
Es sind nicht nur die Führer der EU, die in einen selbstmörderischen Krieg mit Russland ziehen wollen. Die Psychose hat längst die Strassen von Berlin, Brüssel und Paris erreicht. Massenbildung ist das psychologische Phänomen, das erklärt, warum ganze Nationen plötzlich bereit sind, ALLES für eine tödliche Ideologie zu opfern. Leider ist die EU bereits weit auf diesem Weg vorangeschritten. Heute spreche ich mit Dr. Mattias Desmet, Professor für Klinische Psychologie in Belgien und Autor von "The Psychology of Totalitarianism", über Massenbildung, Totalitarismus, Propaganda, Einsamkeit, Meinungsfreiheit, Kriegsnarrative und die emotionale Anziehungskraft des Gruppenglaubens. Das Gespräch behandelt den Unterschied zwischen Diktaturen und totalitären Staaten, die Rolle von Bildung und Medien sowie Aufrichtigkeit als Mittel, um sich gegen Massenhypnose zu wehren.
Zusammenfassung des Videos
Einleitung und zentrales Thema
Pascal Lottaz begrüsst Dr. Matthias Desmet, Professor für klinische Psychologie in Gent, Psychotherapeut und Experte für Massenbildungstheorie sowie Autor von "Die Psychologie des Totalitarismus". Lottaz bezeichnet Desmet als eine wichtige Stimme während der Covid-19-Pandemie und fragt nach dem Zusammenhang zwischen Massenbildung und Totalitarismus.
Desmets wissenschaftlicher Werdegang und die Entdeckung der Massenbildung
Desmet begann seine Promotion 2003 mit klassischer psychologischer Forschung zu Persönlichkeitsmerkmalen und Depression, zweifelte jedoch bald an der Gültigkeit der Forschungsmethoden. Nachdem er die Erlaubnis erhielt, die Methoden selbst zu untersuchen, begann zwei Jahre später die sogenannte Replikationskrise in den Wissenschaften. Sie zeigte, dass über 85% der veröffentlichten Studien nicht reproduzierbar sind und damit keine wissenschaftliche Gültigkeit besitzen. Desmet veröffentlichte sein erstes Buch "Das Streben nach Objektivität in der Psychologie", in dem er deutlich machte, dass psychologische Messmethoden weder zuverlässig noch gültig sind.
Die Geburtsstunde der Massenbildungs-Theorie
Bei Vorträgen zu seinen Erkenntnissen beobachtete Desmet ein seltsames Phänomen: Nur 2-3% des Publikums waren begeistert, während über 90% wütend auf ihn wurden. Auf die Bitte, ihm seinen statistischen oder mathematischen Fehler zu zeigen, erhielt er nie eine Antwort. Dies weckte sein Interesse daran, warum selbst hochintelligente Menschen unter bestimmten Bedingungen an völlig absurde Narrative glauben und sich weigern, diese loszulassen. Um 2013 begann er sich mit Massenpsychologie zu beschäftigen, da sich diese "Expertenblindheit" nicht mit individueller Psychologie allein erklären liess. Er prägte den Begriff "Massenbildung" (bereits bei Gustave Le Bon und Sigmund Freud vereinzelt verwendet), um das Phänomen zu beschreiben, bei dem Menschen nicht mehr mit kritischer Distanz auf die Überzeugungen ihrer Gruppe schauen können, bereit zu radikalem Selbstopfer und radikal intolerant gegenüber abweichenden Stimmen werden.
Massenbildung als Grundlage des Totalitarismus
Desmet erkannte, dass Massenbildung die psychologische Grundlage des Totalitarismus ist. Totalitäre Staaten wie Nazi-Deutschland oder die Sowjetunion unterscheiden sich fundamental von klassischen Diktaturen: In einer klassischen Diktatur hat das Regime alle Waffen, die Menschen gehorchen aus Angst vor Gewalt. Ein totalitärer Staat dagegen entsteht aus der Bevölkerung selbst. 20-30% der Bevölkerung beginnen fanatisch an eine Ideologie zu glauben (z.B. Rassentheorien oder Marxismus). Durch die emotionale Funktion dieser Ideologie entwickelt sich eine Massenbildung: Die Betroffenen werden blind für alles, was der Ideologie widerspricht, opfern sich radikal und werden aggressiv gegen Andersdenkende.
Rhetorisch begabte Figuren wie Hitler oder Lenin nutzen diese Massen, um die Macht zu ergreifen. Es entsteht ein System mit riesiger Geheimpolizei. Die fanatischen 20-30% sind bereit, selbst nächste Familienmitglieder zu verraten, wenn diese der offiziellen Linie nicht folgen. Desmet schildert das Beispiel einer Frau aus dem Iran während der Revolution 1978, deren Mutter ihren eigenen Sohn denunzierte, ihm die Schlinge um den Hals legte und danach stolz eine Medaille entgegennahm. Ähnliches ereignete sich in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg, wo 20-30% der Bevölkerung der Geheimpolizei angehörten und Familienmitglieder einander verrieten. Desmet beantwortet zwei zentrale Fragen: Der Unterschied zur Diktatur ist die Massenbildung, und die Entstehung des Totalitarismus im 20. Jahrhundert liegt darin, dass Massenbildung aufgrund zunehmender gesellschaftlicher Atomisierung (Einsamkeit) immer stärker geworden ist.
Bildung als Risikofaktor und aktuelle Kriegsnarrative
Bildung macht nicht widerstandsfähiger, sondern anfälliger für Massenbildung. Bereits Gustave Le Bon und später Jaquel ("Propaganda") stellten fest: Je länger Menschen zur Schule gehen, desto leichter werden sie Opfer von Propaganda. Das Schulsystem sei eine unbewusste Indoktrination, die nicht selbständiges Denken lehrt, sondern allen das gleiche Denken beibringt – eine psychologische Vorbereitung auf spätere Propaganda. Dies zeige sich aktuell an den Kriegsnarrativen bezüglich Russland. Desmet argumentiert, dass die NATO expansionistische Politik betreibt und Russland unter Druck setzt, während Putins Regime nicht heilig sei. Eine ganze Bevölkerung übernehme die Erzählung vom "teuflischen Putin", ohne die andere Perspektive einzunehmen, etwa wie amerikanische Firmen 30% der Ukraine aufgekauft haben oder wie die CIA nach 2014 die Ukraine unterwanderte.
Die emotionale Dynamik der Massenbildung
Die Wut, mit der Menschen im Bann der Massenbildung auf Gegenargumente reagieren, ist charakteristisch. Desmet führt dies auf eine tiefgreifende metaphysische Revolution seit dem 17. Jahrhundert zurück. Vorher war die Weltsicht religiös, die erste Frage des Tages war ethisch: "Wie führe ich ein gutes Leben?". Danach wurde sie durch eine rationalistische, materialistische Weltsicht ersetzt, die den Menschen als primär rationales Wesen betrachtet. Das höchste Ziel wurde es, "so klug wie möglich zu sein" und im Überlebenskampf der Stärkste. Die Gründerväter der amerikanischen Demokratie (Jefferson u.a.) glaubten an den rationalen Menschen. Bereits 1810, nur 20-30 Jahre nach der amerikanischen Revolution, wussten sie jedoch, dass dies ein fataler Fehler war. Der Mensch ist nicht rational. Daraus entstand die moderne Propaganda als wichtigstes Organisationsprinzip der Demokratie. Propaganda zielt auf Emotionen und lässt Menschen die irrationalsten Dinge glauben. Die Demokratie tut so, als wäre sie ein System freier, vernünftiger Entscheidungen, ist aber im Kern ein System alltäglicher Täuschung durch Propaganda.
Der Mechanismus der Massenbildung Schritt für Schritt
Massenbildung beginnt mit Einsamkeit (Atomisierung, von Hegel erstmals beschrieben). Heute fühlen sich 40-60% der Menschen einsam, es gibt "Einsamkeitsepidemien" in Grossbritannien und den USA. Einsamkeit führt zu Sinnverlust – fast die Hälfte der Weltbevölkerung hält ihre Arbeit für sinnlos ("Bullshit Jobs"). Auf emotionaler Ebene entsteht daraus "freischwebende Frustration, Aggression und Angst" – ein schmerzhafter Zustand von Angst ohne konkretes Objekt. Wenn nun jemand über die Massenmedien ein konkretes Angstobjekt (z.B. ein Virus) und eine Bewältigungsstrategie (z.B. Lockdowns) anbietet, kann sich die gesamte freischwebende Angst auf dieses Objekt richten. Die Menschen übernehmen die Strategie nicht aus Vernunft, sondern weil sie psychologisch wie ein Ritual wirkt, das das Gefühl von Kontrolle vermittelt. Dadurch fühlen sie sich wieder verbunden, im gemeinsamen Kampf gegen das Angstobjekt. Sie scheinen der Einsamkeit zu entkommen.
Die zerstörerische Logik der Masse
Der entscheidende Punkt: In einer gesunden Gruppenbildung verbinden sich die Individuen miteinander. In einer Massenbildung dagegen verbinden sich alle Individuen mit demselben kollektiven Ideal. Die gesamte Energie und Liebe zwischen den Menschen wird umgeleitet in die Bindung jedes Einzelnen an das Kollektiv, das sich meist in Führungsfiguren (Stalin, Hitler) verkörpert. Die Menschen lieben dieses Ideal stärker als andere Individuen – deshalb können Mütter ihre eigenen Kinder denunzieren. In Wirklichkeit werden die Betroffenen immer ängstlicher, frustrierter und aggressiver und fühlen sich zugleich immer einsamer. Dadurch werden sie noch anfälliger für das nächste Narrativ – so wie nach dem Ende des Corona-Narrativs fast über Nacht das Ukraine-Narrativ übernommen wurde.
Das Gegenmittel: Aufrichtigkeit
Auf die Frage, wie man den Bann brechen könne, antwortet Desmet, dass die Wurzel der Einsamkeit der Verlust des Kontakts zur Wahrheit ist. Die materialistische Weltsicht betrachtet das Universum als Maschine, den Menschen als biologisches Wesen, dessen höchstes Ziel Überleben und Genuss ist. Wahrheit zu sagen ist in dieser Logik dumm, weil es angreifbar macht. Die westliche Gesellschaft, so Alexander Solschenizyn 1978 in Harvard, habe den Bezug zur Wahrheit verloren. Das Aufrichtige Sprechen aber ist das, was Menschen verbindet, indem es narzisstische Idealbilder zerstört.
Desmet verfolgt einen realistischen Ansatz: Massenbildung ist Massenhypnose. Nach Gustave Le Bon gibt es drei Gruppen: 20-30% sind völlig hypnotisiert; 60-65% spüren, dass etwas nicht stimmt, schweigen aber aus Druck; 10-20% sprechen sich aus. Die ausgesprochene Minderheit wird oft enttäuscht sein, weil die Hypnotisierten nicht aufwachen und Argumente keine psychologische Wirkung haben. Aber ihre Aufrichtigkeit verhindert, dass die Massen in die letzte Phase eintreten, in der sie zuerst alle Andersdenkenden und dann sich selbst vernichten. Wenn die abweichende Minderheit schweigt, werden die Massen zuerst die Andersdenkenden vernichten und dann sich selbst (wie in der Sowjetunion). Das einzige Heilmittel gegen eine Gesellschaft, die krank ist an Lügen, Manipulation und Propaganda, ist Aufrichtigkeit. Wahrheit ist grundlegend für den einzelnen Menschen und für das menschliche Zusammenleben.
Desmet schliesst mit dem Hinweis auf sein Buch (in 25 Sprachen übersetzt) und seinen Substack, auf dem er gelegentlich Essays veröffentlicht. Lottaz kündigt ein Folgetreffen an.
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Kommentar: Desmets Analyse der Massenbildung ist psychologisch teilweise erhellend (Einsamkeit, freischwebende Angst, Anfälligkeit auch Gebildeter). Seine politischen Schlüsse sind jedoch teilweise problematisch:
Fazit: Desmet liefert eine psychologisch teilweise wertvolle Phänomenbeschreibung, versagt aber bei der politischen Einordnung. Wer seine Theorie in Bezug auf die Politik ernst nimmt, müsste fragen, ob nicht auch er in einer "Gegen"-Massenbildung gefangen ist. Während es richtig und wichtig ist, die Politik des Westens kritisch anzuschauen, muss dies auch mit dem Autoritarismus passieren.
In Japan entsteht derzeit eine neue Friedensbewegung, die unter dem Namen «Pen Light Movement» zunehmend Aufmerksamkeit erregt. Sie kann in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung durchaus an die grossen Protestbewegungen der 1960er-Jahre anknüpfen.
Auffällig ist dabei vor allem ihr Charakter: Die Bewegung ist weitgehend gewaltfrei, kreativ und wird massgeblich von jungen Frauen getragen.
Die Proteste richten sich gegen Japans mögliche Beteiligung an internationalen Militärkonflikten, insbesondere im Kontext des US-israelischen Kriegs gegen Iran.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Wenn in Havanna die Lichter ausgehen, treffen die ausländischen Kameras ein, um die Dunkelheit zu filmen.
Sie kommen wegen des sanften Scheins der Dunkelheit: Kerzen in den Fenstern der Wohnungen, Familien, die auf Balkonen schlafen, Mütter, die ihren Säuglingen durch eine weitere stickige Nacht Luft zufächeln. Sie kommen wegen der Schlange vor der Apotheke, des Busses, der nie kommt, des warmen Kühlschranks.
Sie kommen wegen der Dunkelheit.
Ein kürzlich ausgestrahlter CBS-Beitrag über Kuba bot den Zuschauern ein bekanntes Muster: eine „gescheiterte“ Insel, eine alternde Revolution, Flüchtlinge in Florida und Washington, das einmal mehr darüber nachdenkt, was mit dem nur 145 Kilometer entfernten Land geschehen soll. Doch der Beitrag basierte auch auf einer so gravierenden Auslassung, dass sie die Wahrheit verschleierte: Während diese Kameras von Mangel und Zusammenbruch berichten, sterben Babys unter einer Politik, die genau darauf abzielt, beides herbeizuführen.
Ein neuer Bericht des Center for Economic and Policy Research kommt zu dem Schluss, dass die Ausweitung der US-Sanktionen ab 2017 wahrscheinlich die Hauptursache für den dramatischen Anstieg der Säuglingssterblichkeit in Kuba war. Laut dem Bericht stieg die Säuglingssterblichkeitsrate in Kuba zwischen 2018 und 2025 um 148 Prozent. Wäre die Rate stabil geblieben, würden etwa 1.800 der in diesem Zeitraum verstorbenen Säuglinge vermutlich noch leben.
Lies das nochmal. Säuglinge.
Der Bericht bringt den Anstieg mit der Verschärfung einseitiger Zwangsmassnahmen der USA unter der ersten Amtszeit von Donald Trump, der Fortführung der meisten dieser Massnahmen unter Joe Biden und einer weiteren Eskalation unter der zweiten Amtszeit von Trump in Verbindung. Anstatt diese Zusammenhänge darzustellen, greifen Sender wie CBS zur besten Sendezeit auf Klischees aus dem Kalten Krieg zurück.
In diesem Abschnitt werden die Zuschauer dazu aufgerufen, sich an das Kuba vor der Revolution als verlorenes Paradies zu erinnern. Doch hinter den Lichtern der Casinos lebten Zuckerrohrschneider, Hausangestellte, ländliche Familien ohne Ärzte, Kinder ohne Schule, schwarze Kubaner, denen die vollen Rechte, die Würde und die Chancen verwehrt blieben, die die Regierung versprochen hatte, Arbeiter, die in einer Wirtschaft ums Überleben kämpften, in der der Reichtum grösstenteils nach oben floss. Für viele Kubaner bedeutete die Revolution einen Bruch mit der Abhängigkeit.
In den US-Medien wird die kubanische Revolution häufig auf einen Bart, eine Rede, einen Mann reduziert. Als liessen sich Millionen von Leben, geprägt von Ungleichheit, Diktatur und Fremdherrschaft, auf einen blossen Personenkult reduzieren. Fidel Castro war zwar zentral für die Geschichte Kubas, aber ebenso wichtig waren Bauern, die Land wollten, Lehrer, die Berge überquerten, um Alphabetisierung zu lehren, Ärzte, die in armen Vierteln blieben, und Arbeiter, für die Souveränität mehr bedeutete als eine Flagge.
Wie jedes andere Land hat auch Kuba reale interne Probleme. Bürokratie existiert. Wirtschaftliche Fehlentwicklungen gibt es. Frustration ist allgegenwärtig. Auswanderung ist ein reales Problem. Und dennoch nutzt Washington diese Realitäten regelmässig als vorgefertigte Rechtfertigung für Interventionen, Druck und eine Politik, die genau jene Zustände verschärft, die sie angeblich verurteilen.
Seit Jahrzehnten errichtet die USA eine Mauer um die Insel – Stein für Stein. Sanktionen. Finanzielle Strafen. Schifffahrtsbeschränkungen. Treibstoffknappheit. Bankenhindernisse. Drohungen gegen Unternehmen, die Handel treiben. Strafmassnahmen gegen Drittländer. Hindernisse für Medikamente, Ersatzteile, Kredite, Investitionen und Unternehmer. Strategiepapiere legten die Logik schon vor Generationen offen dar: Not erzeugen, Verzweiflung schüren, politische Unruhen hervorrufen.
Hier kommt Medien wie CBS eine entscheidende Rolle zu, indem sie das Leid zeigen, aber das System, das es hervorbringt, verschleiern. Sie stellen die US-Politik als Hintergrundrauschen dar, anstatt sie als aktive Kraft zu begreifen, die die gefilmte Realität prägt. Und das ist keine isolierte redaktionelle Entscheidung, sondern ein Muster.
Doch wenn die Säuglingssterblichkeit in einer Zeit verstärkter äusserer Unterdrückung sprunghaft ansteigt, verlangt Ehrlichkeit mehr als die blosse Wiederholung altbekannter Argumente. Sie erfordert die Benennung von Ursache und Verantwortung. Und sie erfordert die Frage: Wenn das kubanische System tatsächlich von selbst scheitern soll, warum wurde dann so viel Macht darauf verwendet, genau das zu bewirken?
Man versucht nicht jahrzehntelang, etwas zu ersticken, das keine Alternative bietet. Warum sollte man ein Modell isolieren, sanktionieren und bestrafen, das man für irrelevant hält? Es sei denn, die Angst besteht nicht darin, dass es scheitern wird. Es sei denn, die Angst besteht darin, dass es – trotz all seiner Widersprüche – einen anderen Weg der Gesellschaftsorganisation aufzeigen könnte. Einen Weg, auf dem Menschen nicht zu Klienten, Märkten oder Konsumenten degradiert werden, die es zu vereinnahmen gilt, sondern als Menschen geachtet werden, die genährt, geschützt und in denen sie sich entfalten können.
Als ich während eines Stromausfalls durch Havanna ging, sah ich Nachbarn, die sich über die Höfe hinweg zuriefen und bei Kerzenlicht Domino spielten. Jemand an der Strassenecke hatte einen Lautsprecher mit halb leerer Batterie und genug Musik für drei Häuser. Zwei junge Leute küssten sich am Malecón. Jemand verfluchte die Regierung. Jemand verfluchte die Blockade. Jemand verfluchte beides. Jemand lachte. Ich sah, wie die Menschen hartnäckig menschlich blieben.
Warum berichtet CBS nicht darüber? Weil sie die Dunkelheit filmen. Doch die eigentliche Geschichte ist nicht die Kerze im Fenster. Es ist die Hand, die das Brennmaterial abdrehte, die Politik, die das Krankenhaus einschränkte, das Schweigen, das vermeidbare Todesfälle normalisierte, und die Säuglinge, deren Namen niemals in der Sendung genannt werden.
***Michelle Ellner ist Kampagnenkoordinatorin für Lateinamerika bei CODEPINK. Sie wurde in Venezuela geboren und hat einen Bachelor-Abschluss in Sprachen und Internationalen Beziehungen von der Universität Sorbonne Paris IV in Paris. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie für ein internationales Stipendienprogramm mit Büros in Caracas und Paris und reiste nach Haiti, Kuba, Gambia und in andere Länder, um Bewerber zu bewerten und auszuwählen.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Der Völkermord im Gazastreifen und die ethnischen Säuberungen im Libanon haben die moralische Legitimität des Westens erschöpft. Nun untergräbt der Iran langsam die militärische Vormachtstellung des Westens.
Seit Jahrzehnten existieren zwei unvereinbare Narrative über Israel und seine Beweggründe parallel.
Auf der einen Seite zeichnet das offizielle westliche Narrativ das Bild eines tapferen, belagerten „jüdischen“ Staates Israel, der verzweifelt versucht, Frieden mit seinen feindseligen arabischen Nachbarn zu schliessen. Bis heute dominiert diese Erzählung die politische, mediale und akademische Landschaft.
Immer wieder, so wird uns erzählt, habe Israel den „Araber“ die Hand zur Versöhnung gereicht, um Akzeptanz zu erlangen, sei aber stets zurückgewiesen worden.
Ein weitgehend unausgesprochener Subtext deutet darauf hin, dass angeblich irrationale, blutrünstige, judenfeindliche Regime in der gesamten Region die Vernichtungsagenda der Nazis vollendet hätten, wenn der Westen nicht eine schutzbedürftige Minderheit human geschützt hätte.
Eine palästinensische Gegenerzählung, die in weiten Teilen der übrigen Welt akzeptiert wird, wird im Westen als antisemitische „Blutbeschuldigung“ unterdrückt.
Es stellt Israel als einen ethnisch-suprematistischen, hochmilitaristischen Staat dar – bewaffnet von den Vereinigten Staaten und Europa –, der auf Expansion, Massenvertreibungen und Landraub aus ist.
Nach dieser Auffassung errichtete der Westen Israel als kolonialen Militärstützpunkt, um die einheimische palästinensische Bevölkerung zu unterwerfen und benachbarte Staaten durch unerbittliche und überwältigende Machtdemonstrationen zur Unterwerfung zu terrorisieren.
Die Palästinenser können keinen Frieden schliessen und keine Einigung erzielen, weil Israel nur Eroberung, Herrschaft und Auslöschung anstrebt. Ein Mittelweg ist unmöglich.
Der Beweis, so die Palästinenser, liegt in Israels langjähriger Weigerung, seine Grenzen festzulegen. Mit dem jahrzehntelangen Wachstum seiner militärischen Macht sind immer extremere politische Agenden in den Vordergrund getreten, die nicht nur Israels Übernahme der letzten Überreste der illegal besetzten palästinensischen Gebiete fordern, sondern auch die Expansion in Nachbarstaaten wie Libanon und Syrien.
Machttrunken
Hier werden zwei gegensätzliche Darstellungen präsentiert, in denen sich jede Seite als Opfer der anderen darstellt.
Zweieinhalb Jahre nach Beginn einer Reihe israelischer Kriege gegen die Bevölkerung von Gaza, Iran und Libanon: Wie bewähren sich diese beiden Perspektiven?
Wirkt Israel wie ein frustrierter Friedensstifter, der sich barbarischen Gegnern gegenübersieht, oder wie ein Schurkenstaat, dessen jahrzehntelange Aggression genau jene Vergeltungsgewalt provoziert hat, die er als Rechtfertigung für seine ständigen Kriege benutzt?
Ist Israel ein kleiner, widerwilliger Festungsstaat, der sich selbst verteidigt, oder ein westlicher Militärklientel, der so von seiner eigenen Macht berauscht ist, dass er seine territorialen Ambitionen genauso wenig zügeln kann wie ein Weisser Hai das Schwimmen aufgeben kann?
Tatsächlich haben die vergangenen 30 Monate nicht nur anschaulich offengelegt, was Israel schon immer war, sondern im weiteren Sinne auch, was unsere westlichen Staaten mit ihrem bevorzugten Klienten im Nahen Osten erreichen wollten.
In einem Moment der Unbesonnenheit liess Christian Turner, Peter Mandelsons Nachfolger als britischer Botschafter in den USA, letzten Monat die Wahrheit durchblicken. Washington, das imperialistische Zentrum des Westens, so sagte er, hege keine tiefe Loyalität gegenüber seinen Verbündeten – ausser gegenüber einem.
Ohne zu ahnen, dass seine Worte aufgezeichnet wurden, sagte er zu einer Gruppe von Gaststudenten : „Ich denke, es gibt wohl ein Land, das eine besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten hat, und das ist wohl Israel.“
Diese besondere Beziehung erfordert, dass die politische und mediale Klasse in Washingtons anderen Klientelstaaten, wie beispielsweise Grossbritannien, das Sparta des Westens im Nahen Osten vor kritischer Prüfung schützt.
Die Gräueltaten Israels sind mittlerweile so eklatant, dass die britische Regierung im vergangenen Monat die Schliessung ihrer Abteilung im Aussenministerium zur Verfolgung von Kriegsverbrechen ankündigte – mit der Begründung, dass Einsparungen notwendig seien –, anstatt sich einer weiteren Aufdeckung ihrer Verwicklung in diese Verbrechen zu stellen.
Wenn die britische Regierung sich weigert, Israels Kriegsverbrechen zu überwachen, ist von den etablierten Medien nicht mehr zu erwarten.
Seit Monaten sprengt Israel im Südlibanon Dorf um Dorf in die Luft und vertreibt Millionen von Einwohnern aus Gebieten, die seit Jahrtausenden von ihren Vorfahren bewohnt wurden – und unsere Politiker und Medien nehmen das kaum wahr.
Israel zerstört die Wasserversorgung des Gazastreifens , so wie es zuvor die Krankenhäuser und das Gesundheitssystem der kleinen Enklave zerstört hat, und sorgt damit für die weitere Ausbreitung von Krankheiten, und unsere Politiker und Medien haben kaum ein Wort darüber zu sagen.
Israel tötet , Monat für Monat Journalisten und Rettungskräfte im Gazastreifen und im Libanon Woche für Woche, und das ruft bei der politischen und medialen Klasse kaum Beachtung hervor.
Israel zieht „gelbe Linien “ im Gazastreifen und im Libanon und markiert damit erweiterte Grenzen, die den Diebstahl fremden Landes formalisieren – und dies wird sofort zur neuen Normalität.
Israel verstösst fortwährend gegen die Waffenstillstände in Gaza und im Libanon , verbreitet Elend und schürt noch mehr Wut und Bitterkeit , und wieder einmal verschliessen unsere Politiker und Medien die Augen davor.
Welche westlichen Medien weisen auf eine aufschlussreiche Tatsache hin: dass Israel mittlerweile mehr vom Libanon besetzt hält als Russland von der Ukraine ?
Medienverzerrung
Eine Analyse der Medienbeobachtungsgruppe Newscord bestätigte im vergangenen Monat frühere Untersuchungen: Die britischen Medien vermeiden es sorgfältig, ethnische Säuberungen und Völkermord zu benennen, wenn diese von Israel und nicht von Russland verübt werden.
Eine Studie, die die Berichterstattung der seriösesten etablierten britischen Nachrichtenmedien – BBC, Guardian und Sky – mit der von Al Jazeera vergleicht, ergab, dass die britischen Medien die Verantwortung Israels für seine Verbrechen konsequent verschleiern.
Nur in etwa der Hälfte der britischen Nachrichtenberichte wurde Israel als Urheber von Angriffen im Gazastreifen genannt, im Gegensatz zu fast 90 Prozent der Berichte von Al Jazeera. Wie Newscord anmerkte: „In der Hälfte der Fälle erfahren die BBC-Leser nicht, wer die Person im jeweiligen Bericht getötet hat.“
Dies wurde in einer berüchtigten BBC-Schlagzeile anschaulich illustriert : „Hind Rajab, 6, Tage nach Hilferufen tot in Gaza aufgefunden“.
Tatsächlich hatte ein israelischer Panzer ein stehendes Auto beschossen, obwohl das israelische Militär seit Stunden wusste, dass sich darin ein palästinensisches Mädchen befand – die einzige Überlebende eines vorangegangenen Angriffs –, zu dem Rettungskräfte verzweifelt versuchten, zu gelangen. Auch das Rettungsteam wurde von Israel getötet.
Eine weitere aufschlussreiche Erkenntnis von Newscord ist, dass vier von fünf BBC-Berichten über Opferzahlen durch israelische Angriffe die verschachtelte Passivform anstelle der Aktivform verwendeten, ganz klar mit der Absicht, Israels Schuld und Grausamkeit herunterzuspielen.
Die britischen Medien haben die enorme Zahl der palästinensischen Todesopfer im Gazastreifen aktiv heruntergespielt, indem sie die Zahlen regelmässig einem „Hamas-nahen“ Gesundheitsministerium zuschrieben – obwohl die Zahlen, die derzeit bei weit über 70.000 Palästinensern liegen, mit ziemlicher Sicherheit eine massive Untererfassung darstellen, angesichts der frühen Zerstörung der israelischen Regierung im Gazastreifen und ihrer Fähigkeit, die Toten zu zählen.
Die Tatsache, dass die Vereinten Nationen die Zahlen aus Gaza für glaubwürdig halten, wurde nur in 0,6 Prozent der Berichte erwähnt.
Völkermordabsicht
In ähnlicher Weise entschieden sich die BBC und der Guardian doppelt so oft dafür, israelische Gefangene der Hamas zu humanisieren, wie sie palästinensische Gefangene des israelischen Staates porträtierten.
Die Unangemessenheit dieses Doppelstandards wird durch die anhaltenden Andeutungen von Politikern und Medien unterstrichen, dass die Hamas am 7. Oktober 2023 „Babys enthauptet“ und systematische Vergewaltigungen begangen habe – mehr als zwei Jahre, nachdem diese Behauptungen völlig widerlegt wurden .
Demgegenüber steht das effektive Verschweigen des Berichts von Euro Med Monitor durch die Medien im letzten Monat über die widerwärtige Praxis des israelischen Militärs, palästinensische Gefangene mit Hunden zu vergewaltigen, die genau zu diesem Zweck ausgebildet wurden.
Zahlreiche Berichte von Gefangenschaft Palästinensern in israelischer schildern systematische Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch. Diese Berichte wurden von Menschenrechtsgruppen und israelischen Soldaten und Sanitätern bestätigt, die Missstände aufdeckten. In den westlichen Medien findet dies kaum Beachtung.
Newscord weist auf ein weiteres, verschleiertes Problem hin, das die westliche Berichterstattung verzerrt: das Weglassen von etablierten, aber unbequemen Fakten, die Israel in einem verwerflichen – sprich: zutreffenden – Licht darstellen würden.
Newscord stellt beispielsweise fest, dass die BBC es völlig versäumt hat, über Hunderte von eindeutig völkermörderischen Äusserungen israelischer Beamter, angefangen bei Premierminister Benjamin Netanjahu abwärts, zu berichten – bis auf eine Ausnahme.
Das ist leicht zu verstehen. Rechtsbehörden tun sich in der Regel schwer, einen Völkermord endgültig festzustellen, da dies entscheidend davon abhängt, die Absicht zu ermitteln, die von denjenigen, die Gräueltaten begehen, typischerweise verborgen wird.
Im Falle Israels ist es besonders auffällig: Nicht nur sehen die Aktionen im Gazastreifen wie Völkermord aus, sondern die israelische Führung hat unmissverständlich klargemacht, dass diese Aktionen völkermörderisch motiviert sind. Ein solches Verhalten findet sich nur bei Menschen, die sich in ihrer eigenen Straflosigkeit wiegen.
Wieder einmal haben die britischen Medien es sich zur Aufgabe gemacht, Israel vor jeglicher rechtlicher Gefahr zu schützen – alles im Interesse einer objektiven Berichterstattung, versteht sich.
Eine alte Geschichte
Das ist nichts Neues. Es ist die gleiche Geschichte, seit Israel 1948 gewaltsam auf dem Land der Palästinenser einen Staat gründete und 80 Prozent der einheimischen Bevölkerung aus dem neuen, selbsternannten „jüdischen“ Staat ethnisch vertrieben wurden. Oder seit, um es mit der anhaltenden Lügensprache westlicher politischer, medialer und akademischer Eliten zu sagen, etwa 750.000 Palästinenser seien „geflohen“.
Ziel war es, für die westliche Öffentlichkeit eine Illusionsblase zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in der unsere eigenen Verbrechen – und die unserer Verbündeten – für uns unsichtbar bleiben.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass die britische Regierung Israel entschieden von einer kürzlich durchgeführten „unabhängigen“ Untersuchung unter der Leitung des ehemaligen Whitehall-Beamten Philip Rycroft zu schädlichem ausländischem Finanzeinfluss auf die britische Politik ausschloss. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand natürlich Russland.
Wie erwartet, wies die Regierung von Keir Starmer im April eine Petition zurück, die von mehr als 114.000 Menschen unterzeichnet worden war und eine ähnliche öffentliche Untersuchung über den Einfluss der mächtigen Israel-Lobby forderte.
Das war keine Überraschung, da jede derartige Untersuchung das Risiko mit sich gebracht hätte, die vielen Hunderttausend Pfund, die Starmer und seine Minister nachweislich von pro-israelischen Lobbyisten erhalten hatten, in den Vordergrund zu rücken.
Dieselbe britische politische und mediale Klasse, die sich so sehr weigert, den schädlichen Einfluss der pro-israelischen Lobby zu untersuchen, ignoriert auch Israels aktuelle, systematische Zerstörung von Dörfern und Infrastruktur im gesamten Südlibanon – ein eklatanter Verstoss gegen einen vermeintlichen Waffenstillstand.
Israelische Soldaten haben gegenüber lokalen Medien erklärt, ihre Aufgabe sei es, wahllos alle Gebäude anzugreifen, egal ob zivil oder „terroristisch“, mit dem Ziel, die libanesischen Einwohner an der Rückkehr in ihre Dörfer zu hindern.
Das passt zu Israels Ankündigung, dass es nach dem Ende der Kämpfe nicht die Absicht hat, sich zurückzuziehen , und zu den weit verbreiteten Plänen, die besetzten Gebiete im Libanon mit jüdischen Siedlern zu besiedeln.
Wenn nicht Videos von israelischen Bombenangriffen auf libanesische Siedlungen trotz algorithmischer Unterdrückung in den sozialen Medien auftauchen würden, wüssten wir vielleicht nichts von Israels umfassenden Bemühungen zur ethnischen Säuberung des Südlibanon.
Als Reaktion auf diese Videos veröffentlichte der Guardian einen seltenen „Mainstream“-Bericht über die Zerstörungskampagne und beschönigte dabei das Grauen, das libanesische Familien erlebten, als sie ihre Häuser und damit unbezahlbare Erinnerungsstücke und Familienerbstücke verloren vorfanden. Diese Erfahrung wurde von der Zeitung – absurd – als „bittersüss“ bezeichnet.
Kritiker stellen ein wiederkehrendes Muster fest. Israel zerstört nicht nur den Südlibanon, sondern hat in den vergangenen 30 Monaten auch fast jedes Gebäude im Gazastreifen dem Erdboden gleichgemacht.
Doch die Vorlage für beides ist viel älteren Ursprungs, wie jeder Palästinenser schon in jungen Jahren lernt.
Nachdem Israel 1948 die meisten Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben hatte, sprengte es jahrelang rund 500 Dörfer nacheinander in die Luft – obwohl israelische Politiker öffentlich behaupteten, die Flüchtlinge zur Rückkehr aufzufordern, und westliche Politiker Israel als die „einzige Demokratie“ im Nahen Osten priesen.
Vertreibungen, deren Existenz der Westen vor acht Jahrzehnten immer noch leugnet, werden heute live im Internet übertragen. Diesmal lassen sie sich nicht mehr leugnen, ebenso wenig wie die dahinterstehende koloniale, rassistische Agenda.
Verunglimpfe den Boten
Wenn die Botschaft, die Israels Gräueltaten innewohnt, nicht mehr verschwinden, beschönigt oder normalisiert werden kann – wie es in einer Zeit vor 24-Stunden-Nachrichten und sozialen Medien der Fall war –, dann ist eine andere Strategie erforderlich: den Überbringer der Botschaft verunglimpfen.
Dies ist die politische Aufgabe unserer Zeit.
Die antirassistische Linke wird als judenhassende Fanatiker verteufelt, weil sie versucht, die seit langem bestehende Illusionsblase des Westens zum Platzen zu bringen, indem sie lautstark sowohl die von Israel, angeblich im Namen der Juden, begangenen Gräueltaten als auch die Mitschuld ihrer eigenen Regierungen an diesen Gräueltaten anprangert.
Letzten Monat brachte Starmers Regierung im Unterhaus ein Gesetz durch, das es der Polizei erlaubt, Proteste zu verbieten, die zu „kumulativen Störungen“ führen – also wiederholte Proteste wie jene gegen den israelischen Völkermord im Gazastreifen. Die Medien reagierten kaum.
Der Angriff dieser Woche auf zwei jüdische Männer in Golders Green, mutmasslich verübt von einem psychisch kranken Mann mit einer langen Vorgeschichte von Gewalttaten, wird von den grossen Parteien umgehend instrumentalisiert, um sich auf noch strengere Einschränkungen des Demonstrationsrechts vorzubereiten.
Fiona Bruce von „Question Time“ unterbrach die stellvertretende Vorsitzende der Grünen sofort, als diese die anderen Diskussionsteilnehmer dafür kritisierte, die Demonstrationen gegen den Völkermord in Gaza mit antisemitischen Angriffen in Verbindung zu bringen. 92 16 27
Briten, die versuchen, israelische Kriegsverbrechen zu stoppen, sei es durch Angriffe auf israelische Todesfabriken in Grossbritannien oder durch das Hochhalten von Plakaten zur Unterstützung solcher direkter Aktionen, werden weiterhin als „Terroristen“ behandelt , selbst nach einem Gerichtsurteil, das das Verbot von Palestine Action für rechtswidrig erklärt.
Da Geschworene oft zögern, ein Urteil zu fällen, hat der britische Staat damit begonnen, die Prozesse offen zu manipulieren. Den Geschworenen wird der Zugang zu den Gründen für die Angriffe auf israelische Waffenfabriken – dem Hauptverteidigungsgrund der Angeklagten – verwehrt. Richter weisen die Geschworenen an, ein Urteil zu fällen.
Bürger, die schweigend Schilder vor dem Gerichtsgebäude hochhalten, werden verhaftet, weil sie die Geschworenen an ihr seit langem bestehendes Recht erinnern, sich solchen Anweisungen zu widersetzen, ihrem Gewissen zu folgen und freizusprechen – ein Polizeimissbrauch, der gegen jahrhundertealte Rechtsprechung verstösst und den die Gerichte zunehmend zu dulden scheinen.
Es gibt – von den Medien pflichtbewusst befolgte – Geheimhaltungsvorschriften bezüglich weiterer Machenschaften, die der britischen Regierung helfen sollen, die benötigten Urteile zu erwirken, um den Aktivismus gegen den Völkermord zu unterdrücken. Wir wissen dies nur, weil die Abgeordnete ihrer Partei, Zarah Sultana, ihr parlamentarisches Rederecht genutzt hat, um darauf aufmerksam zu machen.
Es war bezeichnend, dass in der laufenden Wiederholungsverhandlung gegen sechs Angeklagte der Palestine Action fünf von ihnen in ihren Schlussplädoyers auf ihre Anwälte verzichteten . Sie merkten düster an, dass ihre Rechtsvertreter sie aufgrund von „Entscheidungen des Gerichts“ nicht angemessen vertreten konnten.
Unterdessen treibt die Starmer-Regierung ihre Pläne voran, sich endgültig von unliebsamen Geschworenengerichten zu befreien und zuverlässigere Richter allein über diese politischen Schauprozesse entscheiden zu lassen.
Willkommen zur rasanten Auflösung der in Grossbritannien so hoch geschätzten verfassungsmässigen Rechte – die vor allem dazu benötigt werden, so scheint es, um ein weit entferntes Land zu schützen, das laut Internationalem Gerichtshof das Verbrechen der Apartheid an den Palästinensern begeht und möglicherweise auch einen Völkermord im Gazastreifen verübt.
Schmerzhafte Lektion
Aber natürlich höhlt die britische Regierung – wie die Regierungen der USA, Deutschlands und Frankreichs – ihre liberale Demokratie nicht nur aus, um Israel zu schützen. Sie wird aus Verzweiflung zu solch extremen Massnahmen gezwungen.
Der Westen kann die Illusion seiner moralischen oder zivilisatorischen Überlegenheit in einer Welt schwindender Ressourcen nicht länger aufrechterhalten, einer Welt, in der westliche Eliten bereit sind, die Zerstörung des Planeten in Kauf zu nehmen, um die Profite aus fossilen Brennstoffen zu schützen, von denen sie fett geworden sind.
Die Ziele der Epstein-Klasse werden im Inland immer durchsichtiger und im Ausland immer stärker infrage gestellt. Der Völkermord in Gaza und die ethnischen Säuberungen im Libanon haben die moralische Legitimität des Westens aufgebraucht. Nun untergräbt der Iran nach und nach die militärische Vormachtstellung des Westens.
Es ist keine Überraschung, dass ein US-Imperium, das sich am Ende seiner Kräfte befindet – ein Imperium, das auf der Kontrolle fossiler Brennstoffe aufgebaut ist – sich die Strasse von Hormuz, den grössten Ölauslauf der Welt, als Schlachtfeld auserkoren hat.
Israel wurde vor acht Jahrzehnten in der Region als hochmilitarisierter Klientelstaat etabliert, dessen Hauptaufgabe darin bestand, westliche – sprich US-amerikanische – Macht in den ölreichen Nahen Osten zu projizieren.
Die USA schützten Israel vor genauerer Überprüfung seiner Unterdrückung der Palästinenser und des Diebstahls ihres Heimatlandes.
Im Gegenzug half das „tapfere“ Israel den USA, eine eigennützige Erzählung zu konstruieren, die die Eindämmung und den Sturz säkularer nationalistischer Regierungen im Nahen Osten erforderte, während gleichzeitig rückwärtsgewandte Monarchien geschützt wurden, die zwar den Anschein der Opposition gegen Israel erweckten, in Wirklichkeit aber heimlich mit ihm kollaborierten.
Die so entstandenen, umkämpften und gespaltenen Staaten der Region waren reif für die Kontrolle. Es fehlte ihnen an rechenschaftspflichtigen Regierungen, die auf die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung eingehen und sich möglicherweise verbünden würden, um die Interessen der Region vor westlicher Kolonialeinmischung zu schützen.
Nun treibt der Iran dieses jahrzehntealte System auf die Probe und setzt es dem Untergang aus. Er zwingt die Golfstaaten zur Entscheidung: Wollen sie weiterhin den USA dienen, obwohl diese gezeigt haben, dass sie sie nicht schützen können, oder wollen sie sich mit dem Iran verbünden, der sich zu einer neuen Grossmacht entwickelt und Gebühren für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus erhebt?
Der Westen muss schnell feststellen, dass billige Drohnen selbst seine ausgefeiltesten Ortungssysteme überlisten können und dass schon wenige Minen und Kanonenboote einen Grossteil der Treibstoffversorgung unterbrechen können, von der die Weltwirtschaft abhängt.
Die Illusionen sind endgültig geplatzt. Der Westen erlebt ein jähes und längst überfälliges Erwachen. Die Lektion wird wahrlich schmerzhaft sein.
Dezentrales Kunstprojekt mobilisiert europaweit Tausende, um mit symbolischen Aktionen gegen Aufrüstung und für Verständigung einzutreten
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Ein kürzlich durchgesickertes „ökumenisches Rahmenkonzept“ zeigt, dass sich selbst die deutschen Kirchen auf einen Krieg vorbereiten.
Im Folgenden verlinke ich das sogenannte „ökumenische Rahmenkonzept“, das mir Dr. Ulrike Guérot kürzlich in einem Vortrag vorgestellt hat ( deutsche Version hier , englische Version folgt in Kürze). Es ist eine erschreckende Lektüre, denn sie zeigt, wie weit die Kriegspsychose in Deutschland bereits fortgeschritten ist. Zusammenfassung von KI, vollständiger Text (auf Deutsch) hier.
Zusammenfassung
Das im September 2025 datierte „ökumenische Rahmenkonzept“ ist weit mehr als ein Dokument pastoraler Planung. Es ist ein nüchternes Vorbereitungsdokument für den Fall eines Krieges – und als solches ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst deutsche Institutionen, einschließlich der Kirchen, die Möglichkeit eines militärischen Konflikts in Europa inzwischen nehmen.
Der Ausgangspunkt des Dokuments bildet den Rahmen für alles: Nach Einschätzungen aller relevanten Akteure aus Militär, Nachrichtendiensten und Forschung könnte Russland noch vor Ende dieses Jahrzehnts NATO-Territorium angreifen. Deutschland bereitet sich institutionell bereits auf dieses Szenario vor – mit einer 2023 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie, einem Einsatzplan der Bundeswehr für Deutschland und Rahmenleitlinien für eine umfassende Landesverteidigung. Das Rahmenkonzept der Kirchen wird explizit als Beitrag zu dieser umfassenderen gesellschaftlichen Vorsorgelogik präsentiert, die der Staat unter dem Konzept der „integrierten Sicherheit“ zusammengeführt hat, in dem kirchliche Akteure ausdrücklich als Partner der Zivilgesellschaft benannt sind.
Die konkreten Forderungen des Papiers sind radikal. Es fordert die systematische Vorbereitung aller Bereiche der kirchlichen Seelsorge – von der Gemeinde- und Krankenhausseelsorge bis hin zur Militär-, Polizei- und Gefängnisseelsorge – auf Szenarien mit einer großen Anzahl verwundeter Soldaten, gefallener Kämpfer, Kriegsgefangener und Flüchtlinge. Von den Kirchen wird nicht erwartet, dass sie improvisieren; vielmehr sind sie aufgerufen, jetzt Krisenmanagementteams einzurichten, die Informationsketten aufrechtzuerhalten, Verantwortlichkeiten zu klären und das Personal im Voraus zu schulen. Das Leitmotto ist in seiner Direktheit bezeichnend: „In der Krise gilt es, seine Gemeindemitglieder zu kennen.“
Besonders aufschlussreich sind die konkreten Szenarien, auf die das Dokument die Kirchen vorbereitet. Im Falle eines Bündnisses – das als wahrscheinlichstes Szenario gilt – würde Deutschland als Logistikdrehscheibe für die NATO-Streitkräfte fungieren. Dies beinhaltet den Transit von Truppen und Material durch deutsches Gebiet, die Rückführung zahlreicher verwundeter und gefallener Soldaten, Flüchtlingsbewegungen aus Osteuropa sowie potenzielle Angriffe auf kritische Infrastrukturen und Cybersysteme. Unter expliziter Bezugnahme auf die Lehren aus dem Ukraine-Krieg geht das Dokument von sehr hohen Opferzahlen aus. Krankenhausseelsorger sollen sich auf Triage-Situationen vorbereiten, Notfallseelsorger auf Massentraumatisierungsereignisse und Gemeindeseelsorger auf die Begleitung trauernder Familien in einem für das friedliche Deutschland unbekannten Ausmaß.
Das Papier fordert darüber hinaus eine enge institutionelle Abstimmung zwischen Kirchenstrukturen und staatlichen Behörden auf Bundes- und Landesebene. Kirchenbüros, die den Landesregierungen angegliedert sind, sollen als ständige institutionelle Schnittstellen fungieren. Auf Bundesebene wird die Einrichtung eines etwa zehnköpfigen ökumenischen Krisenstabs erwogen. Die Kirchen müssen genau wissen, wer im Notfall die Aufsichtsbefugnis hat – über Notfallseelsorger, Krankenhausseelsorger und Kirchenmitarbeiter, die gleichzeitig bei freiwilligen Feuerwehren oder der Bundesbehörde für technische Hilfe tätig sind. Diese Klarheit ist alles andere als selbstverständlich; sie setzt umfangreiche rechtliche und organisatorische Vorbereitungsarbeiten voraus.
Insgesamt macht dieses Dokument eine Gesellschaft sichtbar, die sich – auf institutioneller Ebene – auf einen Krieg vorbereitet, ohne dies öffentlich zu benennen. Die Kirchen werden aufgefordert, Teil einer nationalen Infrastruktur zur Kriegsvorsorge zu werden. Obwohl das Papier ausdrücklich betont, die friedensethischen Verpflichtungen beider Kirchen nicht anzutasten, bewirkt es dennoch eine wesentliche operative Neuausrichtung: weg von einer abstrakten friedensethischen Haltung hin zu konkreter Krisenplanung innerhalb eines staatlich koordinierten Rahmens umfassender nationaler Verteidigung.
Für Deutschland bedeutet dies, dass die Vorbereitung auf einen möglichen Krieg nicht mehr nur eine militärische Angelegenheit ist. Sie durchdringt zunehmend alle gesellschaftlichen Institutionen – bis hinunter zur einzelnen Kirchengemeinde.
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Zusammenfassung des "Kirchenpapiers" (durch KI):
Das Dokument ist übertitelt mit "Ökumenisches Rahmenkonzept 2 Seelsorge und Akutintervention im 3 Spannungs-, Bündnis- und 4 Verteidigungsfall5 Ein internes Arbeitspapier6 der evangelischen und katholischen Kirche"
Hier ist meine sehr kritische Zusammenfassung des internen Arbeitspapiers «Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall» der evangelischen und katholischen Kirche (Dezember 2025), in Schweizer Rechtschreibung, ohne Sonderzeichen.
Dieses Papier ist kein friedensethisches Dokument, sondern eine technokratische Mobilmachungsanleitung der Kirchen für den Kriegsfall. Es verdient aus mehreren Gründen scharfe Kritik.
1. Still Schweigen zur Friedensethik
Das Papier erwähnt zwar die traditionelle Friedensethik der Kirchen, relativiert diese aber sofort mit dem Hinweis, es gehe um Vorbereitung für den Fall, «dass alle Friedensbemühungen gescheitert sind». De facto wird damit die grundsätzliche Option für gewaltfreie Konfliktlösung fallen gelassen. Der russische Angriffskrieg dient als einzige Begründung; eine eigenständige kritische Analyse der Kriegsursachen (NATO-Osterweiterung, Waffenlieferungen, fehlende Diplomatie) sucht man vergebens. Die Kirchen übernehmen unkritisch die sicherheitspolitische Analyse der Bundesregierung.
2. Systemische Instrumentalisierung der Seelsorge
Das Papier ist kein seelsorgliches, sondern ein organisationsstrategisches Dokument. Es geht nicht um Trost oder geistliche Begleitung, sondern um «Kopplung der Systeme», «klare Zuständigkeiten», «Krisenstäbe», «Top-down-Strukturen» und «Schnittstellenreduzierung». Die Kirche wird als subsidiärer Partner des Staates funktionalisiert. Seelsorge wird zur psychosozialen Stützungsmassnahme für die Kriegstauglichkeit der Gesellschaft umdefiniert. Eigenständige prophetische Kritik am Krieg ist in diesem Konzept nicht vorgesehen.
3. Anbiederung an die Gesamtverteidigung
Die Kirchen ordnen sich bereitwillig in die staatliche «Gesamtverteidigung» ein. Sie übernehmen Aufgaben in der logistischen Drehscheibe Deutschland, bei der Betreuung von Verwundeten, Gefallenen, Kriegsgefangenen und Flüchtlingen – ohne dass auch nur eine kritische Anfrage an die Legitimität des jeweiligen Krieges gestellt würde. Das Papier zitiert zustimmend die Nationale Sicherheitsstrategie («Sicherheit geht alle Menschen an») und den Operationsplan Deutschland. Eine distanzierte Haltung gegenüber militärischer Eskalation ist nicht erkennbar.
4. Problem der Bildungspropaganda
Das Papier bestätigt indirekt Desmets These von der Bildungspropaganda: Hochqualifizierte Kirchenbeamte und Theologen haben hier ein Dokument verfasst, das die eigene Friedenstradition verrät und sich nahtlos in staatliche Kriegsvorbereitungen einfügt. Die kritische Distanz, die man von Kirchen erwarten dürfte, fehlt vollständig. Stattdessen wird in bürokratischem Deutsch der «Dienst am Nächsten» zur logistischen und psychosozialen Unterstützung des Kriegsapparats umgedeutet.
5. Fehlende theologische Reflexion
Das Dokument ist auffällig theologielos. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird instrumentalisiert, um jede staatlich definierte Nothilfe zu rechtfertigen. Eine Diskussion darüber, wann Gehorsam gegenüber staatlicher Kriegspolitik zu verweigern ist (Gewissensfreiheit, ungerechter Krieg), fehlt. Die «kritische Solidarität» wird erwähnt, aber nicht konkretisiert. Praktisch läuft es auf Solidarität ohne Kritik hinaus.
6. Personalplanung auf Kosten anderer
Die Kirchen planen den Auf- und Ausbau von Seelsorgestrukturen für den Kriegsfall, während sie gleichzeitig im Frieden Stellen abbauen. Das Papier fordert «Priorisierung beim Personaleinsatz» – was faktisch bedeutet, dass Friedensarbeit, offene Jugendarbeit, Gemeindepflege zurückgestellt werden sollen. Die Finanzierung dieser Aufrüstung bleibt ungeklärt.
7. Problem der Geheimhaltung
Das Papier ist als «internes Arbeitspapier» deklariert, wird hier aber öffentlich. Dies wirft Fragen nach demokratischer Legitimation und Öffentlichkeit auf. Die Kirchen bereiten sich auf Szenarien vor, die politisch hochumstritten sind, ohne dass eine gesellschaftliche Debatte darüber geführt wird. Das ist ein demokratiepolitisch bedenklicher Vorgang.
Fazit
Das Papier ist kein Beitrag zur Friedensethik, sondern zur Kriegsvorbereitung. Die Kirchen funktionieren darin als Erfüllungsgehilfen staatlicher Sicherheitspolitik. Sie vertauschen den Dienst am Nächsten mit der logistischen Unterstützung eines militärischen Apparats. Wer von Kirchen prophetische Wachsamkeit gegenüber Kriegstreiberei erwartet, wird hier enttäuscht. Statt «Gerechter Friede» heisst die Devise «Integrierte Sicherheit». Das ist kein aufrichtiges, sondern ein angepasstes Christentum – genau jene Massenbildung, die Desmet im Artikel weiter oben kritisiert hat.
Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen
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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)
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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.