Naher und Mittlerer Osten: Teil 14
ab August 2026


02.08.2026 UN-Expertin Francesca Albanese kritisiert die „Mitschuld“ der USA am Besuch des vom IStGH gesuchten Netanyahu im Weißen Haus.

Wir sprechen mit Francesca Albanese, der UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, über Israels anhaltende Straflosigkeit nach internationalem Recht. Trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) besuchte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kürzlich das Weiße Haus, um sich mit Präsident Donald Trump zu treffen. Zwar sind die Vereinigten Staaten kein Mitgliedstaat des IStGH, „dürfen sie einem völkerrechtlich flüchtigen Straftäter aber keinen Schutz gewähren“, sagt Albanese, die sich den internationalen Forderungen nach Netanjahus Verhaftung anschließt. „Die Vereinigten Staaten tragen aktiv dazu bei, dass die von ihnen seit den Nürnberger Prozessen aufgebaute internationale Strafrechtsarchitektur über uns zusammenbricht.“ Albanese kommentiert auch die von Siedlern und Soldaten verübten „Pogrome“ im besetzten Westjordanland und prangert die Mittäterschaft der Regierungen Griechenlands, Italiens und Frankreichs an, die, obwohl sie dem Internationalen Strafgerichtshof angehören, Netanjahus Reise durch ihren Luftraum genehmigten. „Es mag im Kontext eines Völkermords unbedeutend erscheinen, aber jede Handlung zählt, so wie jedes Verbrechen zählt und zur Rechenschaft gezogen wird“, sagt sie.

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Zusammenfassung des Videotranskripts

Das erste Treffen zwischen Präsident Trump und dem israelischen Premierminister Netanjahu seit dem US-Angriff auf den Iran dauerte 90 Minuten, fand ohne gemeinsamen öffentlichen Auftritt statt und wurde von Netanjahu als «hervorragend» und «auf Augenhöhe» bezeichnet – mit dem gemeinsamen Ziel, den Iran von Atomwaffen fernzuhalten. Während der Visite kam es in Washington zu Protesten; Netanjahu reiste trotz eines gültigen Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen ein.

Parallel dazu eskalieren Israels Militäroperationen im besetzten Westjordanland massiv: Verteidigungsminister Katz ordnete die Übernahme eines vierten Flüchtlingslagers und die Vertreibung seiner palästinensischen Bewohner an, während die Gewalt durch israelische Siedler weiter zunimmt.

Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese kritisierte die USA scharf als Komplizen von Völkerrechtsverstössen – sowohl gegen den Iran als auch gegen die Palästinenser. Sie sprach von «Mobbing im diplomatischen Gewand» und betonte, dass die USA aktiv zur Aushöhlung des internationalen Rechts und des multilateralen Rechtssystems beitrügen. Die Einreise Netanjahus trotz ICC-Haftbefehl bezeichnete sie als Bruch der Pflichten der Vertragsstaaten; Italien, Frankreich und Griechenland hätten durch die Überfluggenehmigung ebenfalls ihre Verpflichtungen verletzt. Gleichzeitig warnte Albanese vor den «Pogromen» im Westjordanland, wo israelische Siedler und Soldaten gemeinsam gegen wehrlose Palästinenser vorgingen – eine Entwicklung, die selbst die israelische Opposition als «jüdischen Terror» bezeichne.

Die US-Regierung lasse nicht nur Netanjahu gewähren, sondern betreibe einen systematischen Abbau der multilateralen Ordnung und des internationalen Rechtssystems, wie sie am Beispiel der jüngsten Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat und der Blockade gegen die Verlängerung des UN-Menschenrechtskommissars zeige. Albanese rief US-Bürger dazu auf, nicht wegzusehen, da ihre Steuergelder diese kriminellen Handlungen finanzierten. Die USA, so ihr Fazit, seien nie ein Leuchtfeuer der Menschenrechte gewesen, aber heute führten sie offen eine Kampagne zur Demontage der nach dem Zweiten Weltkrieg mitgestalteten Rechtsarchitektur – eine Entwicklung, die niemanden, auch nicht US-Bürger, gleichgültig lassen dürfe.


02.08.2026 Ist der israelische Staatsterror im Nahen Osten ein Masterplan für künftige Unterdrückung "der Anderen", also neofaschistoide Gewalt?

Dieser Punkt wird in der Analyse der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten immer lauter. Zahlreiche Beobachter und Expertinnen sehen in der israelischen Vorgehensweise in Gaza, im Westjordanland, im Libanon und zuletzt auch im Iran tatsächlich die Ausformung eines Masterplans – eines erprobten Modells, das über den Einzelfall hinausweist.

Die These vom „Gaza-Blueprint“

Die Grundidee dieses Masterplans ist, dass die im Gazastreifen erprobten Methoden – massive militärische Gewalt, die Zerstörung ziviler Infrastruktur, Terror, die kollektive Bestrafung und Vertreibung der Bevölkerung sowie die systematische Aushöhlung humanitärer Prinzipien – nicht auf einen singulären Konflikt beschränkt bleiben, sondern als „Playbook“ für andere Schauplätze dienen. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter sowie kritische Stimmen argumentieren, dass die scheinbare Normalisierung der Verbrechen in Gaza einen Präzedenzfall schafft. Was in Gaza begann, wird nun als militärisches und politisches Repertoire auf den Westen des Jordans, den Südlibanon und sogar Teile Syriens übertragen, mit dem Ziel einer dauerhaften Kontrolle und „blutigen Dominanz“ über die gesamte Region (Ramzy Baroud, The not-so-Secret Israeli strategy: This is the real Gaza plan, Jordan Times).

Dieser Prozess geht einher mit einer Verschiebung der normativen Grenzen. Internationales Recht, insbesondere das humanitäre Völkerrecht, wird in diesem Szenario nicht als Hindernis, sondern als Verhandlungsmasse behandelt, die von mächtigen Staaten neu interpretiert wird. Israel und seine Verbündeten fordern eine „interpretative Anpassung“ der Regeln, etwa bei der Definition von „unmittelbarer Bedrohung“ oder der Verantwortung von Staaten für von ihnen unterstützte nichtstaatliche Akteure. Die Eskalation im Iran, einschliesslich der gezielten Tötung von Atomwissenschaftlern, Staatsoberhaupt und hohen Funktionären, fügt dieser Doktrin eine weitere, hochgefährliche Dimension hinzu und testet die Belastbarkeit des internationalen Straf- und Kriegsrechts.

Die Rolle der Mächtigen und der „Stresstest“

Die Akteure – Machthaber, Oligarchen und der militärisch-industrielle Komplex – sind in dieser Logik treibende Kräfte. Kritiker sehen die Handlungen als Teil eines imperialen Projekts, bei dem wirtschaftliche Interessen (etwa die Kontrolle über Ressourcen und Handelsrouten wie die Strasse von Hormus) und geopolitische Macht eine zentrale Rolle spielen. Die „Reconstruction“-Pläne für Gaza, etwa das „Gaza 2035“-Szenario, werden als Techniken der „Erasure“ gedeutet: Die Zerstörung wird zur Voraussetzung für eine Neugestaltung, die palästinensische Ansprüche tilgt und den Raum für globale Kapitalinteressen öffnet (Development as Erasure: Palestine, Genocide and ‘Reconstruction’, Wiley Online Library).

Diese Konstellation wird in einigen Analysen als bewusster oder unbewusster „Stresstest“ für die internationale Ordnung verstanden. Es wird getestet, wie viel Gewalt die Weltgemeinschaft erträgt, ohne mit wirksamen Sanktionen oder militärischen Konsequenzen zu reagieren. Die relativ geringen praktischen Folgen für die verantwortlichen Regierungen – trotz Haftbefehlen des Internationalen Strafgerichtshofs und Rügen durch den Internationalen Gerichtshof – werden als Beleg dafür gesehen, dass dieser Test bislang bestanden wird. Die äusserst zurückhaltende Reaktion bzw. die Unterstützung dieser unbeschreiblichen Gewalt durch die USA und der meisten ihrer europäischen Verbündeten, die in der Analyse als humanitäre, militärische und wirtschaftliche Komplizenschaft und diplomatisches „Mobbing“ bezeichnet wird, stärkt diese Wahrnehmung.

Widerstand und Grenzen

Allerdings hat dieser Prozess auch seine Grenzen. Die internationale Zivilgesellschaft und viele Staaten des Globalen Südens reagieren auf diese Entwicklungen mit wachsendem Widerstand. Die weltweiten Protestbewegungen, die Blockade von Häfen durch Aktivisten oder die Koordinierung von Massnahmen gegen Israel durch die Gruppe der „Hague Group“ zeigen, dass die „Weltbevölkerung“ sehr wohl auf die Barrikaden geht (Malaysia calls for global arms embargo on Israel, urges UN action). Der entscheidende Faktor bleibt jedoch, ob dieser Druck aus der Bevölkerung letztlich die Politik der mächtigsten Staaten so verändern kann, dass sie ihre Unterstützung für die israelische Politik aufgeben oder zumindest substantiell einschränken.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Idee eines Masterplans wird von kritischen Stimmen durchaus vertreten und in den aktuellen Ereignissen bestätigt gesehen. Sie sehen die massive und ungestrafte Gewalt als Testfall für eine neue Weltordnung, in der das Recht des Stärkeren wieder zur Maxime wird und internationale Regeln nur noch dann gelten, wenn sie den Interessen der Mächtigen nicht im Wege stehen. Die Frage, ob der weltweite Protest und die politischen Gegenkräfte diesen Trend noch aufhalten können, bleibt offen.

Quellen


02.08.2026 Vom Gaza-Masterplan zur globalen Krise: Wie Katastrophenkapitalismus die Weltordnung neu schreibt

Lassen sich die von der Trump-Administration, der israelischen Regierung, den Tech-Bros bzw. den Ultrareichen und den übrigen faschistoiden Mächtigen verfolgte Strategie der gezielten Destabilisierung als Teil eines umfassenden globalen Masterplans verstehen, der über den Nahen Osten hinausweist, wie ich ihn oben skizziert habe?

Die zugrundeliegende Logik, Zerstörung als Voraussetzung für eine radikale Neuordnung zu nutzen, findet ihre Parallele in der gezielten Schaffung wirtschaftlicher Verwundbarkeit, die globale Versorgungsketten (Petrochemie, Kunststoffe, Spezialgase, Energieprodukte, Düngemittel) trifft und eine weltweite Rezession sowie Hungersnöte auslösen könnte. Während die ultrareichen Eliten sich durch das Horten von Ressourcen und den Rückzug in autarke Bunker gegen die Folgen eines möglichen Volksaufstands absichern, stellt sich die Frage, ob dieser Prozess – die strategische Zerstörung von Versorgungsketten und Gesellschaften zum Zwecke der Umgestaltung – nicht als Erweiterung jenes Masterplans zu lesen ist, den die USA und Israel bereits im Nahen Osten anwenden.

Die konkreten Wiederaufbaupläne für Gaza – etwa der sogenannte «Trump-Pelzman-Plan» – sind Paradebeispiele für das, was Naomi Klein als «Disaster Capitalism»*) bezeichnet hat: Die Zerstörung wird nicht als Tragödie, sondern als zynische Chance für eine radikale Umgestaltung begriffen. Der Plan sieht eine 50-jährige Kontrolle durch ein internationales Finanzkonsortium vor, das die wirtschaftliche und politische Struktur Gazas nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien umbaut und die lokale Bevölkerung auf die Rolle blosser «Nutzer» reduziert, bzw. sie ausweist bzw. ermordet. Die politische Dimension des Wiederaufbaus wird vollständig dekonstruiert und als kommerzielle Dienstleistung umgestaltet.

Diese Logik lässt sich auf die globale Ebene übertragen. Die von Trump verhängte Seeblockade gegen den Iran soll gezielt die Wirtschaft des Iran strangulieren und einen Regimewechsel erzwingen – doch sie schneidet faktisch die Strasse von Hormus - und bei weiteren Eskalationen auch das Rote Meer / den Suezkanal - ab und trifft damit einen erheblichen Teil der weltweiten Energie- und Düngemittellieferungen. Die daraus resultierenden Versorgungsengpässe führen unmittelbar zu steigenden Preisen, Inflation, Rezession, Wirtschaftskollaps, Massenmigration, globaler Instabilität bis zum Zusammenbruch ganzer Staaten. Diese Wirtschaftskriege schaffen bewusst eine Krise, die weltweit destabilisierend wirkt und die Voraussetzungen für eine radikale Umgestaltung der globalen politischen, sozialen, wirtschatlichen Ordnung schaffen könnte.

Dass sich die ultrareichen Eliten – von Mark Zuckerberg über Peter Thiel bis hin zu Sam Altman – mit massiven, autarken Bunkern und abgeschotteten Anwesen gegen den Kollaps wappnen, ist dokumentiert. Diese Praxis offenbart ein mangelndes Vertrauen in die langfristige Stabilität der sozialen Ordnung und untergräbt den sozialen Zusammenhalt. Wenn die Eliten sich in Festungen zurückziehen und gleichzeitig Politik und Wirtschaft nach ihren Interessen gestalten, wird die Spaltung der Gesellschaft zementiert – ein System, das an die russischen Verhältnisse der 1990er Jahre oder an postkoloniale Ausbeutungsstrukturen erinnert.

Die Ironie ist unübersehbar: Diejenigen, die sich am lautesten für Stabilität, Ordnung und den Erhalt des Systems aussprechen, untergraben durch ihr eigenes Handeln genau dieses System. Die ultrareichen Eliten – ob sie nun als Tech-Milliardäre, Hedgefonds-Manager oder Waffenhändler auftreten – schaffen durch ihr Verhalten die Unsicherheit und den strukturellen Zerfall, vor der sie sich dann mit Bunkern, Privatarmeen und autarken Rückzugsorten schützen wollen. Sie handeln wie Passagiere, die ein sinkendes Schiff mit allen Rettungsbooten verlassen, während sie zugleich den Kapitän anweisen, weiter Vollgas zu fahren und damit die Mehrheit der Passagiere ins Verderben fahren lassen. Wer sich für den Fall des Kollaps mit Notvorräten und unterirdischen Anlagen wappnet, der signalisiert damit, dass er den Kollaps nicht nur für möglich, sondern für wahrscheinlich hält – und dass er bereit ist, die anderen im Stich zu lassen. Was bedeutet, dass ihnen die potentiellen Folgen ihres Tuns bekannt sind.

Die Logik des «Disaster Capitalism» und der Ressourcenaneignung zeigt sich auch in anderen Handlungen der Trump-Administration: der versuchten Übernahme Grönlands wegen seiner strategischen Ressourcen, der Intervention in Venezuela zur Sicherung der Ölvorkommen und der Unterstützung Israels zur Kontrolle von Gaza und Teilen des Westjordanlands, Syriens, Libanons, letztlich Gross-Israels. Diese werden von Analysten als Teile eines globalen, imperialen Projekts interpretiert, das auf die Neuordnung der Welt nach den Interessen einer kleinen Elite abzielt. Die direkte Brücke zwischen dem Nahost-Konflikt und der globalen Krise ist die bewusste Nutzung der wirtschaftlichen Verwundbarkeit als Waffe. Was in Gaza erprobt wurde – die kollektive Bestrafung, die Aushöhlung internationalen Rechts – wird nun global auf allen Ebenen und mit aller Konsequenz angewandt.

Die Gefahr besteht darin, dass dieser «Stresstest» für die Weltwirtschaft zu einer dauerhaften Destabilisierung führt, von der am Ende vor allem diejenigen profitieren, die ihre eigenen Notvorräte und Schutzräume haben - mindestens solange ihre Vorräte noch halten bzw. eine reduzierte Weltbevölkerung existiert, die noch bereit ist, für diese Zyniker zu arbeiten. Die Frage ist nicht, ob dieser Masterplan existiert, sondern ob die internationale Gemeinschaft rechtzeitig Gegenmassnahmen ergreift, bevor die Krise eskaliert.

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*) In ihrem Buch «Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus» beschreibt Naomi Klein, wie Krisen und Katastrophen nicht einfach als Tragödien, sondern gezielt als opportunes Fenster für radikale wirtschaftliche Umgestaltungen genutzt werden.

Die Kernidee
Katastrophen aller Art – Kriege, Naturkatastrophen wie der Tsunami in Sri Lanka oder Wirbelsturm Katrina in New Orleans, aber auch Wirtschaftskrisen oder die Covid-19-PandemieA) – erzeugen einen kollektiven Schockzustand. Diese Phase der Verwirrung, Trauer und Desorientierung wird genutzt, um bei der betroffenen Bevölkerung unpopuläre, neoliberale Reformen durchzudrücken, die in ruhigen Zeiten auf massiven Widerstand gestossen wären.

Die Methode
Die Menschen werden buchstäblich mit einer (ökonomischen) «Schocktherapie» belegt. Ihnen wird – oft unter Anwendung weiterer Gewalt – aufgezwungen:

Die treibende Kraft
Die Theorie wurde von dem Ökonomen Milton Friedman und der sogenannten Chicagoer Schule, zentrale Vordenker des Neoliberalismus, entwickelt und von deren Anhängern in der ganzen Welt verbreitet. Sie wird umgesetzt von einem Netzwerk aus Regierungen, internationalen Finanzinstitutionen und grossen Konzernen – dem «Katastrophenkapitalismus-Komplex». Unter dem Deckmantel des Wiederaufbaus (etwa im Irak nach der Invasion oder in Chile nach dem Pinochet-Putsch) wird das Land nicht für seine Bevölkerung, sondern für externe Profitinteressen neu geordnet.

Legende

A) 1. Profit für die Pharmaindustrie auf Kosten der öffentlichen Hand

Die Entwicklung der COVID-19-Impfstoffe ist ein Paradebeispiel dafür:

2. Ausnutzung der Schockstarre für Privatisierung und Deregulierung

In der akuten Krise, als sich alle auf das Überleben konzentrierten, wurden unpopuläre Massnahmen oft ohne grosse öffentliche Debatte umgesetzt:

3. Rettung der Industrie auf Kosten der Allgemeinheit

Die staatlichen Rettungspakete (teilweise mit "Notfall-Keynesianismus" beschrieben) retteten die Wirtschaft. Die Kosten dafür werden jedoch in Form zukünftiger Sparmassnahmen und Schulden von der Allgemeinheit getragen, während die Profite privatisiert wurden. Auch die Logik des Katastrophenkapitalismus wurde laut Naomi Klein in der Pandemie deutlich: während der akuten Krise werden Rettungsschirme für Unternehmen gespannt, die dann später durch massive Austeritätspolitik bezahlt werden müssen.

Ergebnis

Die COVID-19-Pandemie ist in der Analyse von Naomi Klein und der Forschungsliteratur ein zentrales Beispiel dafür, wie die "Schock-Doktrin" funktioniert: Sie wurde nicht nur als reine Gesundheitskrise betrachtet, sondern systematisch für die Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen und die Vertiefung von Ungleichheiten instrumentalisiert.

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Quellen


03.08.2026 Geostrategische Analyse: Trumps iranische Pattsituation und die drohende Eskalation in Westasien

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Zusammenfassung des Videotranskripts

1. Die abgesagte Attacke: Trump als Verhandler oder Bluffer?
Die ursprünglich für Freitag geplante grossangelegte US-israelische Attacke gegen Irans Öl- und Strominfrastruktur wurde von Präsident Trump überraschend abgesagt. Offiziell begründete Trump dies mit Bitten aus Teheran und anderen nahöstlichen Hauptstädten. Der Experte Provin Sawhney1) durchschaut dies jedoch als typisches Täuschungsmanöver: Tatsächlich habe Iran keine direkten Gespräche mit Trump geführt, und die Absage sei vielmehr Ausdruck fehlender militärischer und diplomatischer Schlagkraft der USA. Trump wolle sich lediglich als Friedensstifter inszenieren, während er in Wahrheit mit leeren Drohungen arbeite.

2. Trumps persönliche und strategische Motive
Im Zentrum von Trumps Handeln stehe die Angst, als Verlierer in die Geschichte einzugehen – er selbst erwähnte Herbert Hoover als abschreckendes Beispiel. Sein Hauptziel sei nicht die nukleare Abrüstung Irans (dies sei eher Israels Anliegen), sondern die Sicherung der Petrodollar-Ströme durch die Strasse von Hormus. Trump wolle verhindern, dass das amerikanische Empire durch eine Blockade dieser lebenswichtigen Handelsroute wirtschaftlich kollabiert. Seine Drohgebärden dienten dazu, Iran einzuschüchtern, was jedoch angesichts der iranischen Widerstandsfähigkeit völlig wirkungslos bleibe.

3. Irans klare Kriegsziele und Stärke
Iran sei nach Sawhneys Einschätzung die militärisch und strategisch überlegene Seite. Das Regime in Teheran verfolge ein einziges, klares Kriegsziel: den vollständigen Abzug aller US-Truppen aus Westasien – insbesondere aus den GCC-Staaten –, um Raum für ein neues regionales Sicherheitsrahmenwerk zu schaffen, das auf islamischen Prinzipien basiere. Dieser Rahmen solle langfristig die Lösung der Palästina-Frage ermöglichen, die Sawhney als Kernkonflikt der Region bezeichnet. Iran sei dank chinesischer Beidou-Satellitentechnologie (präzise Lenkung) und unterirdischer Raketenstädte in der Lage, gezielte Vergeltungsschläge durchzuführen. Die Iraner seien intern geeint – trotz aller innenpolitischen Differenzen –, da sie den Konflikt als existenziell betrachten.

4. Militärische Schwächen der USA und Israels Abhängigkeit
Die USA hätten massive logistische und materialtechnische Defizite: Ihnen fehlten ausreichend Zerstörer, da viele Schiffe wegen Wartungsarbeiten ausfielen. Die integrierte Luftverteidigung (Aegis-Kampfsystem mit SM-3- und SM-6-Raketen, THAAD, israelische Arrow- und David-Sling-Systeme) sei in kritischer Verknappung. Auch Tomahawk-Marschflugkörper seien knapp. Gleichzeitig sei Israel – nur 1/75 der iranischen Fläche und mit 10 Millionen Einwohnern weniger als 1/9 der iranischen Bevölkerung – hochgradig schutzbedürftig. Ein Angriff auf Iran würde Israels Verteidigungssysteme überfordern und die gesamte Region destabilisieren. Zudem habe das US-Verteidigungsgesetz für 2027 eine «Militärfusion» zwischen US-Streitkräften und IDF vorgesehen, was die amerikanische Handlungsfreiheit weiter einschränke.

5. Die Rolle der Golfstaaten und wirtschaftliche Verwundbarkeit
Die GCC-Staaten, insbesondere Saudi-Arabien, hätten sich durch ihre Kooperation mit den USA in eine schwierige Lage manövriert. Sawhney zitiert eine Quelle mit Verlusten von insgesamt 292 Milliarden Dollar (davon 58 Milliarden allein für Kuwait). Die Angriffe der Huthi auf saudische Ölanlagen und die Blockade der Bab-el-Mandeb-Strasse [Anm.: Eingang zum Roten Meer] hätten die Verwundbarkeit der Golfwirtschaft offenbart. Sawhney kritisiert die saudische Führung scharf: Warum bombardiere man den Flughafen von Sanaa und eskaliere den Konflikt mit den Jemeniten, statt auf Deeskalation zu setzen? Die Golfstaaten müssten endlich begreifen, dass Iran nicht die Region dominieren wolle, sondern lediglich einen islamischen Rahmen anstelle des amerikanischen etablieren möchte.

6. Gefahr eines Abnutzungskriegs und Verflechtung mit der Ukraine
Sawhney warnt davor, dass jede Form von begrenztem Bodenkrieg oder Landblockade gegen Iran in einen verlustreichen Abnutzungskrieg umschlagen würde – ähnlich wie Vietnam oder Afghanistan, aber mit weit schwerwiegenderen globalen Folgen, da die Welt heute multipolar sei. Gleichzeitig zeichne sich eine gefährliche Verflechtung der beiden Kriege ab: Die Ukraine habe einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer angegriffen, um die Fronten zu verbinden. Putin wiederum habe seine Marinekommandeure angewiesen, von der iranischen «Moskito-Flotte» zu lernen – kleinen, wendigen Korvetten, die mit Kalibr-Marschflugkörpern bestückt sind. Das Kaspische Meer, bisher reine Handelszone, werde so zum neuen Spannungsraum. Der Ukraine-Krieg könnte laut Sawhney innerhalb von zwei bis drei Monaten entschieden sein, sobald Russland Odessa einnehme und die Ukraine keinen Zugang mehr zum Meer habe.

7. Die Pickaxe-Mountain-Debatte: Propaganda statt Strategie
Die jüngsten Medienberichte über einen geheimen iranischen Uranlagerstätte unter dem Pickaxe Mountain und angebliche israelische Geheimdienstinformationen an Trump wertet Sawhney als reine Ablenkung. Wäre dies ein ernsthafter Plan, hätte man ihn niemals durchsickern lassen. Vielmehr solle die eigene Bevölkerung und die Streitkräfte von angeblichen militärischen Optionen überzeugt werden, während die Realität anders aussehe. Das im Juni 2026 unterzeichnete «Islamabad-MOU» sei ein Beleg für Irans Verhandlungsstärke – es sei ein formelles Abkommen, das ganz klar die iranische Position stärke. Iran besitze zwar etwa 440 kg von bis zu 60 % angereichertem Uran und die technische Expertise für eine Bombe, wolle diese aber nicht herstellen, sondern sei bereit, über eine Entsorgung zu verhandeln – allerdings nur im Gegenzug für die Umsetzung der vier Kernartikel des MOU.

8. Die einzige Ausweg: Direkte Verhandlungen
Sawhney plädiert abschliessend eindringlich für direkte Gespräche zwischen Trump und der iranischen Führung – nicht über Mittelsmänner, sondern auf Augenhöhe. Die Vermittler (Pakistan, Türkei, Katar) hätten zwar ihre Rolle, doch der pakistanische Armeechef Field Marshal Munir sei der einzige Akteur, der Zugang zu beiden Seiten auf höchster Ebene habe. Trump müsse seine Drohgebärden aufgeben und ernsthaft über die Strasse von Hormus verhandeln – nicht um die Kontrolle zurückzugewinnen, sondern um wenigstens einen Teil der Petrodollar-Ströme zu sichern. Andernfalls werde die amerikanische Glaubwürdigkeit weiter sinken, die Inflation steigen, und die USA drohten, selbst im multipolaren System auf den dritten Platz hinter China und Russland zurückzufallen. Diplomatie sei der einzige Weg, die Weltwirtschaft zu retten und Trumps persönliches Scheitern zu verhindern.

Fazit: Die USA stecken in einer strategischen Sackgasse: militärisch zu schwach für einen wirksamen Schlag, politisch zu sehr an Petrodollars und Israel gebunden, um nachzugeben. Iran hat die Initiative übernommen und zwingt Trump zu einer Entscheidung – entweder Gespräche oder die Fortsetzung einer Eskalationsspirale, die niemand kontrollieren kann. Die Zeit arbeitet gegen Washington, während Teheran und Moskau ihre Positionen im neuen multipolaren Weltgefüge ausbauen.

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1) Pravin Sawhney ist ein indischer Verteidigungsanalyst, Autor und Herausgeber des Magazins „FORCE“, einer Publikation, die sich mit Themen der nationalen Sicherheit, der Verteidigung, der inneren Sicherheit und der zivilen Luft- und Raumfahrt befasst und die er seit ihrer Gründung im Jahr 2003 leitet. Als ehemaliger Offizier der indischen Armee, in der er dreizehn Jahre lang diente, bevor er vorzeitig in den Ruhestand trat, ist Sawhney bekannt für seine kritischen Analysen der militärischen Fähigkeiten Indiens, der regionalen strategischen Dynamik – insbesondere im Zusammenhang mit China und Pakistan – sowie der indischen Verteidigungspolitik.


Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen

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"Die Verpflichtung zum Widerstand beginnt dort, wo man erstens das Verbrechen und den Katastrophenweg erkennt, und zweitens die Möglichkeit hat, etwas dagegen zu tun" (Kurt Sendtner)

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Reden und diskutieren wir mit Andersdenkenden - Setzen wir uns für unsere Anliegen ein - Demonstrieren wir - Seien wir Ungehorsam - Handeln wir friedlich.

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