen droht Millionen von Menschen, insbesondere in Asien und Afrika, aufgrund des Krieges die extreme Armut.
Die USA, die Nettoexporteur von Öl und Erdgas sind, blieben von dem globalen Schock relativ verschont, obwohl die Benzinpreise um rund 40 Prozent auf über 4,50 Dollar pro Gallone gestiegen sind. Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA ist um fast 50 Prozent gestiegen und liegt nun bei über 5,60 Dollar pro Gallone. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Zusammenbruch der Weltwirtschaft auch die USA schwer trifft.
Die Trump-Regierung treibt uns in eine globale Depression mit all der sozialen und politischen Instabilität, die mit einer katastrophalen Finanzkrise einhergeht.
Trump ist verzweifelt. In den sozialen Medien spuckt er mit Schimpfwörtern gespickte Drohungen gegen den Iran aus und schreibt: „Öffnet die verdammte Meerenge [von Hormus], ihr verrückten Bastarde.“ Er veröffentlicht auch von künstlicher Intelligenz generierte Bilder, die zeigen, wie das US-Militär das iranische Militär vernichtet. Er hat gedroht, die Iraner „zurück in die Steinzeit zu bomben, wo sie hingehören“, und beschimpft seine Kritiker als Verräter:
„Wenn die Fake News behaupten, dass es dem iranischen Feind militärisch gut gegen uns geht, ist das praktisch VERRAT, da es eine so falsche und sogar absurde Behauptung ist.“ Auf Truth Social erklärte er: „Sie unterstützen und begünstigen den Feind!“
Auf diesen Wortschwall folgte das Bild einer Karte, auf der Venezuela mit der US-Flagge überlagert war. Die Bildunterschrift lautete: „51. Bundesstaat.“
Vor seiner Abreise nach China erklärte Trump: „Wir haben den Iran fest im Griff … Entweder schliessen wir ein Abkommen, oder sie werden vernichtet. So oder so gewinnen wir.“
Diese Tiraden sind erbärmlich und wirr. Aber sie sind auch bedrohlich.
Die USA stocken ihre Truppenpräsenz in der Region auf. Sie haben die „Tripoli Amphibious Ready Group“ mit der 31. Marine Expeditionary Unit – bestehend aus etwa 3.500 Matrosen und Marines – entsandt, zusätzlich zu Transport- und Kampfflugzeugen sowie Angriffs- und taktischen Einheiten. Sie haben die Boxer Amphibious Ready Group zusammen mit etwa 2.500 Marines der 11. Marine Expeditionary Unit entsandt, die mit F-35B Lightning II Stealth-Kampfflugzeugen, MV-22B Osprey, Tiltrotoren und Kampfhubschraubern ausgerüstet sind. Die USA haben zudem rund 2.000 Fallschirmjäger in den Persischen Golf entsandt und erwägen Berichten zufolge, diese Streitkräfte um weitere 10.000 Soldaten aufzustocken.
Eine Wiederaufnahme der Bombardements, gepaart mit selbst einem begrenzten Bodenangriff, würde einen langen und kostspieligen Krieg garantieren. Dies würde zwar Israels Ziel erfüllen – nämlich den Iran durch Bombardements in einen gescheiterten Staat zu verwandeln –, wäre aber ein weiterer tödlicher Schlag für das US-Imperium.
Ein Bodenangriff auf die Insel Kharg – die 16 Meilen vor der iranischen Küste liegt und als wichtigster Öllager- und Exportterminal des Landes dient, über den rund 90 Prozent der Ölexporte des Landes abgewickelt werden – würde die Weltwirtschaft erschüttern. Und sollten US-Truppen versuchen, iranisches Territorium zu besetzen, wird der Iran sein Arsenal an Schiffsabwehr-Marschflugkörpern, ballistischen Raketen, Unterwasserdrohnen und Minen einsetzen, was jede Besetzung tödlich machen würde.
Wir stecken in ernsthaften Schwierigkeiten.
Die Bewältigung dieses Konflikts übersteigt bei Weitem die Fähigkeiten der Witzfiguren in der Trump-Administration. Sie ziehen globales Elend und Blutvergiessen einer Niederlage vor. Bis sie sich dem Unvermeidlichen stellen müssen, werden sie Berge von Leichen hinterlassen haben.
Die Tragödie besteht nicht darin, dass das Imperium stirbt. Die Tragödie besteht darin, dass das Imperium so viele Unschuldige mit in den Abgrund reisst.
Yanis Varoufakis war Finanzminister Griechenlands. Er ist Professor für Wirtschaftstheorie an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen und hatte zuvor akademische Positionen an verschiedenen anderen Universitäten inne, darunter das King’s College London, die Universität Cambridge und die Universität Sydney. Er ist ausserdem Mitbegründer der Bewegung „Demokratie in Europa 2025“ und von Progressive International und hat mehrere Bücher veröffentlicht.
Cenk Uygur ist Gründer und Moderator von „The Young Turks“, einer progressiven Nachrichtensendung mit über 27 Millionen Abonnenten in den sozialen Medien. Die Inhalte der Sendung wurden über 29 Milliarden Mal aufgerufen.
Zusammenfassung
Ausgangslage und Kriegsökonomie
Der Krieg im Iran treibt die Weltwirtschaft in eine katastrophale Lage. Während die Aktienmärkte (NYSE, NASDAQ) nach anfänglichen Verlusten innerhalb von 12 Tagen wieder stiegen, profitieren davon nur die Superreichen – insbesondere die KI-Industrie und die Ölindustrie im Permian Basin. Die breite Bevölkerung, auch die Trump-Wähler, leidet bereits jetzt unter massiv gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen. Ein durchschnittlicher blue-collar worker zahlt bereits 500-600 Dollar mehr für Energie.
Stagflation und Marktblase
Die Inflation steigt, die Zentralbanken können die Zinsen nicht senken – im Gegenteil, sie müssten sie erhöhen, was eine wirtschaftliche Abkühlung und Arbeitslosigkeit zur Folge hätte. Die Aktienmärkte sind in einer gefährlichen Blase, die jeden Moment platzen kann. Viele Anleger leben in der Illusion, der Markt könne nicht mehr fallen.
Fortsetzung des Krieges
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die USA in den Iran zurückkehren werden – innerhalb von 3 bis 6 Monaten, nicht Jahre wie im Irak oder Afghanistan. Die wirtschaftlichen Schäden wären dann katastrophal. Sollte der Iran ein US-Schiff versenken, würde Israel die Eskalation bis zum Äussersten vorantreiben.
Israels Rolle
Israel kontrolliert die US-Aussenpolitik vollständig. Es geht nicht um Gier, sondern um das Projekt der ethnischen Säuberung Palästinas – seit 1948, spätestens seit 1967. "Perpetual War" (ewiger Krieg) ist Israels Strategie, um von der fortdauernden Völkermord in Gaza und der Westbank abzulenken. Israel plant sogar Angriffe auf die Türkei, einen NATO-Partner. Die israelische Regierung und die offizielle Opposition sind gleichermassen genozidal.
Warum Trump dennoch in den Krieg zieht
Obwohl es wirtschaftlich irrational ist (Öllobby will Ölpreis stabil bei 95-98 Dollar, nicht bei 120-160), wird Trump zurück in den Krieg gehen. Er hat über 300 Millionen Dollar von der israelischen Lobby erhalten, allein von der Familie Adelson 317 Millionen. Entscheidend ist jedoch Erpressung – über die Epstein-Akten. Epstein arbeitete nachweislich für Israel, beschaffte Cyberwaffen, war in Drogenschmuggel verwickelt. Die CIA und die US-Regierung schützten ihn. Israel hat kompromittierendes Material über Trump.
Amerikas Vasallen in Europa
Europa war nie ein gleichberechtigter Verbündeter der USA, sondern immer eine Kolonie. Nach der Zerstörung von Nordstream durch die USA und die Ukraine (nicht Russland) schwieg die deutsche Industrie, obwohl ihr Milliarden entgingen. Die EU hat einen Handelsüberschuss von 240 Milliarden Euro mit den USA – das macht sie zu Geiseln Trumps. Die britische Wirtschaft ist eine Kolonie der Wall Street, die City of London macht die Drecksarbeit für den Finanzsektor.
Die Zukunft des Dollar-Systems
China hat ein alternatives Zahlungssystem aufgebaut: die digitale Zentralbankwährung (Digital Yuan), WeChat (mit gebührenfreien Zahlungen) und BRICS Pay (blockchain-basiert). Nach der Einfrierung von 300 Milliarden Dollar russischer Zentralbank-Reserven begannen Emirate, Saudis, Indonesier, Malaysia, ihre Dollar abzuziehen – etwa 10 Prozent wanderten auf die chinesische Finanzautobahn. Ironischerweise sind die grössten Unterstützer des Dollarsystems zurzeit die Chinesen selbst, weil sie 4,5 bis 5 Billionen Dollar an Ersparnissen haben. Je mehr die USA ihr exorbitantes Privileg missbrauchen, desto mehr Vermögen wird ins chinesische System abwandern.
Amerikas zerfallende Hegemonie
Für jeden rationalen Akteur auf der Welt ist die Wahl zwischen Amerika und BRICS inzwischen klar: Amerika ist ausser Kontrolle, startet sinnlose Kriege, bombardiert Nordstream, droht eigenen Verbündeten mit Invasion (Grönland). Korruption ist legalisiert (Citizens United-Entscheidung 2010). Jeder Ausschussvorsitzende im Kongress wird von der Industrie bestochen, die er regulieren soll. Israel ist nicht die Ursache, sondern der Nutzniesser eines korrupten Systems. Die Lösung: Geld aus der Politik verbannen – durch einen Verfassungszusatz. Israel will die UN zerstören (weil sie Völkerrecht durchsetzt) und die NATO (weil die Türkei Mitglied ist und Israel sie angreifen will). Das Ziel: Amerika soll nur noch Israel als Verbündeten haben.
Fazit: Die USA steuern auf eine katastrophale wirtschaftliche und geopolitische Krise zu. Der einzige Silberstreif: Durch die Kriegswirtschaft beschleunigt sich die grüne Transition – Länder wie Äthiopien und Pakistan steigen aus dem Dollar- und fossilen System aus und setzen auf chinesische Solartechnologie.
Zusammenfassung
Theodore Postol argumentiert, dass der anhaltende Druck der USA und Israels auf Iran eine existenzielle Bedrohung für das Land darstelle. Sollte ein Regimewechsel erzwungen werden, drohe die Zerstörung Irans ähnlich wie in Syrien oder Libyen. Aus iranischer Sicht bestehe daher ein enormer Anreiz, eine Atomwaffe als «ultimatives Abschreckungsmittel» zu entwickeln – obwohl die Führung in Teheran dies eigentlich nicht wolle, da sie erkenne, dass ein eigenes Nuklearwaffenprogramm zu einer regionalen Proliferation führen würde (Saudi-Arabien, Türkei, Ägypten).
Postol betont, dass Iran über das technische Know-how und das Material verfüge, um rasch 10 bis 20 Atomwaffen zu bauen. Entgegen der landläufigen Meinung reichten 14 bis 15 Kilogramm hochangereichertes Uran für eine einfache, aber funktionierende Geschützlösung (gun-type weapon) aus, nicht 25 kg. Mit einem Uran-238-Reflektor könne die kritische Masse weiter gesenkt und die Ausbeute erhöht werden. Eine solche Waffe wäre leicht auf vorhandenen iranischen Langstreckenraketen zu transportieren (ca. 450 kg). Zudem seien die iranischen IR6-Zentrifugen wesentlich leistungsfähiger als allgemein angenommen: Neue IAEO-Daten zeigten, dass sie 12,75 Trennarbeitsseinheiten (SWU) pro Zentrifuge erreichten – fast das Vierfache früherer Schätzungen. Damit könnte Iran aus seinem 60-prozentig angereicherten Uran innerhalb weniger Wochen genug Material für 15 bis 19 Sprengköpfe produzieren.
Postol kritisiert scharf die Fehlinformationen des «Bulletin of the Atomic Scientists», das die iranischen Fähigkeiten verharmlose. Diese falsche Beratung könne politische Entscheidungsträger in Washington zu gefährlichen Fehlschlüssen verleiten.
Die einzig rationale Lösung sei Verhandlung, nicht militärische Eskalation. Eine militärische Option sei keine echte Wahl, da sie Iran nur weiter in die Ecke treibe und zur Entscheidung für die Bombe zwinge. Gleichzeitig zeige die Geschichte (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien), dass militärische Interventionen in der Region regelmässig scheiterten. Die USA müssten anerkennen, dass Iran ein rationaler Akteur sei, der einen atomaren Erstschlag nie durchführen würde, weil dies das Ende Irans bedeuten würde. Die Gefahr liege vielmehr in einer versehentlichen Eskalation oder Fehlalarmen, besonders in einem proliferierten Nahen Osten.
Abschliessend kündigt Postol einen weiteren Vortrag an, in dem er die Wirkungslosigkeit des Patriot-Systems gegen iranische ballistische Raketen belegen werde. Die geplanten Milliardenausgaben für neue Abfangjäger seien verschwendet, da diese Raketen nicht zuverlässig gestoppt werden könnten – eine gefährliche Illusion, sollten diese jemals atomar bestückt sein.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Da die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges gegen den Iran mit dem rapiden Rückgang der Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump in Verbindung gebracht werden, drohte der Präsident am Sonntag erneut mit der Zerstörung des Landes im Nahen Osten und forderte die Unterhändler auf, „SCHNELL in Bewegung zu kommen“, um den Konflikt zu beenden, den die USA und Israel im Februar aus freiem Willen begonnen hatten.
„Für den Iran tickt die Uhr“, sagte der Präsident in einem Beitrag auf Truth Social und fügte hinzu, dass, wenn nicht bald ein Friedensabkommen erzielt werde, „nichts mehr von ihnen übrig sein wird. ZEIT IST VON ENTSCHEIDENDEM TEIL!“
Trump wies letzte Woche den jüngsten Friedensvorschlag des Irans zurück; das Land hat Berichten zufolge bedeutende Zugeständnisse bei seiner Urananreicherung angeboten, strebt aber separate Atomgespräche an, nachdem Frieden erreicht und ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Strasse von Hormus erzielt wurde, die die Iraner als Vergeltung für die Angriffe der USA und Israels faktisch geschlossen hatten.
Seit Beginn des Konflikts hat Trump die Demontage des iranischen Raketenarsenals sowie des iranischen Atomprogramms gefordert, von dem der Iran behauptet, es diene nicht militärischen Zwecken, und hat das Land aufgefordert, die Beziehungen zu seinen regionalen Verbündeten abzubrechen.
Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete am Sonntag, dass Trump in seiner Antwort auf den jüngsten Vorschlag der Iraner „keine konkreten Zugeständnisse“ gemacht habe.
„Die Vereinigten Staaten “, so das Nachrichtenportal, „wollen Zugeständnisse erreichen, die sie während des Krieges nicht erlangen konnten, was zu einer Sackgasse in den Verhandlungen führen wird.“
Trump sagte am Wochenende in Peking gegenüber Fox News, die Iraner seien „verrückt, und wissen Sie was? Deshalb können sie keine Atomwaffe haben“, und erklärte damit, warum er es für „inakzeptabel“ halte, dass Atomgespräche separat geführt würden, nachdem ein Friedensabkommen erzielt worden sei.
Berichten zufolge sprach Trump am Sonntag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu über die Möglichkeit, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, was einen Bruch der vor mehr als einem Monat erreichten Waffenruhe bedeuten würde.
Danny Citrinowicz, ein leitender Forscher am Institut für Nationale Sicherheitsstudien, sagte am Sonntag: „Der einzig realistische Weg zu einem diplomatischen Durchbruch bestünde darin, dass Washington sich direkter mit der Struktur und dem Inhalt des iranischen Vorschlags selbst auseinandersetzen müsste.“
„Irans Prioritäten bleiben unverändert: die Beendigung der aus seiner Sicht wirtschaftlichen Blockade, die Wiederherstellung des Seewegs und die Reduzierung des Drucks im Golf, die Aushandlung eines Endes des umfassenderen Konflikts und erst danach die Behandlung der Nuklearfrage“, sagte Citrinowicz. „Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass die iranische Führung einem Rahmen zustimmen würde, der diese Kernforderungen nicht ernsthaft berücksichtigt.“
Wie schon bei Trumps früheren Gewaltdrohungen, darunter jene im April, in der er erklärte, die gesamte iranische Zivilisation werde untergehen und „nie wiederkehren“, so erklärten iranische Beamte, würden die jüngsten Äusserungen des Präsidenten – die auf die Veröffentlichung eines Bildes von sich selbst auf einem Militärschiff mit den Worten „Es war die Ruhe vor dem Sturm“ folgten – nicht toleriert werden.
Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte, Abolfazl Shakarchi, sagte gegenüber Mehr: „Jegliche Wiederholung eines Fehlers, um die Schmach Amerikas im dritten aufgezwungenen Krieg gegen den Iran zu kompensieren, wird nichts anderes als weitere vernichtende und schwere Schläge nach sich ziehen.“
Al-Jazeera-Korrespondent Almigdad Alruhaid berichtete, dass die von Trump am Sonntag an den Tag gelegte „Sprache hier in Teheran nicht akzeptabel“ sei . „Sie zeigen sich trotzig, anstatt unmittelbar auf diese Art von Rhetorik zu reagieren.“
„Hinter all dieser Rhetorik steht das Bewusstsein, dass sich das diplomatische Zeitfenster gerade verengt“, sagte Alruhid.
Unterdessen forderte US-Senator Lindsey Graham (Republikaner aus South Carolina) Trump auf, „Iran noch mehr zu schaden“, um ein Abkommen zu erzwingen, und rief den Präsidenten dazu auf, die Bombardierung der iranischen Energieinfrastruktur durchzuführen, wie er es in den letzten Monaten angedroht hatte.
„Der Grund, warum Trump dies während des Krieges nicht tat – obwohl er damit drohte –, war, dass er erkannte, dass Teheran Vergeltung üben und die Energieinfrastruktur der Staaten des Golf-Kooperationsrats zerstören würde“, sagte Trita Parsi, Vizepräsidentin des Quincy Institute for Responsible Statecraft. „Dies hätte zu einer weitaus schlimmeren Ölkrise geführt – einer Krise, die auf Produktionsproblemen beruhte und nicht nur auf einem Engpass im Persischen Golf.“
„Die Weltwirtschaft würde in eine tiefe Rezession stürzen. Treibstoffknappheit würde weltweit zu Nahrungsmittelknappheit führen. Trumps Präsidentschaft wäre ruiniert“, sagte er. „All das kümmert Lindsey nicht. Er würde den ganzen Planeten in Schutt und Asche legen, Hauptsache, er bekommt seinen Krieg. Trumps grösster Fehler war, auf Lindsey und seine Verbündeten zu hören.“
Zum Video mit Norman Finkelstein
Ausführliche Zusammenfassung des Interviews mit Professor Norman Finkelstein
Einleitung: Kontext und erste Fragen
Professor Norman Finkelstein wird zu aktuellen politischen Entwicklungen im Vereinigten Königreich befragt. Der britische Premierminister plant ein Verbot des Slogans «Globalize the Intifada» nach mehreren antisemitischen Vorfällen. Finkelstein soll erklären, was dieser Slogan bedeutet und wie er das geplante Verbot beurteilt.
Was ein politischer Slogan wirklich bedeutet
Finkelstein bezeichnet sich als Angehörigen der «alten Schule» der linken Tradition (marxistisch, anarchistisch). Für ihn sind Slogans keine leeren Phrasen, sondern die Verdichtung umfangreicher Analyse. Ein Slogan fasst die «historische Konjunktur» zusammen – also das, was in einem bestimmten Moment politisch möglich ist. Um dies zu beurteilen, müsse man die Kräfteverhältnisse abwägen, was ein feines Gespür für die eigene Zeit erfordere.
Als Beispiele nennt er den Slogan «Achtstundentag», der eine riesige Menge an Wissen und Einschätzung darüber verdichtete, was damals durchsetzbar war. Die Bolschewiki diskutierten 1917 intensiv, ob sie die «demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern» oder gleich die «Diktatur des Proletariats» fordern sollten – das klang obskur, aber in den Debatten ging es genau um die Frage: Wo stehen wir im historischen Kampf? Was ist jetzt machbar?
Der berühmteste bolschewistische Slogan von 1917 war nicht irgendeine rhetorische Floskel, sondern das unspektakuläre «Brot, Frieden und Land» – Brot für die Arbeiter, Frieden für die Soldaten, Land für die Bauern. Auch dieser Slogan verdichtete enorme Analyse, etwa Lenins Studien zur Entwicklung des Kapitalismus in Russland, um zu verstehen, ob der Kapitalismus auf dem Land schon Fuss gefasst hatte.
Finkelstein würdigt Bernie Sanders als letzten grossen Sozialisten in dieser Tradition. Sanders’ Slogans – «Medicare für alle, Green New Deal, Abschaffung von Studienschulden, kostenlose Collegebildung» – seien konkrete, realistische, gewinnbare Forderungen gewesen.
Bewertung des Slogans «Globalize the Intifada»
«Globalize the Intifada» hält Finkelstein dagegen für einen leeren Slogan. Ein politischer Slogan müsse konkret und präzise sein. Hier handle es sich eher um eine politische Beschwörung, also eine Art PR, die ihn nicht besonders interessiere.
Zur Frage des Verbots verweist er auf die amerikanische Rechtsgeschichte: Der Oberste Gerichtshof der USA habe entschieden, dass man sogar die gewaltsame Umstürzung der Regierung befürworten dürfe – solange keine unmittelbare Gefahr unmittelbar bevorstehe. Man dürfe die amerikanische Flagge verbrennen, das falle unter «expressive speech». Slogans wie «Globalize the Intifada» oder «From the river to the sea» seien nach diesen Massstäben nicht einmal kontrovers.
Finkelstein erinnert an seine eigene Jugend auf Anti-Kriegs-Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Man habe «Ho, Ho, Ho Chi Minh» gerufen und «Die NLF (Nationale Befreiungsfront) wird gewinnen» – damit habe man den Sieg der Truppen gefordert, die amerikanische Soldaten töteten. Das sei damals völlig unkontrovers gewesen. Niemand sei auf die Idee gekommen, dies verbieten zu wollen. Der britische Premierminister solle aufhören, sich wie ein Zensor zu benehmen.
Antisemitismusvorwürfe als Vorwand
Die Vorwürfe des Antisemitismus gegen Kritiker Israels seien ein blosser Vorwand, um die Überbringer schlechter Nachrichten über Israels Verhalten und seine massiven Verbrechen zu unterdrücken. Finkelstein warnt jedoch zugleich: Man solle dem Feind keine Munition auf dem Silbertablett liefern, indem man dumme Dinge sage. Man solle präzise und glaubwürdige politische Punkte machen. Aber wenn ein Prinzip auf dem Spiel stehe, dürfe man dieses Prinzip nicht aufgeben.
Finkelsteins Haltung zu den Ereignissen vom 7. Oktober 2023
Er habe lange und schwer über die Ereignisse nachgedacht – es sei das erste Mal in seinem Leben gewesen, dass Noam Chomsky nicht verfügbar war, um ihn zu beraten. Er kam zum Schluss: Auch wenn die Handlungen der Hamas und anderer militanter Organisationen am 7. Oktober 2023 rechtlich und moralisch nicht zu verteidigen seien, weigere er sich, die Täter zu verurteilen. Diese Haltung vertritt er bis heute.
Er erläutert dies mit einem historischen Vergleich: Nat Turner führte 1831 die grösste Sklavenrebellion der amerikanischen Geschichte an. Sein Befehl lautete: «Tötet alle weissen Menschen.» Heute verurteile niemand Nat Turner – er gelte als grosser Freiheitskämpfer. Frederick Douglass nannte solche Männer «unsere schwarzen revolutionären Väter, unsere grossen Märtyrer». Finkelstein sieht keinen qualitativen Unterschied zwischen dem, was Nat Turner tat, und dem, was Hamas am 7. Oktober 2023 tat.
Er hat in den letzten 15 Jahren Unmengen von Menschenrechtsberichten über Gaza gelesen – sie füllen ganze Bücherregale in seiner Wohnung. Angesichts der täglichen Gräueltaten an den Menschen in Gaza werde er niemals einen Sklaven moralisch zurechtweisen. Niemand habe das Recht, diesen Menschen Vorlesungen zu halten. Man könne die Handlungen falsch finden, aber nicht moralisieren.
Im Podcast-Universum sei es üblich geworden, dass alle Gäste auf Piers Morgans Frage «Verurteilen Sie Hamas?» sofort mit «schrecklich, furchtbar» antworteten, um im Mainstream zu bleiben. Er selbst habe sich am ersten Tag geweigert zu verurteilen und trotzdem eine Plattform bekommen, weil man merkte, dass er wusste, wovon er sprach.
Die plötzliche Hinwendung der politischen Rechten zu Palästina
Finkelstein stellt fest, dass Palästina nie eine Sache der Rechten war. Unterdrückte Völker, die Dritte Welt, menschliches Leid – das waren traditionell linke Anliegen. Früher galt Israel als linke Sache, weil die frühen Zionisten sich als Sozialisten bezeichneten (Ben-Gurion wurde der «zionistische Lenin» genannt). Die Araber galten damals als Feudalherren, Könige und Paschas – also als reaktionär. Etwa seit 1967 änderte sich dies: Palästina wurde zu einer solidarisch linken Sache – nationaler Befreiungskampf, bewaffneter Kampf, unterdrückte Völker.
Heute jedoch habe die Linke im Podcast-Universum keinerlei Bedeutung mehr. Die einzige Person, die überhaupt entfernt links sei, sei Mehdi Hassan – und der sei kein Linker, sondern blose Fahne im Wind, der je nach politischem Wind seine Position wechsle. Die schärfsten und profiliertesten Kritiker Israels seien heute alle rechtspopulistisch: Tucker Carlson, Candace Owens, Megyn Kelly, Joe Kent.
Man müsse sich fragen: Wenn nationale Befreiung, menschliches Leid, Selbstbestimmungsrecht unterdrückter Völker nicht ihr eigentliches Anliegen sind – warum sind sie dann plötzlich so besessen von Israel? Tucker Carlson habe kaum noch eine Sendung ohne Israel-Thema. Finkelstein hält das für eine beunruhigende Entwicklung.
Gefahr eines neuen Antisemitismus von rechts
Finkelstein zeichnet ein beunruhigendes Szenario: Man könne sich leicht vorstellen, dass Tucker Carlson 2028 für das Präsidentenamt kandidiert – mit einer Plattform des «wahren America First», weil er jetzt schon sagt, Trump habe dieses Motto verraten. Auf dieser Plattform würde er die «Drahtzieher» anprangern, die das Land kontrollierten – die Fünfte Kolonne, ein Begriff aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Und dann seien die Juden in den USA die Fünfte Kolonne, die mit den Drahtziehern in Israel zusammenarbeite, die die Trump-Administration kontrollierten. Carlson behauptet wörtlich, der arme Trump werde nachts von Israel mit den Epstein-Akten erpresst.
Das Problem: Vieles von dem, was Tucker Carlson sage, sei wahr. Etwa 60 Prozent. Jede erfolgreiche Propaganda brauche einen Kern von Wahrheit. Wenn Carlson über die Unterdrückung der Redefreiheit an amerikanischen Universitäten klage oder darüber, dass man sofort als Antisemit beschimpft werde, sobald man Israel kritisiere – da habe er recht.
Finkelstein analysiert: Die jüdische Führung in Amerika habe sich völlig unverantwortlich, dreist und schamlos verhalten. Sie seien «schwindelig vor Erfolg» geworden (in Anlehnung an Stalins berüchtigte Rede von 1930). Jeder habe Angst gehabt, sie zu kritisieren. Sie seien die mit Abstand reichste ethnisch-religiöse Gruppe in den USA gewesen. Sie hätten die Holocaust-Karte bis zum Äussersten ausgespielt – bis diese Karte nach dem 7. Oktober 2023 innerhalb eines Monats komplett wertlos wurde. Nach dem ersten Monat habe man kein Wort mehr über den Holocaust gehört. Die Holocaust-Industrie sei durch Übernutzung bankrott gegangen.
Jetzt gebe es viele Ressentiments, und ein guter Teil von Carlsons Kritik sei berechtigt. Aber das Problem sei: Wenn jemand zu einem Guru, zu einem Kultführer werde (wie Carlson es geworden sei), dann differenzierten die Leute nicht mehr. Sie sagten nicht: «In dem Punkt hat er recht, aber das hier ist völlig verrückt.» Sie nähmen das ganze Paket. Carlson behaupte auch, Israel habe die USA in den Iran-Krieg gezogen, weil Israel die USA zerstören wolle – aber niemand trenne mehr.
Finkelstein beklagt, dass selbst Leute, die angeblich links seien, sich von Verschwörungstheorien verführen liessen. Er erhalte täglich E-Mails von Leuten, die ihm vorwürfen, Israel habe Kennedy ermordet. Das sei völlig absurd. Es gebe zwischen 2000 und 40’000 Bücher über das Kennedy-Attentat – in keinem einzigen komme Israel vor. Man könne genauso gut behaupten, Brigitte Bardot habe Kennedy getötet. Früher sei so etwas als verrückt abgetan worden, heute sei es unter bestimmten Linken modern.
Finkelsteins klare Position: Er scheue sich nicht vor Fakten. Ja, Israel und jüdische Akteure hätten viele schändliche, kriminelle Dinge getan – aber das komme vom «Schwindel mit Erfolg». Die Holocaust-Karte und der riesige Reichtum hätten ihnen völlige Straflosigkeit verschafft. Aber die Behauptung, Israel habe Kennedy getötet, sei Unsinn.
Die Unterdrückung der akademischen Freiheit durch jüdische Milliardäre
Finkelstein berichtet ausführlich über die Vorgänge an amerikanischen Universitäten im Frühjahr 2024. Eine Handvoll jüdischer supremacistischer Milliardäre habe gedroht: Wenn die Universitäten die Protestlager nicht zerschlügen und Slogans wie «Globalize the Intifada» nicht unterbindet, würden sie ihr Geld abziehen. Bill Ackman habe Harvard 50 Millionen Dollar in einem Jahr gegeben. Zwei andere hätten Harvard 200 bzw. 300 Millionen gegeben. Das sei Geld, das wirke.
Drei Ivy-League-Präsidentinnen – alles Frauen, zwei davon Frauen of Color, also in der Ära des «High Wokeness» heilig – seien gefeuert worden oder zurückgetreten (Claudine Gay, Nemat Shafik, Liz Magill). Ein reicher Freund von Finkelstein habe die entlassene Präsidentin der University of Pennsylvania getroffen, sein Beileid ausgedrückt, und sie habe geantwortet: «Money talks.» Geld redet.
Finkelstein war einer der ersten, der dies öffentlich beim Namen nannte: Eine jüdische supremacistische Milliardärsklasse unterdrücke systematisch die akademische Freiheit, um Israels «Gott gegebenes Recht» auf Völkermord zu schützen. Manche Leute hätten sich unwohl gefühlt, weil er «jüdische Milliardäre» sagte – aber es sei die Wahrheit. Daran habe er nichts gelassen.
Ausblick: Lokale Kämpfe statt nationaler Siege
Auf die Frage nach der Zukunft Amerikas antwortet Finkelstein, dass man auf nationaler Ebene derzeit nicht gewinnen könne. Aber es habe sich viel Raum auf lokaler Ebene eröffnet. Er zitiert den berühmten Slogan aus den 1960er Jahren «One, two, three, many Vietnams» – wir brauchen viele Vietnams. Er wandelt ihn ab zu «One, two, three, many Mammies» (in Anlehnung an die Protestbewegung in den USA nach der Tötung von Eric Garner, dessen letzte Worte «I can’t breathe» von seiner Mutter aufgegriffen wurden).
Man müsse jetzt lokal organisieren und gewinnen. Es sei das Gebot der Stunde: «Think global, act local» (global denken, lokal handeln). Kleine Siege seien machbar. Das sei das Wichtigste für die Linke: Sie müsse Siege erringen – nicht um der Siege willen, sondern um den Menschen zu zeigen, dass sie durch Organisation gewinnen können. Eine ganze Generation habe den Glauben an ihre eigene Macht verloren («You can’t fight city hall» – gegen das Rathaus kommt man nicht an). Die wichtigste Botschaft sei: Ihr könnt gewinnen. Selbst kleine Siege heben die Moral und zeigen, dass etwas möglich ist.
Die gewonnenen Ziele müssten zwar mit den langfristigen sozialistischen Zielen vereinbar sein (also keine antiimmigrantische Plattform), aber sie müssten vor allem realisierbar sein. Sonst verlören die Menschen das Interesse. Die Zukunft sei nicht hoffnungslos, auch wenn es ein Wettlauf gegen die Zeit sei – angesichts der Verrückten, die heute die oberen Ränge der Macht bevölkerten.
Persönliche Geschichte: Wie Finkelstein zu seinem Weg fand
Auf die Frage, warum er das alles tue und was das prägende Ereignis seines Lebens gewesen sei, erzählt Finkelstein eine lange, sehr persönliche Geschichte.
Als junger Mann war er Marxist-Leninist, genauer gesagt Maoist. In dieser Zeit habe er jegliche Kritik an China als «bürgerliche Propaganda» abgetan. Er sei völlig falsch gelegen. Die Demütigung, als er das erkannte, sei furchtbar gewesen. Es ging um seinen Selbstrespekt. Er schwor sich, nie wieder Fakten falsch zu haben.
Dann, als Doktorand, schrieb er eine Dissertation über die Theorie des Zionismus. Eines Tages entdeckte er im Buchladen das Buch «From Time Immemorial» von Joan Peters. Das Buch behauptete, Palästina sei am Vorabend der zionistischen Besiedlung leer gewesen. Die jüdischen Siedler hätten die Wüste zum Blühen gebracht, und dann seien Araber aus Nachbarländern illegal eingewandert, um von der jüdischen Wirtschaft zu profitieren – sie täten nur so, als seien sie indigen. Das Buch hatte glanzvolle Empfehlungen prominenter Intellektueller, darunter viele Juden (Barbara Tuckman, Saul Bellow). Die demografische Studie im Anhang wurde vom Direktor der Bevölkerungsforschung der University of Chicago validiert – eine gewaltige Autorität.
Finkelsteins linke Genossen taten das Buch als «zionistische Propaganda» ab – genau das Gleiche, was er selbst während seiner Maoisten-Zeit immer gesagt hatte. Aber er hatte aus seiner Demütigung gelernt. Er würde sich nicht noch einmal blamieren.
Also kaufte er das Buch und ging es an wie Captain Ahab, der Moby Dick jagt. Er ging in die Forschungsbibliothek und überprüfte jede einzelne der 1800 Fussnoten. Die entscheidende Stelle war eine demografische Tabelle im Anhang. Nächte lang lag er auf seinem Bett, ohne Taschenrechner, nur mit Bleistift und Papier, und rechnete alles durch.
Eines Nachts um 1 Uhr entdeckte er es: den Betrug. Eine entscheidende Zahl war gefälscht. Noch heute erinnert er sich an das Gefühl, das ihm kalt den Rücken herunterlief. Er stand auf, lief in seiner kleinen Dachgeschosswohnung hin und her und sagte immer wieder: «Ich hab’s geschafft. Ich hab’s geschafft.»
Er rief seine Mutter an – er ist Jude – und sagte: «Mama, ich hab’s geschafft!» Sie fragte: «Was hast du geschafft?» Er schrieb seine Ergebnisse auf, machte 25 Kopien und schickte sie an 25 prominente pro-palästinensische Persönlichkeiten. Niemand antwortete – es war zu technisch, zu langweilig.
Dann, eines Samstagmorgens, klingelte das Telefon. «Ist dort Norman Finkelstein?» «Ja.» «Wer spricht?» «Noam Chomsky.» Von den 25 war er der einzige, der es gelesen hatte. Chomsky sagte: «Ich glaube, du bist da etwas Grossem auf der Spur.»
Das war der Beginn einer 40-jährigen Mentorschaft, die sein Leben völlig veränderte. Chomsky war für ihn da, jede Stunde eines jeden Tages. Alles, was er ihm schickte, kam innerhalb einer Stunde mit roten Anmerkungen zurück. Chomsky, einer der grössten Geister der Menschheitsgeschichte, sei in sein Leben getreten und habe ihn bestärkt. Das habe sein zerrüttetes Ego und Selbstwertgefühl wiederhergestellt.
Allerdings: Die Beziehung hatte auch viele negative Seiten. Das sei die Natur menschlicher Beziehungen: Je mehr Positives man herausbekomme, desto mehr Negatives gebe es auch. Aber insgesamt habe diese Begegnung seinen gesamten Lebensweg verändert – von einem exzentrischen, seltsamen Maoisten in einer jüdischen, aufstrebenden Nachbarschaft (eine Figur aus einem Woody-Allen-Film, der lokale Maoist mit Khaki-Hemd, rotem Stern auf der Mütze, rotem Buch in der Tasche) hin zu einem ernsthaften Wissenschaftler.
Wie er mit Widersachern umgeht
Heute habe er solche Auseinandersetzungen nicht mehr. Früher, in den ersten 30 Jahren, habe ihn nur Chomsky gegen virulente Kritiker verteidigt. Aber er habe die harte Arbeit geleistet. Er sei kein «Experte für alles», wie es heute im Podcast-Universum viele gebe. Er habe ein schmales Spezialgebiet – aber in diesem Gebiet komme ihm niemand auch nur annähernd gleich. Das klinge nach Prahlerei, aber er habe sich das Recht verdient zu sagen: Niemand beherrsche das Material auch nur annähernd so gut wie er.
Diese Zuversicht werde verstärkt durch die Bestätigung durch Chomsky. Was irgendein dahergelaufener Pundit sage, sei ihm daher ziemlich egal. Inzwischen wisse jeder, dass man ihn nicht einfach abtun könne. Er habe eine nachweisbare Erfolgsbilanz. Niemand komme ihm bei Fakten auch nur nahe. Jeder wisse, dass er für seine Überzeugungen viel geopfert habe – zwar nicht im Gefängnis gelandet, nicht gefoltert, nicht gestorben (das sei kein Witz; die Helden seines Lebens seien alle im mittleren Alter gestorben, zerstört worden), aber er habe den Preis bezahlt. Er habe sein ganzes Erwachsenenleben nie einen regulären Job gehabt. Er sei nicht aus Karrieregründen in diesem Geschäft.
In den letzten zehn Jahren habe sich eine gewisse, vielleicht widerwillige Anerkennung durchgesetzt: Der Mann ist ernst zu nehmen. Piers Morgan nenne ihn in Interviews immer «Professor Finkelstein», während er Alan Dershowitz mit «Alan» anrede. Morgan habe nie eine seiner Fakten bestritten, nie gesagt «Das ist verrückt» oder «Das ist nicht wahr». Er sei sehr respektvoll. Finkelstein habe eine neue Phase erreicht: Man könne ihn nicht mehr einfach abtun.
Narendra Modis Sparaufrufe zeigen, wie Krieg, Energieunsicherheit und Dollardruck die Fragilität der Globalisierung offenbaren.
Der Aufruf des indischen Premierministers zu Verzicht in der vergangenen Woche markiert einen grundlegenden Kurswechsel. Er rief die 1,4 Milliarden Einwohner des Landes dazu auf, weniger Treibstoff und Düngemittel zu verbrauchen, weniger Gold zu kaufen und Auslandsreisen einzuschränken, da die globalen Energiepreise aufgrund des Krieges im Iran stark gestiegen sind. Die Botschaft, die an die Beschränkungen der Covid-Ära erinnert, deutet auf etwas Grösseres hin: einen Rückzug von der neoliberalen Globalisierung in Asien und die Rückkehr zu einer strategischen Wirtschaftspolitik. Der hindu-nationalistische Narendra Modi wartete das Ende wichtiger Regionalwahlen ab, bevor er die Sparmassnahmen forderte. Er folgte damit anderen asiatischen Staaten wie den Philippinen , Bangladesch und Sri Lanka, die seit März ähnliche Bitten und Forderungen an ihre Bürger gerichtet hatten.
Premierminister Modi argumentierte explizit wirtschaftlich: Energieimporte müssten reduziert werden, da Indien seine Devisenreserven schonen müsse. Rund 90 % des indischen Öl- und Gasbedarfs werden durch Importe gedeckt. Steigende Preise führen zu höheren Importkosten in US-Dollar, Inflation und dem Druck, höhere Subventionen zahlen zu müssen. Trotz des jüngsten wirtschaftlichen Erfolgs hat Indien nicht genügend produktive, exportorientierte oder im Inland erzeugte Kapazitäten für grüne Energie aufgebaut, um seine Abhängigkeit zu verringern. Um einen Wertverfall der Rupie zu verhindern, die indische Zentralbank Berichten zufolge verbrauchte mehr als 40 Milliarden US-Dollar an Reserven.
Analysten der japanischen Bank Nomura erwarten ein grundlegendes Umdenken in Indiens Aussenhandelspolitik. Die Krise in der Strasse von Hormus verdeutlicht zudem, dass das asiatische Wachstumsmodell der Nach-1990er-Jahre, das Indien zunehmend übernommen hatte, auf einem geopolitischen Umfeld beruhte, das sich dem Ende zuneigt. Nachdem die Annahme sicherer, von den USA überwachter Schifffahrtswege, billiger Kohlenwasserstoffe aus dem Golf und niedriger Frachtkosten wegfiel, kehrte die Zahlungsbilanzproblematik für Entwicklungsländer mit voller Wucht zurück.
Eine Generation, die von Indiens Zahlungsbilanzkrise 1991 geprägt wurde, besass ein deutlich tieferes, instinktives Gespür für diese Gefahr als Teile des heutigen indischen Politikbetriebs. Der Tod des ehemaligen indischen Premierministers Manmohan Singh vor zwei Jahren, der während des Ausnahmezustands 1991 Finanzminister war, brachte eine einflussreiche Stimme zum Schweigen, für die das Leistungsbilanzdefizit keine abstrakte Grösse, sondern existenzielle Bedrohung darstellte. Diese Erfahrung prägte eine vorsichtige, strategische Denkweise während Indiens Öffnungsphase in den 1990er- und 2000er-Jahren.
Was sich 2014 unter Modi änderte, war das Gefühl, Indien habe es geschafft – auch weil das Land eine lange Phase ungestörten Wirtschaftswachstums erlebt hatte. Modi betrachtete die Globalisierung als so beständig, dass sie Indiens tiefere und selbstbewusstere Integration in die Weltmärkte rechtfertigte. Chinas Aufstieg veränderte zudem die indischen Ambitionen. Die zugrundeliegende Annahme der Eliten war, Indien sei zu gross, um zu scheitern. Diese Vorstellung führte zu Selbstzufriedenheit.
Hochmut kommt vor dem Fall, heisst es. Die Vereinten Nationen warnten im April, dass Südasien, in dem Indien die grösste Rolle spielt, durch den Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran die grössten Verluste erleiden wird. Die regionale Wirtschaft könnte um 3,6 % schrumpfen. Zum Vergleich: In Ostasien, das von China dominiert wird, liegt der Wert lediglich bei 0,4 %. Die UN argumentiert, dass diese Widerstandsfähigkeit nicht auf einer immer stärkeren Abhängigkeit von fragilen globalen Märkten beruht, sondern auf der heimischen Produktionskapazität, strategischen Reserven an lebenswichtigen Gütern und der Priorisierung wirtschaftlicher Sicherheit gegenüber brüchiger Effizienz. Das liest sich wie eine Absage an die Grundsätze der Globalisierung.
Die Zeit nach 1990 war eine ungewöhnlich stabile Ordnung, die es Ländern wie Indien erlaubte, Abhängigkeiten von aussen zu tolerieren, die sie einst als riskant betrachtet hatten. Die Iran- Krise – und die umfassendere geopolitische Fragmentierung – legen nun offen, wie kontingent und fragil diese Welt schon immer war.
Einleitung – Die zugrundeliegenden Fragen
Die nachfolgende Zusammenfassung beantwortet folgende Kernfragen:
Die Analyse stützt sich auf die in den vorangegangenen Antworten zitierten Quellen und erweitert diese um eine tabellarische Gegenüberstellung und kritische Einordnung.
***Teil 1: Schweizer Medien und Politik
1.1 Berichterstattung über die humanitäre Lage in Gaza und die Sumud-Flottille
Die Schweizer Medienlandschaft ist in der Berichterstattung über den Gaza-Krieg tief gespalten. Während die WOZ und die Republik eine explizit völkerrechtsbasierte, kritische Position einnehmen, vertreten NZZ und Tages-Anzeiger eine israel-freundlichere Linie.
Im Fall der Global Sumud Flotilla im April/Mai 2026, einem Hilfsschiff-Konvoi zur Durchbrechung der israelischen Blockade, berichteten die Schweizer Medien ausführlich über die Vorfälle. Die Bundesregierung reagierte hier besonders scharf, da auch Schweizer Staatsbürger betroffen waren. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bezeichnete die Behandlung der Teilnehmer als “unannehmbar” und bestellte den israelischen Botschafter ein .
1.2 Die WOZ: Systematische Verwendung des Genozid-Begriffs als völkerrechtliche Analyse
Die WOZ schreibt in eigener redaktioneller Autorschaft :
1.3 Die NZZ: Klare Ablehnung des Genozid-Vorwurfs
Die NZZ positioniert sich explizit gegen den Genozid-Vorwurf :
1.4 Der Tages-Anzeiger: Vermeidung des Genozid-Begriffs
Der Tages-Anzeiger verwendet den Genozid-Begriff nicht als eigene Kategorie, berichtete aber ausführlich über die diplomatischen Verwicklungen rund um die Flottille .
1.5 Die Republik als kritische Stimme
Die Republik identifiziert in der Deutschschweiz nur drei Redaktionen, die den Gaza-Krieg “humanistisch-universalistisch” und völkerrechtsbasiert abdecken: die Republik selbst, die WOZ und das Echo der Zeit.
Kritik der Republik an der Schweizer Berichterstattung :
1.6 Reaktionen der Schweizer Politik
Die offizielle Haltung des Bundesrates zum Gaza-Krieg ist geprägt von einem Spannungsfeld: Einerseits werden völkerrechtliche Appelle laut und die humanitäre Katastrophe anerkannt, andererseits lehnt die Regierung konkrete Sanktionen gegen Israel ab. Dies führte zu massiver Kritik aus der Zivilgesellschaft, von Parlamentariern und sogar aus dem eigenen Aussendepartement .
1.6.1 Reaktion auf die Flottillen-Zwischenfälle (April/Mai 2026)
Im Fall der Sumud-Flottille reagierte die Schweizer Politik besonders direkt:
Tabellarische Übersicht: EDA-Reaktion auf die Flottille
| Aspekt | Reaktion des EDA |
|---|---|
| Bewertung der Behandlung | “Unacceptable treatment” |
| Diplomatische Schritte | Einbestellung des israelischen Botschafters |
| Rechtliche Grundlage | Verstoß gegen Völkerrecht und Grundrechte |
| Eigenverantwortung | Teilnehmer handelten “at their own responsibility” |
1.6.2 Grundsatzposition des Bundesrates: Zwei-Staaten-Lösung und Völkerrecht
Der Bundesrat unterstützt offiziell die Zwei-Staaten-Lösung als einzigen Weg zu einem dauerhaften Frieden. Seine Haltung beruht auf dem Völkerrecht und den einschlägigen UNO-Resolutionen .
Konkret bedeutet dies:
1.6.3 Klare Ablehnung von Sanktionen und militärischem Embargo
Trotz des öffentlichen Drucks weigert sich der Bundesrat, schärfere Maßnahmen gegen Israel zu ergreifen. Er lehnte eine Motion der SP-Fraktion ab, die Folgendes forderte :
Lediglich die erste, unverbindlichere Forderung der Motion (Einsatz für Waffenstillstand und Völkerrecht) fand im Nationalrat eine Mehrheit (113 zu 65 Stimmen) .
1.6.4 Druck von innen und aussen
Die Zurückhaltung des Bundesrates führte zu erheblichem innenpolitischem Druck :
1.7 Tabellarische Einordnung: WOZ vs. NZZ vs. Tages-Anzeiger
| Merkmal | WOZ | NZZ | Tages-Anzeiger |
|---|---|---|---|
| Politische Linie | Links-alternativ, basisnah | Liberal-konservativ, wirtschaftsnah | Liberal, bürgerlich |
| Verwendung von “Genozid” | Ja, systematisch in eigener redaktioneller Verantwortung | Abgelehnt (“haltlos”) | Vermieden (nicht als eigene Kategorie) |
| Rahmung des Konflikts | Völkerrechtsbasierte Kritik an Israel | Israels Kampf gegen Terror, Selbstverteidigung | Ausgewogen, mit Tendenz zur israelischen Perspektive |
| Kritik an Schweizer Politik | Explizite Kritik | Weitgehend unterstützend | Neutral bis unterstützend |
1.8 Haltung der Schweizer Politik gegenüber Israel und Gaza – Tabellarische Übersicht
| Politische Ebene | Haltung gegenüber Israel | Haltung gegenüber Gaza / Palästina |
|---|---|---|
| Bundesrat / EDA (Exekutive) |
|
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| Parlament (Legislative) |
|
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| Zivilgesellschaft & Justiz (Druck von aussen) |
|
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1.9 Fazit Schweizer Medien und Politik: Ein struktureller Graben und eine zögerliche Regierung
Die Schweizer Medienlandschaft ist tief gespalten, während die Politik eine zurückhaltende, aber nicht tatenlose Linie fährt:
Teil 2: Internationale deutschsprachige Medien im Vergleich
2.1 Die deutsche Medienlandschaft
Die deutsche Berichterstattung weist ähnliche Strukturen auf. Die Zeitschrift Jacobin untersuchte mehr als 11.000 Beiträge deutscher Leitmedien :
2.2 Die Freie Universität Berlin stellte eine Asymmetrie in der Darstellung des Sterbens von Israelis und Palästinensern in deutschen Medien fest: Israelische Leben seien mit Würde und Empathie dargestellt worden, während der Tod von Palästinensern als unvermeidlich oder als Akt nationaler Selbstverteidigung Israels gesehen werde.
2.3 Das European Journalism Observatory (EJO) hält fest, dass in der Kriegsberichterstattung zentral ist, alle Kriegsparteien sowie die Bevölkerungen in ähnlichem Masse zu Wort kommen zu lassen und Quellen abseits der am Krieg beteiligten Militärs und Regierungen zu nutzen .
2.4 Tabellarische Übersicht der deutschen Medienlandschaft
| Medium | Politische Einordnung | Berichterstattung über Folter/sexuelle Gewalt | Verwendung des Begriffs "Genozid" | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Telepolis | Links-alternativ, investigativ | Ausführlich: UN-Bericht über Folter von >10.000 Häftlingen, 53 Todesfälle, sexuelle Misshandlung | Ja | Vom Deutschen Presserat bestätigte journalistische Sorgfalt |
| junge Welt | Links, dezidiert pro-palästinensisch | Explizit: "Völkermord", "Staatsterrorismus", "ethnische Säuberung"; Flottille als "Akt der Piraterie" | Ja, durchgehend | Gibt palästinensischen Stimmen breiten Raum |
| Süddeutsche Zeitung | Mainstream, liberal-konservativ | Berichtet, aber mit Zurückhaltung; Frame-Analyse: "kontextarm, von Einzelereignissen getrieben" | Nein | Täterrolle bei militanten Palästinensern, Rechtfertigung israelischen Vorgehens |
| Welt | Konservativ/rechts | Pro-israelische Tendenz; Frame-Analyse: "Kampf von Gut gegen Böse", "stark eskalierende Tendenzen" | Nein | Konflikt als Terrorismusbekämpfung gerahmt |
| Deutschlandfunk | Öffentlich-rechtlich | Späte Kritik (Juli 2025): Israels Vertreibungspläne als "Farce" und "Verhöhnung des Völkerrechts" | Nein | Kritik kommt "viel zu spät" (NachDenkSeiten) |
2.5 Wissenschaftliche Befunde zur deutschen Berichterstattung
2.6 Fazit deutschsprachige Medien
Die deutschsprachige Medienlandschaft ist gespalten:
Teil 3: Englischsprachige Mainstream- vs. Alternativmedien
3.1 Tabellarische Übersicht
| Medium | Typ | Berichterstattung über Folter/sexuelle Gewalt | Systematische Verzerrungen (laut Studien) |
|---|---|---|---|
| BBC | Mainstream (UK) | Ja: Investigativreportage (Dez. 2025) mit zwei Palästinensern, die von analer Vergewaltigung und sexueller Demütigung durch Hund berichten; zitiert israelische Ablehnung | Passivsprache in fast 80% der Sätze ("15 killed as Israel attacks" statt "Israel kills 15"); "Hamas-run health ministry"-Qualifier in 60% der Fälle; israelische Perspektive doppelt so gewichtet wie palästinensische |
| CNN | Mainstream (US) | Ja, aber oberflächlich: Bericht über UN-Folterbericht (Mai 2026) – nur 1:38 Minuten Länge | Ähnliche Muster wie BBC; laut Hochschule Guelma: "Voreingenommenheit in der Nachrichtenrahmung" |
| The New York Times | Mainstream (US) | Ja (über Kolumnist Nicholas Kristof): Dokumentiert Misshandlung durch Soldaten, Siedler und Shin Bet | Ähnlich wie BBC/CNN |
| The Guardian | Mainstream (UK) | Ja, aber selten: "Genozid" nur 21 Mal in 3 Jahren in Gaza-Berichterstattung verwendet | Wie BBC: Passivkonstruktionen, asymmetrische Gewichtung |
| Sky News | Mainstream (UK) | Geringe Intensität | 28% Wortanteil israelische Perspektive vs. 15% palästinensische; "Genozid" nur 12 Mal in 3 Jahren |
| Al Jazeera English | Alternativ (katarisch, aber international) | Ausführlich, leidenschaftlich, persönlich; lokale Reporter vor Ort | DOAJ-Studie: "Typischerweise menschlicher und leidenschaftlicher, die palästinensische Leidenschaft hervorhebend und die Schuld an der Gewalt israelischen Truppen zuweisend" – im Gegensatz zum "distanzierteren, objektiveren Stil westlicher Medien" |
| Mondoweiss | Alternativ (jüdisch-amerikanisch) | Explizit: "Genozid", "Folter", "sexuelle Gewalt als bewusstes Instrument des Völkermords"; dokumentiert Straflosigkeit (Fall Sde Teiman: alle Anklagen fallen gelassen, Netanyahu begrüßt) | Keine systematischen Verzerrungen nachweisbar; offen positioniert |
| The New Arab | Alternativ (pan-arabisch) | Dokumentiert NewsCord-Studie (April 2026) über strukturelle Einseitigkeit von BBC, Guardian, Sky News | Zitiert Studienautorin Nima Akram: "strukturelle Muster, die prägen, wie Millionen von Lesern Israels Völkermord in Gaza verstehen" |
3.2 Quantitative Verzerrungen im englischsprachigen Mainstream (laut NewsCord-Studie April 2026)
| Merkmal | BBC | Sky News | The Guardian |
|---|---|---|---|
| Passivsprache bei israelischen Angriffen | ~80% der Sätze | Ähnlich | Ähnlich |
| Wortanteil israelische Perspektive | Deutlich höher | 28% vs. 15% | Deutlich höher |
| "Genozid"-Nutzung (gesamter Gaza-Krieg) | 15 Mal | 12 Mal | 21 Mal |
| Humanisierung israelischer Geiseln vs. palästinensische Häftlinge | 60% vs. 29% | Ähnlich | Ähnlich |
| "Hamas-run health ministry"-Qualifier | 60% der Fälle | Geringer | Geringer |
3.3 UN-Berichte und Menschenrechtsorganisationen als Quellen
3.4 Fallbeispiel: Der Sde Teiman-Skandal – Wie Mainstream vs. Alternativmedien mit Straflosigkeit umgehen
| Phase | Ereignis | Mainstream-Berichterstattung (BBC, CNN, Guardian) | Alternativ-Berichterstattung (Mondoweiss, Al Jazeera) |
|---|---|---|---|
| August 2024 | Überwachungsvideo leckt aus: Palästinensischer Häftling in Sde Teiman mit scharfem Gegenstand anal vergewaltigt. Fünf Reserve-Soldaten angeklagt. | Ausführliche Berichterstattung; Soldaten in schwarzen Sturmhauben vor Kameras; Likud-Abgeordneter: "Ja, alles ist legitim, wenn es Nukhba [Elite-Hamas-Kämpfer] sind" | Wie Mainstream |
| März 2026 | Alle Anklagen fallen gelassen. Netanyahu begrüßt Entscheidung. | Kaum bis keine Berichterstattung über Einstellung der Anklagen | Ausführliche Berichterstattung; Einordnung als Beleg für systematische Straflosigkeit |
3.5 Fazit englischsprachige Medien
| Aspekt | Mainstream (BBC, CNN, NYT, Guardian, Sky) | Alternativ (Al Jazeera, Mondoweiss, The New Arab) |
|---|---|---|
| Berichterstattung über Folter/sexuelle Gewalt | Ja, aber mit Zurückhaltung, israelischen Gegenpositionen und sprachlichen Verzerrungen | Ja, explizit, als systemisches Problem, mit Fokus auf Straflosigkeit |
| Verwendung von "Genozid" | Extrem selten (12-21 Mal in 3 Jahren bei UK-Medien) | Ja, durchgehend |
| Quantitative Ausgewogenheit | Asymmetrisch (israelische Perspektive doppelt so stark) | Palästinensische Perspektive stärker gewichtet |
| Sprachliche Rahmung | Passivkonstruktionen, "Hamas-run health ministry"-Qualifier | Aktive Zuschreibung, konkrete Täterbenennung |
| Umgang mit UN-Berichten | Kurze Meldungen, oft ohne politische Schlussfolgerungen | Ausführliche Einordnung, Kontextualisierung |
| Thematisierung von Straflosigkeit | Marginal (Fall Sde Teiman: Vorfall ja, Einstellung der Anklagen nein) | Zentrales Narrativ |
***
Teil 4: Kritische Gesamtschau und Beantwortung der Ausgangsfragen
4.1 Wie objektiv war die Schweizer Berichterstattung?
Nicht objektiv im Sinne einer vollständigen, ausgewogenen und kontextualisierten Darstellung. Die Schweizer Medien berichteten:
Das Ungleichgewicht ist nicht durch böswillige Voreingenommenheit erklärbar, sondern durch strukturelle Faktoren: Schutzpflicht gegenüber eigenen Bürgern, diplomatische Kosten direkter Israel-Kritik und eine redaktionelle Kultur, die den Genozid-Begriff als "zu politisch" oder "nicht bewiesen" meidet – während UN-Ausschüsse und israelische Menschenrechtsorganisationen genau das Gegenteil nahelegen.
4.2 Wie berichteten internationale deutschsprachige Medien?
Die deutschsprachige Medienlandschaft ist polarisiert:
Die wissenschaftliche Forschung (Hafez, Hochschule Mittweida, NewsCord-Studie) bestätigt ein strukturelles Ungleichgewicht in der Mainstream-Berichterstattung: Der Fokus auf israelische Sicherheit und Terrorbekämpfung führt zur systematischen Unterbelichtung palästinensischen Leids und israelischer Menschenrechtsverletzungen.
4.3 Wie berichteten englischsprachige Mainstream- und Alternativmedien?
Mainstream-Medien (BBC, CNN, NYT, Guardian, Sky) berichten nicht mehr schweigend über Folter und sexuelle Gewalt – die BBC-Investigativreportage ist ein Beleg. Jedoch ist diese Berichterstattung geprägt durch:
Alternativmedien (Al Jazeera, Mondoweiss, The New Arab) bieten eine explizitere, menschenrechtszentrierte Perspektive, die von wissenschaftlichen Studien als faktisch fundierter und ausgewogener beurteilt wird – allerdings mit einer klar positionierten redaktionellen Linie, die eine klassische "Objektivität" im Sinne der Ausgewogenheit beider Seiten aufgibt zugunsten einer Parteilichkeit für die Opfer.
4.4 Was sagen die UN-Berichte und Menschenrechtsorganisationen?
Die UN-Berichte und israelischen Menschenrechtsorganisationen sind in ihrer Aussage eindeutig:
Diese Berichte werden von Alternativmedien ausführlich zitiert und eingeordnet, von Mainstream-Medien kurz und ohne politische Schlussfolgerungen erwähnt – und von der Schweizer Politik diplomatisch umschifft ("das entscheiden internationale Gerichte").
4.5 Abschliessende kritische Wertung
Die Berichterstattung über den Nahostkonflikt – ob in der Schweiz, in Deutschland oder im englischsprachigen Raum – ist nicht objektiv im Sinne einer wertneutralen, vollständigen und kontextualisierten Darstellung. Stattdessen zeigt sie ein Muster struktureller Asymmetrie:
Diese Befunde legen nahe, dass die vielzitierte "Objektivität" westlicher Medien im Nahostkonflikt oft eine strukturelle Parteilichkeit zugunsten Israels und zulasten der palästinensischen Opfer darstellt – ein Befund, der durch die wissenschaftliche Forschung (Hafez, Hochschule Mittweida, NewsCord, Guelma, DOAJ) breit abgestützt wird.
***Quellenverzeichnis mit klickbaren Links
1. Schweizer Politik und Behörden
2. Schweizer Medien (WOZ, Republik, NZZ, Tages-Anzeiger)
3. Studien und Analysen
4. UN-Berichte und Menschenrechtsorganisationen
5. Englischsprachige Medien (Mainstream & Alternativ)
6. Medienkritik und Analyse (Primärquellen)
Prof. Seyed Mohammad Marandi ist ehemaliger Berater des iranischen Atomverhandlungsteams. Er erörtert die Gründe für das Scheitern der Verhandlungen und die wahrscheinliche Wiederaufnahme der US-Angriffe. Er schildert die Resilienz der Iranerinnen und Iraner und erklärt aus seiner Sicht, weshalb der Iran die Oberhand in diesem Konflikt hat.
Übersetzung des Video-Transkripts
Warnung: Dieses Gespräch kann explizite Beschreibungen sexueller Gewalt enthalten.
Einleitung
Nora Barrows-Friedman: «Und bevor wir beginnen, eine Warnung: Diese Diskussion könnte explizite Beschreibungen sexueller Gewalt enthalten. Nora Barrows-Friedman hier mit meinem Kollegen Ali Abunimah. Ali, du hast gerade einen neuen Artikel veröffentlicht mit dem Titel 'Israels 7.-Oktober-Vergewaltigungsschwindel erhält einen 300-seitigen Neustart'. Darin wird ein neuer sogenannter Bericht einer zivilen Kommission untersucht, den grosse Medien als bahnbrechende Untersuchung zu angeblichen Massenvergewaltigungen am 7. Oktober präsentieren. Aber Ali, dein Artikel sagt, dass der Bericht keine Opferzahlen, keine transparente Fallliste, keine visuellen Beweise für Vergewaltigungen und keine forensischen Belege liefert, während er natürlich vertraute Behauptungen von diskreditierten Zeugen und Quellen wiederverwertet. Lege diesen Bericht dar – sagt er überhaupt etwas Neues? Und haben Israels Behauptungen über Massenvergewaltigungen neue Beweise zu melden?»
Die Berichterstattung der Medien
Ali Abunimah: «Ja, du hast recht, Nora. Dieser Bericht wurde von allen traditionellen Medien übernommen – CNN, Associated Press, BBC, New York Times, kanadische Medien. Er war überall, in europäischen Medien, und sie behandelten ihn, als wäre dies der endgültige Bericht, gegen den endlich niemand mehr argumentieren kann. Ich glaube, es war die Daily Mail, die ihn in ihrer Schlagzeile anpries: Dieser Bericht offenbare 'zum ersten Mal die ganze Verkommenheit der unvorstellbaren Schrecken, die von der Hamas begangen wurden, an denen einige auf der Linken immer noch zweifeln'. Für die Daily Mail war das also der Beweis – du kannst nicht mehr argumentieren.»
Wer steckt hinter dem Bericht?
«Fangen wir damit an, wer diesen Bericht veröffentlicht hat. Er wurde von einer sogenannten zivilen Kommission veröffentlicht. Es ist nicht wirklich eine zivile Kommission. Es ist eine Frau namens Kabel Cayam Levy. Zuschauer, die uns länger verfolgen, werden sich an sie erinnern. Sie ist im Grunde eine Betrügerin. Kurz nach dem 7. Oktober richtete sie diese sogenannte zivile Kommission ein und wurde von Regierungsführern auf der ganzen Welt empfangen, als wäre sie fast eine Vertreterin der israelischen Regierung, die diese grosse Untersuchung durchführen würde. Aber dann zerfiel das schnell. Vor etwa zwei Jahren wurde sie von den israelischen Medien selbst schwer diskreditiert. Sie wurde in den israelischen Medien für ihre schlampigen Forschungsmethoden angegriffen, die, ob man es glaubt oder nicht, sogar einige in der israelischen Regierung in Verlegenheit brachten.»
Die erfundene Gräuelgeschichte
«Ein Beispiel, das diese Quelle, dieser Regierungsbeamte, nannte, ist, dass sie die erfundene Gräuelgeschichte über palästinensische Kämpfer verbreitet hatte, die einer schwangeren Frau den Bauch aufschlitzten – eine Geschichte, die sich als unwahr erwiesen hat. Das verursachte Israel grosse Peinlichkeiten. Und das sagte dieser israelische Regierungsbeamte: 'Das ist kein Witz. Nach und nach haben sich Fachleute von ihr distanziert, weil sie unzuverlässig ist.' Sie wurde auch irgendwie beschuldigt, eine Betrügerin zu sein, die herumreist und Geld sammelt. Also stammt dieser Bericht von ihr.»
Gibt es etwas Neues?
«Und deine Frage, Nora: Gibt es etwas Neues? Das wollte ich mir sehr genau ansehen, weil er 300 Seiten umfasst. Es gibt all dieses Tamtam. Ich mache mir bei jeder Geschichte Sorgen: Was, wenn wir falsch liegen? Was, wenn es etwas gibt, das wir übersehen haben? Was, wenn etwas aufgetaucht ist, das all unsere bisherige Arbeit in den Schatten stellt? Also mussten wir dem Bericht grosse Aufmerksamkeit schenken. Ich habe ihn durchgearbeitet, und es gibt viel Material darin, aber bis heute – und dieser Bericht ändert nichts daran – hat Israel nicht einmal die grundlegendste anonymisierte Aufstellung vorgelegt, die man von jeder seriösen Untersuchung erwarten würde.»
Die unbeantworteten Fragen
«Wie viele Menschen haben angegeben, am 7. Oktober vergewaltigt worden zu sein? Wie viele tote Menschen wurden eindeutig als Vergewaltigungsopfer identifiziert? Wurden Familien offiziell mitgeteilt, dass ihre Angehörigen als vergewaltigt eingestuft wurden? Wie viele Fälle beruhen auf Berichten aus erster Hand? Wie viele beruhen auf angeblichen Augenzeugen oder Spekulationen oder auf dem Zustand von Leichen, der von Laien beobachtet wurde, die nicht in der Position waren oder nicht die Fachkenntnis hatten, sie zu beurteilen? Das sind die Fragen, die wir stellen, und die Zivilkommission beantwortet keine dieser Fragen. Sie bietet keine klare Opferzahl, keine transparente Fallliste, nur eine Wiederaufbereitung derselben Behauptungen. Und eines werde ich sagen, ich habe es schon früher gesagt und ich sage es nach der Lektüre dieses Berichts erneut: Es gibt immer noch nicht einen einzigen glaubwürdigen Fall einer Vergewaltigung am 7. Oktober – weder einer lebenden noch einer toten Person.»
Die diskreditierten Zeugen
Nora Barrows-Friedman: «Und Ali, in diesem angeblich neuen Bericht recyclen sie auch Behauptungen von angeblichen Augenzeugen, von denen sich herausgestellt hat, dass sie erfunden wurden und die schon vor langer Zeit diskreditiert wurden. Kannst du ein wenig über einige der Behauptungen dieser angeblichen Augenzeugen sprechen, die widerlegt wurden und jetzt wieder aufgewärmt werden?»
Ali Abunimah: «Ja, das sind vertraute Gesichter oder Geschichten für unsere langjährigen Leser und Zuschauer. Das Bemerkenswerte an dem Bericht der Zivilkommission ist, dass er kein einziges Opferzeugnis aus erster Hand einer Vergewaltigung enthält – bis auf eines, das sehr, sehr unglaubwürdig ist. Darauf kann ich später eingehen, wenn wir wollen, aber es gibt wirklich keine, von denen man sprechen könnte. Es geht also nur um Augenzeugen, um all diese Geschichten, die wir schon gehört haben.»
Die Geschichte von Sapir
«Ein Beispiel ist eine Frau namens Sapir. Sie wurde in den israelischen Medien nur mit ihrem Vornamen identifiziert. Das ist eine alte Geschichte, die in dem berüchtigten Artikel 'Screams Without Words' von Jeffrey Gettleman vorkam, den die New York Times im Dezember 2023 veröffentlichte und der angeblich die definitive Berichterstattung über die Vergewaltigungen vom 7. Oktober war. Wir alle erinnern uns, dass diese Geschichte zerfiel. Sie wurde vollständig diskreditiert. Woher wissen wir, dass sie diskreditiert wurde? Nicht nur weil Electronic Intifada oder Mondoweiss oder The Grayzone das sagten, sondern weil der eigene Podcast der New York Times, 'The Daily' – viele in unserem Publikum in den USA hören 'The Daily' – sich weigerte, Jeffrey Gettlemans Artikel zu behandeln, weil sie wussten, dass er diskreditiert war und man sich nicht auf ihn verlassen konnte.»
Die Geschichte von Gal Abdush
«Diese Geschichte aus dem Jeffrey-Gettleman-Artikel – eigentlich mehrere der diskreditierten Geschichten. Eine heisst Gal Abdush, eine israelische Frau, die am 7. Oktober getötet wurde. Die New York Times behauptete, sie sei vergewaltigt worden. Ihre Familie trat sofort an die Öffentlichkeit und sagte: 'Sie wurde nicht vergewaltigt. Das ist unmöglich. Wir waren buchstäblich eine Minute vor ihrem Tod mit ihr am Telefon, und sie wurde nicht vergewaltigt. Wir wurden von der New York Times belogen, weil sie uns nicht sagten, dass sie sie in ihrer Berichterstattung als Vergewaltigungsopfer darstellen würden. Wir dachten, sie würden nur über den 7. Oktober berichten und was passiert ist.' Diese vollständig diskreditierte Geschichte von Gal Abdush ist im Bericht der Zivilkommission enthalten – ohne ihren Namen, in den Fussnoten vergraben, aber sie ist enthalten.»
Die Sieben-Köpfe-Geschichte
«Ein anderer Fall ist Sapir, diese angebliche Augenzeugin, von der ich angefangen habe zu sprechen, die behauptete, diese völlig fantastische Szene beobachtet zu haben, wie Hamas-Kämpfer eine Gruppe israelischer Frauen vergewaltigten, dann schnitten sie einigen der Frauen die Köpfe ab und tanzten mit sieben Köpfen herum. Das ist es, was Jeffrey Gettleman in der New York Times berichtete, aber ohne jede Nachverfolgung oder Bestätigung. Du hast mich schon früher sagen hören: Wo sind die Leichen? Wo sind die sieben Köpfe? Wo sind all die forensischen Beweise? Wie heissen die Opfer? Wo sind ihre Familien, um diesen absoluten Horror anzuprangern? Würden wir nicht israelische Beamte und pro-israelische Medien hören, die diese Geschichte ständig wiederholen und uns die Namen und Gesichter dieser Frauen zeigen, die vergewaltigt und dann geköpft wurden?»
«Nun, Sapirs Geschichte erscheint in dem Bericht der Zivilkommission – aber ohne die abgetrennten Köpfe. Dieser Teil der Geschichte ist verschwunden. Wie glaubwürdig ist sie also? Sie glauben ihr bezüglich der Vergewaltigung, aber sie glauben ihr nicht bezüglich der sieben Köpfe. Das ergibt keinen Sinn. Und der Bericht ist voll von dieser Art Zeug, das wir schon gesehen haben.»
Die Zaka-Ersthelfer
«Zaka, die sogenannten Ersthelfer, die Geschichten erfanden – und zugegeben haben. Unser Kollege Asa Winstanley – wir haben eine Geschichte in Electronic Intifada von Asa – darüber, wie einer der wichtigsten Zaka-Ersthelfer zugab, Geschichten erfunden zu haben. Und er sagt: 'Weiss ich es? Ich sah diese Szene und ich nahm an, es müssen verbrannte Kinder gewesen sein.' Sie erfanden die Geschichten von geköpften Babys, verbrannten Kindern, der Frau, deren Bauch aufgeschlitzt wurde und der Fötus herausgezogen wurde.»
Ramy Devidian
«Und ich sage, einer der eklatantesten Fälle ist Ramy Devidian – ein vertrautes Gesicht in der Sendung, können wir ihn so nennen? Das ist Ramy Devidian, dieser Bauer von einem Kibbuz, der in Cheryl Sandbergs Film 'Screams Before Silence' auftrat, der früheren Facebook-Managerin und Milliardärin Cheryl Sandberg, um den Schwindel von den Massenvergewaltigungen zu bewerben. Ramy Devidian ist darin. Er reist um die Welt, kassiert hohe Gagen, Spenden, Vortragshonorare, erzählt seine Geschichten, dass er am 7. Oktober Hunderte von Israelis im Alleingang gerettet habe, darunter Frauen, die kurz vor einer Vergewaltigung standen oder vergewaltigt wurden, und er habe Schreckensszenen miterlebt. Und er wurde in den israelischen Medien vollständig diskreditiert. Das war vor etwa einem Jahr.»
«Und ich möchte dir vorlesen, was der israelische Investigativjournalist von Channel 13, einem grossen israelischen Sender, der diese Enthüllung über Ramy Devidian machte, über Ramy Devidians Geschichten sagte: 'Das sind keine leichten Übertreibungen, bei denen die Zahl der Geretteten leicht aufgebläht wird. Absolut nicht. Es sind von Anfang bis Ende erfundene Geschichten. Haarsträubende Geschichten, die nie, niemals stattgefunden haben.' Und doch: Wenn du den Bericht der Zivilkommission durchgehst, wird Ramy Devidian wiederholt als Quelle verwendet. Zaka, die Lügner über geköpfte und verbrannte Babys, werden in dem Bericht wiederholt verwendet. Sapirs Geschichte – minus der Hamas-Männer, die mit sieben Köpfen herumtanzen – ist darin enthalten, und so weiter und so fort. Alles ist darin enthalten, nichts Neues.»
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung
Nora Barrows-Friedman: «Unglaublich. Und natürlich, Ali, sprich über den Zeitpunkt dieses neuen Berichts. Hoffen die Verteidiger Israels wirklich, dass dies das Ding sein wird, das die öffentliche Meinung endlich wieder zugunsten von Israels Völkermord umschwenken lässt?»
Ali Abunimah: «Nun, der Zeitpunkt ist interessant. Offensichtlich brauchte dieser Bericht Zeit zur Vorbereitung – mehrere hundert Seiten und sehr wenig Beweise, aber viel pseudo-juristische Analyse und eine sehr nüchtern klingende Sprache, die man nicht in ein paar Tagen aus dem Ärmel schütteln kann. Aber ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass sie den Bericht während dieses Aufruhrs in der letzten Woche über Nick Kristofs Artikel in der New York Times veröffentlichten. Ich glaube, wir haben letzte Woche mit Adam Johnson darüber gesprochen – der zum ersten Mal auf bedeutende Weise in der New York Times über Israels systematische sexuelle Gewalt gegen Palästinenser berichtete.»
«Und Nick Kristofs Bericht sprach nur über einen Bruchteil dessen, was bekannt ist – einige wichtige Berichterstattung, Anerkennung, wo sie fällig ist, obwohl wir letzte Woche mit Adam Johnson unsere Kritikpunkte besprachen. Aber der Punkt ist: Dieser Aufruhr war im Gange, und ich glaube, sie haben diesen Bericht der Zivilkommission schnell herausgegeben, um ihn zu begraben oder das Thema zu wechseln, um zu sagen: 'Seht her, wir sind auch Opfer.' Ich weiss nicht, ob sie glauben, dass dies die Erzählung ändern wird. Es brachte ihnen grosse Schlagzeilen – darüber spreche ich in meinem Artikel über den Bericht der Zivilkommission. Also schafften sie es wieder auf die Titelseiten der grossen Medien, und ich glaube, sie werden einfach weitermachen, denn was bleibt ihnen sonst übrig? Aber es ist ein Versuch, die Erzählung von dem abzulenken, was Israel den Palästinensern antut.»
Was die Öffentlichkeit beachten sollte
Nora Barrows-Friedman: «Sonst noch etwas, was du über diesen neuen Bericht sagen möchtest und worauf die Leute achten sollten, wenn sie diese Art von Schlagzeilen sehen, die, wie du sagst, immer wieder auftauchen, um Palästinenser zu diskreditieren, um Beweise für Völkermord zu diskreditieren, um Beweise für sexuelle Übergriffe und Folter durch Israelis in Gefängnissen zu diskreditieren? Worauf sollten die Leute achten?»
Ali Abunimah: «Es ist für mich einfach aussergewöhnlich, wie sehr Israel an dieser Erzählung hängt – genauso wie Israel an vielen falschen Erzählungen hängt. Aber es ist deprimierend, wie beständig sie die Mainstream-Medien in ihren Bann zieht und wie diese nicht bereit sind, einfach die Arbeit zu tun, die Journalisten tun sollten, nämlich die Beweise tatsächlich zu untersuchen.»
Das Beispiel NewsGuard
«Ich gebe dir ein Beispiel. Es gibt diese Firma namens NewsGuard, die Medien bewertet. Praktisch jedes Medienunternehmen hat eine Bewertung von ihnen. Sie nennen sie Nährwertkennzeichnungen. Sie erstellten vor drei Jahren zum ersten Mal einen Bericht über uns, und jedes Jahr schicken sie uns Fragen, fordern uns heraus, und sie fordern immer unsere Berichterstattung zu diesem Thema heraus und sagen: 'Aber es gibt all diese Beweise.' Und dann zitieren sie uns dieselbe diskreditierte Berichterstattung, die wir tatsächlich widerlegt haben. Ich sage ihnen – das beschäftigt mich, weil wir diese jährliche Übung erst gestern wieder mit ihnen durchgemacht haben – sie sagen: 'Ihr habt gerade diesen Bericht veröffentlicht.' Morgen können wir meinen Artikel wieder posten, um die Leute daran zu erinnern: 'Israels 7.-Oktober-Vergewaltigungsschwindel erhält einen 300-seitigen Neustart.'»
«Also schicken sie mir eine E-Mail darüber und sagen: 'Ihr sagt, euer Bericht sagt dies und jenes, aber es gibt umfangreiche Beweise für Vergewaltigungen.' Und dann zitieren sie mir all die diskreditierten Quellen, die in dem Bericht sind, den wir untersuchen – nicht nur in diesem aktuellen Artikel, sondern über drei Jahre hinweg. Meine Antwort an sie ist: 'Ihr fordert meinen Artikel heraus, aber ihr habt keinen einzigen Satz, keine einzige Aussage, kein einziges Faktum in dem Artikel genannt, das ihr überprüfen könnt. Wenn ihr also gehen und zu uns zurückkommen wollt und sagt: "Wir bestreiten diese Aussage in eurem Artikel, hier ist die Grundlage und die Beweise, auf denen wir sie bestreiten", wie lautet eure Antwort?' Nun, wenn sie das tun, werde ich sehr gerne antworten. Aber sie haben keinen einzigen Satz angefochten. Und das ist die Realität, mit der wir es zu tun haben: Die Mainstream-Medien betreiben Propaganda. Und es bleibt uns immer wieder überlassen, diese Lügen zu widerlegen – die, erinnern wir uns, nicht harmlos sind. Ihr Ziel und ihre Aufgabe ist es, Völkermord zu rechtfertigen.»
Gaslighting und Frustration
Nora Barrows-Friedman: «Gut gesagt. Danke. Und es tut mir leid, dass du das immer wieder tun musst. Es ist einfach Gaslighting, immer und immer wieder. Also danke, dass du das tust, und es tut mir leid. Und natürlich kannst du das auf electronicintifada.net lesen, wo wir alle unsere neuesten Beiträge haben. Das ist 'Israels 7.-Oktober-Vergewaltigungsschwindel erhält einen 300-seitigen Neustart' von Ali. Ich weiss nicht, was ich sonst sagen soll. Es ist einfach widerlich, diese Lügen und diese Schwindel und diese Behauptungen, bei denen man jedes Mal Israels Wort nehmen soll. Aber das ist die Landschaft, mit der wir es zu tun haben.»
Über die kranke israelische Gesellschaft
Ali Abunimah: «Kann ich kurz etwas sagen?»
Nora Barrows-Friedman: «Ja, bitte.»
Ali Abunimah: «Als Antwort darauf: Was das über Israel und ihre kranke Gesellschaft enthüllt, ist, dass sie glauben, wenn sie eine Fantasie erfinden, rechtfertige das jedes Verbrechen, das sie begehen. Und das sagt mehr über Israel aus, als ich denke, irgendetwas anderes zeigen könnte, denn diese beiden Dinge gehören nicht zusammen. Aber sie glauben so sehr daran, dass es sie rechtfertigt, dass sie diese Fantasien erfunden haben, aus dem Nichts geschaffen. Und wenn die Leute verstehen, dass das passiert ist, dann wird jeder die völkermörderische Amoklauf-Tötung von 20.000 Kindern billigen? Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen auf der Welt das so sehen. Es enthüllt einfach ihre kranke Gesellschaft, finde ich.»
Die zeitliche Abstimmung mit Kristofs Artikel
Nora Barrows-Friedman: «Und zu denken, dass das am selben Tag wie der Kristof-Artikel herauskam – das ist zu viel Zufall. Das kann ich nicht glauben. Offensichtlich wurde jemand vorgewarnt, dass es passieren würde.»
Ali Abunimah: «Ja, ich glaube, das ist ziemlich wahr, Nora. Wenn wir die glaubwürdigen Berichte über die systematische Vergewaltigung palästinensischer Gefangener durch israelische Gefängniswärter und israelische Streitkräfte lesen, taucht immer wieder auf, dass sie sagen: 'Nun, erinnert euch, was sie am 7. Oktober getan haben.' Sie beziehen sich dabei auf diesen Massenvergewaltigungsschwindel, um es im Wesentlichen zu rechtfertigen.»
Die wandernde Ausstellung
Asa Winstanley: «Ich möchte ein paar andere Punkte zu dem, was du gesagt hast, Ali, ansprechen. Und wie Nora sagte, nochmals danke, dass du dieser Geschichte unerbittlich gefolgt bist. Du warst die Person, die ihr wirklich am meisten gefolgt ist und die am meisten getan hat, um all das zu widerlegen.»
«Es gab diese Woche einen Tweet von der britischen – ich glaube, sie ist ursprünglich Amerikanerin, aber britischen Kolumnistin Hadley Freeman. Sie arbeitete früher für den Guardian, jetzt arbeitet sie für die Sunday Times. Sie machte diesen Tweet – und anscheinend gibt es eine neue Ausstellung in London über das Nova-Festival, die Supernova-Rave-Ausstellung. Es ist die wandernde Ausstellung. Sie haben das in den ganzen USA gemacht. Sie twitterte darüber, wie vernichtend sie sei und so weiter. Und das vierte Bild, das sie dort postete, ist tatsächlich ein Zitat von – ratet mal wem? – Ramy Devidian. Diese wandernde Ausstellung verbreitet also offen Zeug, das nicht nur von Electronic Intifada widerlegt wurde, sondern von einem israelischen Journalisten. Dieser Typ war ein kompletter Fantast, und dieses Zitat zeigt ihn, wie er über 'nackte Mädchen, die mit gespreizten Beinen an Bäume gebunden sind, und ich schneide sie los' spricht – völlige Fantasieszenen, die komplett aus dem Nichts erfunden wurden. Und das wird als völlig glaubwürdig behandelt.»
Die grosse Lüge
«Und das Letzte, was ich sagen möchte, ist, dass es hier um die grosse Lüge geht. Was die Nazis verstanden – und was die Nazis sagten – ist: Du musst nur mit dieser grossen Erzählung gross genug auftreten. Es ist wie die Geschichte, über die ich jahrelang in diesem Zusammenhang berichtete: der sogenannte linke Antisemitismus, der gefälschte Antisemitismus, der benutzt wurde, um Jeremy Corbyn anzugreifen, der gegen Jeremy Corbyn als Waffe eingesetzt wurde. Du hast einfach diese grosse Erzählung: 'Natürlich gibt es Antisemitismus in der Labour Party. Natürlich gibt es ein Problem mit Antisemitismus. Natürlich haben Palästinenser am 7. Oktober vergewaltigt. Was würdest du von diesen barbarischen Palästinensern auch erwarten? Natürlich haben sie vergewaltigt.' Wenn du nach Beweisen fragst – dieses kleine unbequeme Ding namens Beweise – dann heisst es: 'Na, du bist ein Entschuldigungssucher.'»
Der doppelte Massstab
Ali Abunimah: «Ich stimme dir da völlig zu, Asa. Und es ist lustig, weil du Leute als Reaktion auf den Nick-Kristof-Artikel bekommst – all diese pro-israelischen Leute zitieren den grossen Carl Sagan, den Kosmologen, dessen berühmter Ausspruch war: 'Aussergewöhnliche Behauptungen erfordern aussergewöhnliche Beweise.' Und er sprach natürlich über Behauptungen ausserirdischen Lebens. Aber alle diese Leute zitieren das im Zusammenhang mit den Beweisen für israelische systematische Vergewaltigung und sexuelle Folter von Palästinensern. Sie sagen: 'Nun, diese Behauptungen sind so aussergewöhnlich, ihr braucht aussergewöhnliche Beweise. Wo sind sie?' Fair enough. Es gibt buchstäblich Video davon, wie Israelis für das Recht demonstrieren, Menschen zu vergewaltigen. Das kann man sich nicht ausdenken. Es gibt so viele Beweise. Du hast israelische Politiker, du hast israelische Talkshows, die die Vergewaltiger willkommen heissen. Du hast all diese Beweise, einschliesslich vieler, vieler, vieler Opferzeugnisse aus erster Hand – etwas, das du im israelischen Fall nicht hast.»
«Aber diese Behauptung – 'aussergewöhnliche Beweise erfordern aussergewöhnliche Beweise' – wird nie auf Israels Behauptungen angewandt. Und ich spreche jetzt nicht davon, dass Israel sagt, was es sagen will, aber die Medien behandeln jede Geschichte über Palästinenser – wir haben das letzte Woche besprochen. Für diejenigen, die unser Interview mit Adam Johnson nicht gesehen haben, dem Autor von 'How to Sell a Genocide' – geht zurück und schaut es euch an. Denn sie werden etwas wie die Bombardierung des Al-Ahli-Krankenhauses zu Beginn des Völkermords behandeln – die von Israel bombardiert wurde, Menschen getötet wurden – wochenlang debattierten sie: 'War es eine Hamas-Rakete oder eine PIJ-Rakete oder was?' Weil Israel niemals Krankenhäuser bombardieren würde. Israel bombardiert niemals Krankenhäuser.»
Der rassistische Massstab
«Es ist dasselbe. Und letztlich ist es ein rassistischer Massstab, ein rassistischer Doppelstandard: Dass man alles glauben muss, was Israel oder Israelis sagen, und dass Palästinenser Lügner sind, es sei denn, eine europäische oder amerikanische Organisation oder ein Journalist kommt und bestätigt ihre Aussagen jenseits jedes vernünftigen Zweifels. Und selbst dann ist es nur eine Ausnahme, ein paar schwarze Schafe, nicht systemisch.»
Die EU und Itamar Ben-Gvir
Nora Barrows-Friedman: «Genau. Wie, willst du darüber sprechen, was mit dieser sogenannten internationalen Verurteilung von Itamar Ben-Gvir passiert? Auf einmal sind all diese EU-Führer aufgebracht darüber, dass Itamar Ben-Gvir prahlt, wie er Gefangene in israelischen Gefängnissen misshandelt – aber sie hatten keine Bedenken bezüglich der jahrzehntelangen Folter von Palästinensern. Und Itamar Ben-Gvir prahlt mit seiner Noppenbrosche, weil er so aufgeregt ist, die Todesstrafe durch Hängen für Palästinenser wieder einzuführen, die nicht einmal eines Verbrechens verurteilt sind – im Grunde nur dafür, dass sie Palästinenser sind.»
Asa Winstanley: «Kann ich, da wir gerade Tweets zeigen, einen anderen zeigen. Gestern, Nora, hast du das zu Recht angesprochen. Wir hatten all diese EU-Führer und die Europäische Union, die Itamar Ben-Gvir verurteilten. Er ist irgendwie der Buhmann. Ja, er ist böse, er ist widerlich, er ist ein Schläger. Er war stolz auf Video zu sehen, wie er die gefangenen Flottillen-Aktivisten angriff. Also sind alle so: 'Oh mein Gott, das ist so schrecklich.' Sogar Netanjahu kritisierte ihn: 'Das sind nicht wir.' 'Das sind nicht wir. Das entspricht nicht den israelischen Normen und Werten', was Netanjahu tatsächlich sagte. Und ich stimme ihm darin zu, denn israelische Normen und Werte bedeuten, weit Schlimmeres mit Gefangenen zu tun – sie zu ermorden, sie zu foltern. Diese Gefangenen wurden misshandelt, und das ist keine Entschuldigung dafür, keine Verharmlosung. Aber Israel war bereit, das stolz vor laufenden Fernsehkameras zu tun. Was wir nicht sehen, ist, was sie palästinensischen Gefangenen in Gefängnissen und Folterlagern wie Sde Teiman antun – oder wir sehen es, aber nur einen Bruchteil.»
«Die Europäische Union kritisierte in einer koordinierten Kampagne alle Ben-Gvir, sie schüttelten alle mit dem Finger. Ich möchte diesen Tweet von mir von letzter Woche zeigen. Das ist der EU-Botschafter in Tel Aviv, der sich vor ein paar Tagen mit einer israelischen Knesset-Abgeordneten namens Meav Ben-Ari trifft. Er spricht darüber, wie er einen Tweet gepostet hat – eigentlich, lassen Sie mich den Tweet zeigen – darüber, wie er sie getroffen hat und wie sie über die Zukunft der EU-israelischen Beziehungen sprechen und wie eng sie sind. Und wer ist Meav Ben-Ari? Sie ist die Frau, die einige Wochen nach Beginn des Völkermords im Knesset die folgenden Worte sagte: 'Die Kinder Gazas haben sich das selbst eingebrockt. Die Kinder Gazas haben sich das selbst eingebrockt.'»
«Der Punkt, den ich machen möchte, ist: Die ganze Kritik an Ben-Gvir – er ist nur ein Buhmann, um den Rest Israels zu beschönigen. Während die Europäische Union, die britische Regierung, natürlich die Vereinigten Staaten, der ganze Rest der EU sich gerne mit diesen absoluten völkermörderischen Monstern treffen, lächelnd mit ihnen gesehen werden, Geschäfte mit ihnen machen. Und sie beschönigen all das mit dieser performativen Kritik an Itamar Ben-Gvir.»
Eine überraschende Verteidigung
«Nun, ich werde jetzt etwas sagen: Sie sind extrem unfair zu Itamar Ben-Gvir, und ich werde ihn hier auf Electronic Intifada verteidigen, denn er verdient es nicht, herausgegriffen zu werden. Ja, Itamar Ben-Gvir ist ein völkermörderisches Monster, aber er ist nur eines von vielen, einschliesslich der engen politischen Freunde und Geschäftspartner und Deal-Macher der Europäischen Union, der britischen Regierung und des gesamten sogenannten Westens.»
Nora Barrows-Friedman: «Danke dafür. Ja, ich meine, er ist ein ehrliches Gesicht. Er ist der Buhmann. Er ist vielleicht ein Maskottchen für die israelische Gesellschaft. Aber sie ist aufgebaut auf diesen völkermörderischen Monstern, diesen Leuten, die offen und unverfroren Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland abschlachten, Menschen im Libanon abschlachten und das Leben der Menschen im Iran zerstören. Und die EU ist mehr als glücklich, die Waffen weiterfliessen zu lassen, die völkermörderische israelische Armee weiter mit Kugeln und Humvees und Quadcoptern zu versorgen, um das Gemetzel am Laufen zu halten. Es ist also alles leere Rhetorik und, wie immer, nur performativ.»
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Kommentar: Es scheint mir bezeichnend, dass Israel in dem Moment, wo Mitglieder der Sumud-Flotille aus israelischen Gefängnissen entlassen werden, wo sie gefoltert und teilweise vergewaltigt wurden und nach Hause zurückkehren, diese längst widerlegten Geschichten neu auftischt.
Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen
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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)
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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.