
Es sind nicht nur die Führer der EU, die in einen selbstmörderischen Krieg mit Russland ziehen wollen. Die Psychose hat längst die Strassen von Berlin, Brüssel und Paris erreicht. Massenbildung ist das psychologische Phänomen, das erklärt, warum ganze Nationen plötzlich bereit sind, ALLES für eine tödliche Ideologie zu opfern. Leider ist die EU bereits weit auf diesem Weg vorangeschritten. Heute spreche ich mit Dr. Mattias Desmet, Professor für Klinische Psychologie in Belgien und Autor von "The Psychology of Totalitarianism", über Massenbildung, Totalitarismus, Propaganda, Einsamkeit, Meinungsfreiheit, Kriegsnarrative und die emotionale Anziehungskraft des Gruppenglaubens. Das Gespräch behandelt den Unterschied zwischen Diktaturen und totalitären Staaten, die Rolle von Bildung und Medien sowie Aufrichtigkeit als Mittel, um sich gegen Massenhypnose zu wehren.
Zusammenfassung des Videos
Einleitung und zentrales Thema
Pascal Lottaz begrüsst Dr. Matthias Desmet, Professor für klinische Psychologie in Gent, Psychotherapeut und Experte für Massenbildungstheorie sowie Autor von "Die Psychologie des Totalitarismus". Lottaz bezeichnet Desmet als eine wichtige Stimme während der Covid-19-Pandemie und fragt nach dem Zusammenhang zwischen Massenbildung und Totalitarismus.
Desmets wissenschaftlicher Werdegang und die Entdeckung der Massenbildung
Desmet begann seine Promotion 2003 mit klassischer psychologischer Forschung zu Persönlichkeitsmerkmalen und Depression, zweifelte jedoch bald an der Gültigkeit der Forschungsmethoden. Nachdem er die Erlaubnis erhielt, die Methoden selbst zu untersuchen, begann zwei Jahre später die sogenannte Replikationskrise in den Wissenschaften. Sie zeigte, dass über 85% der veröffentlichten Studien nicht reproduzierbar sind und damit keine wissenschaftliche Gültigkeit besitzen. Desmet veröffentlichte sein erstes Buch "Das Streben nach Objektivität in der Psychologie", in dem er deutlich machte, dass psychologische Messmethoden weder zuverlässig noch gültig sind.
Die Geburtsstunde der Massenbildungs-Theorie
Bei Vorträgen zu seinen Erkenntnissen beobachtete Desmet ein seltsames Phänomen: Nur 2-3% des Publikums waren begeistert, während über 90% wütend auf ihn wurden. Auf die Bitte, ihm seinen statistischen oder mathematischen Fehler zu zeigen, erhielt er nie eine Antwort. Dies weckte sein Interesse daran, warum selbst hochintelligente Menschen unter bestimmten Bedingungen an völlig absurde Narrative glauben und sich weigern, diese loszulassen. Um 2013 begann er sich mit Massenpsychologie zu beschäftigen, da sich diese "Expertenblindheit" nicht mit individueller Psychologie allein erklären liess. Er prägte den Begriff "Massenbildung" (bereits bei Gustave Le Bon und Sigmund Freud vereinzelt verwendet), um das Phänomen zu beschreiben, bei dem Menschen nicht mehr mit kritischer Distanz auf die Überzeugungen ihrer Gruppe schauen können, bereit zu radikalem Selbstopfer und radikal intolerant gegenüber abweichenden Stimmen werden.
Massenbildung als Grundlage des Totalitarismus
Desmet erkannte, dass Massenbildung die psychologische Grundlage des Totalitarismus ist. Totalitäre Staaten wie Nazi-Deutschland oder die Sowjetunion unterscheiden sich fundamental von klassischen Diktaturen: In einer klassischen Diktatur hat das Regime alle Waffen, die Menschen gehorchen aus Angst vor Gewalt. Ein totalitärer Staat dagegen entsteht aus der Bevölkerung selbst. 20-30% der Bevölkerung beginnen fanatisch an eine Ideologie zu glauben (z.B. Rassentheorien oder Marxismus). Durch die emotionale Funktion dieser Ideologie entwickelt sich eine Massenbildung: Die Betroffenen werden blind für alles, was der Ideologie widerspricht, opfern sich radikal und werden aggressiv gegen Andersdenkende.
Rhetorisch begabte Figuren wie Hitler oder Lenin nutzen diese Massen, um die Macht zu ergreifen. Es entsteht ein System mit riesiger Geheimpolizei. Die fanatischen 20-30% sind bereit, selbst nächste Familienmitglieder zu verraten, wenn diese der offiziellen Linie nicht folgen. Desmet schildert das Beispiel einer Frau aus dem Iran während der Revolution 1978, deren Mutter ihren eigenen Sohn denunzierte, ihm die Schlinge um den Hals legte und danach stolz eine Medaille entgegennahm. Ähnliches ereignete sich in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg, wo 20-30% der Bevölkerung der Geheimpolizei angehörten und Familienmitglieder einander verrieten. Desmet beantwortet zwei zentrale Fragen: Der Unterschied zur Diktatur ist die Massenbildung, und die Entstehung des Totalitarismus im 20. Jahrhundert liegt darin, dass Massenbildung aufgrund zunehmender gesellschaftlicher Atomisierung (Einsamkeit) immer stärker geworden ist.
Bildung als Risikofaktor und aktuelle Kriegsnarrative
Bildung macht nicht widerstandsfähiger, sondern anfälliger für Massenbildung. Bereits Gustave Le Bon und später Jaquel ("Propaganda") stellten fest: Je länger Menschen zur Schule gehen, desto leichter werden sie Opfer von Propaganda. Das Schulsystem sei eine unbewusste Indoktrination, die nicht selbständiges Denken lehrt, sondern allen das gleiche Denken beibringt – eine psychologische Vorbereitung auf spätere Propaganda. Dies zeige sich aktuell an den Kriegsnarrativen bezüglich Russland. Desmet argumentiert, dass die NATO expansionistische Politik betreibt und Russland unter Druck setzt, während Putins Regime nicht heilig sei. Eine ganze Bevölkerung übernehme die Erzählung vom "teuflischen Putin", ohne die andere Perspektive einzunehmen, etwa wie amerikanische Firmen 30% der Ukraine aufgekauft haben oder wie die CIA nach 2014 die Ukraine unterwanderte.
Die emotionale Dynamik der Massenbildung
Die Wut, mit der Menschen im Bann der Massenbildung auf Gegenargumente reagieren, ist charakteristisch. Desmet führt dies auf eine tiefgreifende metaphysische Revolution seit dem 17. Jahrhundert zurück. Vorher war die Weltsicht religiös, die erste Frage des Tages war ethisch: "Wie führe ich ein gutes Leben?". Danach wurde sie durch eine rationalistische, materialistische Weltsicht ersetzt, die den Menschen als primär rationales Wesen betrachtet. Das höchste Ziel wurde es, "so klug wie möglich zu sein" und im Überlebenskampf der Stärkste. Die Gründerväter der amerikanischen Demokratie (Jefferson u.a.) glaubten an den rationalen Menschen. Bereits 1810, nur 20-30 Jahre nach der amerikanischen Revolution, wussten sie jedoch, dass dies ein fataler Fehler war. Der Mensch ist nicht rational. Daraus entstand die moderne Propaganda als wichtigstes Organisationsprinzip der Demokratie. Propaganda zielt auf Emotionen und lässt Menschen die irrationalsten Dinge glauben. Die Demokratie tut so, als wäre sie ein System freier, vernünftiger Entscheidungen, ist aber im Kern ein System alltäglicher Täuschung durch Propaganda.
Der Mechanismus der Massenbildung Schritt für Schritt
Massenbildung beginnt mit Einsamkeit (Atomisierung, von Hegel erstmals beschrieben). Heute fühlen sich 40-60% der Menschen einsam, es gibt "Einsamkeitsepidemien" in Grossbritannien und den USA. Einsamkeit führt zu Sinnverlust – fast die Hälfte der Weltbevölkerung hält ihre Arbeit für sinnlos ("Bullshit Jobs"). Auf emotionaler Ebene entsteht daraus "freischwebende Frustration, Aggression und Angst" – ein schmerzhafter Zustand von Angst ohne konkretes Objekt. Wenn nun jemand über die Massenmedien ein konkretes Angstobjekt (z.B. ein Virus) und eine Bewältigungsstrategie (z.B. Lockdowns) anbietet, kann sich die gesamte freischwebende Angst auf dieses Objekt richten. Die Menschen übernehmen die Strategie nicht aus Vernunft, sondern weil sie psychologisch wie ein Ritual wirkt, das das Gefühl von Kontrolle vermittelt. Dadurch fühlen sie sich wieder verbunden, im gemeinsamen Kampf gegen das Angstobjekt. Sie scheinen der Einsamkeit zu entkommen.
Die zerstörerische Logik der Masse
Der entscheidende Punkt: In einer gesunden Gruppenbildung verbinden sich die Individuen miteinander. In einer Massenbildung dagegen verbinden sich alle Individuen mit demselben kollektiven Ideal. Die gesamte Energie und Liebe zwischen den Menschen wird umgeleitet in die Bindung jedes Einzelnen an das Kollektiv, das sich meist in Führungsfiguren (Stalin, Hitler) verkörpert. Die Menschen lieben dieses Ideal stärker als andere Individuen – deshalb können Mütter ihre eigenen Kinder denunzieren. In Wirklichkeit werden die Betroffenen immer ängstlicher, frustrierter und aggressiver und fühlen sich zugleich immer einsamer. Dadurch werden sie noch anfälliger für das nächste Narrativ – so wie nach dem Ende des Corona-Narrativs fast über Nacht das Ukraine-Narrativ übernommen wurde.
Das Gegenmittel: Aufrichtigkeit
Auf die Frage, wie man den Bann brechen könne, antwortet Desmet, dass die Wurzel der Einsamkeit der Verlust des Kontakts zur Wahrheit ist. Die materialistische Weltsicht betrachtet das Universum als Maschine, den Menschen als biologisches Wesen, dessen höchstes Ziel Überleben und Genuss ist. Wahrheit zu sagen ist in dieser Logik dumm, weil es angreifbar macht. Die westliche Gesellschaft, so Alexander Solschenizyn 1978 in Harvard, habe den Bezug zur Wahrheit verloren. Das Aufrichtige Sprechen aber ist das, was Menschen verbindet, indem es narzisstische Idealbilder zerstört.
Desmet verfolgt einen realistischen Ansatz: Massenbildung ist Massenhypnose. Nach Gustave Le Bon gibt es drei Gruppen: 20-30% sind völlig hypnotisiert; 60-65% spüren, dass etwas nicht stimmt, schweigen aber aus Druck; 10-20% sprechen sich aus. Die ausgesprochene Minderheit wird oft enttäuscht sein, weil die Hypnotisierten nicht aufwachen und Argumente keine psychologische Wirkung haben. Aber ihre Aufrichtigkeit verhindert, dass die Massen in die letzte Phase eintreten, in der sie zuerst alle Andersdenkenden und dann sich selbst vernichten. Wenn die abweichende Minderheit schweigt, werden die Massen zuerst die Andersdenkenden vernichten und dann sich selbst (wie in der Sowjetunion). Das einzige Heilmittel gegen eine Gesellschaft, die krank ist an Lügen, Manipulation und Propaganda, ist Aufrichtigkeit. Wahrheit ist grundlegend für den einzelnen Menschen und für das menschliche Zusammenleben.
Desmet schliesst mit dem Hinweis auf sein Buch (in 25 Sprachen übersetzt) und seinen Substack, auf dem er gelegentlich Essays veröffentlicht. Lottaz kündigt ein Folgetreffen an.
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Kommentar: Desmets Analyse der Massenbildung ist psychologisch teilweise erhellend (Einsamkeit, freischwebende Angst, Anfälligkeit auch Gebildeter). Seine politischen Schlüsse sind jedoch teilweise problematisch:
Fazit: Desmet liefert eine psychologisch teilweise wertvolle Phänomenbeschreibung, versagt aber bei der politischen Einordnung. Wer seine Theorie in Bezug auf die Politik ernst nimmt, müsste fragen, ob nicht auch er in einer "Gegen"-Massenbildung gefangen ist. Während es richtig und wichtig ist, die Politik des Westens kritisch anzuschauen, muss dies auch mit dem Autoritarismus passieren.
In Japan entsteht derzeit eine neue Friedensbewegung, die unter dem Namen «Pen Light Movement» zunehmend Aufmerksamkeit erregt. Sie kann in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung durchaus an die grossen Protestbewegungen der 1960er-Jahre anknüpfen.
Auffällig ist dabei vor allem ihr Charakter: Die Bewegung ist weitgehend gewaltfrei, kreativ und wird massgeblich von jungen Frauen getragen.
Die Proteste richten sich gegen Japans mögliche Beteiligung an internationalen Militärkonflikten, insbesondere im Kontext des US-israelischen Kriegs gegen Iran.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Wenn in Havanna die Lichter ausgehen, treffen die ausländischen Kameras ein, um die Dunkelheit zu filmen.
Sie kommen wegen des sanften Scheins der Dunkelheit: Kerzen in den Fenstern der Wohnungen, Familien, die auf Balkonen schlafen, Mütter, die ihren Säuglingen durch eine weitere stickige Nacht Luft zufächeln. Sie kommen wegen der Schlange vor der Apotheke, des Busses, der nie kommt, des warmen Kühlschranks.
Sie kommen wegen der Dunkelheit.
Ein kürzlich ausgestrahlter CBS-Beitrag über Kuba bot den Zuschauern ein bekanntes Muster: eine „gescheiterte“ Insel, eine alternde Revolution, Flüchtlinge in Florida und Washington, das einmal mehr darüber nachdenkt, was mit dem nur 145 Kilometer entfernten Land geschehen soll. Doch der Beitrag basierte auch auf einer so gravierenden Auslassung, dass sie die Wahrheit verschleierte: Während diese Kameras von Mangel und Zusammenbruch berichten, sterben Babys unter einer Politik, die genau darauf abzielt, beides herbeizuführen.
Ein neuer Bericht des Center for Economic and Policy Research kommt zu dem Schluss, dass die Ausweitung der US-Sanktionen ab 2017 wahrscheinlich die Hauptursache für den dramatischen Anstieg der Säuglingssterblichkeit in Kuba war. Laut dem Bericht stieg die Säuglingssterblichkeitsrate in Kuba zwischen 2018 und 2025 um 148 Prozent. Wäre die Rate stabil geblieben, würden etwa 1.800 der in diesem Zeitraum verstorbenen Säuglinge vermutlich noch leben.
Lies das nochmal. Säuglinge.
Der Bericht bringt den Anstieg mit der Verschärfung einseitiger Zwangsmassnahmen der USA unter der ersten Amtszeit von Donald Trump, der Fortführung der meisten dieser Massnahmen unter Joe Biden und einer weiteren Eskalation unter der zweiten Amtszeit von Trump in Verbindung. Anstatt diese Zusammenhänge darzustellen, greifen Sender wie CBS zur besten Sendezeit auf Klischees aus dem Kalten Krieg zurück.
In diesem Abschnitt werden die Zuschauer dazu aufgerufen, sich an das Kuba vor der Revolution als verlorenes Paradies zu erinnern. Doch hinter den Lichtern der Casinos lebten Zuckerrohrschneider, Hausangestellte, ländliche Familien ohne Ärzte, Kinder ohne Schule, schwarze Kubaner, denen die vollen Rechte, die Würde und die Chancen verwehrt blieben, die die Regierung versprochen hatte, Arbeiter, die in einer Wirtschaft ums Überleben kämpften, in der der Reichtum grösstenteils nach oben floss. Für viele Kubaner bedeutete die Revolution einen Bruch mit der Abhängigkeit.
In den US-Medien wird die kubanische Revolution häufig auf einen Bart, eine Rede, einen Mann reduziert. Als liessen sich Millionen von Leben, geprägt von Ungleichheit, Diktatur und Fremdherrschaft, auf einen blossen Personenkult reduzieren. Fidel Castro war zwar zentral für die Geschichte Kubas, aber ebenso wichtig waren Bauern, die Land wollten, Lehrer, die Berge überquerten, um Alphabetisierung zu lehren, Ärzte, die in armen Vierteln blieben, und Arbeiter, für die Souveränität mehr bedeutete als eine Flagge.
Wie jedes andere Land hat auch Kuba reale interne Probleme. Bürokratie existiert. Wirtschaftliche Fehlentwicklungen gibt es. Frustration ist allgegenwärtig. Auswanderung ist ein reales Problem. Und dennoch nutzt Washington diese Realitäten regelmässig als vorgefertigte Rechtfertigung für Interventionen, Druck und eine Politik, die genau jene Zustände verschärft, die sie angeblich verurteilen.
Seit Jahrzehnten errichtet die USA eine Mauer um die Insel – Stein für Stein. Sanktionen. Finanzielle Strafen. Schifffahrtsbeschränkungen. Treibstoffknappheit. Bankenhindernisse. Drohungen gegen Unternehmen, die Handel treiben. Strafmassnahmen gegen Drittländer. Hindernisse für Medikamente, Ersatzteile, Kredite, Investitionen und Unternehmer. Strategiepapiere legten die Logik schon vor Generationen offen dar: Not erzeugen, Verzweiflung schüren, politische Unruhen hervorrufen.
Hier kommt Medien wie CBS eine entscheidende Rolle zu, indem sie das Leid zeigen, aber das System, das es hervorbringt, verschleiern. Sie stellen die US-Politik als Hintergrundrauschen dar, anstatt sie als aktive Kraft zu begreifen, die die gefilmte Realität prägt. Und das ist keine isolierte redaktionelle Entscheidung, sondern ein Muster.
Doch wenn die Säuglingssterblichkeit in einer Zeit verstärkter äusserer Unterdrückung sprunghaft ansteigt, verlangt Ehrlichkeit mehr als die blosse Wiederholung altbekannter Argumente. Sie erfordert die Benennung von Ursache und Verantwortung. Und sie erfordert die Frage: Wenn das kubanische System tatsächlich von selbst scheitern soll, warum wurde dann so viel Macht darauf verwendet, genau das zu bewirken?
Man versucht nicht jahrzehntelang, etwas zu ersticken, das keine Alternative bietet. Warum sollte man ein Modell isolieren, sanktionieren und bestrafen, das man für irrelevant hält? Es sei denn, die Angst besteht nicht darin, dass es scheitern wird. Es sei denn, die Angst besteht darin, dass es – trotz all seiner Widersprüche – einen anderen Weg der Gesellschaftsorganisation aufzeigen könnte. Einen Weg, auf dem Menschen nicht zu Klienten, Märkten oder Konsumenten degradiert werden, die es zu vereinnahmen gilt, sondern als Menschen geachtet werden, die genährt, geschützt und in denen sie sich entfalten können.
Als ich während eines Stromausfalls durch Havanna ging, sah ich Nachbarn, die sich über die Höfe hinweg zuriefen und bei Kerzenlicht Domino spielten. Jemand an der Strassenecke hatte einen Lautsprecher mit halb leerer Batterie und genug Musik für drei Häuser. Zwei junge Leute küssten sich am Malecón. Jemand verfluchte die Regierung. Jemand verfluchte die Blockade. Jemand verfluchte beides. Jemand lachte. Ich sah, wie die Menschen hartnäckig menschlich blieben.
Warum berichtet CBS nicht darüber? Weil sie die Dunkelheit filmen. Doch die eigentliche Geschichte ist nicht die Kerze im Fenster. Es ist die Hand, die das Brennmaterial abdrehte, die Politik, die das Krankenhaus einschränkte, das Schweigen, das vermeidbare Todesfälle normalisierte, und die Säuglinge, deren Namen niemals in der Sendung genannt werden.
***Michelle Ellner ist Kampagnenkoordinatorin für Lateinamerika bei CODEPINK. Sie wurde in Venezuela geboren und hat einen Bachelor-Abschluss in Sprachen und Internationalen Beziehungen von der Universität Sorbonne Paris IV in Paris. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie für ein internationales Stipendienprogramm mit Büros in Caracas und Paris und reiste nach Haiti, Kuba, Gambia und in andere Länder, um Bewerber zu bewerten und auszuwählen.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Der Völkermord im Gazastreifen und die ethnischen Säuberungen im Libanon haben die moralische Legitimität des Westens erschöpft. Nun untergräbt der Iran langsam die militärische Vormachtstellung des Westens.
Seit Jahrzehnten existieren zwei unvereinbare Narrative über Israel und seine Beweggründe parallel.
Auf der einen Seite zeichnet das offizielle westliche Narrativ das Bild eines tapferen, belagerten „jüdischen“ Staates Israel, der verzweifelt versucht, Frieden mit seinen feindseligen arabischen Nachbarn zu schliessen. Bis heute dominiert diese Erzählung die politische, mediale und akademische Landschaft.
Immer wieder, so wird uns erzählt, habe Israel den „Araber“ die Hand zur Versöhnung gereicht, um Akzeptanz zu erlangen, sei aber stets zurückgewiesen worden.
Ein weitgehend unausgesprochener Subtext deutet darauf hin, dass angeblich irrationale, blutrünstige, judenfeindliche Regime in der gesamten Region die Vernichtungsagenda der Nazis vollendet hätten, wenn der Westen nicht eine schutzbedürftige Minderheit human geschützt hätte.
Eine palästinensische Gegenerzählung, die in weiten Teilen der übrigen Welt akzeptiert wird, wird im Westen als antisemitische „Blutbeschuldigung“ unterdrückt.
Es stellt Israel als einen ethnisch-suprematistischen, hochmilitaristischen Staat dar – bewaffnet von den Vereinigten Staaten und Europa –, der auf Expansion, Massenvertreibungen und Landraub aus ist.
Nach dieser Auffassung errichtete der Westen Israel als kolonialen Militärstützpunkt, um die einheimische palästinensische Bevölkerung zu unterwerfen und benachbarte Staaten durch unerbittliche und überwältigende Machtdemonstrationen zur Unterwerfung zu terrorisieren.
Die Palästinenser können keinen Frieden schliessen und keine Einigung erzielen, weil Israel nur Eroberung, Herrschaft und Auslöschung anstrebt. Ein Mittelweg ist unmöglich.
Der Beweis, so die Palästinenser, liegt in Israels langjähriger Weigerung, seine Grenzen festzulegen. Mit dem jahrzehntelangen Wachstum seiner militärischen Macht sind immer extremere politische Agenden in den Vordergrund getreten, die nicht nur Israels Übernahme der letzten Überreste der illegal besetzten palästinensischen Gebiete fordern, sondern auch die Expansion in Nachbarstaaten wie Libanon und Syrien.
Machttrunken
Hier werden zwei gegensätzliche Darstellungen präsentiert, in denen sich jede Seite als Opfer der anderen darstellt.
Zweieinhalb Jahre nach Beginn einer Reihe israelischer Kriege gegen die Bevölkerung von Gaza, Iran und Libanon: Wie bewähren sich diese beiden Perspektiven?
Wirkt Israel wie ein frustrierter Friedensstifter, der sich barbarischen Gegnern gegenübersieht, oder wie ein Schurkenstaat, dessen jahrzehntelange Aggression genau jene Vergeltungsgewalt provoziert hat, die er als Rechtfertigung für seine ständigen Kriege benutzt?
Ist Israel ein kleiner, widerwilliger Festungsstaat, der sich selbst verteidigt, oder ein westlicher Militärklientel, der so von seiner eigenen Macht berauscht ist, dass er seine territorialen Ambitionen genauso wenig zügeln kann wie ein Weisser Hai das Schwimmen aufgeben kann?
Tatsächlich haben die vergangenen 30 Monate nicht nur anschaulich offengelegt, was Israel schon immer war, sondern im weiteren Sinne auch, was unsere westlichen Staaten mit ihrem bevorzugten Klienten im Nahen Osten erreichen wollten.
In einem Moment der Unbesonnenheit liess Christian Turner, Peter Mandelsons Nachfolger als britischer Botschafter in den USA, letzten Monat die Wahrheit durchblicken. Washington, das imperialistische Zentrum des Westens, so sagte er, hege keine tiefe Loyalität gegenüber seinen Verbündeten – ausser gegenüber einem.
Ohne zu ahnen, dass seine Worte aufgezeichnet wurden, sagte er zu einer Gruppe von Gaststudenten : „Ich denke, es gibt wohl ein Land, das eine besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten hat, und das ist wohl Israel.“
Diese besondere Beziehung erfordert, dass die politische und mediale Klasse in Washingtons anderen Klientelstaaten, wie beispielsweise Grossbritannien, das Sparta des Westens im Nahen Osten vor kritischer Prüfung schützt.
Die Gräueltaten Israels sind mittlerweile so eklatant, dass die britische Regierung im vergangenen Monat die Schliessung ihrer Abteilung im Aussenministerium zur Verfolgung von Kriegsverbrechen ankündigte – mit der Begründung, dass Einsparungen notwendig seien –, anstatt sich einer weiteren Aufdeckung ihrer Verwicklung in diese Verbrechen zu stellen.
Wenn die britische Regierung sich weigert, Israels Kriegsverbrechen zu überwachen, ist von den etablierten Medien nicht mehr zu erwarten.
Seit Monaten sprengt Israel im Südlibanon Dorf um Dorf in die Luft und vertreibt Millionen von Einwohnern aus Gebieten, die seit Jahrtausenden von ihren Vorfahren bewohnt wurden – und unsere Politiker und Medien nehmen das kaum wahr.
Israel zerstört die Wasserversorgung des Gazastreifens , so wie es zuvor die Krankenhäuser und das Gesundheitssystem der kleinen Enklave zerstört hat, und sorgt damit für die weitere Ausbreitung von Krankheiten, und unsere Politiker und Medien haben kaum ein Wort darüber zu sagen.
Israel tötet , Monat für Monat Journalisten und Rettungskräfte im Gazastreifen und im Libanon Woche für Woche, und das ruft bei der politischen und medialen Klasse kaum Beachtung hervor.
Israel zieht „gelbe Linien “ im Gazastreifen und im Libanon und markiert damit erweiterte Grenzen, die den Diebstahl fremden Landes formalisieren – und dies wird sofort zur neuen Normalität.
Israel verstösst fortwährend gegen die Waffenstillstände in Gaza und im Libanon , verbreitet Elend und schürt noch mehr Wut und Bitterkeit , und wieder einmal verschliessen unsere Politiker und Medien die Augen davor.
Welche westlichen Medien weisen auf eine aufschlussreiche Tatsache hin: dass Israel mittlerweile mehr vom Libanon besetzt hält als Russland von der Ukraine ?
Medienverzerrung
Eine Analyse der Medienbeobachtungsgruppe Newscord bestätigte im vergangenen Monat frühere Untersuchungen: Die britischen Medien vermeiden es sorgfältig, ethnische Säuberungen und Völkermord zu benennen, wenn diese von Israel und nicht von Russland verübt werden.
Eine Studie, die die Berichterstattung der seriösesten etablierten britischen Nachrichtenmedien – BBC, Guardian und Sky – mit der von Al Jazeera vergleicht, ergab, dass die britischen Medien die Verantwortung Israels für seine Verbrechen konsequent verschleiern.
Nur in etwa der Hälfte der britischen Nachrichtenberichte wurde Israel als Urheber von Angriffen im Gazastreifen genannt, im Gegensatz zu fast 90 Prozent der Berichte von Al Jazeera. Wie Newscord anmerkte: „In der Hälfte der Fälle erfahren die BBC-Leser nicht, wer die Person im jeweiligen Bericht getötet hat.“
Dies wurde in einer berüchtigten BBC-Schlagzeile anschaulich illustriert : „Hind Rajab, 6, Tage nach Hilferufen tot in Gaza aufgefunden“.
Tatsächlich hatte ein israelischer Panzer ein stehendes Auto beschossen, obwohl das israelische Militär seit Stunden wusste, dass sich darin ein palästinensisches Mädchen befand – die einzige Überlebende eines vorangegangenen Angriffs –, zu dem Rettungskräfte verzweifelt versuchten, zu gelangen. Auch das Rettungsteam wurde von Israel getötet.
Eine weitere aufschlussreiche Erkenntnis von Newscord ist, dass vier von fünf BBC-Berichten über Opferzahlen durch israelische Angriffe die verschachtelte Passivform anstelle der Aktivform verwendeten, ganz klar mit der Absicht, Israels Schuld und Grausamkeit herunterzuspielen.
Die britischen Medien haben die enorme Zahl der palästinensischen Todesopfer im Gazastreifen aktiv heruntergespielt, indem sie die Zahlen regelmässig einem „Hamas-nahen“ Gesundheitsministerium zuschrieben – obwohl die Zahlen, die derzeit bei weit über 70.000 Palästinensern liegen, mit ziemlicher Sicherheit eine massive Untererfassung darstellen, angesichts der frühen Zerstörung der israelischen Regierung im Gazastreifen und ihrer Fähigkeit, die Toten zu zählen.
Die Tatsache, dass die Vereinten Nationen die Zahlen aus Gaza für glaubwürdig halten, wurde nur in 0,6 Prozent der Berichte erwähnt.
Völkermordabsicht
In ähnlicher Weise entschieden sich die BBC und der Guardian doppelt so oft dafür, israelische Gefangene der Hamas zu humanisieren, wie sie palästinensische Gefangene des israelischen Staates porträtierten.
Die Unangemessenheit dieses Doppelstandards wird durch die anhaltenden Andeutungen von Politikern und Medien unterstrichen, dass die Hamas am 7. Oktober 2023 „Babys enthauptet“ und systematische Vergewaltigungen begangen habe – mehr als zwei Jahre, nachdem diese Behauptungen völlig widerlegt wurden .
Demgegenüber steht das effektive Verschweigen des Berichts von Euro Med Monitor durch die Medien im letzten Monat über die widerwärtige Praxis des israelischen Militärs, palästinensische Gefangene mit Hunden zu vergewaltigen, die genau zu diesem Zweck ausgebildet wurden.
Zahlreiche Berichte von Gefangenschaft Palästinensern in israelischer schildern systematische Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch. Diese Berichte wurden von Menschenrechtsgruppen und israelischen Soldaten und Sanitätern bestätigt, die Missstände aufdeckten. In den westlichen Medien findet dies kaum Beachtung.
Newscord weist auf ein weiteres, verschleiertes Problem hin, das die westliche Berichterstattung verzerrt: das Weglassen von etablierten, aber unbequemen Fakten, die Israel in einem verwerflichen – sprich: zutreffenden – Licht darstellen würden.
Newscord stellt beispielsweise fest, dass die BBC es völlig versäumt hat, über Hunderte von eindeutig völkermörderischen Äusserungen israelischer Beamter, angefangen bei Premierminister Benjamin Netanjahu abwärts, zu berichten – bis auf eine Ausnahme.
Das ist leicht zu verstehen. Rechtsbehörden tun sich in der Regel schwer, einen Völkermord endgültig festzustellen, da dies entscheidend davon abhängt, die Absicht zu ermitteln, die von denjenigen, die Gräueltaten begehen, typischerweise verborgen wird.
Im Falle Israels ist es besonders auffällig: Nicht nur sehen die Aktionen im Gazastreifen wie Völkermord aus, sondern die israelische Führung hat unmissverständlich klargemacht, dass diese Aktionen völkermörderisch motiviert sind. Ein solches Verhalten findet sich nur bei Menschen, die sich in ihrer eigenen Straflosigkeit wiegen.
Wieder einmal haben die britischen Medien es sich zur Aufgabe gemacht, Israel vor jeglicher rechtlicher Gefahr zu schützen – alles im Interesse einer objektiven Berichterstattung, versteht sich.
Eine alte Geschichte
Das ist nichts Neues. Es ist die gleiche Geschichte, seit Israel 1948 gewaltsam auf dem Land der Palästinenser einen Staat gründete und 80 Prozent der einheimischen Bevölkerung aus dem neuen, selbsternannten „jüdischen“ Staat ethnisch vertrieben wurden. Oder seit, um es mit der anhaltenden Lügensprache westlicher politischer, medialer und akademischer Eliten zu sagen, etwa 750.000 Palästinenser seien „geflohen“.
Ziel war es, für die westliche Öffentlichkeit eine Illusionsblase zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in der unsere eigenen Verbrechen – und die unserer Verbündeten – für uns unsichtbar bleiben.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass die britische Regierung Israel entschieden von einer kürzlich durchgeführten „unabhängigen“ Untersuchung unter der Leitung des ehemaligen Whitehall-Beamten Philip Rycroft zu schädlichem ausländischem Finanzeinfluss auf die britische Politik ausschloss. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand natürlich Russland.
Wie erwartet, wies die Regierung von Keir Starmer im April eine Petition zurück, die von mehr als 114.000 Menschen unterzeichnet worden war und eine ähnliche öffentliche Untersuchung über den Einfluss der mächtigen Israel-Lobby forderte.
Das war keine Überraschung, da jede derartige Untersuchung das Risiko mit sich gebracht hätte, die vielen Hunderttausend Pfund, die Starmer und seine Minister nachweislich von pro-israelischen Lobbyisten erhalten hatten, in den Vordergrund zu rücken.
Dieselbe britische politische und mediale Klasse, die sich so sehr weigert, den schädlichen Einfluss der pro-israelischen Lobby zu untersuchen, ignoriert auch Israels aktuelle, systematische Zerstörung von Dörfern und Infrastruktur im gesamten Südlibanon – ein eklatanter Verstoss gegen einen vermeintlichen Waffenstillstand.
Israelische Soldaten haben gegenüber lokalen Medien erklärt, ihre Aufgabe sei es, wahllos alle Gebäude anzugreifen, egal ob zivil oder „terroristisch“, mit dem Ziel, die libanesischen Einwohner an der Rückkehr in ihre Dörfer zu hindern.
Das passt zu Israels Ankündigung, dass es nach dem Ende der Kämpfe nicht die Absicht hat, sich zurückzuziehen , und zu den weit verbreiteten Plänen, die besetzten Gebiete im Libanon mit jüdischen Siedlern zu besiedeln.
Wenn nicht Videos von israelischen Bombenangriffen auf libanesische Siedlungen trotz algorithmischer Unterdrückung in den sozialen Medien auftauchen würden, wüssten wir vielleicht nichts von Israels umfassenden Bemühungen zur ethnischen Säuberung des Südlibanon.
Als Reaktion auf diese Videos veröffentlichte der Guardian einen seltenen „Mainstream“-Bericht über die Zerstörungskampagne und beschönigte dabei das Grauen, das libanesische Familien erlebten, als sie ihre Häuser und damit unbezahlbare Erinnerungsstücke und Familienerbstücke verloren vorfanden. Diese Erfahrung wurde von der Zeitung – absurd – als „bittersüss“ bezeichnet.
Kritiker stellen ein wiederkehrendes Muster fest. Israel zerstört nicht nur den Südlibanon, sondern hat in den vergangenen 30 Monaten auch fast jedes Gebäude im Gazastreifen dem Erdboden gleichgemacht.
Doch die Vorlage für beides ist viel älteren Ursprungs, wie jeder Palästinenser schon in jungen Jahren lernt.
Nachdem Israel 1948 die meisten Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben hatte, sprengte es jahrelang rund 500 Dörfer nacheinander in die Luft – obwohl israelische Politiker öffentlich behaupteten, die Flüchtlinge zur Rückkehr aufzufordern, und westliche Politiker Israel als die „einzige Demokratie“ im Nahen Osten priesen.
Vertreibungen, deren Existenz der Westen vor acht Jahrzehnten immer noch leugnet, werden heute live im Internet übertragen. Diesmal lassen sie sich nicht mehr leugnen, ebenso wenig wie die dahinterstehende koloniale, rassistische Agenda.
Verunglimpfe den Boten
Wenn die Botschaft, die Israels Gräueltaten innewohnt, nicht mehr verschwinden, beschönigt oder normalisiert werden kann – wie es in einer Zeit vor 24-Stunden-Nachrichten und sozialen Medien der Fall war –, dann ist eine andere Strategie erforderlich: den Überbringer der Botschaft verunglimpfen.
Dies ist die politische Aufgabe unserer Zeit.
Die antirassistische Linke wird als judenhassende Fanatiker verteufelt, weil sie versucht, die seit langem bestehende Illusionsblase des Westens zum Platzen zu bringen, indem sie lautstark sowohl die von Israel, angeblich im Namen der Juden, begangenen Gräueltaten als auch die Mitschuld ihrer eigenen Regierungen an diesen Gräueltaten anprangert.
Letzten Monat brachte Starmers Regierung im Unterhaus ein Gesetz durch, das es der Polizei erlaubt, Proteste zu verbieten, die zu „kumulativen Störungen“ führen – also wiederholte Proteste wie jene gegen den israelischen Völkermord im Gazastreifen. Die Medien reagierten kaum.
Der Angriff dieser Woche auf zwei jüdische Männer in Golders Green, mutmasslich verübt von einem psychisch kranken Mann mit einer langen Vorgeschichte von Gewalttaten, wird von den grossen Parteien umgehend instrumentalisiert, um sich auf noch strengere Einschränkungen des Demonstrationsrechts vorzubereiten.
Fiona Bruce von „Question Time“ unterbrach die stellvertretende Vorsitzende der Grünen sofort, als diese die anderen Diskussionsteilnehmer dafür kritisierte, die Demonstrationen gegen den Völkermord in Gaza mit antisemitischen Angriffen in Verbindung zu bringen. 92 16 27
Briten, die versuchen, israelische Kriegsverbrechen zu stoppen, sei es durch Angriffe auf israelische Todesfabriken in Grossbritannien oder durch das Hochhalten von Plakaten zur Unterstützung solcher direkter Aktionen, werden weiterhin als „Terroristen“ behandelt , selbst nach einem Gerichtsurteil, das das Verbot von Palestine Action für rechtswidrig erklärt.
Da Geschworene oft zögern, ein Urteil zu fällen, hat der britische Staat damit begonnen, die Prozesse offen zu manipulieren. Den Geschworenen wird der Zugang zu den Gründen für die Angriffe auf israelische Waffenfabriken – dem Hauptverteidigungsgrund der Angeklagten – verwehrt. Richter weisen die Geschworenen an, ein Urteil zu fällen.
Bürger, die schweigend Schilder vor dem Gerichtsgebäude hochhalten, werden verhaftet, weil sie die Geschworenen an ihr seit langem bestehendes Recht erinnern, sich solchen Anweisungen zu widersetzen, ihrem Gewissen zu folgen und freizusprechen – ein Polizeimissbrauch, der gegen jahrhundertealte Rechtsprechung verstösst und den die Gerichte zunehmend zu dulden scheinen.
Es gibt – von den Medien pflichtbewusst befolgte – Geheimhaltungsvorschriften bezüglich weiterer Machenschaften, die der britischen Regierung helfen sollen, die benötigten Urteile zu erwirken, um den Aktivismus gegen den Völkermord zu unterdrücken. Wir wissen dies nur, weil die Abgeordnete ihrer Partei, Zarah Sultana, ihr parlamentarisches Rederecht genutzt hat, um darauf aufmerksam zu machen.
Es war bezeichnend, dass in der laufenden Wiederholungsverhandlung gegen sechs Angeklagte der Palestine Action fünf von ihnen in ihren Schlussplädoyers auf ihre Anwälte verzichteten . Sie merkten düster an, dass ihre Rechtsvertreter sie aufgrund von „Entscheidungen des Gerichts“ nicht angemessen vertreten konnten.
Unterdessen treibt die Starmer-Regierung ihre Pläne voran, sich endgültig von unliebsamen Geschworenengerichten zu befreien und zuverlässigere Richter allein über diese politischen Schauprozesse entscheiden zu lassen.
Willkommen zur rasanten Auflösung der in Grossbritannien so hoch geschätzten verfassungsmässigen Rechte – die vor allem dazu benötigt werden, so scheint es, um ein weit entferntes Land zu schützen, das laut Internationalem Gerichtshof das Verbrechen der Apartheid an den Palästinensern begeht und möglicherweise auch einen Völkermord im Gazastreifen verübt.
Schmerzhafte Lektion
Aber natürlich höhlt die britische Regierung – wie die Regierungen der USA, Deutschlands und Frankreichs – ihre liberale Demokratie nicht nur aus, um Israel zu schützen. Sie wird aus Verzweiflung zu solch extremen Massnahmen gezwungen.
Der Westen kann die Illusion seiner moralischen oder zivilisatorischen Überlegenheit in einer Welt schwindender Ressourcen nicht länger aufrechterhalten, einer Welt, in der westliche Eliten bereit sind, die Zerstörung des Planeten in Kauf zu nehmen, um die Profite aus fossilen Brennstoffen zu schützen, von denen sie fett geworden sind.
Die Ziele der Epstein-Klasse werden im Inland immer durchsichtiger und im Ausland immer stärker infrage gestellt. Der Völkermord in Gaza und die ethnischen Säuberungen im Libanon haben die moralische Legitimität des Westens aufgebraucht. Nun untergräbt der Iran nach und nach die militärische Vormachtstellung des Westens.
Es ist keine Überraschung, dass ein US-Imperium, das sich am Ende seiner Kräfte befindet – ein Imperium, das auf der Kontrolle fossiler Brennstoffe aufgebaut ist – sich die Strasse von Hormuz, den grössten Ölauslauf der Welt, als Schlachtfeld auserkoren hat.
Israel wurde vor acht Jahrzehnten in der Region als hochmilitarisierter Klientelstaat etabliert, dessen Hauptaufgabe darin bestand, westliche – sprich US-amerikanische – Macht in den ölreichen Nahen Osten zu projizieren.
Die USA schützten Israel vor genauerer Überprüfung seiner Unterdrückung der Palästinenser und des Diebstahls ihres Heimatlandes.
Im Gegenzug half das „tapfere“ Israel den USA, eine eigennützige Erzählung zu konstruieren, die die Eindämmung und den Sturz säkularer nationalistischer Regierungen im Nahen Osten erforderte, während gleichzeitig rückwärtsgewandte Monarchien geschützt wurden, die zwar den Anschein der Opposition gegen Israel erweckten, in Wirklichkeit aber heimlich mit ihm kollaborierten.
Die so entstandenen, umkämpften und gespaltenen Staaten der Region waren reif für die Kontrolle. Es fehlte ihnen an rechenschaftspflichtigen Regierungen, die auf die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung eingehen und sich möglicherweise verbünden würden, um die Interessen der Region vor westlicher Kolonialeinmischung zu schützen.
Nun treibt der Iran dieses jahrzehntealte System auf die Probe und setzt es dem Untergang aus. Er zwingt die Golfstaaten zur Entscheidung: Wollen sie weiterhin den USA dienen, obwohl diese gezeigt haben, dass sie sie nicht schützen können, oder wollen sie sich mit dem Iran verbünden, der sich zu einer neuen Grossmacht entwickelt und Gebühren für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus erhebt?
Der Westen muss schnell feststellen, dass billige Drohnen selbst seine ausgefeiltesten Ortungssysteme überlisten können und dass schon wenige Minen und Kanonenboote einen Grossteil der Treibstoffversorgung unterbrechen können, von der die Weltwirtschaft abhängt.
Die Illusionen sind endgültig geplatzt. Der Westen erlebt ein jähes und längst überfälliges Erwachen. Die Lektion wird wahrlich schmerzhaft sein.
Dezentrales Kunstprojekt mobilisiert europaweit Tausende, um mit symbolischen Aktionen gegen Aufrüstung und für Verständigung einzutreten
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Ein kürzlich durchgesickertes „ökumenisches Rahmenkonzept“ zeigt, dass sich selbst die deutschen Kirchen auf einen Krieg vorbereiten.
Im Folgenden verlinke ich das sogenannte „ökumenische Rahmenkonzept“, das mir Dr. Ulrike Guérot kürzlich in einem Vortrag vorgestellt hat ( deutsche Version hier , englische Version folgt in Kürze). Es ist eine erschreckende Lektüre, denn sie zeigt, wie weit die Kriegspsychose in Deutschland bereits fortgeschritten ist. Zusammenfassung von KI, vollständiger Text (auf Deutsch) hier.
Zusammenfassung
Das im September 2025 datierte „ökumenische Rahmenkonzept“ ist weit mehr als ein Dokument pastoraler Planung. Es ist ein nüchternes Vorbereitungsdokument für den Fall eines Krieges – und als solches ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst deutsche Institutionen, einschliesslich der Kirchen, die Möglichkeit eines militärischen Konflikts in Europa inzwischen nehmen.
Der Ausgangspunkt des Dokuments bildet den Rahmen für alles: Nach Einschätzungen aller relevanten Akteure aus Militär, Nachrichtendiensten und Forschung könnte Russland noch vor Ende dieses Jahrzehnts NATO-Territorium angreifen. Deutschland bereitet sich institutionell bereits auf dieses Szenario vor – mit einer 2023 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie, einem Einsatzplan der Bundeswehr für Deutschland und Rahmenleitlinien für eine umfassende Landesverteidigung. Das Rahmenkonzept der Kirchen wird explizit als Beitrag zu dieser umfassenderen gesellschaftlichen Vorsorgelogik präsentiert, die der Staat unter dem Konzept der „integrierten Sicherheit“ zusammengeführt hat, in dem kirchliche Akteure ausdrücklich als Partner der Zivilgesellschaft benannt sind.
Die konkreten Forderungen des Papiers sind radikal. Es fordert die systematische Vorbereitung aller Bereiche der kirchlichen Seelsorge – von der Gemeinde- und Krankenhausseelsorge bis hin zur Militär-, Polizei- und Gefängnisseelsorge – auf Szenarien mit einer grossen Anzahl verwundeter Soldaten, gefallener Kämpfer, Kriegsgefangener und Flüchtlinge. Von den Kirchen wird nicht erwartet, dass sie improvisieren; vielmehr sind sie aufgerufen, jetzt Krisenmanagementteams einzurichten, die Informationsketten aufrechtzuerhalten, Verantwortlichkeiten zu klären und das Personal im Voraus zu schulen. Das Leitmotto ist in seiner Direktheit bezeichnend: „In der Krise gilt es, seine Gemeindemitglieder zu kennen.“
Besonders aufschlussreich sind die konkreten Szenarien, auf die das Dokument die Kirchen vorbereitet. Im Falle eines Bündnisses – das als wahrscheinlichstes Szenario gilt – würde Deutschland als Logistikdrehscheibe für die NATO-Streitkräfte fungieren. Dies beinhaltet den Transit von Truppen und Material durch deutsches Gebiet, die Rückführung zahlreicher verwundeter und gefallener Soldaten, Flüchtlingsbewegungen aus Osteuropa sowie potenzielle Angriffe auf kritische Infrastrukturen und Cybersysteme. Unter expliziter Bezugnahme auf die Lehren aus dem Ukraine-Krieg geht das Dokument von sehr hohen Opferzahlen aus. Krankenhausseelsorger sollen sich auf Triage-Situationen vorbereiten, Notfallseelsorger auf Massentraumatisierungsereignisse und Gemeindeseelsorger auf die Begleitung trauernder Familien in einem für das friedliche Deutschland unbekannten Ausmass.
Das Papier fordert darüber hinaus eine enge institutionelle Abstimmung zwischen Kirchenstrukturen und staatlichen Behörden auf Bundes- und Landesebene. Kirchenbüros, die den Landesregierungen angegliedert sind, sollen als ständige institutionelle Schnittstellen fungieren. Auf Bundesebene wird die Einrichtung eines etwa zehnköpfigen ökumenischen Krisenstabs erwogen. Die Kirchen müssen genau wissen, wer im Notfall die Aufsichtsbefugnis hat – über Notfallseelsorger, Krankenhausseelsorger und Kirchenmitarbeiter, die gleichzeitig bei freiwilligen Feuerwehren oder der Bundesbehörde für technische Hilfe tätig sind. Diese Klarheit ist alles andere als selbstverständlich; sie setzt umfangreiche rechtliche und organisatorische Vorbereitungsarbeiten voraus.
Insgesamt macht dieses Dokument eine Gesellschaft sichtbar, die sich – auf institutioneller Ebene – auf einen Krieg vorbereitet, ohne dies öffentlich zu benennen. Die Kirchen werden aufgefordert, Teil einer nationalen Infrastruktur zur Kriegsvorsorge zu werden. Obwohl das Papier ausdrücklich betont, die friedensethischen Verpflichtungen beider Kirchen nicht anzutasten, bewirkt es dennoch eine wesentliche operative Neuausrichtung: weg von einer abstrakten friedensethischen Haltung hin zu konkreter Krisenplanung innerhalb eines staatlich koordinierten Rahmens umfassender nationaler Verteidigung.
Für Deutschland bedeutet dies, dass die Vorbereitung auf einen möglichen Krieg nicht mehr nur eine militärische Angelegenheit ist. Sie durchdringt zunehmend alle gesellschaftlichen Institutionen – bis hinunter zur einzelnen Kirchengemeinde.
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Zusammenfassung des "Kirchenpapiers" (durch KI):
Das Dokument ist übertitelt mit "Ökumenisches Rahmenkonzept 2 Seelsorge und Akutintervention im 3 Spannungs-, Bündnis- und 4 Verteidigungsfall5 Ein internes Arbeitspapier6 der evangelischen und katholischen Kirche"
Hier ist meine sehr kritische Zusammenfassung des internen Arbeitspapiers «Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall» der evangelischen und katholischen Kirche (Dezember 2025), in Schweizer Rechtschreibung, ohne Sonderzeichen.
Dieses Papier ist kein friedensethisches Dokument, sondern eine technokratische Mobilmachungsanleitung der Kirchen für den Kriegsfall. Es verdient aus mehreren Gründen scharfe Kritik.
1. Still Schweigen zur Friedensethik
Das Papier erwähnt zwar die traditionelle Friedensethik der Kirchen, relativiert diese aber sofort mit dem Hinweis, es gehe um Vorbereitung für den Fall, «dass alle Friedensbemühungen gescheitert sind». De facto wird damit die grundsätzliche Option für gewaltfreie Konfliktlösung fallen gelassen. Der russische Angriffskrieg dient als einzige Begründung; eine eigenständige kritische Analyse der Kriegsursachen (NATO-Osterweiterung, Waffenlieferungen, fehlende Diplomatie) sucht man vergebens. Die Kirchen übernehmen unkritisch die sicherheitspolitische Analyse der Bundesregierung.
2. Systemische Instrumentalisierung der Seelsorge
Das Papier ist kein seelsorgliches, sondern ein organisationsstrategisches Dokument. Es geht nicht um Trost oder geistliche Begleitung, sondern um «Kopplung der Systeme», «klare Zuständigkeiten», «Krisenstäbe», «Top-down-Strukturen» und «Schnittstellenreduzierung». Die Kirche wird als subsidiärer Partner des Staates funktionalisiert. Seelsorge wird zur psychosozialen Stützungsmassnahme für die Kriegstauglichkeit der Gesellschaft umdefiniert. Eigenständige prophetische Kritik am Krieg ist in diesem Konzept nicht vorgesehen.
3. Anbiederung an die Gesamtverteidigung
Die Kirchen ordnen sich bereitwillig in die staatliche «Gesamtverteidigung» ein. Sie übernehmen Aufgaben in der logistischen Drehscheibe Deutschland, bei der Betreuung von Verwundeten, Gefallenen, Kriegsgefangenen und Flüchtlingen – ohne dass auch nur eine kritische Anfrage an die Legitimität des jeweiligen Krieges gestellt würde. Das Papier zitiert zustimmend die Nationale Sicherheitsstrategie («Sicherheit geht alle Menschen an») und den Operationsplan Deutschland. Eine distanzierte Haltung gegenüber militärischer Eskalation ist nicht erkennbar.
4. Problem der Bildungspropaganda
Das Papier bestätigt indirekt Desmets These von der Bildungspropaganda: Hochqualifizierte Kirchenbeamte und Theologen haben hier ein Dokument verfasst, das die eigene Friedenstradition verrät und sich nahtlos in staatliche Kriegsvorbereitungen einfügt. Die kritische Distanz, die man von Kirchen erwarten dürfte, fehlt vollständig. Stattdessen wird in bürokratischem Deutsch der «Dienst am Nächsten» zur logistischen und psychosozialen Unterstützung des Kriegsapparats umgedeutet.
5. Fehlende theologische Reflexion
Das Dokument ist auffällig theologielos. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird instrumentalisiert, um jede staatlich definierte Nothilfe zu rechtfertigen. Eine Diskussion darüber, wann Gehorsam gegenüber staatlicher Kriegspolitik zu verweigern ist (Gewissensfreiheit, ungerechter Krieg), fehlt. Die «kritische Solidarität» wird erwähnt, aber nicht konkretisiert. Praktisch läuft es auf Solidarität ohne Kritik hinaus.
6. Personalplanung auf Kosten anderer
Die Kirchen planen den Auf- und Ausbau von Seelsorgestrukturen für den Kriegsfall, während sie gleichzeitig im Frieden Stellen abbauen. Das Papier fordert «Priorisierung beim Personaleinsatz» – was faktisch bedeutet, dass Friedensarbeit, offene Jugendarbeit, Gemeindepflege zurückgestellt werden sollen. Die Finanzierung dieser Aufrüstung bleibt ungeklärt.
7. Problem der Geheimhaltung
Das Papier ist als «internes Arbeitspapier» deklariert, wird hier aber öffentlich. Dies wirft Fragen nach demokratischer Legitimation und Öffentlichkeit auf. Die Kirchen bereiten sich auf Szenarien vor, die politisch hochumstritten sind, ohne dass eine gesellschaftliche Debatte darüber geführt wird. Das ist ein demokratiepolitisch bedenklicher Vorgang.
Fazit
Das Papier ist kein Beitrag zur Friedensethik, sondern zur Kriegsvorbereitung. Die Kirchen funktionieren darin als Erfüllungsgehilfen staatlicher Sicherheitspolitik. Sie vertauschen den Dienst am Nächsten mit der logistischen Unterstützung eines militärischen Apparats. Wer von Kirchen prophetische Wachsamkeit gegenüber Kriegstreiberei erwartet, wird hier enttäuscht. Statt «Gerechter Friede» heisst die Devise «Integrierte Sicherheit». Das ist kein aufrichtiges, sondern ein angepasstes Christentum – genau jene Massenbildung, die Desmet im Artikel weiter oben kritisiert hat.
Es gibt Öl- und Rohstofffirmen mit Sitz in der Schweiz, die hier Steuern zahlen, vor allem Handelsunternehmen wie Glencore, Trafigura oder Vitol. Sie versteuern einen Teil ihrer Gewinne in der Schweiz, während ein grosser Anteil der Geschäftstätigkeit und Wertschöpfung im Ausland stattfindet.
In der aktuellen Situation mit hohen Ölpreisen durch geopolitische Krisen wie dem Irankrieg erzielen diese Firmen teils extreme Gewinne. Ein wichtiger Faktor sind Lagergewinne: günstig eingekaufte Bestände werden zu deutlich höheren Marktpreisen verkauft. Das erhöht die Profitabilität markant, auch wenn Absicherungen und laufende Nachkäufe den Effekt teilweise relativieren können.
Der Schweizer Staat profitiert indirekt erheblich über reguläre Unternehmens- und Einkommenssteuern, insbesondere in rohstofflastigen Kantonen wie Genf und Zug.
Die Schweiz könnte eine Übergewinnsteuer erheben und damit die verteuernden Treibstoffpreise, Lebensmittelpreise, bzw. den Druck auf den lebensnotwendigen Konsum, usw. zu reduzieren, Eine gezielte Übergewinnsteuer wird jedoch nicht verfolgt, obwohl sie politisch diskutiert wird und Übergewinne definierbar wären, etwa als Renditen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.
Kritisch betrachtet entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Die Schweiz profitiert stark als Standort für Rohstoffhandel und nimmt hohe Steuereinnahmen ein, verzichtet aber gleichzeitig auf eine klare politische Haltung zur Abschöpfung ausserordentlicher Krisengewinne. Damit wirkt die Politik pragmatisch und standortorientiert, aber auch passiv, indem sie von den globalen Krisen profitiert, ohne eine konsistente Linie zur Frage zu entwickeln, ob und wie solche Übergewinne gesellschaftlich stärker reguliert werden sollten.
Übersetzung des Artikels von Richard Murphy
Eines meiner wiederkehrenden Themen in diesem Blog in letzter Zeit war das Versagen des Neoliberalismus zu finden . Geld , eine sinnvolle Verwendung für das in unseren Volkswirtschaften eingesparte
Ich bin nicht der Einzige, dem dieses Thema aufgefallen ist. Martin Wolf von der Financial Times schreibt beispielsweise seit Jahren über das Problem des globalen Sparüberschusses . Und er hatte Recht damit.
zurückzuführen Wie ich bereits erwähnt habe, ist dies auf eine enorme Vermögensungleichheit , die zu Belohnungen führt, die weit über die Bedürfnisse der Menschen hinausgehen, was bedeutet, dass sie in der von Martin Wolf beschriebenen Weise gespart haben, gepaart mit dem Versagen der Finanzmärkte, eine Verwendung für dieses Geld zu finden.
Gleichzeitig hat das neoliberale Dogma, das diese Ungleichheit und übermässige Belohnung und damit einen Sparüberschuss geschaffen hat, auch die Vorstellung hervorgebracht, dass Reichtum allein durch Finanzialisierung und nicht durch die Schaffung tatsächlichen Werts durch Produktion entstehen kann, was in der Folge zu erheblicher finanzieller Instabilität in den Bilanzen vieler der weltweit grössten Unternehmen geführt hat.
Gleichzeitig hat der Neoliberalismus die dogmatische Überzeugung gefördert, dass sich der Staat aus der aktiven Beteiligung an der Wirtschaft zurückziehen müsse , was bedeutet, dass er sich nicht daran beteiligen dürfe, die Ersparnisse der Menschen konstruktiv zu nutzen – ein Thema, das ich schon oft angesprochen habe.
Kurz gesagt, ist es diese Kombination von Umständen, die einen Grossteil der Krise verursacht hat, in der wir uns jetzt befinden.
erinnerte mich daran Ein Artikel in der Financial Times am Wochenende . Darin ging es um die Quartalsergebnisse von Berkshire Hathaway, dem Unternehmen , das bis vor Kurzem noch von dem legendären Investor Warren Buffett geleitet wurde, nun aber einen neuen CEO hat. Der Artikel hob hervor, dass dieser die von Buffett übernommene Unternehmensstrategie nicht geändert hat. Diese basiert seit mindestens drei Jahren darauf, Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen zu verkaufen und immer grössere Cash-Reserven anzulegen – oder deren Äquivalent in Form von Ersparnissen in US- Staatsanleihen und gegebenenfalls anderen Staatsanleihen .
Dieses Diagramm verdeutlichte den Trend:

Sie werden feststellen, dass Berkshire Hathaway nun über liquide Mittel in Höhe von 380 Milliarden US-Dollar verfügt. In diesem Fall erwerben die Käufer der Aktien nicht nur Anteile an den verbleibenden Beteiligungen an einem diversifizierten Portfolio von Unternehmen, die Berkshire Hathaway hält, sondern investieren auch in ein Unternehmen, das buchstäblich Geld hortet, weil es – genau wie der Sparer, der die Aktien kauft – keine bessere Verwendung dafür hat.
Das ist, ganz wörtlich, der Punkt der Sinnlosigkeit, den der moderne Kapitalismus erreicht hat, und bitte bringen Sie Investitionen in KI nicht als Gegenargument vor. Die aktuelle Investitionswelle in KI, so gewaltig sie auch sein mag, beweist genau meine These, denn sie zeigt, wie verzweifelt die Menschen nach neuen wirtschaftlichen Betätigungsfeldern suchen, die einen wirtschaftlichen Ertrag abwerfen könnten. Dabei ist es doch so, dass KI nicht nur keinen solchen Ertrag garantieren kann, sondern im Gegenteil sowohl unserem Klima als auch unserer Wirtschaft schaden könnte, indem sie Arbeitsplätze vernichtet und damit die gesamte Struktur unserer Gesellschaft in Mitleidenschaft zieht.
Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, stiess ich auf eine andere Art und Weise auf das Problem des Kapitalismus, der an seine Grenzen stösst. Seit wir unseren YouTube-Kanal gestartet haben, habe ich unzählige Videos über Kameras, Videoequipment, Objektive, Mikrofone und all das andere gesehen, was ich lernen musste, um eine akzeptable Produktionsqualität zu erreichen. Dabei stiess ich auf den YouTube-Kanal von Gerald Undone . Seine Videos boten wohl die ausgefeiltesten Analysen von Kameraequipment auf YouTube, und er hatte viele Follower, weil er einfach hervorragend darin war, gute Produkte zu erkennen, ihre Qualität zu erklären und zu sagen, was man besser vermeiden sollte.
Und nun gibt er das auf. Warum? Weil ihm der Spass an seinem Job abhandengekommen ist. Sein Argument: Egal, von welchem Hersteller man heutzutage eine Kamera kauft – ob Sony, Canon, Nikon, Leica, Panasonic oder ein anderer, höchstwahrscheinlich sogar das Smartphone –, man bekommt ein nahezu perfektes Gerät, das Fotos liefert, die die Vorstellungskraft übertreffen. Daher ist jede technische Analyse dieser Bilder reine Zeitverschwendung.
Wie er selbst sagte, ist es nach wie vor relevant, über den kreativen Prozess zu sprechen – etwas, womit er sich nie wirklich beschäftigt hat. Über die Ausrüstung zu sprechen hingegen nicht. Sie ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass jede vernünftige Anforderung, die ein Fotograf an eine solche Ausrüstung stellen kann, nicht nur erfüllt werden kann, sondern auch stets erfüllt wird. Der Nutzen weiterer Investitionen in die Entwicklung solcher Ausrüstung ist mittlerweile so gering, dass sie sich kaum noch lohnen.
Das fasst das neoliberale Problem im Kern zusammen. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem in solchen Bereichen kaum noch Fortschritte zu erzielen sind und jegliche Behauptungen über Unterschiede nur noch Marketingfloskeln sind, nicht aber der Realität entsprechen. Was jetzt zählt, ist das Potenzial der Menschen – genau das, was der Neoliberalismus zerstören will.
Der Neoliberalismus will keine Menschen hervorbringen, die fotografieren können, denn wenn Menschen kreativ genug denken können, werden sie das neoliberale System hinterfragen, und ihre Fotos könnten es infrage stellen. Solange sie sich noch über ihre Ausrüstung beschweren konnten, weil diese nicht die gewünschten Fotos lieferte, wurden sie womöglich davon abgehalten, Inhalte zu erstellen, die die wesentlichen Fragen des Lebens aufwerfen. Jetzt hat es keinen Sinn mehr, sich über die Ausrüstung zu beschweren; es bleiben nur noch die wirklich wichtigen Fragen.
Zweifellos wird der Neoliberalismus früher oder später einen anderen Weg finden, Menschen daran zu hindern, die Fragen zu stellen, die er für unerwünscht hält. Das ist sein gewählter Weg, obwohl er noch keine Antwort auf das Problem neurodiverser Menschen gefunden hat, bei denen freiwillige Kooperation selten ist. Deshalb wenden sich alle führenden neoliberalen Parteien und Denkfabriken so vehement gegen Menschen mit diesen Besonderheiten.
Um das Ganze weiter in den Kontext zu setzen, habe ich gestern ein Video veröffentlicht, in dem ich eine rhetorische Frage stellte, warum ich das tue – genauer gesagt, warum ich täglich Blogbeiträge schreibe und Videos veröffentliche. Kurz gesagt, wie ich bereits erklärte, möchte ich die Antwort auf die Frage finden: Worum geht es in unserer heutigen Wirtschaft?
Es ist nun klar, dass es nicht darum geht, immer neue Technologien zu entwickeln, die für immer jenseits menschlicher Fähigkeiten liegen. Vielmehr muss es darum gehen, wie wir die menschlichen Fähigkeiten weiterentwickeln. Nur indem wir in die Menschen investieren, ihre Bedürfnisse erfüllen und ihnen die Freiheit von Angst geben, die sie brauchen, um ihr Potenzial für ein gutes Leben zu entfalten, können wir heute einen Nutzen aus den verfügbaren Ressourcen ziehen. Erstaunlicherweise können wir dadurch auch die gravierenden Folgen des Klimawandels abwenden.
Sobald unsere Grundbedürfnisse befriedigt sind – und das betone ich ausdrücklich –, brauchen die meisten von uns keine weiteren Dinge. Was wir brauchen, ist mehr Verständnis. Das wiederum schafft mehr Chancengleichheit, denn letztendlich sind unsere Möglichkeiten begrenzt, auch wenn wir auf ganz unterschiedliche Weise unsere Ziele erreichen. Nur wenn wir Zufriedenheit für alle schaffen, können wir die gesellschaftlichen Anforderungen erfüllen.
Es bedarf daher eines grundlegenden Mentalitätswandels. Märkte haben angeblich unermesslichen Reichtum geschaffen, doch dieser ist stark konzentriert und kann über die reine Gewinnmaximierung hinaus keine weiteren Erträge mehr abwerfen. Im Gegensatz dazu ist das Potenzial für nicht-marktbasierte Aktivitäten von Regierungen und anderen Akteuren, Kompetenzen aufzubauen und Wohlstand zu schaffen, nach wie vor enorm, massiv unterausgeschöpft und birgt ein reales Potenzial, Renditen zu erzielen, die weit über das hinausgehen, was Investitionen in Marktkapital , Technologie oder die reine Gewinnmaximierung derzeit erwirtschaften können.
In diesem Zusammenhang denke ich viel darüber nach, wie wir das BIP und damit verbundene makroökonomische Ziele überdenken müssen. Bisher gibt es noch nichts zu veröffentlichen, aber was ich im Zuge dieser Überlegungen feststelle, ist eine ganze Reihe neuer Wirtschaftsindikatoren, die Aufschluss darüber geben, was tatsächlich in der Welt um uns herum geschieht. Diese Indikatoren können uns bessere Hinweise darauf geben, wie wir die Ressourcen der Welt verteilen können – was in der Wirtschaftswissenschaft die Antwort auf die entscheidende Frage darstellt. Mehr dazu in Kürze.
Das Amt ignoriert das Öffentlichkeitsgesetz und sabotiert die Schlichtung. Der Fall landet wohl vor Gericht. Das ist gut so.
Dieses Verhalten ist bedenklich: Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verweigert – mit Rückendeckung von Bundesrat Guy Parmelin (SVP) – in Verfahren zum US-Zollabkommen nicht nur den Zugang zu Dokumenten, sondern auch die Mitwirkung im Schlichtungsverfahren. Kurzum: Das Öffentlichkeitsgesetz wird auf höchster Ebene unterlaufen.
Das geht aus kürzlich publizierten Empfehlungen des Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes hervor. Demnach gewährte das Seco diesem – nach Rücksprache mit dem Departement von Wirtschaftsminister Guy Parmelin – keinen Zugang zu den strittigen Dokumenten. Damit wird dieses zentrale Instrument der Verwaltungstransparenz faktisch ausgehebelt.
Mit einem Buch und einem 22-Punkte-Manifest geht Palantir in die Offensive. Lange arbeitete die Firma im Verborgenen. (1. Teil)
Palantir ist seit ein paar Jahren weltweit im Gespräch. Es ist wohl die meistkritisierte IT-Firma. Der Philosoph Mark Coeckelbergh bezeichnet das 22-Punkte-Manifest, das Palantir am 18. April auf X veröffentlicht hat, als «Beweis für einen aufkommenden KI-Techno-Faschismus». Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis charakterisiert das Manifest als eine unverhüllte Deklaration des «Techno-Feudalismus». Autoritäre Apologeten hingegen bewundern das Manifest. So bezeichnete Jamie Dimon (CEO von JP Morgan Chase) das Buch «The Technological Republic – Hard Power, Soft Belief and the Future oft he West» des Palantir-Gründers Alex Karp als «Geschenk für jeden Amerikaner».
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
Amerikas selbstmörderischer Marsch begann lange vor Donald Trump. Trump und die Witzfiguren um ihn herum sind das unausweichliche letzte Kapitel dieses zerfallenden Imperiums.
Zivilisationen, so argumentierte der Historiker Arnold J. Toynbee einst, „sterben durch Selbstmord, nicht durch Mord“. Sie zerfallen von innen heraus. Sie fallen moralischem, sozialem und spirituellem Verfall zum Opfer. Sie werden von einer parasitären herrschenden Klasse vereinnahmt. Demokratische Institutionen lähmen. Die Bürgerschaft verarmt, der Reichtum fliesst nach oben zur herrschenden Klasse, und Zwang ist das wichtigste Mittel der Kontrolle.
Unser selbstmörderischer Marsch begann lange bevor Donald Trump und sein bizarrer Hofstaat aus Witzfiguren, Speichelleckern, Betrügern und christlichen Faschisten an die Macht kamen. Er begann, als die herrschende Klasse, insbesondere unter den Regierungen von Reagan und Clinton, sich zum Ziel setzte, das Land und das Imperium für ihren persönlichen Profit auszubeuten.
Für solche Leute gibt es ein Wort: Verräter.
Diese Verräter, die sich in den Führungspositionen der beiden regierenden Parteien eingenistet hatten, enteigneten uns schleichend und beraubten uns unserer Ressourcen und Macht. Sie bedienten sich Täuschung, Lügen und legalisierter Bestechung. Sie gaben vor, Wahlpolitik, Gewaltenteilung, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit zu achten, während sie all diese demokratischen Grundpfeiler untergruben. Das alte System, so fehlerhaft es auch gewesen sein mag, wurde ausgehöhlt. Es wurde den Unmoralischen und Idioten – man schaue sich nur den Obersten Gerichtshof oder den Kongress an – übergeben, jenen, die bereit waren, den Wünschen der Milliardärsklasse nachzukommen.
Mit Milliarden von den Oligarchen und Konzernen, den Todfeinden des Volkes, ausgestattet, zerstörten die politischen Eliten, Republikaner wie Demokraten, die Karrieren jener Politiker, die Widerstand leisteten. Sie zerschlugen Gewerkschaften, setzten ehrliche Journalisten auf die schwarze Liste und konzentrierten die Presse in den Händen einiger weniger Konzerne und Oligarchen. Sie bauten Regulierungen ab, die ungezügelte Gier eindämmten und die Bevölkerung vor skrupellosen Konzernen und Umweltgiften schützten. Sie verabschiedeten Gesetze, die faktisch einen Steuerboykott für die Reichen bewirkten – Trump zahlte bekanntermassen in 10 der 15 Jahre vor seiner Präsidentschaft keine Bundeseinkommensteuer –, während sie gleichzeitig die Industrie des Landes lahmlegten und rund 30 Millionen Menschen arbeitslos machten. Reichtum entsteht nicht mehr durch Produktion oder Fertigung, sondern durch die Manipulation von Aktien- und Rohstoffpreisen und die Auferlegung einer erdrückenden Schuldenlast auf die Bevölkerung.
Diese Parasiten kürzten oder schafften Sozialprogramme ab, militarisierten die Polizei, errichteten das grösste Gefängnissystem der Welt und pumpten Unsummen in eine aufgeblähte und ausser Kontrolle geratene Rüstungsindustrie. Der deutsche Sozialist und Politiker Karl Liebknecht nannte die deutschen Imperialisten am Vorabend des selbstmörderischen Ersten Weltkriegs „den Feind im Inneren“. Unsere Machthaber, unsere Feinde im Inneren, führten eine Reihe sinnloser Kriege, die die globale Hegemonie des Imperiums untergruben und Billionen von Steuergeldern in ihre Kassen spülten. Der Iran ist das jüngste Beispiel.
Trump ist kein Einzelfall. Er ist der unverblümte, schonungslose Ausdruck dieses selbstzerstörerischen Paktes. Er gibt nicht vor, das System, das er geerbt hat, funktioniere. Er lügt mit weniger Feingefühl. Er bereichert sich und seine Familie schamlos. Er spricht in vulgärer Sprache. Er demontiert jede staatliche Behörde, die dem Gemeinwohl dient, darunter die Umweltschutzbehörde, das Bildungsministerium und die US-Post. Doch er verkörpert das, was vor ihm war, wenn auch ohne die liberale Fassade.
„Trump ist keine Ausnahme“, schrieb ich in „Amerika: Die Abschiedstournee“.
Er ist das groteske Antlitz einer zusammengebrochenen Demokratie. Trump und sein Gefolge aus Milliardären, Generälen, Dummköpfen, christlichen Faschisten, Kriminellen, Rassisten und moralisch Verkommenen verkörpern die Rolle des Snopes-Clans in einigen Romanen von William Faulkner. Die Snopeses füllten das Machtvakuum des verfallenen Südens und rissen die degenerierte, ehemals sklavenhaltende Aristokratie rücksichtslos an sich. Flem Snopes und seine Grossfamilie – zu der ein Mörder, ein Pädophiler, ein Bigamist, ein Brandstifter, ein geistig behinderter Mann, der mit einer Kuh kopuliert, und ein Verwandter gehören, der Eintrittskarten für diese Bestialität verkauft – sind fiktive Repräsentationen des Abschaums, der nun bis in die höchsten Ränge der Bundesregierung aufgestiegen ist. Sie verkörpern den moralischen Verfall, den der ungezügelte Kapitalismus entfesselt hat.
Die Epstein-Akten, ein Fenster in die Verkommenheit unserer herrschenden Klasse, enthielten nicht nur Namen von Trump, sondern auch von Ex-US-Präsident Bill Clinton – der angeblich mit Epstein nach Thailand reiste –, Prinz Andrew, Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates, Hedgefonds-Milliardär Glenn Dubin, dem ehemaligen Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, dem ehemaligen Finanzminister und ehemaligen Präsidenten der Harvard-Universität, Larry Summers, dem Kognitionspsychologen und Autor Stephen Pinker, Epsteins Anwalt und überzeugten Zionisten Alan Dershowitz, der Milliardärin und Victoria’s-Secret-Chefin Leslie Wexner, dem ehemaligen Barclays-Banker Jes Staley, dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, dem Magier David Copperfield, dem Schauspieler Kevin Spacey, dem ehemaligen CIA-Direktor William Burns, dem Immobilienmogul Mort Zuckerman, dem ehemaligen Senator von Maine, George Mitchell, und dem in Ungnade gefallenen Hollywood-Produzenten und verurteilten Vergewaltiger Harvey Weinstein. Sie alle verkehrten in Epsteins ausschweifendem Umfeld.
Anand Giridharadas, Autor von „Winners Take All: The Elite Charade of Changing the World“, stellt fest, dass der Kreis mächtiger Männer und eine Handvoll Frauen, die Epstein umgaben, beispielhaft für eine privilegierte Kaste stehen, der es an Empathie für das Leid und den Missbrauch anderer mangelt, sei es sexueller Missbrauch, auch an Kindern, finanzielle Zusammenbrüche, die sie inszenieren, Kriege, die sie unterstützen, Sucht und Überdosen, die sie ermöglichen, die Monopole, die sie verteidigen, die Ungleichheit, die sie anheizen, die Wohnungskrise, die sie ausnutzen, oder die aufdringlichen Technologien, vor denen sie die Menschen nicht schützen wollen:
Die Menschen haben Recht mit ihrer Vermutung, dass die E-Mails eine streng abgeschottete, leistungsorientierte Elite an der Schnittstelle von Regierung und Wirtschaft, Lobbyismus, Philanthropie, Start-ups, Wissenschaft, Forschung, Hochfinanz und Medien offenbaren, die allzu oft ihre eigenen Interessen über das Gemeinwohl stellt. Sie haben Recht mit ihrem Unmut darüber, dass Mitglieder dieser Gruppe unzählige zweite Chancen erhalten, während so vielen Amerikanern die erste Chance verwehrt bleibt. Sie haben Recht damit, dass ihre Bitten oft ungehört verhallen, egal ob sie aus ihren Wohnungen vertrieben, ausgebeutet, zwangsversteigert, durch KI überholt – oder, ja, vergewaltigt – werden.
„Die Epstein-E-Mails zeichnen meiner Ansicht nach“, schreibt Giridharadas, „gemeinsam ein vernichtendes Bild davon, wie unsere Gesellschaftsordnung funktioniert und wem sie dient. Das zu sagen ist nicht übertrieben. Die Art und Weise, wie diese Elite agiert, ist es.“
„Wenn diese Machtelite der neoliberalen Ära weiterhin schlecht verstanden wird“, fährt er fort, „dann mag das daran liegen, dass sie nicht nur eine Finanzelite oder eine gebildete Elite, eine Adelselite, eine politische Elite oder eine Elite der Narrative ist; sie vereint all diese Bereiche, gewinnbringend und von ihren eigenen guten Absichten überzeugt.“
„Diese Leute“, erinnert uns Giridharadas, „sitzen im selben Team. Im Fernsehen mögen sie aneinandergeraten. Sie vertreten gegensätzliche politische Ansichten. Manche im Netzwerk beklagen sich über das Vorgehen anderer. Doch die E-Mails zeigen eine Gruppe, deren höchstes Ziel der eigene Verbleib in der einflussreichen Klasse ist. Wenn Prinzipien mit dem Verbleib im Netzwerk kollidieren, setzt sich das Netzwerk durch.“
Mein Interview mit Giridharadas können Sie hier ansehen.
Das gesamte System ist verrottet. Es wird sich nicht von selbst reformieren.
Die Demokratische Partei hat sich das neuartige Wahlkampfthema der Steuersenkungen ausgedacht, um die diesjährigen Zwischenwahlen zu gewinnen. Sie wird zweifellos wieder einen geistlosen, themenlosen und Völkermord befürwortenden Präsidentschaftskandidaten aufstellen. Demokratische Spender pumpten unglaubliche 1,5 Milliarden Dollar in Kamala Harris’ verkürzte, von Prominenten angeheizte 15-wöchige Präsidentschaftskampagne. Sie war die erste demokratische Präsidentschaftskandidatin seit zwei Jahrzehnten, die die landesweite Volksabstimmung verlor und in jedem umkämpften Bundesstaat unterlag.
Die Demokratische Partei ist keine funktionierende politische Partei. Sie ist eine Illusion. Ihre Mitglieder können bestenfalls vorab genehmigte Kandidaten auswählen und bei inszenierten Parteitagen und Kundgebungen als Statisten fungieren. Parteimitglieder haben keinerlei Einfluss auf die Parteipolitik.
Je deutlicher der schwindende Einfluss des Imperiums wird, wie Trumps Debakel mit dem Iran beweist, desto mehr flüchtet sich eine verwirrte Bevölkerung in eine Fantasiewelt, eine Welt, in der harte und unangenehme Fakten nicht eindringen.
In den letzten Tagen einer Zivilisation verfällt die Bevölkerung in selbstbetrügerischem Hochmut und pries falsche Tugenden. Sie sucht nach Sündenböcken, um ihr Versagen zu erklären – Muslime, Arbeiter ohne Papiere, Mexikaner, Afroamerikaner, Feministinnen, Intellektuelle, Künstler und Dissidenten.
Magisches Denken und der Mythos des amerikanischen Exzeptionalismus beherrschen den öffentlichen Diskurs und werden in Schulen gelehrt. Kunst und Kultur werden zu nationalistischem Kitsch degradiert. Die Wissenschaft wird ignoriert, selbst inmitten der Umweltkrise. Kulturelle und intellektuelle Disziplinen, die uns ermöglichen, die Welt aus der Perspektive des Anderen zu sehen, die Empathie, Verständnis und Mitgefühl fördern, werden durch eine groteske und grausame Hypermaskulinität und einen Hypermilitarismus ersetzt.
Trump ist wie geschaffen für diese Todesqualen. Er ist kein Sonderling oder eine Anomalie. Er ist das nackte Antlitz unserer pathologischen Krankheit.
Der Chris Hedges Report ist eine leserfinanzierte Publikation. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, können Sie ein kostenloses oder kostenpflichtiges Abonnement abschliessen.
Chris Hedges ist ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Autor und Journalist, der fünfzehn Jahre lang als Auslandskorrespondent für die New York Times tätig war.
Sophie Scholl zum 105. Geburtstag: Zivilcourage als Training gegen Gleichgültigkeit und betreute Gewissheiten.
Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen.
Man muss sie erkennen und man muss sich ihnen stellen.
Es gibt eine Kälte, die wir mögen und die uns stärkt. Sie weckt. Ein kalter Morgen, ein weiter Weg, der erste Schritt ins Freie: Der Körper zieht sich zusammen, atmet tiefer, wird wach. Dass Bewegung und moderate Belastung Gesundheit und Widerstandskraft fördern können, ist gut belegt. Auch kaltes Duschen aktiviert den Organismus, steigert die Wachheit und stärkt das Immunsystem. Wir setzen uns dieser Kälte aus – wir setzen uns mit ihr aktiv auseinander –, weil wir um ihre positiven Wirkungen wissen.
Es gibt jedoch eine zweite Kälte, der sich zu stellen uns deutlich schwerer fällt. Sie ist sozial. Sie entsteht, wenn Menschen einander als Risiko behandeln – als Störung, als falsche Zugehörigkeit, als moralisches Problem. Sie entsteht, wenn Auseinandersetzung nicht mehr als Voraussetzung von Erkenntnis gilt, sondern als Zumutung. Wenn das Gespräch miteinander, das uns zu Bürgern macht, durch Schweigen ersetzt wird – oder durch das Reden über andere, statt mit ihnen übereinander zu sprechen. Es ist die Kälte, die ich in meinem Essay Der betreute Mensch beschreibe: Eine Gesellschaft der Gleichgültigkeit, die hinnimmt statt zu prüfen, die vermeidet statt sich auseinanderzusetzen.
Nicht nur die Schweizer Armee zog sich im Zweiten Weltkrieg in die Alpen zurück. Auch das Bankengold fand Unterschlupf im Reduit.
Die Schweiz gilt als einer der weltweit wichtigsten Umschlagplätze und Tresorstandorte für Gold. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Gold in grossem Stil über die Schweiz transferiert und teilweise versteckt. Doch wie konnte es am sichersten gelagert werden? In den Stollen der Jungfraubahn? In den Alpenfestungen der Armee? Oder vielleicht gar auf dem Grund des Thunersees? Die Armee und die Schweizerische Nationalbank (SNB) tüftelten an diversen Ideen – und wählten schliesslich die naheliegendste: bestehende Stollen und Festungen. Neuste Forschungen zeigen, wie bedeutungsvoll die Schweizer Alpen für die Banken waren und bis heute sind.
Das 22-Punkte-Manifest hat es in sich. Es zeigt, was Palantir wirklich im Sinn hat. (2. Teil)
Palantir hat am 18. April auf X sein 22-Punkte-Manifest veröffentlicht. Dieses Manifest ist für den niederländischen Populismusforscher Cas Mudde ein «Beweis für einen aufkommenden KI-Techno-Faschismus». In der Fachwelt hat das Manifest sehr grosses Aufsehen erregt, (es ist seither 35 Millionen Mal angezeigt worden), aber in den Mainstream-Medien wurde es bisher deutlich weniger aufgenommen (Ausnahmen: «Guardian», «Spiegel», «Tages-Anzeiger», Stand 28. April). Der erste Teil dieses Artikel zum Thema Herkunft, Technologie und Strategie von Palantir erschien am 5. Mai auf Infosperber.
Am 6. und 9. August 1945 warfen die USA je eine Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki ab. Am 25. August 1945 schrieb Alex Comfort dazu den Artikel "Criminal Lunacy Exposed".
Übersetzung seines Textes:
"Wir sind gerade Zeugen eines Aktes krimineller Wahnsinnst geworden, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. Eine Stadt mit 300.000 Einwohnern wurde plötzlich und vorsätzlich ausgelöscht, ihre Bewohner von der englischen und amerikanischen Regierung ermordet. Es ist schwer, die Verachtung und Scham, die wir empfinden, in zusammenhängenden Worten auszudrücken. Dass dies in unserem Namen geschehen ist, lässt uns fühlen, als wären wir mit dem Schmutz dieser Tat besudelt.
Selbst eine Öffentlichkeit, die durch Propaganda langsam und bewusst an unverantwortliche Morde gewöhnt wurde, ist davon erschüttert. Wir haben in der Vergangenheit widersprochen und protestiert, aber die Zeit für Widerspruch und Protest ist vorbei. Die Männer, die dies getan haben, sind kriminelle Wahnsinnige. Wenn diese letzte Gräueltat ihnen nicht unwiderruflich und unmissverständlich durch die öffentliche Meinung vor Augen geführt wird – Menschen, die keinen Anspruch darauf haben, menschliche Wesen genannt zu werden –, dann haben wir kein Recht mehr, irgendeine Grausamkeit der Vergangenheit oder Zukunft zu verurteilen; wir verdienen keinen Rest von Freiheit mehr.
Keine Allianz von Nationen, die solche Ansprüche hegt, hat sich jemals mit einer solchen Schande überzogen. Die widerwärtige Heuchelei über wahllose Bombardierungen, die Lügen über Freiheit und Gerechtigkeit sind als das entlarvt worden, was sie sind – die Wiederherstellung der moralischen Ordnung, die nichts anderes ist als ein Totenkopf.
Diese Tat ist nicht von Menschen zu beurteilen – die Menschen werden dafür beurteilt werden, so wie sie für die Gräueltaten von Dachau beurteilt wurden; die einzige Frage, die gestellt werden wird, lautet: „Habt ihr euch mit aller Kraft dagegen gewehrt?“
Man muss sich nur vorstellen, wie sich die Ankündigung vom vergangenen Montag auf die Nation ausgewirkt hätte, wenn sie 1937 gemacht worden wäre, um zu erkennen, wie sehr unsere Verantwortung degeneriert ist und wie viel von der Praxis des Faschismus uns seitdem verkauft worden ist. Eine endlose Wiederholung der Brutalität des Feindes wurde benutzt, um uns an Verbrechen zu gewöhnen, die nun das Ausmass dieses Massakers erreicht haben.
Die einzige Abhilfe, die uns möglich ist, wenn wir Menschen bleiben und nicht in den Augen jedes anständigen Menschen und jeder Epoche der Geschichte zu Aussätzigen werden wollen, ist die angemessene Bestrafung der dafür verantwortlichen Männer. Kein einziger politischer Führer, der diese schmutzige Sache oder die ihr vorausgegangene wahllose Bombardierung Deutschlands toleriert hat, darf den Konsequenzen seines Handelns entkommen.
Abgesehen von der unglaublichen Verantwortungslosigkeit der Wissenschaftler, die bereit sind, unseren derzeitigen Machthabern eine solche Waffe in die Hände zu geben, liegt es in unserer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass keine politische oder militärische Persönlichkeit, die mit dieser Aktion in Verbindung steht, ungestraft davonkommt.
Es ist höchste Zeit, dass wir unsere eigenen Kriegsverbrecher vor Gericht stellen, sonst wird die Geschichte uns zu Recht und gerecht verurteilen und uns zu dauerhaftem Hass und Verachtung verdammen."
***
Fragen
Wo stehen wir heute angesichts dem Morden, Verstümmeln, Brandschatzen, Vergewaltigen, den Verheerungen in Gaza, Ukraine, Syrien, Libanon, Libyen, Serbien, Irak, Iran, ...?
Wo stehen wir in Bezug auf Frauenmorde in unseren Gesellschaften, auf Amokläufe, häusliche Gewalt, Hassverbrechen, toxische Männlichkeit, usw.?
Wie gehen wir um mit diesem Entsetzen, dieser Ohnmacht und Scham, der moralischen Erschöpfung?
Wie gehen wir um mit dem gewaltigen Abstand zwischen moralischem Bewusstsein und politischer Macht?
Wie stellen wir sicher, dass wir uns nicht an solche Taten gewöhnen?
Zusammenfassung
Vor zwei Jahren erhielt der Ersteller eine Anwaltsforderung über 50‘000 Euro wegen eines YouTube-Videos. Die Gegenseite forderte Löschung und öffentliche Entschuldigung. Die Auseinandersetzung zog sich monatelang hin, kostete ihn fast 5000 Euro an Anwaltskosten – das Video blieb online, die Forderungen waren laut seinem Anwalt überzogen.
Neue Entwicklung: Objection AI (seit April 2026 online) automatisiert dieses Modell. Für 2000 Dollar erhält man ein «AI Tribunal»: Ein Urteil, gefällt von mehreren KI-Modellen (OpenAI, Anthropic usw.), nicht von Menschen. Dazu gehören:
- Ein Honor Index: permanenter Score für Journalisten (anonyme Quellen werden abgewertet)
- Fire Blanket: automatisches «Under Investigation»-Label auf X während der Prüfung – der Rufschaden entsteht sofort, noch vor jedem Urteil.
Investoren sind Peter Thiel und Balaji Srinivasan (Network State-Ideologie: private, softwaregesteuerte Wahrheitsfindung statt staatlicher Gerichte).
Tests des YouTubers mit dem gleichen KI-Modell zeigen:
Problem: Das System ist nicht ausgewogen. Die menschlichen «Investigators» (angeblich Ex-FBI, NSA, CIA) werden gezielt mit gegensätzlicher politischer Einstellung zum Autor bezahlt. Whistleblower werden abgewertet. Der Mensch in der Prüfinstanz darf nur den Prozess, nicht das Urteil korrigieren.
Fazit: Objection AI verkauft keine Wahrheit, sondern ein Instrument zur Einschüchterung von Journalismus – vorgerichtlich, automatisierbar, skalierbar. In Deutschland schützt die Anti-SLAPP-Richtlinie nur echte Gerichtsverfahren, nicht Anwaltsbriefe oder öffentliche Labels. Die eigentliche Strafe ist bereits die Androhung, die Arbeitsunfähigkeit in den Wochen des Verfahrens.
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Kommentar: Als US-amerikanisches System passt dies zur Methodik der Mächtigen in den USA (und anderswo). Die Mächtigen wollen sich die "Wahrheit" selber erschaffen und bezahlen dafür. Der Schaden bei den investigativen JournalistInnen und Whistleblowern wird bereits angerichtet, wenn nur schon ein Verdacht auf sie fällt, selbst wenn dieser völlig ungerechtfertigt ist.
Das passt zum vorherigen Artikel - und auch zu vielen anderen Berichten - zum Zusammenbruch der USA als Hegemon und dessen Mitreissen seiner Vasallenstaaten - im Wesentlichen ist das der gesamte Westen. Diese Staaten als "Verbündete" oder "Alliierte" zu bezeichnen, verkennt die Realität; alle diese Staaten haben mit US-Regierung nie auf Augenhöhe verkehrt und sind US-amerikanisch kolonialisiert.
Seit vor 85 Jahren Atombomben entwickelt wurden, wird gelogen, verdrängt, verharmlost, getäuscht. Ein Kommentar
Es werden Legenden und Illusionen verbreitet. Man übt sich in Selbstbetrug. Das gilt sowohl für atomare Massenvernichtungswaffen als auch für die sogenannte zivile Nutzung der nuklearen Technologie.
Und es gilt weitgehend auch für die aufkommende Debatte darüber, ob Europa eine eigenständige, von den USA möglichst unabhängige Atomwaffenkapazität aufbauen soll. Mit «Europa» sind die Mitglieder der EU und die europäischen Nato-Mitglieder gemeint, die mit wenigen Ausnahmen identisch sind.
Erhellend ist ein kurzer Überblick über die Geschichte.
In der Bundesrepublik werden nach Trumps Ankündigung, US-Soldaten abzuziehen und keine Tomahawks in Deutschland zu stationieren, Forderungen nach schneller Produktion eigener Mittelstreckenwaffen mit Reichweite bis Moskau laut.
Übersetzung des Artikels von Scheer Post
„Was die Vereinigten Staaten den Kubanern antun, kommt einem Waterboarding gleich, um sie zur Unterwerfung zu zwingen, und alles, worüber CBS zu sprechen scheint, ist Castro.“
Die CBS-Sendung „Sunday Morning“ mit dem Titel „Next: Cuba?“, die am 26. April ausgestrahlt wurde, befasste sich mit der jüngsten Verschärfung der Sanktionen und Drohungen gegen Kuba. Ich bin enttäuscht, dass diese Sendung und mehrere andere kürzere Beiträge der letzten Zeit bei CBS News einige wesentliche Punkte nicht behandelt haben, die über die aktuellen Geschehnisse in Kuba gesagt werden müssen.
Meine eigenen Erfahrungen in Kuba, einschliesslich der jüngsten Lieferung humanitärer Hilfe direkt an die Kubaner, widersprechen einigen von CBS dargestellten Sichtweisen.
Fidel ist tot. Und das schon seit einer Weile. Er war eine faszinierende Persönlichkeit, die nach wie vor heftige Diskussionen auslöst. Die Geschichten über Fidel sind legendär, fast schon auf dem Niveau von Paul Bunyan. Aber wir halten die Entscheidung, den Fokus dieser acht Minuten auf Fidels Vermächtnis zu legen, für ungerecht gegenüber dem kubanischen Volk. Die aktuelle Nachricht ist, dass Kuba unter Wasser steht.
Die Sendung „CBS Sunday Morning“ hat uns, anstatt eine Diskussion über die Krise auf der Insel zu führen, mit alten, grösstenteils überholten Geschichten über Castro unterhalten.
Die Kubaner leiden derzeit. Die US-Sanktionen gegen Kuba sind in jeder Hinsicht enorm. Wir finden es bemerkenswert, dass Kuba seit Jahrzehnten Sanktionen standhält, die jedes andere Land dieser Grösse und Reichweite innerhalb weniger Wochen zu Fall bringen würden. Die jüngste Blockade von fossilen Brennstoffen gegen die Insel hat die Bevölkerung jedoch in einen Würgegriff genommen. Kubas Wirtschaft ist, wie die weltweit, für den Grossteil ihrer Stromerzeugung, des Fahrzeugbetriebs und des Kochens auf Erdölprodukte angewiesen. Lebensmittel verrotten auf den Feldern, weil es an Treibstoff mangelt, um die Erzeugnisse zu den Märkten zu transportieren, und sie verrotten in den Häusern, weil die Kühlschränke nicht mehr angeschlossen sind. Die jüngste militärische Blockade, die Öllieferungen verbietet, hat Kubas Wirtschaft in einem Ausmass lahmgelegt, das die Menschen in Angst versetzt hat – vergleichbar mit dem Ertrinken: Wenn nicht schnell etwas unternommen wird, kommt es zur Katastrophe. Die Blockade wurde von einem russischen Öltanker erfolgreich durchbrochen, doch das US-Aussenministerium lässt weiterhin lautstark die Säbel klirren.
Eine Gesundheitskrise spielt sich in Echtzeit ab. Die Auswirkungen der Sanktionen auf die Gesundheit sind enorm. Die Kubaner sind an eine hervorragende Gesundheitsversorgung gewöhnt, doch die Krankenhäuser sind weniger als je zuvor in der Lage, Leistungen zu erbringen. Säuglinge, die einst vor vermeidbaren Risiken gerettet wurden, sterben nun, selbst in den besten Krankenhäusern. Operationen werden verschoben, schlichtweg weil es nicht genügend Vorräte gibt, was durch die jüngste Ölblockade noch verschärft wird. Lassen Sie uns klarstellen: Die Ölblockade hat eine epidemiologische Katastrophe ausgelöst. Das derzeitige Leid hat eine psychologische Dimension. Ein Kühlschrank, der Lebensmittel nicht frisch hält, ein Herd, auf dem man nicht kochen kann, Dunkelheit Tag und Nacht, keine Transportmöglichkeiten zum Arbeitsplatz oder zum Markt, überquellende Müllberge alle paar Häuserblocks, weil die Müllwagen keinen Treibstoff haben, kein fliessendes Wasser – das ist nicht dasselbe wie ein lustiger Campingausflug.
Die Kubaner fühlen sich gedemütigt, da das System, auf das sie angewiesen sind, sich von einem schwach funktionierenden System zu einem Horrorszenario entwickelt hat. Die Menschen in Kuba haben unserer Meinung nach Angst, nicht nur vor der Fähigkeit der US-Regierung, Chaos zu verursachen, sondern auch vor ihrer eigenen Verletzlichkeit.
Alle Kubaner haben gehört, wie Präsident Trump sagte, er werde „Kuba einnehmen“. Die Kubaner wissen, was im Iran, im Gazastreifen und in Venezuela passiert ist, und diese Worte sollen sie glauben lassen, dass sie die Nächsten sind. Die psychologischen Auswirkungen dieses Drucks verschärfen die materiellen Entbehrungen. Die Absicht der aktuellen Regierung kann nicht daneben liegen – die Wirkung der Treibstoffblockade, zusätzlich zu so vielen, sich überlagernden Sanktionen und Komplikationen, ist die gleiche wie das Waterboarding einer Person. Durch die Verstärkung der Intensität und die Verlängerung der Dauer wird eine Person, die Waterboarding ausgesetzt ist, schliesslich aufhören, sich zu wehren, und ruhig zur nächsten Waterboarding-Sitzung gehen. Dass dieses Waterboarding möglicherweise in Guantanamo stattfand, auf derselben Insel wie die zehn Millionen Opfer dieser Sanktionen, ist ironisch. Selbst jetzt, da ein russischer Tanker eintrifft, um nur einen Teil des kubanischen Bedarfs zu decken, setzt die US-Regierung den Schrecken einer verschärften Blockade fort, um Kuba in einen gefügigen Staat zu verwandeln.
Kubanische Stimmen sollten gehört werden. Die Positionen der Kubano-Amerikaner bezüglich der US-Sanktionen gegen die Insel sind nicht einstimmig, wie der Nachrichtenbeitrag vermuten lassen könnte. Die Amerikaner sollten sich bewusst machen, dass Kubano-Amerikaner unterschiedliche Standpunkte dazu vertreten, wie repräsentativ die kubanische Regierung ist und wie gut sie auf die sich ändernden Situationen hinsichtlich der Bedürfnisse der Kubaner reagiert. Dies spiegelt sich in dem erwähnten Beitrag nicht wider. Noch wichtiger ist, dass kein einziger kubanischer Bürger auf der Insel in der Sendung „CBS Sunday Morning“ zu Wort kam.
Selbst wenn man die anderen aktuellen CBS-News-Beiträge mit einbezieht, findet man nur sehr wenige Stimmen von der Insel. Selbst wenn man die anderen aktuellen Beiträge von CBS News mit einbezieht, findet sich kaum eine Wiedergabe der Stimmung auf der Insel. Die Zuschauer könnten überrascht sein, nicht nur von der Vielfalt der Standpunkte unter den Kubanern, sondern auch von ihrer differenzierten Analyse der Rolle der kubanischen und der US-Regierung in ihrem Leben. Die Kubaner müssen nicht durch ein paar Stimmen aus Miami repräsentiert werden: Sie können für sich selbst sprechen, doch der erwähnte Nachrichtenbeitrag hat sie definitiv aus der Diskussion ausgeschlossen.
Kuba verdient Souveränität. In der erwähnten Sendung wurde die überwältigende Kritik an den US-Sanktionen gegen Kuba, die weltweit zu vernehmen war, mit keinem Wort erwähnt. Seit einigen Jahrzehnten stimmt die UNO jährlich gegen die US-Sanktionen. Zahlreiche Länder widersetzen sich der US-Linie gegenüber Kuba. Russland forderte die USA heraus, ihre Tankerschiffe daran zu hindern, die Insel zu versorgen. Kleine und grosse Länder gleichermassen, von Sri Lanka bis Brasilien, von Belgien bis China, sprechen sich gegen die US-Sanktionen gegen Kuba aus. Viele lassen ihren Worten Taten folgen, mit Spenden und technischer Hilfe, darunter viele Organisationen und Einzelpersonen aus den USA. Ihre Botschaft ist einfach: Kuba verdient Selbstbestimmung, keine Einmischung aus dem Ausland. Es verdient nicht das Netz aus finanziellen, reisebezogenen, wirtschaftlichen und diplomatischen Sanktionen, das über Kuba und jedes Unternehmen oder Land verhängt wird, das es wagt, in irgendeiner Form Geschäfte mit Kuba zu tätigen.
Kuba stellt keine Bedrohung für andere Länder oder Völker dar. Es ist hinreichend offensichtlich, dass Kuba keine Gefahr für Gruppen, Völker oder Nationen ausserhalb seines Landes darstellt. Selbst die schärfsten antikommunistischen kubanischstämmigen US-Amerikaner reisen frei nach Kuba. Die Einstufung Kubas als „Terrorismus fördernder Staat“, eine der Säulen, die die US-Sanktionen rechtfertigen, ist weder zutreffend noch hilfreich. Eine Erörterung dieses Themas fehlte in dem erwähnten Nachrichtenartikel, was dem Zuschauer ein lückenhaftes Bild davon vermittelte, warum Kubaner und ihre Regierung unserem kollektiven Zorn ausgesetzt sind.
Es gibt Probleme innerhalb des Landes. Sowohl in Kuba als auch in den USA gibt es schwerwiegende Probleme, die beide nüchterne, durchdachte Diskussionen erfordern. Lassen Sie uns allen klar sein: Auch in den USA tobt die Unzufriedenheit. Es gibt jedoch keinen Massstab, der Kuba als Ausreisser in Bezug auf interne Menschenrechte oder internationale Bedrohungen erscheinen lässt. Was es gibt, ist der Ruf „Aber sie sind Kommunisten“, der aus Südflorida kommt, und dieser hat als Kriterium für die US-Aussenpolitik keinen Platz mehr. Und vor kurzem hat die kubanische Regierung zu offenen Gesprächen mit der US-Regierung aufgerufen,in der Hoffnung, dass alle Themen im Rahmen der Souveränität und der Absicht, gute Nachbarn zu sein, erörtert werden könnten. Die Kubaner sind in der Lage, ihre eigenen Probleme zu bewältigen – mit unserer Zusammenarbeit statt mit Zwang.
Wir alle würden uns wünschen, dass die Kubaner glücklicher sind. Wir verfügen über unterschiedliche Kenntnisse über Kuba, die von Erstbesuchern Kubas bis hin zu Bürgern und ehemaligen Bewohnern der Insel reichen. Unsere politischen Meinungen variieren stark, aber in einem Punkt sind wir uns einig, der in der Sendung „CBS Sunday Morning“ ausgelassen wurde: Kuba braucht und verdient ein Ende der von den USA verhängten Sanktionen.
Kuba verdient es, seinen Weg ohne ungerechtfertigten Druck seitens der USA zu gehen. Der Beitrag in „CBS Sunday Morning“ liess die Stimmen der Kubaner unberücksichtigt, die ihren sehnlichen Wunsch nach dem zum Ausdruck gebracht hätten, was derzeit unmöglich erscheint: dass Kubaner ihre Angelegenheiten ohne unangemessenen Druck seitens der USA regeln können. Praktisch kein lebender Kubaner ist alt genug, um zu wissen, was normale Diplomatie seitens der USA bedeutet. Schenken wir ihnen das revolutionärste Geschenk von allen – eine anständige, respektvolle Aussenpolitik, genau wie alle anderen Länder der Welt.
Amerikanische Aussenpolitik und die «Monsters to Slay»-Debatte
Das Gespräch beginnt mit der Ankündigung einer grossen Debatte in Toronto zwischen John Mearsheimer und Stephen Walt auf der einen sowie Mike Pompeo und Victoria Nuland auf der anderen Seite. Ausgangspunkt ist ein berühmtes Zitat des ehemaligen US-Präsidenten John Quincy Adams aus dem Jahr 1823. Adams warnte davor, dass die USA nicht «ins Ausland gehen sollten, um Monster zu töten».
Mearsheimer erklärt, dass sich daraus zwei gegensätzliche Vorstellungen amerikanischer Aussenpolitik ableiten lassen:
Mearsheimer argumentiert, dass Regimewechsel und demokratische Missionierung fast immer scheiterten und mehr Chaos verursachten. Die USA hätten sich zu oft in kostspielige und destruktive Interventionen verstrickt.
Er betont zudem, dass die amerikanische Bevölkerung heute deutlich skeptischer gegenüber militärischen Interventionen sei als noch in den 1990er Jahren während des sogenannten «unipolaren Moments» nach dem Kalten Krieg. Damals hätten viele geglaubt, die USA könnten die Welt nach ihren Vorstellungen formen.
USA, China und die globale Machtkonkurrenz
Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um die Rivalität zwischen den USA und China. Mearsheimer beschreibt diese Konkurrenz als strukturell unvermeidlich.
Er erklärt, dass China als aufsteigende Grossmacht versuche, regionale Dominanz in Ostasien zu erreichen, ähnlich wie die USA die westliche Hemisphäre dominierten. Die Vereinigten Staaten wiederum wollten genau das verhindern. Daraus entstehe zwangsläufig geopolitische Spannung.
Dabei weist Mearsheimer die Vorstellung zurück, der Konflikt sei bloss das Resultat aggressiver Politiker. Vielmehr sei die Konkurrenz «im System eingebaut». In einer anarchischen Weltordnung ohne übergeordnete Macht seien Staaten gezwungen, ihre Sicherheit selbst zu garantieren und ihre Macht auszubauen.
Trotzdem glaubt er, dass ein Krieg zwischen China und den USA vermeidbar sei, wenn beide Seiten vorsichtig handelten und Eskalationen vermieden.
Die «Thukydides-Falle»
Im Zusammenhang mit der Rivalität zwischen China und den USA diskutieren Switzer und Mearsheimer die sogenannte «Thukydides-Falle». Diese Theorie besagt, dass Konflikte fast unvermeidlich werden, wenn eine aufsteigende Macht eine etablierte Grossmacht herausfordert.
Mearsheimer stimmt grundsätzlich zu, dass die Konkurrenz zwischen China und den USA genau diesem Muster entspreche. Er betont jedoch erneut, dass nicht individuelle Schuld, sondern die Struktur des internationalen Systems entscheidend sei.
China sehe die USA als aggressive Eindämmungsmacht, während die USA China als expansionistische Bedrohung wahrnähmen. Beide Seiten handelten aus ihrer eigenen Sicherheitslogik heraus.
China als aufsteigende Macht – aber nicht unbesiegbar
Switzer spricht die verbreitete These an, China steige unausweichlich zur dominierenden Weltmacht auf, während die USA im Niedergang seien. Mearsheimer widerspricht dieser Sicht deutlich.
Er argumentiert:
Mearsheimer sieht China zwar als ernsthafte Herausforderung, aber nicht als automatisch kommende Supermacht. Entscheidend sei vor allem der Wettbewerb in Hochtechnologien wie künstlicher Intelligenz, Quantencomputing und grüner Technologie.
Zugleich hebt er hervor, dass China massiv in erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge investiere, um seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Taiwan und die amerikanische Eindämmungspolitik
Beim Thema Taiwan erklärt Mearsheimer, dass Donald Trump trotz vorsichtiger Rhetorik letztlich an der militärischen Unterstützung Taiwans festhalte.
Trump wolle China zwar nicht unnötig provozieren, insbesondere wegen der Spannungen mit Iran und anderer globaler Krisen. Trotzdem könne Washington Taiwan strategisch nicht einfach aufgeben.
Mearsheimer erinnert daran, dass bereits Trump 2017 die amerikanische Politik der wirtschaftlichen Einbindung Chinas beendet habe. Joe Biden habe diesen Kurs später sogar noch verschärft und mehrfach öffentlich erklärt, die USA würden Taiwan im Kriegsfall verteidigen.
Iran-Krieg und die Gefahr einer Eskalation
Ein weiterer grosser Themenblock betrifft den Krieg mit Iran.
Mearsheimer erklärt, dass die bisherigen amerikanischen Bombardierungen keinen entscheidenden Erfolg gebracht hätten. Die USA hätten bereits 40 Tage lang bombardiert, ohne Iran «in die Knie zu zwingen».
Er stellt deshalb die Frage, was bei einer neuen Offensive anders laufen sollte. Wenn die USA wirklich erfolgreich sein wollten, müssten sie wesentlich brutaler vorgehen.
Genau darin sieht er jedoch die grösste Gefahr:
Mearsheimer betont zudem, dass China, Russland und selbst die USA ein starkes Interesse daran hätten, den Krieg zu beenden, weil eine längerfristige Eskalation die Weltwirtschaft schwer beschädigen könnte.
Russland, Ukraine und der «Propagandakrieg»
Beim Ukrainekrieg unterscheidet Mearsheimer klar zwischen dem tatsächlichen militärischen Geschehen und dem Informationskrieg.
Er argumentiert, westliche Medien und die ukrainische Regierung hätten starke Anreize, Russland als geschwächt darzustellen, um die Unterstützung des Westens aufrechtzuerhalten.
Mearsheimers Einschätzung lautet dagegen:
Er erklärt ausserdem, dass Drohnen für die Ukraine entscheidend geworden seien. Ohne diese Technologie wäre die ukrainische Front seiner Ansicht nach bereits kollabiert.
Mearsheimer hält fest, Russland habe den Krieg grundsätzlich bereits gewonnen. Offen sei nur noch, wie viel zusätzliches Territorium Russland langfristig kontrollieren werde.
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Ukraine
Mearsheimer verbindet den Iran-Krieg direkt mit dem Ukrainekrieg.
Er argumentiert, dass die USA enorme Mengen an Waffen und Munition im Nahen Osten verbrauchten. Dadurch stünden weniger Ressourcen für die Unterstützung der Ukraine zur Verfügung.
Gleichzeitig profitiere Russland wirtschaftlich:
Kuba und amerikanische Regimewechselpolitik
Zum Schluss diskutieren Switzer und Mearsheimer die verschärfte amerikanische Haltung gegenüber Kuba.
Mearsheimer sieht darin ein typisches Muster amerikanischer Aussenpolitik gegenüber linken Regierungen in Lateinamerika. Er verweist auf historische Beispiele wie Guatemala, Chile, Venezuela und Kuba.
Er kritisiert besonders, dass Trump ursprünglich versprochen habe, keine Politik des Regimewechsels mehr zu betreiben, nun aber erneut Druck auf Kuba ausübe.
Für Mearsheimer stellt Kuba keine ernsthafte Bedrohung für die USA dar. Deshalb bezeichnet er die amerikanische Politik gegenüber Havanna als irrational und ideologisch motiviert.
Grundlegende Sichtweise Mearsheimers
Das gesamte Gespräch zeigt Mearsheimers realistische Sicht auf internationale Politik:
Seine zentrale Warnung lautet, dass die USA durch übertriebene Interventionen, Regimewechsel und globale Missionierungsversuche ihre eigenen Interessen gefährden und unnötige Konflikte provozieren könnten.
Die Ölblockade der USA trifft Kuba hart. Noch hält sich das Regime, aber die Lebensgrundlage vieler Kubaner:innen bröckelt, der Unmut wächst. Eine Reportage aus der erschöpften Hauptstadt.
Zusammenfassung des WOZ-Artikels
Die US-Ölblockade und neue Sanktionen treffen Kuba hart: Stromausfälle, Treibstoffmangel und ausbleibende Tourist:innen verschärfen die schwerste Krise seit der Revolution. Viele Kubaner:innen kämpfen mit Armut, Lebensmittelknappheit und einem kollabierenden Gesundheitswesen, während gleichzeitig soziale Ungleichheit wächst.
Der Soziologe Carlos beschreibt ein Land zwischen Erschöpfung und Perspektivlosigkeit. Die Revolution habe Bildung ermöglicht, sei heute aber «nur noch eine leere Hülle». Viele Junge wandern aus, der Peso ist abgestürzt, Staatslöhne reichen kaum zum Leben. Wer Dollar aus dem Ausland erhält, lebt deutlich besser.
Kritik richtet sich sowohl gegen die USA als auch gegen Kubas Regierung. Das Embargo verschärfe die Krise, diene der Führung aber auch als Ausrede für Misswirtschaft, Korruption und Reformstau. Besonders umstritten sind Luxus-Hotelprojekte des militärnahen Gaesa-Konzerns, während Spitäler und Kraftwerke verfallen.
Trotz wachsendem Unmut bleibt offener Widerstand riskant. Dissident:innen wie die Aktivistin Marthadela Tamayo berichten von Repressionen und Überwachung. Gleichzeitig unterstützen viele Kubaner:innen die Revolution weiterhin – auch aus Angst vor einem von den USA beeinflussten Machtwechsel.
Die Stimmung im Land ist geprägt von Unsicherheit: Alle erwarten Veränderungen, aber niemand weiss, wie sie aussehen werden.
Die NATO verursacht genau jene Massenmigration, deren Lösung ihre Mitglieder dann durch noch mehr Gewalt im In- und Ausland vorgeben anzugehen. Es ist ein krankes Spiel, in dem die Mächtigen erneut die ärmsten und am meisten misshandelten Menschen im Ausland gegen die ärmsten und am meisten misshandelten Menschen im eigenen Land ausspielen, um das westliche System gewaltsamer Vorherrschaft zu nähren. Doch die Risse sind inzwischen mehr als sichtbar.
Patrick Henningsen, Journalist, Autor und Gründer von 21st Century Wire, spricht mit Pascal darüber, wie NATO-Kriege, Sanktionen und Regimewechsel mit der Migration nach Europa und in das Vereinigte Königreich zusammenhängen. Das Gespräch behandelt die Debatte um kleine Boote, den Aufstieg der neuen Rechten, den christlichen Zionismus, sinkende Geburtenraten, Arbeitskräftenachfrage, Asylpolitik und die koloniale Logik hinter der modernen Politik.
Zum VideoOhne Transparenz gibt es kein Vertrauen
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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)
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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.